Die gute Mutter Maria Theresia Stifterin

Christus mit dem Buch des Lebens in der Mitte, links der heilige Joseph mit der Lilie sowie den heiligen Mönchen; rechts sind die heiligen Jungfrauen, vorne knien auf der linken Seite Jünglinge und ein Mann, rechts Mädchen und eine Frau, Christus anbetend

Heiligenkalender

17. September

Die gute Mutter Maria Theresia, Stifterin der Frauen vom guten Hirten

Maria Theresia Lamourous ward zu Barsak, einem Marktflecken im Bistum Bordeaux, von ansehnlichen Eltern i. J. 1754 geboren. Schon von ihrer Kindheit an redete sie an liebsten von Gott, und zeigte eine große Liebe zum Arbeiten und zum Leiden. „Mein Gott, sprach sie einst vor einem Kruzifix liegend, ich verspreche dir jeden tag drei Kreuze ohne Weinen auf mich zu nehmen.“ Von dem Tag ihrer ersten heiligen Kommunion an richtete sie ihr Leben ganz nach dem Beispiel der allerseligsten Jungfrau, und nach diesem Vorbild machte sie sich besonders durch ihre Eingezogenheit, durch ihre zarte Frömmigkeit und ihren Gehorsam gegen ihre Eltern bemerkbar. Sie hatte eine solche Ehrfurcht gegen ihre fromme Mutter, daß sie sich von ihr die Gnade erbat, ihr die Füße waschen zu dürfen, und wenn es ihr die Mutter erlaubte, küßte sie dieselben mit religiöser Ehrerbietung. –

Theresia war bereits zur Jungfrau heran gewachsen, als ihre Mutter starb. Sie zog sich nun mit ihrem Vater auf ein Landgut im Dorf Pian, vier Meilen von Bordeaux, zurück. –

Das Schäferhaus, in einiger Entfernung vom Landgut, war ihre Wohnung. – Mittlerweile war die schreckliche Revolution in Frankreich ausgebrochen, die das Leben aller derjenigen bedrohte, die es mit der Religion hielten. Der heiligen Kirche treue Priester wurden bis zum Tode verfolgt; die Kirchen geschlossen und entweiht, die heiligen Zeichen der Religion, Kreuze und Bilder zerstört. –

Maria Theresia hatte über diese entsetzlichen Frevel das größte Leid; besonders schmerzte es sie, dem heiligsten Opfer nicht mehr beiwohnen zu können. Doch sie wußte Rat! In einer abgelegenen Abteilung ihres Hauses, das sie Einsiedelei nannte, hatte sie sich eine anständige Kapelle hergerichtet; zugleich wußte sie einen herzhaften Priester zu gewinnen, der entschlossen war, selbst mit Gefahr seines Lebens das heiligste Opfer in dieser Kapelle zu verrichten und den treuen Gläubigen die heiligen Sakramente zu spenden. –

Da aber der Priester, um nicht von den Feinden der Religion gefangen genommen zu werden, sich jedesmal nur eine kurze Zeit in der Gegend aufhalten durfte, so versammelte Maria Theresia mitten in einem Wald, der ihrer Familie gehörte, in aller Stille die Frauen und Töchter der Umgegend jeden Sonntag, und erteilte ihnen da den christlichen Unterricht; dasselbe tat sie für die Kinder. –

Da sie zur Erhaltung und Belebung des heiligen Glaubens keine Mühe scheute und Tag und Nacht damit beschäftigt war, so konnte es nicht fehlen, daß ihr Name den Feinden der Religion bekannt wurde, und daß sie oft in die größten Gefahren geriet. Schon war ein Verhaftsbefehl gegen sie erlassen; die Häscher suchten sie, aber die Vorsehung Gottes rettete sie aus allen Gefahren. Eines Abends war sie eben ausgegangen, ihren Rosenkranz im nahen Wäldchen ihres Hauses zu beten, als ein entschiedener Republikaner gerade auf sie zuging. Sie sank fast vor Schrecken zusammen. Doch die Geistesgegenwart verließ sie nicht. Sie ging ihren Weg vorwärts und fuhr fort ihren Rosenkranz zu beten. Der Mann trat auf sie zu und fragte: „Bürgerin, hast du vor mir keine Furcht?“ „Warum mein Herr! Entgegnete Maria Theresia, sollte ich mich fürchten? Wäre ich in Gefahr, so würdet ihr mir gewiß helfen!“ „Bürgerin!“ sagte der Mann, „du hast recht“, und ließ sie gehen. –

Nachdem sich Gott endlich wieder über Frankreich erbarmte, die Schreckensherrschaft aufhörte, und Ruhe und Ordnung wieder zurück kehrte, war es der guten Maria Theresia erste Sorge, daß die Ortskirche von Pian geöffnet und von einem Pfarrer der Gottesdienst wieder gehalten werde. Durch ihre Bemühung wurde einer ihrer Anverwandten Pfarrer des Ortes, worüber die armen Bewohner von Pian sich sehr freuten, weil sie zu seinem Unterhalt wenig beitragen durften. –

Maria Theresia hatte sich indessen nach Bordeaux übergesiedelt, und hier ward sie, die von Jugend auf das herzlichste Erbarmen für ihre Mitmenschen hatte und keinen andern Wunsch kannte, als ihre eigene Seele und die Seelen ihrer Mitmenschen zu retten, – von Gott dazu angeleitet, eine Zufluchtsstätte für jene Mädchen zu gründen, welche, durch ihren sündhaften Leichtsinn dem Laster und der Schande verfallen, endlich von der Gnade zur Umkehr bewegt, dem ewigen Verderben entrissen werden wollten. Bereits hatte ein frommes Fräulein, Pichon mit Namen, solche unglücklichen Mädchen in einem kleinen gemieteten Haus untergebracht. Da aber dieses gottesfürchtige Fräulein schon im Alter vorgerückt und daher nicht imstande war, diese eigensinnigen, leichtfertigen Mädchen gehörig zu leiten, so warf sie ihre Augen auf unsere Maria Theresia Lamourous, die ihre Freundin war. Nach längerem Widerstreben nahm endlich Maria Theresia den Antrag an und zog in das Zufluchtshaus zu den unglücklichen Büßerinnen, deren Mutter zu sein und bleiben wollte. Mit ihr verbanden sich noch einige fromme Fräulein, die ihr im Unterricht und der Überwachung der Büßerinnen beistehen wollten, und fromme Damen suchten durch milde Beiträge die Kosten der Unterhaltung zu decken. Am 12. Mai 1801 am Vorabend des Festes Christi Himmelfahrt wurde das neue Institut der Töchter der Barmherzigkeit oder der Frauen vom guten Hirtenfeierlich eingeweiht. Fünfunddreißig Büßerinnen waren bereits eingetreten. –

Anfangs hatte Maria Theresia viele und leidvolle Tage. Der Feind alles Guten erhob sich gegen den neuen geistlichen Verein, der ihm so viele Opfer entreißen sollte. Er erregte Misstrauen und reizte die Zungen zur Verleumdung, doch Maria Theresia überließ die Verteidigung ihrer reinen Absicht Gott, der gebenedeiten Jungfrau und dem heiligen Joseph, unter deren Schutz sie sich und ihr Institut gestellt hatte; und siehe, das Misstrauen schwand, die Verleumdungen nahmen ein Ende; das Haus der Barmherzigkeit erwarb sich viele Freunde.

Da kam eine neue große Sorge, die ihr oft die größte Verlegenheit bereitete. Die wenigen milden Beiträge, die sie von guten Menschen erhielt, reichten nicht hin zum Unterhalt so vieler Mädchen, – deren Zahl immer zunahm. Obwohl die Büßerinnen arbeiteten, so reichte auch der Gewinn nicht aus, und die Not wurde oft um so größer, als auch Mangel an Arbeit eintrat. Oft geschah es, daß Maria Theresia kaum einige Francs im Hause, kaum einige Maß Mehl im Kasten, kaum einige Stück Brot in der Vorratskammer hatte. Allein die Dienerin Gottes verzagte nicht; sie wandte sich an ihre beiden Patrone Maria und Joseph, und durch ihre Fürbitte kam ihr die göttliche Vorsehung in jeder Not wunderbar zu Hilfe. –

Sie selbst gesteht, wie in ihren hinterlassenen Schriften zu lesen ist: „Ich erkenne immer mehr und auf die auffallendste Weise, daß wir alle geistlichen und zeitlichen Güter, die wir in unserem Haus empfangen haben, der mächtigsten Fürbitte unserer seligsten Jungfrau Maria und ihres heiligen Bräutigams Joseph zu verdanken haben, und daß die ganze Existenz dieser Anstalt im Grunde ein fortwährendes Werk der mütterlichen und väterlichen Sorgfalt derselben Fürbitter ist.“ –

Als sie wegen der Zunahme der Büßerinnen gezwungen war, das in der Revolutionszeit aufgehobene Kloster von der Verkündigung Mariä anzukaufen, sah sie sich auch genötigt, neue Wohnungen zu bauen und die alten zu verbessern; allein die Mittel hierzu fehlten. Doch Maria Theresia, die gute Mutter, so nannten sie die Büßerinnen wegen ihrer ungemeinen Herzensgüte, setzte ihr Vertrauen auf die gebenedeite Gottesmutter. Sie ließ die Handwerksleute kommen, und ersuchte sie um die Bauvoranschläge zu diesen Bauten und Ausbesserungen. Sie machte denselben den Antrag, sogleich arbeiten zu lassen, versicherte aber, daß sie jetzt kein Geld habe, jedoch suchen würde, zur rechten Zeit zu bezahlen. Die Werkleute nahmen den Vorschlag an, und arbeiteten unter ihrer Aufsicht und nach ihrem Willen. Sie war im geringsten nicht beunruhigt über die künftige Bezahlung der Baurechnungen. Mit kindlichem Vertrauen legte sie die geschriebenen Bauanschläge zu den Füßen des Bildnisses der lieben Frau nieder, welches in der Hauskapelle sich befand, in der Hoffnung, daß die Mutter der Barmherzigkeit sich ihrer Sache annehmen werde. Ihre Hoffnung ward auch niemals getäuscht und die Arbeiter empfingen ihren Lohn stets zur bestimmten Zeit. Hierbei war es allezeit ihre erste Sorge, daß notwendige Getreide und die Arbeiter zuerst zu bezahlen. „Meine Kinder“, sagte sie mit ihrer gewöhnlichen Einfachheit zu ihren Mitarbeiterinnen, „man muss das tun, was im Katechismus steht: den Arbeitern nicht ihren Lohn vorenthalten.“

Ein so edles Herz, wie das ihrige, musste aber auch dankbar sein. Um also ihre Dankbarkeit gegen die Gottesmutter zu bezeugen, legte sie allzeit sorgfältig die bezahlten Rechnungsscheine wieder zu den Füßen des Liebfrauenbildes nieder. Sie wollte dadurch zu erkennen geben, daß sie durch die Güte der Gottesmutter jene Hilfsmittel erhalten habe, die sie in den Stand setzten, ihre Schulden bezahlen zu können. Auch ihre Einnahmen-Verzeichnisse legte sie dahin. Ein solches, das man unter ihren Schriften fand, lautet wie folgt:

„Einnahmen auf Rechnung der Mutter der Barmherzigkeit in der Summe von 100 Franken.“ M. Th. v. Lamourous, Oberin des Zufluchtshauses. Bordeaux, den 13. Dezember 1830.

In allen Orten des Hauses, wo man arbeitete und in allen Sälen, wollte die gute Mutter, daß Maria den Vorsitz führe; daher ließ sie überall das Bild der Gottesmutter aufstellen. Am Ende des Gartens ließ sie einen kleinen Turm errichten, von wo aus man einen Teil der Stadt übersehen und zur rechten Zeit bei der Gefahr eines Brandes aufmerksam gemacht werden konnte. Auf dieses Türmchen ließ sie das Bildnis der Mutter der Barmherzigkeit anbringen, um sie gleichsam dringen zu beschwören, daß sie die stets aufmerksame Wache sein möge, und daß unter ihrer Wachsamkeit und ihrem Schutz alle Bewohnerinnen der Anstalt in Frieden ruhen könnten.

Diese zarte Liebe, diese große Andacht und dieses kindliche Vertrauen, welches die gute Mutter selbst gegen die Königin des Himmels hegte und Allen im Zufluchtshaus einzuflößen wußte, bewirkte, daß in den durch Unglück und Laster gebrandmarkten Seelen sich immer mehr der Geist der Frömmigkeit und der Reinigkeit festsetzte, und jene außerordentlichem Gnadengaben und Bekehrungen bei denselben zum Vorschein kamen, die den nicht in Erstaunen setzen, der da weiß, wie gütig die Königin des Himmels ist, und welche Macht sie über die Herzen besitzt. –

Auch im Tode noch zeigte die gute Mutter ihre Liebe zur göttlichen Mutter Maria; ihr Bild und das Kruzifix küssend gab sie den Geist auf am 14. September des Jahres 1836 im Alter von 82 Jahren. (Lebensbeschreibung der Maria Theresia von Lamourous von Abbé Ponget) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 2097 – Sp. 2105

Bildquellen

  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor

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