Das Herzensgebet aus Die Himmelsleiter

Das Herzensgebet aus „Die Himmelsleiter“
von Johannes Climacus

Im Buch „Die Himmelsleiter“ erklärt Johannes Climacus den Weg zur christlichen Vollkommenheit in dreißig Stufen, die sich alle auf die innerliche und äußerliche Abtötung und die völlige Ergebung in den göttlichen Willen beziehen. Über das Gebet lehrt er in diesem Buch also:

„Mache im Bittgebet nicht viele Worte, damit dein Gebet im Aufsuchen der Worte nicht zerstreut werde. Ein einziges Wort des Sünders im Evangelium: Sie mir Sünder gnädig, und einige (wenige) Worte des Schächers am Kreuz fanden Erhörung. Bei der Anbetung und der Lobpreisung Gottes bedürfen Anfänger vieler Worte und Gebetsformeln. Im Herzensgebet verwirrt aber viele Wortmacherei den Geist und zerstreut ihn durch den bildlichen Sinn der Worte. Wenige Worte sammeln oft den zerstreuten Geist wieder. Wenn du dich im Gebet durch den Inhalt eines Wortes gerührt fühlst, so denke darüber solange ruhig nach, als der geist dadurch gestärkt wird; denn unser Schutzengel betet dann mit uns.

Der Anfang des inneren oder Herzensgebetes ist, die Zerstreuungen des Geistes zu vergessen; die Mitte des Gebetes ist, wenn der geist nur bei dem verweilt, was er sich zum Gebet und zur Betrachtung vorgenommen hat. Das Ende des Gebetes ist die Vereinigung mit Gott. Bereite dich durch ununterbrochenes Herzensgebet vor, um das Flehen deiner Bitten vor Gott zu bringen. – Mein Gott! Ich verlange nichts auf Erden, als im Gebet mit dir so innig vereinigt zu werden, daß ich nie von dir getrennt werde. Ich begehre nichts, als unzertrennlich mit dir vereinigt zu sein, und auf dich allein alle Hoffnung meines Heiles zu setzen. Laß mir, o Herr! durch zuversichtliche Hoffnung die nötige Stärkung zuteil werden, damit meine Seele nicht in Ungewißheit ihres Heiles von der Welt scheide.“

aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 237-238

Category: Christenlehre
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