Unsere Liebe Frau vom guten Rat in Stams

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte unserer himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Unsere Liebe Frau vom guten Rat im Kloster Stams in Tirol

Du wirst, christlicher Leser, gewiß schon öfters ein Bild U. L. Frau gesehen haben mit dem Jesuskindlein auf den Armen, geschmückt mit einem schönen Regenbogen ober dem Haupt, – das ist die Mutter Gottes vom guten Rat im Kloster Stams des Landes Tirol. (siehe auch den Beitrag: Der Regenbogen stellt den Rosenkranz dar)

Im Jahre 1466 haben die Türken die Hauptstadt Albaniens, Skutari, erobert. Nächst der Stadt war eine Kirche, an deren Mauer inwendig ein Bildnis angemalt war, welches die seligste Jungfrau, vom Paradies zugenannt, mit einem Regenbogen gekrönt, vorstellte. Als nun oben genannter Stadt der Untergang durch die ungläubigen Türken drohte, wurden zwei Geschwisterte, Giorgi und Sclavis mit Namen, im Schlaf gemahnt, daß sie Maria vom Paradies, die nun fortziehe, begleiten sollten. Wirklich ward das Bild durch eine geheimnisvolle Kraft von der Mauer los getrennt, und durch die Lüfte nach Italien bis gen Rom getragen. Das Bild schwebte in den Wolken, umgeben von einem schönen Regenbogen, wobei sich bei Nacht eine feurige und bei Tag eine hell leuchtende Wolke hatte sehen lassen, um den beiden Geschwisterten den Weg zu zeigen, die dem Bild nachfolgten. (siehe auch den Beitrag: Maria ein Zeichen des Friedensbundes)

Zu Rom verschwand das Bild der Lieben Frau vom Paradies wieder, und als sie dasselbe überall suchten, erfuhren sie endlich, daß das Bild zu Genazzano, 5 Meilen von Rom, angekommen sei, und dort in freier Luft in der Kirche der Augustiner-Mönche schwebe. Diese Kirche war schon vordem der seligsten Jungfrau unter dem Titel einer Mutter vom guten Rat geweiht. –

Auf die Kinder von dieser wundervollen Ankunft des Bildes strömte zahlreiches Volk von allen Gegenden herbei, und die Liebe Frau vom Paradies erhielt nun den Namen der „Mutter vom guten Rat“. Sehr viele Wunder geschahen, und die Päpste Sixtus IV., Urban VIII. und Innozenz IX. bemühten sich, die Verehrung der Mutter vom guten Rat zu befördern.

Inzwischen verbreiteten sich auch Abbildungen des Gnadenbildes durch alle Länder. Andreas Bacci, Domherr zum heiligen Markus und eifriger Beförderer der marianischen Andacht, hatte im Jahre 1752 schon über 500000 solche Bilder verteilt. –

Endlich zur Zeit, als der hochwürdige Abt Rogerius Sailer dem Stift Stams vorstand, ward an den genannten Domherrn Bacci die Bitte gestellt, er möchte ein genaues Abbild der Gnadenmutter zu Genazzano machen, solches am Gnadenbild anrühren lassen und nach Stams schicken. Beides geschah. Am 15. Mai des Jahres 1757 kam das Bild nach Stams. Zuerst ward es auf den Hochaltar der Klosterkirche gestellt, alsdann ward es zugleich mit dem kostbarsten Blut, welches in dieser Kirche verehrt wird, in Prozession herum getragen. Als man Morgens 8 Uhr mit dem heiligen Bild aus der Kirche auszog, zeigte sich ein zweifacher Regenbogen von solcher Größe, Breite und Farbenpracht, daß Niemand je einen ähnlichen gesehen zu haben sich erinnerte.

Heilungen und Wohltaten

Von den vielen leiblichen und geistlichen Wohltaten, welche den gläubigen Verehrern dieses Gnadenbildes durch die Fürbitte der Mutter vom guten Rat seither zu Teil geworden, will ich hier nur folgende anführen:

Schon ehe das Gnadenbild nach Stams überbracht war, zeigte sich Maria gnädig einem Mädchen, der zwölfjährigen Tochter des Anton Gritsch, welche seit drei Jahren krumm war. Durch Auflegung des Bildnisses Mariä vom guten Rat und durch ein der Lieben Frau gemachtes Verlöbnis, ward sie wieder gerade, und verrichtete mit ihren Eltern persönlich ihr Gelübde am 10. Juni1757.
Am Tage der Übersetzung des Gnadenbildes in die Kirche, am 26. Juni 1757, stattete Maria Hähberger der Mutter vom guten Rat für die Genesung von einer schon sechsjährigen Krankheit ihren Dank ab.
Simon Päschl hatte sich durch einen schweren Fall zwei Rippen gebrochen. Nach vergeblicher Anwendung vieler Mittel verlobte er eine Wallfahrt zu Maria vom guten Rat nach Stams, und – er fühlte sich geheilt.
Yvo Schenach von Lermoos trug schon drei Jahre lang einen verrenkten Hals. Er wallt zu Maria vom guten Rat, läßt eine heilige Messe lesen, salbt den Hals mit Öl von der Lampe, welche vor dem Gnadenbild brennt; bald fühlt er sich besser; am dritten Tag ist das Übel weg.
Der gestrenge Herr Joseph Stadler, Zolleinnehmer an der Etsch, litt durch anderthalb Jahre am Fieber, und wandte vergebens sehr viele Mittel an. Man schickte ihm von dem Öl aus der Lampe vor dem Gnadenbild; er gebrauchte es, und das Fieber wich.
Johann Kurtius, Doktor der Medizin zu Mais, bezeugt durch ein Schreiben vom 28. Oktober 1758, daß eine Wöchnerin, die durch natürliche Mittel ihres Kindes nicht genesen konnte, glücklich vom Kind entbunden, nachdem sie von dem Öl genommen.
Meinhart Gremlich, Hausverwalter von Mais, bestätigt schriftlich, daß das Maiser Vieh durch Besprengung mit dem Öl von einer dort schon ausgebrochenen Seuche entweder befreit oder bewahrt worden sei.
Der hochwürdige Herr Christian Witting, Pfarrer zu Zams, bezeugt, er sei durch ein Gelübde, das er zur Mutter vom guten Rat gemacht, von einer tödlichen Krankheit in kurzer Zeit gewesen.
Eine Klosterfrau von Seckingen, aus dem Orden des heiligen Franziskus, wurde ganze 14 Stunden ununterbrochen von heftigen Unterleibs-Schmerzen gequält. Nachdem sie aber mit zwei andern Klosterfrauen die Mutter des guten Rates mit drei Ave angerufen, und von dem Öl genommen hatte, hörte der Schmerz also gleich auf.
Maria Schwarz wurde im Jahre 1759 in der heiligen Blutskapelle selbst von der Blindheit befreit, als sie dort ihre Andacht zur Mutter des guten Rates verrichtet hatte.

Von sehr vielen andern Gnaden-Erweisungen zeugen die häufigen Opfer von Votivtafeln, silbernen und andern Geschenken. Selbst die erhabene Kaiserin Maria Theresia, unsterblichen Andenkens, opferte aus zärtlichster Verehrung gegen die Himmelskönigin einen vollständigen, überaus kostbaren Ornat.

Die Bruderschaft unter dem Titel der Mutter vom guten Rat ist zu Stams im Jahre 1757 errichtet und mit der in Genazano vereinigt worden. Papst Benedikt XIV. hat dieselbe mit reichlichen Ablässen und Privilegien versehen. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 544 – Sp. 546

Bildquellen

  • ott-marianum-gnadenorte: Bildrechte beim Autor
  • ott-marianum-prozession: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott
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