Sendschreiben an die Epheser Tadel Christi

Mahnende Offenbarung über das, was ist, in sieben Sendschreiben

Das Sendschreiben nach Ephesus – Der Tadel Christi an die Epheser

Das Sendschreiben an die Epheser Kap. 2, Vers 4-7:
(4) Aber ich habe gegen dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast,. (5) Bedenke also, von wo aus du gefallen bist, bekehre sich und tue die früherenWerke. Wenn aber nicht, so komme ich über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle rücken, wenn du dich nicht bekehrst. (6) Doch das hast du (für dich), daß du die Werke der Nikolaiten hassest, die auch ich hasse. (7) Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Dem Sieger werde ich zu essen geben vom Baum des Lebens, der im Paradies Gottes steht.

Es ist in Ephesus vieles für das Reich Gottes geschehen. Der Glaube hat sich in Werken der Liebe als Christentum der Tat bewährt, und zwar unter „Mühe“ und Anstrengung. Der Erfolg kam nicht von selbst. Christliche „Geduld“ war vonnöten, um das Werk zu sichern, das heißt unbeirrbares Festhalten am Ziel, zähe Ausdauer und Beharrlichkeit. Daß gerade hier mit dieser Ausdauer oder Geduld kein bequemes Gehenlassen der Dinge gemeint ist, besagt der vierte von den rühmend anerkannten sieben Vorzügen. Wer dem christlichen Namen Unehre machte und schlechtes Beispiel gab, wurde nicht in der Gemeinde geduldet. Die Geduld durfte also nicht missbraucht oder als Schwäche gedeutet werden. Wie ein gesunder Organismus scheint die Gemeinde schlechte Elemente ausgeschieden zu haben, ohne daß es behördlicher Mahnungen bedurft hätte. Man ertrug sich einfach nicht und ließ sie nicht heimisch werden. Ein besonderes Augenmerk richtete die Gemeinde auf jene Männer, die als Wander-Missionare kamen und sich als Apostel aufspielten, indem sie sich als Geistträger ausgaben. Aber man traute ihnen nicht, stellte sie auf die Probe und entlarvte sie als Lügenapostel. Die häufigen Warnungen vor solchen Schwindeleien beweisen, daß sie eine große Gefahr für die Urkirche bildeten (1. Kor. 14, 37f; 2. Kor. 11, 13-15; 1. Thess. 5, 20f; 1. Joh. 4, 3; 2. Joh. 7-10). In der Didache (11,3ff) wird näher angegeben, woran der rechte Apostel und Prophet vom unechten zu unterscheiden ist: besonders an der Dauer und Art, wie er die Verpflegung durch die Gemeinde in Anspruch nimmt. Diese religiösen Geschäftemacher konnten die Religion nur in Verruf bringen und verdienten keine Schonung.

Während aber die Gemeinde solche Fremdkörper nicht „ertragen konnte“, hat sie tapfere Ausdauer bewiesen im Ertragen von mancherlei Last, Mühsal und Bedrückung um des Namens Jesu willen. Das gehört ja zum Los eines Christen, zum Wesen der Nachfolge Christi (Joh. 16, 33; 2. Tim. 3, 12). Darin nicht müde geworden zu sein, verdient das Lob des himmlischen Herrn. Nicht müde werden heißt hier ja nicht: die vermehrte Last und das Schwinden der Kräfte nicht verspüren; es besagt vielmehr: nicht lässig werden, nicht nachlassen im Eifer.

Aber Christus hat auch Grund zum Tadel, und zwar zu ernstem Tadel. Ephesus ist nicht mehr, was es in den ersten Zeiten nach der Bekehrung war. Es wird dort gearbeitet und geeifert um die Reinheit des Glaubens, es wird mutig getragen, was an Schwerem mit dem Bekenntnis des Namens Jesu verbunden ist. Es ist auch noch Liebe da; aber nicht mehr die echte, hingebende, volle Liebe. Nicht, daß die Liebe reifer, ruhiger, weniger gefühlsbetont geworden ist, tadelt der Herr; nein, die „erste Liebe“ ist „verlassen“, preisgegeben worden wie etwas, das man auf die Dauer nicht festhalten mag.

Das war ein Sturz von der Höhe in die Tiefe. Was nutzt alle Betriebsamkeit und aller Eifer, wenn das Herz nicht mehr in bräutlicher Hingabe ganz Gott gehört! Die Liebe in ihrer doppelten Erscheinungsform als Gottes- und Nächstenliebe ist und bleibt das Erste und Letzte in der Religion Jesu. Das ist ein echt johanneischer Gedanke, wie er nicht nur in dem außenbiblischen Johanneswort: „Kindlein, liebet einander“, seinen Ausdruck gefunden hat (Joh. 13, 1ff 35; 1. Joh. 2, 9f; 3, 10ff; 4, 11ff). Ohne Liebe ist alles andere leerer Schall, Attrappe ohne Leben (vgl. 1. Kor. 13). Der Liebe nicht mehr den Primat im Leben lassen, bedeutet also nach dem Urteil Christi einen tiefen Fall, so tief, daß er eine furchtbare Strafe nach sich zieht. Noch ist es Zeit zur Besinnung, zur Umkehr und zu ernsten Tun der früheren Liebeswerke, die aus lebendigem Glauben wuchsen. Das sind die drei Stufen jeder „Bekehrung“. Nicht noch mehr äußerer Betrieb bringt die Rettung, sondern mehr Innerlichkeit, mehr warme Liebe. Bleibt aber die Belehrung aus, so tritt das Strafurteil in Kraft: der Leuchter von Ephesus soll von seiner Stelle gerückt, die Gemeinde also aus dem Verband der Gnaden-Gemeinschaft mit Christus ausgestoßen werden. Das geschieht im Himmel, „ohne daß man vorderhand auf Erden viel merkt. Wenn Sterne erlöschen, ist ihr Licht noch eine Zeit lang sichtbar. Der Leuchter kann längst fort gestoßen sein, während noch der kirchliche Betrieb fortdauert. Das Mühlrad dreht sich, und die Mühle klappert, aber sie läuft leer. ‚Es predigt noch‘, aber es leuchtet nicht mehr. Das ist das Gericht, das unfehlbar eintritt, – wenn du nicht Buße tust“ (W. Hadron 43). Ein erschütternd ernster und aufrüttelnder Gedanke! Sind die Verfalls-Erscheinungen und Untergangs-Stimmungen im religiösen Leben ganzer Völker nur Krisen zur Läuterung? Befreit der göttliche Gärtner den Rebstock nur von nutzlosen Wasserschößlingen, damit er desto mehr Frucht bringe? Oder hat der Herr im Himmel bereits den Leuchter dieses Teiles der Kirche von seiner Stelle gerückt? Und das alles, weil trotz des Eifers für die reine Lehre die Liebe erkaltet ist! Wer heute die Ruinenstätten von Ephesus und weiter Strecken Kleinasiens besucht, sieht die Erfüllung der Strafdrohung in erschreckender Form vor Augen. Wo einst das Christentum blühte, ist kaum noch seine Spur zu entdecken. Der Leuchter ist fort gerückt und das Licht erloschen.

Das Schlusswort mahnt wie in allen sieben Schreiben zum Achthaben auf die Verheißung (vgl. Matth. 11, 15; 13, 9 u. 15 u. 43 u. ö.). Den Aufruf zum Hinhorchen schaltet der Seher sein. Es spricht ja die höchste Autorität: der Geist, den Jesus vom Vater her denSeinen als Anwalt gesandt hat, der also auch der Geist Jesu ist. Und zwar spricht er zu allen Gemeinden, nicht nur zu der von Ephesus. Allen Gläubigen der Kirche wird also der herrliche Lohn verheißen, daß sie ins Paradies eingehen und vomBaum des Lebens essen dürfen, vorausgesetzt, daß sie Sieger oder Überwinder sind im Kampf gegen das Böse. Siebenmal wird in den Briefen der Sieger oder Überwinder genannt. Johannes liebt das Wort besonders. Er, der Jünger der Liebe, hat wie Paulus das Christsein gern als Kampf gegen die Gott feindlichen Mächten uns und um uns dargestellt. Jeder Getaufte ist zur „militia Christi“, zum Soldaten des himmlischen Königs berufen. Er muss sein Leben lang den Mut zum Wagnis des Glaubens an Christus, an die Torheit des Kreuzes und an Gottes Weltregierung aufbringen trotz aller Hemmungen und Widerstände von innen und außen. „Nur der wird den Siegeskranz erlangen, der regelrecht gekämpft hat“, schrieb Paulus dem Bischof von Ephesus, nachdem er ihn aufgefordert hatte, „als echter Kriegsmann Christi die Leiden mitzutragen“ (2. Tim. 2, 3-5). Dafür winkt ein herrlicher Lohn. Was die Stammeltern verloren haben, wird wieder hergestellt (1. Mos. 2, 9; 3, 22). Ewiges, übernatürliches Leben ist der Anteil des Siegers; im himmlischen Jerusalem wächst dieser Baum des Lebens, der jeden Monat reife Früchte trägt (22, 2 u. 19). Die Hoffnung, einst dieser Verheißung teilhaftig zu werden, gab den Christen Mut und Ausdauer in den Tagen der Verfolgung. Sie kannten ja nicht nur ein verlorenes Paradies, wie die heidnischen Mythe es priesen, sondern auch ein neues Paradies, dem sie entgegen gingen.

Dem Seher selbst wird in den liturgischen Tagseiten seines Festes als Überwinder der himmlisch Lohn des Siegerspruches zuerkannt, indem Vers 7 in das vierte Responsorium der Metten aufgenommen ist. So oft wir die Heiligen anrufen, für uns zu bitten, „auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi“, sollen wir auch an die Verheißungen in den Siegersprüchen der sieben apokalyptischen Sendschreiben denken. –
Herders Bibelkommentar Die Heilige Schrift für das Leben erklärt, Bd. XVI/2 Die Apokalypse, 1942, S. 56 – S. 58

weitere Herders Bibelkommentare zur Geheimen Offenbarung siehe: Götzendienst und Verstockheit und sowie nachfolgende veröffentlichte Beiträge

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