Johann Kasimir König von Polen

Wie fromme katholische Fürsten ihre Reiche der Lieben Frau durch ein feierliches Gelübde widmen

I. Johann Kasimir, König von Polen

Als die seligste Jungfrau durch den heldenmütigen Sieg Johanns von Österreich bei Lepanto über die Türken, auch als Beschützerin der Reiche bedrängter Fürsten erkannt wurde, suchten fromme Söhne der Kirche auch in dieser Hinsicht der Verehrung der huldvollen Mutter Eingang zu verschaffen und zur Vergrößerung der Ehre ihres Namens beizutragen. –

Ein seltenes Beispiel der Liebe und des Vertrauens zur Gottesmutter gibt der König der Polen, Johann Kasimir. Unter seiner Regierung litt das Volk schreckliche Trübsale. Taltaren, Kosaken, Russen und Schweden plagten es von allen Seiten, vornehmlich aber waren es die Schweden, welche unsägliches Elend über das ganze Land verbreiteten. „Alles schwimmt in Blut, und was fällt, fällt auf Leichen;“ mit diesen kurzen Worten schildert ein Zeitgenosse dieses entsetzliche Elend. Der König und seine Gemahlin müssen sich nach Schlesien flüchten, wo sie an dem Notdürftigsten Mangel leiden, und das Ende des schrecklichen Schicksals ihres Volkes erwarten. Doch der liebe Gott verließ das katholische Polen nicht. Die Schweden hatten es unter ihrem König Karl Gustav gewagt, das Kloster und die Gnadenkirche zu Czenstochau (Tschenstochau) zu überfallen und zu plündern. Der Prior des Klosters Augustinus Kordezti mit 70 Mönchen, 100 Soldaten und einigen zu Hilfe gekommenen Edelleuten beschlossen Widerstand zu leisten. General Miller mit dem Landgrafen von Hessen schlossen das Kloster ein. Fünfmal wurde Sturm gelaufen, 340 Kanonenschüsse mit 12 und 26 Pfündern an einem Tage, am 11.Dezember, abgeschossen; zwei Monate dauerte die Belagerung, auch noch später wurde dreimal versucht, das Kloster zu stürmen. Im Kloster wurde gebetet, die hundert Soldaten fochten, während die Mönche mit dem hochwürdigsten Gut Prozessionen hielten. Die Schweden wurden wütend, aber auch mutlos; denn, wie sie selbst gestanden, ging während des Kampfes eine sonnenhelle Frau auf den Zinken der Mauern und verscheuchte die feindlichen Kugeln vom heiligen Bau; eine solche Kugel streckte den Adjutanten des Feldherrn im eigenen Zelte desselben nieder. Am Weihnachtstage zogen die Feinde ab.

Jetzt lehrte wieder Mut in die geängstigten Gemüter zurück, und die fromme Königin Maria Ludoiska redete ihrem Gemahl zu, Mut zu fassen, auf den Schutz der heiligen Jungfrau zu vertrauen, ins Reich zurück zu kehren und das ganze Land unter den Schirm Mariens als Lehen zu stellen.

Wörtlich sagt nun ein alter Geschichtsschreiber:
„König Kasimir setzte sein Vertrauen mehr auf den allmächtigen Gott und die allerheiligste Jungfrau als auf Menschenhilfe und schrieb seine Rückkehr ins Königreich Polen der Vorsehung Gottes zu. Deshalb hat er nach Anrufung Gottes und der allerreinsten Jungfrau eine Konföderation mit dem Himmel geschlossen, er hat sich dem Wohlgefallen und der Fügung Gottes feierlich hingegeben und in der Kathedralkirche Lemberg öffentlich und laut im Jahre 1656 am 1. April ein Gelübde gemacht. —

Nach der heiligen Beichte hat er vor den Hochaltar, wo der päpstliche Nuntius Petrus Viclo, Bischof von Laudun das heilige Messopfer darbrachte, auf den Knien gelegen. Nachdem er aus den Händen des Nuntius das allerheiligste Sakrament empfangen, sprach er zur Jungfrau Maria mit lauter und vernehmlicher Stimme folgendeWorte:

„Große Mutter des Gottmenschen und heilige Jungfrau! Ich, Johann Kasimir, durch die Gnade deines Sohnes des Königs der Könige und meines Herrn und durch die Deinige, König, falle zu deinen heiligsten Füßen und nehme und erwähle dich zu meiner Schutzpatronin und zur Königin meines Reiches an; und vertraue mich, mein Königreich Polen, das Großherzogtum Litauen, die Herzogtümer Reußen, Preußen, Masovien, Sommogitien, Liefland und Tscherichow, die Heere beider Reiche (Polen und Lithcmen) und die gesamten Völkerschaften, deinem besonderen Schutz und Schirm an; demütig flehe ich um deine Hilfe und deinen Beistand in den gegenwärtigen Bedrängnissen meines Reiches gegen die Feinde der heiligen römischen Kirche, und da ich durch deine große Wohltaten bewogen, mich mit meinem polnischen Volk zum neuen und inbrünstigen Dienst dir gegenüber verpflichtet fühle, so gelobe ich in meinem, meiner Senatoren, Minister, meines Adels und Volkes Namen dir, deinem Sohn Jesu Christo, unserm Heiland, Ehre, Preis und Ruhm durch alle Gebiete des polnischen Königreichs zu verbreiten, dir auch zu gehorchen, desgleichen gelobe ich, wenn ich durch deines Sohnes Barmherzigkeit den Sieg über die Schweden davontragen werde, dafür zu sorgen, daß der Jahrestag in meinem Reich feierlich bis zum Weltende durch die Betrachtung der Gnade Gottes und deiner Huld, o unbefleckteJungfrau, gefeiert werde; und da ich mit großer Herzens-Bitterkeit erkenne, daß wir bereits sieben Jahre in meinem Königreich durch verschiedene Niederlagen dafür zur Strafe geplagt werden, daß das arme Bauernvolk durch Soldaten bedrückt, mühselig in Bedrängnis jammert, so verpflichte ich mich nach geschlossenem Frieden mit den Ständen des Landes dafür eifrig zu sorgen, daß das bisher geplagte Volk von dieser schrecklichen Bedrückung befreit werde, und so gib denn, daß wie du, meine Königin und Herrin, Mutter der Barmherzigkeit mich zur Ablegung des Gelübdes durch innere Eingebung bewogen hast, du auch mir Gnade und Erbarmen zu dessen Vollziehung bei deinem Sohne erflehest. So Alles ich verspreche. Amen.“

Die Geistlichkeit, die Senatoren, die Minister, die Ritter, der Adel und unzählige Haufen Volkes hörten mit innigster Rührung das Gelübde des Königs an, alle brachen in freudige Tränen aus, Alles betete, und eine unbeschreibliche Freude überströmte die Herzen der Anwesenden, denn Alle glaubten zuversichtlich, daß sie durch Mariens Schutz und Gottes Erbarmen die Schweden besiegen werden. So der Geschichtsschreiber! Maria half wirklich. Der Schwede wurde schmählich vertrieben und seitdem heißt die seligste Jungfrau unter den Polen: „Königin der Krone Polens!“

Das ganze Land, Geistliche und Weltliche haben zu Maria eine besondere Andacht: und man kann sicher an nehmen, daß mehr als die Hälfte das Skapulier Mariens vom Berge Karmel tragen. In ganz Polen ist der Samstag zu Ehren Mariens Abstinenztag, diejenigen aber welche das Skapulier tragen, enthalten sich auch am Mittwoch von Fleischspeisen. — Fast in allen Stadtpfarreien gibt es Rosenkranz-Bruderschaften und wird der Rosenkranz alltäglich gesungen, an vielen Orten auch die kleinen Tagzeiten. —

Eine öffentliche Huldigung von Seite der Polen ihrer Königin zu Ehren fand in Paris am 8. Dezember 1854, wo in der Kirche U. L. Frau vom Sieg (Notre Name de la Victorie) dem gnadenreichen Bild ein gold nes Herz mit einer Lampe in Gold und einer marmornen Tafel dargebracht wurde. Das goldene Herz enthält eine Handvoll Erde aus Polen, einen Krumen polnisches Brot, ein Salzstück aus dem Bergwerk Wielitchka. Die goldene Lampe wurde vor dem Herzen Maria aufgehangen und für ewige Zeiten angezündet, wie auch mit einer Stiftung zur Unterhaltung des Lichts ausgestattet. Die Votivtafel trägt die Worte:

„Der Gottesmutter und Jungfrau, der Königin von Polen, das Gelübde der, über den, vom Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 verkündigten, festgesetzten und bestimmten Glaubenssatz ihrer unbefleckten Empfängnis sich freuenden und auf ihr Herz vertrauenden Polen.“

„Diese vertrauen auf Wagen und diese auf Pferde, wir aber rufen im Namen Mariens.“ Die Übergabe dieser Votivtafel an Abbè Desgenettes, demPfarrer der Kirche, geschah feierlich im Beisein des Kardinals Villecourt mit Predigten in polnischer und französischer Sprache.

Am 200ten Jahrestages des Gelübdes des Königs Johann Kasimir, 1. April 1856 fand eine feierliche Andacht zu Paris zur Feier des Tages in der Kirche von der Himmelfahrt U. L. Frau statt. Eine zahlreiche Versammlung von Polen aller Stände, welche sich in Paris aufhalten, strömte zusammen. Die Festpredigt hielt Abbè Alerander Jelowizki aus dem Orden der Resurrelkionisten in Rom, der nur Polen in seiner Mitte zählt. —
(Schriftliche Mitteilung von Dr. P…ky.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 1859 – Sp. 1862

Category: Neuzeit, Ott
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