Gottselige Margaretha vom heiligen Sakrament

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

26. Mai

Die gottselige Margaretha vom heiligen Sakrament

Margaretha ward von ausgezeichnet frommen, tugendhaften Eltern in der Stadt Beaune des Landes Burgund 1619 geboren. Schon in ihrer frühesten Kindheit wurde ihr eine besondere Erleuchtung des heiligen Geistes verliehen; sie besaß eine tiefe Kenntnis Gottes, und als man sie mit 5 Jahren zur Kirche brachte, fand sie sich mächtig zum allerheiligsten Sakrament des Altares hingezogen. Von dieser Zeit an weihte sie sich Gott und dem Dienst der glorwürdigen Jungfrau Maria mit einer ganz feurigen Liebe. Sie wollte eine Karmeliter-Nonne werden, um auf diese Weise eine Tochter der göttlichen Mutter zu sein, zu der sie die zärtlichste Liebe und Andacht hatte. Da der liebe Gott wollte, daß Margaretha in die innigste Vereinigung mit dem Jesuskind trete, so brachte er sie zuvor in die innigste Verbindung mit der heiligsten Mutter des göttlichen Kindes. Mit elf Jahren verlor Margaretha ihre Mutter durch den Tod.

Margaretha bittet um eine andere Mutter

Alsbald dachte sie daran, sich von Gott eine andere Mutter zu erbitten. Sogleich am folgenden Tage begab sie sich in die Kirche vor einen Altar der Lieben Frau, warf sich vor dem Bild derselben nieder und sprach ganz außer sich und vom Geist der Gnade in Entzückung hingerissen: „Heiligste Jungfrau, erweise mir die Barmherzigkeit, von nun an meine Mutter zu sein und verschaffe mir den Eintritt in das heilige Haus deines Sohnes.“ Sogleich fand sie sich ganz in Gott versenkt und die heilige Jungfrau versprach an ihr Mutterstelle zu vertreten. Da ward ihr Geist mit Freude erfüllt, ihre Tränen versiegten, und seit dieser Zeit erfreute sie sich eines vollkommenen Friedens, indem sie sich vertrauensvoll dem Schutz der allerseligsten Jungfrau überließ, mit welcher sie von jetzt an durch eine beständige, gegenseitige Beziehung und durch eine mächtige Wirkung Gottes vereint war, daß dieser Eindruck ihr durch das ganze Leben blieb.

Der Oheim unserer Margaretha war Prior von Skt. Stephan in Beaune und Gründer des Klosters der Karmeliterinnen daselbst. Nach dem Tode der Mutter der Margaretha führte er sie zugleich zu den Nonnen dieses Klosters, damit sie von ihnen erzogen werde, und dort verbleibe, wenn Gott ihr Verlangen billige. Ein halbes Jahr war Margaretha im Kloster, als man ihr erlaubte, die erste heilige Kommunion zu empfangen. Die heiligste Jungfrau bereitete wie eine Mutter, die für das Hochzeitsfest ihrer Tochter Veranstaltung macht, das Herz der kleinen Margaretha zum Empfang ihres himmlischen Bräutigams vor.

Margaretha soll sich mit Jesus Christus aufopfern

Sie gab ihr zu erkennen, daß sie sich nicht allein durch eine ewige Verbindung, die er durch sein eigenes Blut besiegelt, mit Jesus vereinen müsse, sondern noch überdies durch besondere Betrachtungen. Vollkommen müsse sie sich der göttlichen Majestät überlassen, gleich einem Wachs, in das man alle Formen drücken könne: sie müsse sich mit Jesus Christus dem ewigen Vater aufopfern, um seine göttliche Reinheit und die Geradheit seines Geistes alle Tage ihres Lebens zu ehren; zu diesem Ende müsse sie sich dem Sohn Gottes schenken, um an seiner Unschuld Teil zu haben; sie müsse ihn empfangen, als eine Quelle himmlischer Einfalt, welche ihre Seele mit ihren geheiligten Wassern befeuchte; die Stärke und Kraft, welche sie aus ihrem Ursprung des Lebens schöpfen müsse, wären nur dazu bestimmt, um sie in ihrer Kindheit zu erhalten, in welcher er dann weit mächtiger herrschen werde, als in der auffallendsten Größe und in der glänzendsten Weisheit der Welt; sie müsse ferner vom Geist des Gebetes beseelt sein, und sein Schweigen und seine tiefe Ruhe in Mitten der Welt nachbilden.

Die Gottesmutter gibt ihr Belehrungen

Margaretha suchte den Belehrungen ihrer gütigsten Mutter genau nachzukommen und empfing mit der feurigsten Liebesglut und englischer Andacht den hochheiligen Leib des Herrn. Als Jesus in ihrem kindlichen Herzen ruhte, hörte sie im innersten Grund die Stimme: „Meine Braut, ich nehme dich als meine Tochter an!“ Margaretha hatte sich dem Heiland ganz hingegeben; sie wollte der Welt gänzlich entsagen und nur mehr für ihn leben, daher trat sie denn noch so jung in den Orden der Karmeliterinnen, wo sie mit einem erstaunlichen Eifer und mit einer wunderbaren Reife des Verstandes alsbald Hand anlegte, die schönsten Tugenden sich anzueignen. Ihre Novizenmeisterin erkannte vermöge höherer Erleuchtung, was die Gnade Gottes in diesem Mädchen wirkte und daß es wahrhaft von der Mutter Gottes als Tochter angenommen wurde, und führte es auf der Bahn des Heiles mit der größten Umsicht. Margaretha ward ein Muster der Demut, immer war sie im Gebet und in Betrachtung, beständig tötete sie sich ab, und die Einsamkeit liebte sie so sehr, daß sie fast immer in ihrer Zelle blieb. Aber gerade da hatte sie die schrecklichsten Versuchungen des bösen Feindes auszustehen. Einmal ward sie von vier abscheulichen Dämonen so fürchterlich gequält, daß sie sich für verloren hielt. In dieser äußersten Not rief sie nun aus allen Kräften zur allerseligsten Jungfrau: „Erzeige dich als Mutter!“ Plötzlich kam die Königin des Himmels, diese abscheulichen Ungeheuer zu verjagen, und erfüllte sie mit himmlischen Trost…

Jesus erhebt sie zur Braut seiner Kindheit

Am Feste Mariä Heimsuchung sollte sie die einfachen Gelübde ablegen. Am Vorabend zog sie sich in eine Einsiedelei zurück, die zu Ehren der göttlichen Mutter eingeweiht war, um sich vorzubereiten. Als sie im Gebet sich befand, ward sie plötzlich entzückt und in die Höhe des Altares erhoben. Die seligste Jungfrau erschien ihr, nahm sie neuerdings zur Tochter auf, und half ihr, sich zum Opfer ihrer Gelübde vorzubereiten. Sie teilte ihr den Geist des Selbstersterbens mit und erklärte ihr, daß sie von nun an das Wort des heiligen Apostels erfüllen müsse; „Ich lebe, aber nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal. 2, 20) Als sie ihr Gelübde abgelegt hatte, erhob sie Jesus zur Braut seiner Kindheit, und vereinigte sie so mit sich, daß sie an sich ganz und gar die Kindheit Jesu darstellte, so daß Alles, was sie war und was sie hatte, die Kräfte ihrer Seele, die Glieder ihres Leibes dem Kind Jesu gehörten, daß sie fortan nur mit dem Kind Jesu lebte. Wenn sie von ihren Füßen oder Händen redete, so war es ihr nicht möglich anders zu sagen, als: „die Füße oder Hände, welche dem Kind Jesu gehören.“

Und als ihr einmal die Novizen-Meisterin befahl, zu sagen: „Die Hand der Schwester Margaretha“, tat sie sich alle Gewalt an, zu gehorchen, aber vergeblich. Denn während sie sich aus allen Kräften bemühte, zu sagen: Schwester Margaretha, hörte man in ihrer Kehle den Namen Jesus widerhallen…

Margaretha gibt ihren Geist in die Hände des Kindes Jesu

Am 25. März des Jahres 1648, da Margaretha das Geheimnis der Menschwerdung nach ihrer Gewohnheit mit flammender Andacht feierte, erschien ihr Maria wieder, und sagte ihr wiederholt: „Ich nehme dich auf und an und bringe dich meinem Sohn als Opfer dar.“ Margaretha hatte bereits ihr Leben vollkommen dem Kinde Jesu hingegeben. Durch große, fortwährende Schmerzen wurde sie zu diesem Opfer bereitet. Als ihr Todestag nahte, ließ sie das Bild des Kindes Jesu aussetzen, sowie das Bild der allerseligsten Jungfrau, welche sie im Monat Mai unter dem Titel Unserer Frau von der Gnade verehrte, und gab durch Zeichen zu verstehen, welche Gebete verrichtet werden sollen, und zur Mutter der Gnade sich wendend, und in tiefster Selbstvernichtung sich Gott zum Opfer bringend, gab sie am 26. Mai 1648 sanft ihren Geist in die Hände des Kindes Jesu, welches kam, um sie in das Paradies abzuholen. (Leben der gottseligen Schwester Margaretha von Friedrich Pösl.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1294 – Sp. 1299

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