Erzbruderschaft zum unbefleckten Herzen Mariä

Wie die Erzbruderschaft zum unbefleckten Herzens Mariä entstand

Wenn seit Jahrhunderten schon das allerheiligste Herz Jesu, unseres Heilandes, ein Gegenstand der zartesten, glühendsten Liebe und Andacht heiligere Seelen gewesen, so haben dieselben jenes heiligste Herz, welchem Christus all seine Liebe, die unermesslichen Schätze seiner Gnaden mitgeteilt hat, – das reinste und unbefleckte Herz seiner gebenedeiten Mutter nicht vergessen. –

Immer war dies gebenedeite jungfräuliche Mutterherz eine Quelle der Andacht für Gott ergebene Seelen. Diese Andacht aber war noch keine öffentliche von der Kirche anerkannte; aber schon i. J. 1568 erlaubte der apostolische Stuhl öffentliche Andachten zu Ehren des unbefleckten Herzens Mariä zu feiern und im Jahr 1654 gestattete er zu eben diesem Zweck Bruderschaften zu errichten, die er mit verschiedenen Ablässen begnadigte. Papst Benedikt XIV. errichtete durch die betreffende Bulle vom 7. März 1753 zu Rom die Bruderschaft vom heiligsten herzen Mariä in der Kirche des allheiligsten Erlösers bei Ponte Sisto. Papst Pius VII. bestätigte von Neuem diese Andacht am 31. August 1805 und gestattete am Fest derselben das Offizium und die heilige Messe. Um sie immer mehr zu fördern, errichtete er einen Erzverein vom heiligsten Herzen Mariens und verlieh den Einverleibten viele Ablässe nebst der Befugnis, andere Bruderschaften außerhalb Roms zu errichten. Aber erst seit dem Jahr 1836 gewann die gnadenreiche Andacht einen allgemeinen außerordentlichen Aufschwung und verbreitete sich von dieser Zeit an über die ganze Welt.

Was die Revolution in Frankreich bewirkte

Die schrecklichen Revolutionen, von welchen Frankreich und besonders Paris, die Hauptstadt des Landes, heimgesucht wurde, hatten dem Unglauben und der Sittenlosigkeit Tür und Tor geöffnet, von allen Seiten erhob sich die Gottlosigkeit, um alles Heilige zu schmähen und zu lästern. Paris schien sich in der Entfremdung von Gott zu gefallen und den Unglauben auf die Altäre zu setzen. Die Kirchen blieben leer, nur eine kleine Zahl von guten Seelen blieb dem Herrn getreu und beweinte den schrecklichen Abfall von Gott und allen guten Sitten. Eine Pfarrei Notre Dame des Viktoires „Unsere Liebe Frau vom Sieg“ war besonders in den schrecklichen Zustand religiöser Gleichgültigkeit und Gottlosigkeit verfallen. Die Pfarrei stand allerdings unter dem Schutz der Gottesmutter, aber im Mittelpunkt von Paris, in demjenigen Stadtviertel, wo Handel und Geschäfte am regsten getrieben wurde, wo also Gewinn-Habsucht und Genusssucht die Menschen beinahe ausschließlich beschäftigte und die schamlose Wollust ihren Sitz aufgeschlagen hatte. Hier herrschte daher auch die größte Gleichgültigkeit gegen den Glauben, ja sogar Ekel und Widerwillen gegen die Ausübung desselben, und fast jeder Funke von Religion war in den Herzen erloschen. Die Kirche war selbst an den höchsten Festtagen verlassen, die Priester durften sich in keiner geistlichen Kleidung sehen lassen, und die heiligen Sakramente empfing man selbst am Rand des Grabes nicht mehr.

Dem eifrigen Pfarrer, Dufriche Desgenettes, blieb keine andere Zuflucht, als sein tief verwundetes Herz vor seinem göttlichen Heiland und dessen glorwürdige Mutter auszuschütten. Aber selbst der Himmel schien taub zu sein für seine Bitten. Da endlich öffnete der Herr auf einmal die Schätze seiner Erbarmung. –

Der Pfarrer weiht seine Pfarrei dem unbefleckten Herzen Mariä

Am 3. Dezember des Jahres 1836 brachte er das heilige Messopfer an dem Altar der Lieben Frau dar, an dem Altar, welcher seitdem ihrem heiligsten Herzen geweiht ist. Sein Gemüt war ob dem schrecklichen Verfall seiner Pfarrei in die tiefste Traurigkeit versenkt. Da kam ihm plötzlich in den Sinn, die Pfarrei dem heiligsten und unbefleckten Herzen Mariens zu weihen, um durch ihre Fürbitte die Bekehrung der Sünder zu erlangen. Vergebens suchte er den Gedanken als eine unnütze Zerstreuung auszuschlagen, er kehrte wieder und verließ ihn nicht bis zum Sanktus, wo er erschrocken Gott bat, ihn von diesem Gedanken zu befreien, damit er ungestört der heiligen Handlung obliegen könne. Er wurde erhört. Aber am Ende der Danksagung kam der Gedanke nochmals und ergriff ihn endlich so heftig, daß er nachgab und dachte: „Es ist immerhin eine Andacht zur seligsten Jungfrau, die einen guten Erfolg haben kann; ich will einen Versuch machen.“ Am 11. Dezember, als am dritten Adventsonntag, verkündigte er nach der Predigt, daß um 7 Uhr Abends eine Andacht gehalten werde, um von der göttlichen Barmherzigkeit durch die Fürbitte des unbefleckten Herzens Mariä die Gnade der Bekehrung für die Sünder zu erflehen. Den ganzen Tag schwebte der gute Pfarrer zwischen Furcht und Hoffnung. Er rechnete die Zahl der sich versammelnden Gläubigen auf 50 bis 60, und siehe zur bestimmten Stunde traf er bei 4 bis 500 Menschen in der Kirche, und unter ihnen viele Männer. Nie hatte er, mit Ausnahme von Weihnachten und Ostern eine so große Versammlung gesehen. Wer hatte sie herein geführt?

Die Andacht zum unbefleckten Herzen Mariä

Die Andacht begann mit der Vesper der Lieben Frau, die man zwar ruhig, aber gleichgültig anhörte. Nach Vollendung derselben erfolgte eine Erklärung über die Absicht und den Zweck der Zusammenkunft, welche mit Aufmerksamkeit angehört wurde. Der Eindruck, den die Rede gemacht, gab sich sogleich kund; denn die Menge der Gläubigen sprach mit herzlicher Andacht die Gebete vor dem Segen. Bei der Bitte der lauretanischen Litanei: „Zuflucht der Sünder“ wurde die Versammlung so ergriffen, daß sie diese Worte aus freien Stücken dreimal wiederholte. Das Gleiche geschah bei den Worten: „Verschone uns, o Herr!“

„Ich lag“, so erzählte der ehrwürdige Pfarrer selbst, „auf den Knien vor dem Allerheiligsten. Bei diesem Ruf der Reue und Liebe frohlockte mein Herz. Ich erhob meine Augen weinend zum Bild Mariens und sprach: ‚O meine gute Mutter! Du hörst dieses Rufen der Liebe und des Vertrauens; du wirst diese armen Sünder retten, welche dich ihre Zuflucht nennen. O Maria, nimm diesen frommen Verein unter deinen Schutz, und gib mir zum Zeichen dessen die Bekehrung des Herrn R. Ich werde morgen in deinem Namen zu ihm gehen.’“

Die Bekehrung eines Ungläubigen als Bestätigung für die Andacht

„Herr R. …. ein Anhänger der ungläubigen Weltweisheit. Er hatte seit dem 15. Jahr seines Lebens dem christlichen Glauben entsagt, und lebte nun seit mehreren Jahren als Gottesleugner. Er zählte 80 Jahre, war blind und seit mehreren Monaten krank. Seine Geisteskräfte hatten aber nicht abgenommen, er war ein gründlicher Rechtsgelehrter und der Ratgeber vieler Familien. Zehnmal ging ich zu ihm, um ihm den religiösen Beistand anzubieten, aber zehnmal ward ich abgewiesen. Am 12. Dezember stellte ich mich neuerdings bei ihm ein; man wollte mich abermals abweisen, allein ich ließ nicht nach und wurde endlich vorgelassen. Nachdem ich mit dem Kranken einige Worte der Höflichkeit gewechselt, sprach derselbe plötzlich zu mir: „Herr Pfarrer, haben Sie die Güte, mir ihren Segen zu geben.“ Nachdem er ihn empfangen, fuhr er fort: „Wie wohl tut mir doch Ihr Besuch. Ich kann Sie zwar nicht sehen, fühle aber Ihre Gegenwart. Seitdem Sie bei mir sind, koste ich einen Frieden, eine Ruhe und innere Freude, die ich nie gekannt habe.“ Es war nun nicht mehr schwer, ein Herz für Gott zu gewinnen, das die Gnade so gut zubereitet hatte; er beichtete, empfing das hochheilige Sakrament und Gott verlieh ihm zahlreiche Gnaden bis zu seinem Lebensende am 10. April 1357. Seine Tage flossen dahin in Übungen des Glaubens, des Vertrauens auf Gottes Barmherzigkeit, der Reue, der Liebe und Ergebung in Gottes heiligen Willen. Wem anders als der mächtigen Fürbitte der Lieben Frau konnte ich diese Bekehrung zuschreiben? Ich ließ nun alle Besorgnis fahren, und ward vom festen Vertrauen erfüllt, daß mein Unternehmen Gott wohlgefällig sei.“

Gründung der Erzbruderschaft vom unbefleckten Herzen Mariä

Der ehrwürdige Pfarrer legte die von ihm gefertigten Statuten dem Erzbischof von Paris zur Bestätigung vor, und am 12. Januar 1837 machte er mit dessen Erlaubnis die Statuten der Bruderschaft kund und lud zum Beitritt ein. Kaum war das Verzeichnis eröffnet, als innerhalb 10 Tagen 214 Personen aus der Pfarrei sich eintragen ließen. Es begannen nun die Andachtsübungen der Bruderschaft in der Kirche und alsbald zeigte sich eine Veränderung in dem religiös sittlichen Zustand der Pfarrei. Der Kirche wurde zahlreich besucht, den heiligen Messen und anderen Andachten häufig beigewohnt, und die heilige Osterbeichte vor einer großen Zahl reumütig abgelegt. Vom Jahr 1835 an, wo von einer Seelenzahl von 27000 nur 720 die Osterbeichte verrichteten, stieg die Zahl derselben bis zum Jahr 1839 auf 9950 und im Jahr 1838 betrug die Zahl der Kommunionen schon Anfangs Oktober 2100 mehr als im vorher gehenden zu gleicher Jahreszeit.

Am Vorabend hoher Festtag musste das Beichtehören, das schon den ganzen Tag in Anspruch genommen hatte, mehrmals bis Mitternacht fortgesetzt werden, und von nun an folgte eine wunderbare Bekehrung auf die andere, und in allen zeigte sich eine ungewöhnliche Wirkung der göttlichen Gnade. Dadurch sah sich der würdige Pfarrer veranlasst, die Regeln der Bruderschaft dem heiligen Stuhl in Rom zur Bestätigung vorzulegen mit der ehrfurchtsvollen Bitte, daß dieselbe zu einer Erzbruderschaft erhoben werde. Nach reiflicher Prüfung erhob der damalige Papst Gregor XVI., erfreut über die Bekehrung so vieler Sünder durch die Fürbitte des heiligsten und unbefleckten Herzens Mariä, die in der Pfarrei U.L. Frau vom Sieg zu Paris gestiftete Bruderschaft vom heiligsten und unbefleckten Herzen Mariä für die Bekehrung der Sünder zu einer Erzbruderschaft für die ganze Welt, so daß alle Bruderschaften dieses Namens von derselben ausgehen und von ihr abhängen sollten, und verlieh ihr viele Ablässe, die auch den übrigen Bruderschaften vom heiligsten Herzen Mariä, sofern sie mit der Erzbruderschaft in Paris vereinigt sind, gemeinschaftlich angehören.

Die Früchte der Erzbruderschaft

Von dieser Zeit an erhielt die Andacht zum gnadenvollen Ehren Mariens einen außerordentlichen Aufschwung und verbreitete sich mit unbegreiflicher Schnelligkeit über ganz Frankreich, so daß die Erzbruderschaft in Paris allein am 15. Januar 1840 schon 58,962 Mitglieder, und in 187 Filial-Bruderschaften schon mehr als zweimal hunderttausend zählte.

… Im Jahr 1849 zählte die Erzbruderschaft schon 7950 Filial-Bruderschaften mit beinahe fünfzehn Millionen Mitgliedern. Überall bringt sie die schönsten Fürchte der Buße und Bekehrung hervor; der Glaube wird neu belebt, die Frömmigkeit angeregt, der Empfang der heiligen Sakramente nimmt zu, die Kirchen werden mehr besucht und man gewahrt mehr Eingezogenheit und Sittsamkeit bei der Jugend, ganz unerwartete Aussöhnung der erbittertsten Feinde, die plötzliche Bekehrung ergrauter Sünder; die Rückkehr von Irrgläubigen zur Kirche und die Gewinnung der Heiden für Christum, den Herrn; es scheint als könnten die Herzen der Menschen dem barmherzigsten Mutterherzen der unbefleckten Jungfrau nicht widerstehen und mit wunderbarer Gewalt werden sie zu ihm und von da aus zum heiligsten Herzen Jesu hingezogen. Die wunderbaren Bekehrungen von Sündern, Irr- und Ungläubigen, Heiden und Juden sind gar nicht mehr zu zählen. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1324 – Sp. 1328

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