Bekehrung des Alphons Maria Ratisbonne

Die Bekehrung von Alphons Maria Ratisbonne

Auf dieser Seite der Medaille ist der Buchstabe M, auf welchem ein Kreuz steht, darunter die heiligen Herzen Jesu und Mariä

Alphons Maria Ratisbonne stammte aus einer reichen, angesehenen jüdischen Familie in Straßburg. Er hatte eine vorzügliche Bildung erhalten, und es stand ihm Alles zu Gebote, was der Reichtum nur dem menschlichen Herzen bieten kann. Sein Bruder Theodor, ebenfalls ein Jude, der aber schon früher ein Christ und Priester geworden war, hatte ihn schon seit längerer Zeit dem Gebet der Erzbruderschaft des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä empfohlen, um auch ihn durch die Fürbitte der Lieben Frau für den Glauben an Christus zu gewinnen.

Allein Alphons, damals 28 Jahre alt, hasste seinen Bruder wegen seines Abfalls vom Glauben seiner Väter, und nicht minder hasste er die katholische Kirche und ihre Einrichtungen. Auf einer Vergnügungsreise nach Rom traf er dort mit einem Bekannten, einem frommen Katholiken, zusammen, auf dessen Zureden er sich herbei ließ, eine Medaille der unbefleckten Jungfrau umzuhängen, und das Memorare des heiligen Bernard abzuschreiben und herzusagen; jedoch tat er dies mit der größten Gleichgültigkeit, ohne an deren Wirkungen zu glauben und nur dem Freund zu gefallen.

Am 16. Januar 1842 wandeln beide durch die Straßen Roms und betreten die Kirche des heiligen Andreas Delle Fratte, wo der Freund des Juden in der Sakristei wegen eines Leichenbegängnisses Etwas abzumachen hatte. Alphons wartete in der Kirche und beschaute sich ganz gleichgültig dieselbe.

„Ich war, so erzählt er selbst, seit einem Augenblick in der Kirche, als ich mich plötzlich von einer unaussprechlichen Unruhe ergriffen fühlte. Ich erhob meine Augen, das ganze Gebäude war vor meinen Blicken verschwunden. Eine einzige Seitenkapelle hatte so zu sagen alles Licht in sich vereinigt, und in Mitte dieses strahlenden Lichtes erschien auf dem Altar, groß glänzend, voll Majestät und Lieblichkeit die Jungfrau Maria, so wie sie auf der Wundermedaille der unbefleckten Empfängnis vorkommt. Eine unwiderstehliche Gewalt zog mich zu ihr hin. Die heilige Jungfrau winkte mir mit der Hand, ich sollte nieder knien und nicht widerstehen. Hernach machte sie ein anderes Zeichen, als wollte sie sagen: „So ist’s recht.“ … Ich warf mich mit dem Angesicht auf die Erde nieder… Sie hat nichts mit mir gesprochen, aber ich habe Alles verstanden.“

Der Augenblick, in welchem Maria erschien, war hinreichend, daß der Jude, der bisher keinen Begriff von den Wahrheiten des katholischen Glaubens hatte, den klaren vollständigen Glauben und die Erkenntnis aller christlichen Wahrheiten erhielt und zwar auf eine Weise, daß sie die Bewunderung aller Jener erregte, die ihn über diese Gegenstände sprechen hörten. –

Hingestreckt auf den Bogen und häufige Tränen vergießend, fand man ihn. Er verlangte die heilige Taufe, und diese Gnade nebst der heiligen Firmung und heiligen Kommunion wurde ihm denn schon nach elf Tagen nach jener wunderbaren Erscheinung und Bekehrung zu Teil. Er verließ hierauf die Welt und trat zu Avignon in die Gesellschaft Jesu, einen Orden, den er früher besonders gehasst und gelästert hatte.

Was nun die Erzbruderschaft und ihre Mitwirkung durch ihr Gebet bei dieser Bekehrung betrifft, so siehst du darin, lieber Leser, ein Zeugnis für das Wohlgefallen, mit dem unsere süße, heilige Mutter Maria den Eifer, die Frömmigkeit und die Gelübde aufzunehmen sich würdigt, welche die ihrem unbefleckten, heiligsten Herzen ergebenen Kinder ihr für die armen Sünder darbringen. Du mögest dadurch ermuntert werden, für unsere armen, lebenden oder verirrten Brüder, mit glühendem Eifer und großem Vertrauen zu diesem heiligsten Mutterherzen zu flehen. Ist es schon so süß, zu Maria beten zu können, um wie viel trostreicher muss es sein, die Gewissheit zu haben, daß das Flehen der Liebe, die Gelübde der Frömmigkeit, die man Derjenigen darbringt, die Alles vermag, die man nie umsonst anruft, durch sie angenommen, gesegnet und gekrönt werden.

Komm also, christliche Seele, und trete ein in den großen Verein der Kinder Mariens, welche ihr heiligstes unbeflecktes Herz zum Gegenstand ihrer Verehrung und Liebe, zu einem zuverlässigen Mittel gewählt haben, für sich und ihre Mitmenschen die Gnade wahrer Bekehrung, die Beharrlichkeit im Guten, Kraft in Versuchung, Trost im Leiden, und einen glückseligen Übergang in das andere Leben zu erlangen. (Handbuch der Annalen der Erzbruderschaft.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1328 – Sp. 1329

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