Die selige Maria Laurenzia Longa

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Selige Maria Laurenzia Longa

Stifterin des Klosters U. L. Frau von Jerusalem in Neapel

Die selige Maria entstammte einer Adelsfamilie in Katalonien und vermählte sich mit einem edlen Italiener, welcher vom König Ferdinand von Neapel zu der Würde eines königlichen Rates erhoben wurde. Maria war von Jugend sehr mild und fromm gewesen, sie erzog ihre Kinder in der Furcht des Herrn, sah aber nicht ohne strenge darauf, daß ihre Hausgenossen einen rechtschaffenen, christlichen Lebenswandel führten. Einst sah sie sich gezwungen, eine ihrer Hausmägde zu tadeln, und diese mischte ihr aus teuflischer Rache Git unter die Speise. Maria starb zwar nicht plötzlich an dem genossenen Gift, aber ihr ganzer Leib wurde geschwächt und siechte elend dahin und kein Mittel der Ärzte konnte sie dem langsam heran schleichenden Tode entreißen. Sie hatte aber von Kindheit an eine zärtliche Andacht zur allerseligsten Jungfrau. Voll frommen Glaubens an die Macht und Liebe der heiligen Jungfrau ließ sie sich in das heilige Haus nach Loreto bringen, um dort Heilung zu finden. –

Sie hatte einen Priester gebeten, für sie am Altar der Lieben Frau eine heilige Messe zu lesen. Aber der Priester kam zur bestimmten Zeit nicht. Statt seiner erschien ein anderer unbekannter am Altar, der die heilige Messe für die Kranke las, aber dabei das Evangelium von der Heilung des Gichtbrüchigen einschaltete. – Maria wohnte der heilige Messe mit der glühendsten Andacht bei und siehe, kaum war das heiligste Opfer vollendet, als sie sich gegen das anwesende Volk wendete und ausrief: „Lobet Gott, denn ich bin vollkommen geheilt.“ Der Messe lesende Priester aber war verschwunden und war nicht mehr zu finden.

Dankbar für die wieder erlangte Gesundheit widmete sie nach dem Tode ihres Gemahls ihr ganzes Vermögen und alle ihre Lebenskräfte dem Wohltun und den Werken der Liebe, stiftete Seelenmessen für die armen Seelen im Fegefeuer, begründete milde Stiftungen für Arme und Kranke und bewog eine Menge ausschweifender Mädchen und Frauen zu einem bußfertigen Leben. – Das berühmte Spital der Unheilbaren in Neapel war ihr Werk. Sie selbst, ihren hohen Stand ganz vergessend, pflegte die mit der ekelhaftesten Krankheit Befallenen mit eigenen Händen; sie machte ihr Bett, reichte ihnen Speise, verband ihre Wunden, wusch ihre Wäsche und tat Alles, was nur die barmherzige Liebe leisten kann. Ihre freien Stunden brachte sie mit Gebet, Kasteien und Bußübungen zu. Dafür lohnte sie der liebe Gott mit der Gabe der Wunder. Wenn von den weiblichen Personen im Spital eine dreimal geheilt war und dennoch immer wieder ihrem sündhaften unreinen Lebenswandel nachging, dann erflehte sie von Gott die Gnade, daß dieselbe wieder von der Krankheit befallen wurde und unheilbar blieb, auf daß sie Gott nicht mehr beleidigen könne. – Zur Zeit, als die grausame Pest erschien, da war sie der Engel der Barmherzigkeit für die Unglücklichen. Sie eilte von Haus zu Haus, und machte bei den Pestkranken den Arzt, die Wärterin und den tröstenden Freund in den letzten Augenblicken. Eine Glorie unsterblichen Verdienstes umstrahlte deshalb ihr Haupt.

Im Jahre 1530 kamen die Kapuziner nach Neapel. Maria unterstützte die frommen Väter, und da sie eine Wallfahrt nach Jerusalem nicht mehr wegen ihres hohen Alters machen konnte, so stiftete sie dafür das Kloster U. L. Frau von Jerusalem; sie selbst bezog mit 19 Schwestern das Kloster und legte das Gelübde ab auf die dritte Regel des heiligen Franziskus von Assisi. Unter der Oberleitung der frommen Kapuziner führte Maria mit den Schwestern ein so bußfertiges Leben, daß das Volk ihnen den Namen Schwestern vom Leiden gab, während sie von andern die braunen Kapuzinerinnen genannt wurden. Vier Jahre darnach starb Maria am 20. Dezember 1540, allgemein betrauert und mit Recht gleich einer heiligen verehrt. Ein Kloster ihres Ordens befindet sich noch zu Landshut in Bayern. (Menelog. Francisc. Fehr, Geschichte der Mönchsorden.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 2710 – Sp. 2711

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