Schöne Maria zu Rechberg in Württemberg

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte unserer himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Wallfahrt zur „Schönen Maria“ zu Hohenrechberg

Mitten im schönen Schwabenland erhebt sich, Wälder, Dörfer und Fluren zu seinen Füßen, wie zum Wächter von Gottes Hand hingestellt, ein Berg, der Rechberg oder Hohenrechberg genannt. Schon die Naturschönheiten, die das Auge von diesem Berg aus in großer Fülle genießt, führen viele Hunderte von Besuchern des Jahres auf den Hochberg. Noch mehr aber ist es eine andere Schönheit, die „Schöne Maria von Rechberg“, um derentwillen viele Hunderte frommer Wallfahrer jährlich hierher wallen, dem kindlichen Glauben treu, der durch alle Jahrhunderte christlicher Zeitrechnung herab die echten Kinder der katholischen Kirche so gerne bei den Festen der göttlichen Gnadenmutter, besonders an den Orten, wo sie sich in ausgezeichnetem Maße gnädig zeigte, versammelt.

Ein solcher Gnadenort ist Rechberg seit dem Ende des elften Jahrhunderts, zu welcher Zeit auf dem höchsten Punkt des Berges ein Eremit oder sogenannter Waldbruder sich nieder ließ, der ein schönes, aus Lindenholz geschnitztes Marienbild mitbrachte und für sich eine Hütte, für das Marienbild aber eine Kapelle baute. Dieses Marienbild wird bis auf den heutigen Tag die schöne Maria von Rechberg genannt, nach den Worten des Hohenliedes: „Du bist schön meine Freundin, und keine Makel ist an dir.“ (4, 7) Bald wurde von Nah und Fern sehr häufig zu diesem Bild gewallfahrtet. Um das Jahr 1480 lie0 Graf Ulrich von Rechberg, ein Ahnherr des noch blühenden erlauchten Geschlechts der Grafen von Rechberg, deren Stammschloss von hier nur wenige Minuten weit entfernt, auf einem eigenen Hügel erbaut ist, statt der hölzernen Kapelle eine steinerne Kirche, aber auf einem andern Platz des Berges bauen, und machte mit seiner Gemahlin Anna von Beringen einige Vermächtnisse zur Unterhaltung eines Priesters. – Die fromme Sage erzählt, daß, als das Marienbild aus der hölzernen Kapelle in die neue Kirche übertragen worden war, Engel das Gnadenbild in der folgenden Nacht wieder in die hölzerne Kapelle zurück getragen haben, und dieses drei Tage nacheinander geschehen sei. Die von Graf Ulrich erbaute Kirche wurde dann auch später wirklich wieder verlassen, und in das jetzige Pfarrhaus umgewandelt. Bernard Bero und dessen Sohn Franz Albert, Grafen von Rechberg, bauten im Jahre 1686 die jetzige Wallfahrtskirche, welche an der Stelle der damaligen hölzernen Kapelle steht. Im Jahre 1699 stiftete Graf Albrecht von Rechberg ein beständiges Benefizium, und legte damit den Grund zur jetzigen Pfarrstelle, welche aber erst im Jahre 1767 durch den Grafen Maximilian von Rechberg definitiv errichtet wurde.

Wie die Frömmigkeit und Mildtätigkeit des erlauchten Geschlechtes der Grafen von Rechberg durch die Jahrhunderte herab die Verherrlichung der „Schönen Maria von Rechberg“ zu fördern bestrebt war, und sie Maria als ihre besondere Schutzpatronin verehrten, so war es auch das gläubige Volk, das aus der Nähe und Ferne immer bei der Schönen Maria von Rechberg in leiblichen und geistlichen Nöten Trost und Hilfe suchte. Zahllose Votivtafeln, die aber leider in der traurigen Zeit falscher Aufklärung aus der Kirche hinaus geworfen und verbrannt wurden, gaben lautes Zeugnis hiervon. Trotz diesem und vielen andern Angriffen auf den frommen Glauben und das kindliche Vertrauen, auf die Fürbitte und den mächtigen Schutz der Schönen Maria von Rechberg erlosch dennoch die Liebe des Volkes zu diesem Wallfahrtsort nicht, und kaum, daß in neuester Zeit dem religiösen Drang nach den Gnadenorten, besonders der göttlichen Mutter, keine Fesseln mehr angelegt wurden, kommen fromme Wallfahrer jährlich wieder zu Tausenden hierher, um Maria, ihre gütige, milde und süße Mutter zu grüßen, ihrem Schutz sich anzuempfehlen, ihre Fürbitte anzurufen, und so viel an ihnen liegt, wahr zu machen die Prophezeiung: „Selig werden mich preisen alle Geschlechter!“

Ein altes Wallfahrer-Lied zum Lob und Preis der schönen Maria zu Hohenrechberg

Maria von Rechberg, hell glänzende Sonn`!
Du bist ja die Nächste beim göttlichen Thron,
Die Schönste im Himmel, die Größte auf Erd`,
Maria von Rechberg ist liebens wohl wert!

Maria von Rechberg, du schöne Gestalt,
Bist zierlich gekleidet und kostbar gemalt;
Du schönste Rose, wie stehst du allda
In reichester Glorie auf hohem Altar.

Maria von Rechberg, du himmlische Braut,
Dir ist der Hochrechberg schon längstens gebaut;
Dein goldener Zepter, den Jesus dir gab,
Der woll` uns beschützen und leuchten ins Grab.

Maria von Rechberg, du schönste Ros`,
du trägst ja dein Kindlein allzeit auf dem Schoß;
Du darfst ihn wohl bitten, er ist ja dein Kind,
Er wöll` uns verzeihen all unsere Sünd!

Maria von Rechberg, wir rufen dich an,
Wir bitten vom Herzen: ach gib uns Pardon!
Du bist ja schon längstens von Gott auserwählt,
Du kannst uns wohl helfen, wenn dir es gefällt.

Maria von Rechberg, ach komm uns zum End`,
Dein` liebreiche Augen allzeit auf uns wend`;
Du bist ja mein` Mutter, dein Kind will ich sein,
Im Leben, im Sterben, dir ewig ganz dein.

(Gütige schriftliche Mitteilung.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 666 – Sp. 667

Bildquellen

  • ott-marianum-gnadenorte: Bildrechte beim Autor
  • ott-marianum-prozession: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott
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