Heilige Elisabeth von Schönau Ordensfrau

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

 Heiligenkalender

18. Juni

Heilige Elisabeth von Schönau, Benediktinerin

Die Kindheit der heiligen Elisabeth

Diese heilige Jungfrau ist geboren im Jahr 1128. Von ihren jungen Jahren hat man wenig Nachricht. Sie selbst bekennt, daß ihre Eltern nur ein kleines Besitztum hatten, daß aber der himmlische Vater, der für die Waisen sorgt, auch sich ihrer erbarmt habe. Ihr Bruder Egbert, der Abt gewesen, berichtet, daß sie von ihrer zartesten Jugend an fast immer kränklich gewesen, viel Elend ausgestanden habe und ihr Leben ein wahres Martertum gewesen sei, dabei hat man sie aber immer geduldig und fröhlich gesehen. Mit ihrem elften Jahr schon trat sie in das Kloster Schönau, unweit Bingen, im Erzstift Trier, und mit 12 Jahren legte sie die Gelübde ab. Auch im Kloster prüfte sie der Herr mit inneren und äußeren Trübsalen und bereitete sei, um die Gaben himmlischer Erleuchtungen aufnehmen zu können, mit denen er sie begnadigte. Diese himmlischen Erleuchtungen und Gesichte begannen mit ihrem dreiundzwanzigsten Jahr. Sie verkündete dieselben in fließend lateinischer Sprache, ohne von dieser Sprache Kenntnis zu haben. Sie wollte diese Kenntnisse, die ihr auf wunderbare Weise zukamen, nicht offenbaren, um allen Stolz zu meiden; allein der Gehorsam gegen die Oberen, und ein innerer Drang, dem sie nicht widerstehen konnte, trieb sie hierzu an. Auf Anhalten ihres Bruders schrieb sie ihm verschiedenes, was mit ihr vorgegangen, und wie sie auf so außerordentliche Wege sei geführt worden.

Beginn der himmlischen Gesichte im Jahr 1152

Die Zeit des Beginnens der himmlischen Gesichte dieser hoch begnadigten Dienerin des Herrn und seiner glorwürdigen Mutter war am 18. Mai des Jahres 1152 am Pfingstfest, und wurden ihr gewöhnlich an den Festtagen des Herrn, seiner heiligen Mutter, und der Heiligen zu Teil. Was sie von der Lieben Mutter Gottes gesehen, das soll hier erzählt werden.

Vorerst wurde ihre Seele mit Traurigkeit und Ekel gegen Alles erfüllt. Das Gebet, immer ihre Freude, ward ihr lästig, das Psalmenbuch, worin sie so gerne las, warf sie weg. Der böse Feind wandte alle seine Kraft gegen sie an, und zuletzt gab er ihr ein, sich selbst das Leben zu nehmen. Sie sah ihn öfters vor sich in menschlicher Gestalt; er war klein und dick, und schrecklich anzusehen; sein Gesicht war feurig, seine Zunge ebenfalls; auch in Gestalt eines ekelhaften Sünders erschien er ihr. –

„An einem Samstag, als die Messe U. L. Frau gesungen wurde, ward ich – so schreibt sie mit kindlicher Aufrichtigkeit an ihren Bruder – verzückt. Mein Herz wurde geöffnet, und ich sah in der Luft ein großes Licht in der Gestalt des Vollmondes, aber doppelt so groß. Ich sah durch diese Lichtkugel, und erblickte die seligste Jungfrau, die glorreiche Himmelskönigin, die Mutter des Heilandes. Sie fiel dreimal vor einem göttlichen Licht nieder, um zu beten. Dann wandte sie sich zu mir, in Mitte zweier Begleiter (des heiligen Benedikt und eines schönen Jünglings). Sie stand dann still, bezeichnete sich mit dem Zeichen des Kreuzes, und gab mir, ich weiß nicht wie, folgende Worte in die Seele: „Fürchte dich nicht, dies Alles wird dir nichts schaden.“ Nach diesem kehrte sie zurück in das Innere ihres Strahlenglanzes, und ich fiel nieder und lobte sie mit 13 Lobsprüchen, die ich gewöhnlich ihr zu Ehren spreche. Hierauf kam ich wieder zu mir, und empfing die heilige Kommunion. Darnach bat ich den Priester, daß er den Namen des Herrn über mich anrufe. Als er die Litanei begann, ward ich wieder verzückt, und ich sah Unsere Liebe Frau, stehend neben dem Altar, gekleidet mit priesterlichem Gewand, und sie hatte auf dem Haupt eine strahlende Krone, in der 4 Edelsteine glänzten, und auf dem Ring der Krone waren die Worte zu lesen: „Gegrüßet seist du Maria voll der Gnaden.“ An demselben Tag zur Abendzeit sah ich den bösen Geist wieder in Gestalt eines Stieres in der Luft hängend, aber alsbald sah ich Maria, meine Trösterin, im himmlischen Licht; sie bezeichnete sich wie vorher, mit dem Kreuz… Ich befahl dem bösen Geist, zu weichen im Namen des Herrn, und alsbald floh er.“

Wieder an einem Samstag, als das Offizium Unserer Lieben Frau gefeiert wurde, sah ich Maria in großer Klarheit, betend vor der Majestät Gottes. Als die Diener des Altares das Lob Mariens andächtig sangen, sah ich sie, wie sie bei den Worten: „Bitte für uns, o Jungfrau, daß wir würdig werden des Himmelsbrotes“, betend auf die Knie sank, bis zum Evangelium. Von diesem Tage an hatte ich an allen Samstagen, wann das marianische Offizium gesunden wurde, das nämliche Gesicht.

Gesicht am Vorfest von Mariä Himmelfahrt

Als ich am Vorfest von Mariä Himmelfahrt andächtig gebetet, wurden mir plötzlich folgende Worte in den Mund gegeben: „Dies sind die Trostworte, die eine neue Zunge redet, weil eine trostlose Seele des Trostes bedarf“; und ich ward verzückt und sah U. L. Frau, wie sie aufstand von ihrem Strahlenthron und aus einem großen Licht heraus trat, das ich wie durch eine Türe gesehen. Sie ward begleitet von einer dreimal so großen Anzahl von Jungfrauen, als ich im Kreis hatte stehen sehen. Am nächsten bei ihr gingen jene, die mit dem Zeichen des Martertodes geschmückt waren. Nach diesen kamen Andere, die ich mit Kronen, aber ohne Zeichen des Martertodes gesehen habe; an der dritten Stelle kamen solche, mit weißem Schleier geziert. Zur Rechten der Himmelskönigin ging ein glorreicher, lebenswürdiger Mann mit der priesterlichen Stola bekleidet. Nachdem Maria so einige Zeit mit ihrem himmlischen Heer sich hatte sehen lassen, ging sie wieder in das Licht zurück, von dem sie ausgegangen und ward mit ungemeinem Jubel und Preis empfangen. Als ich wieder zu mir kam, rief ich sofort aus: „O glorreiches Licht, in welchem alle Heiligen beständig wohnen, angetan mit weißen Kleidern, und lobpreisend den, der auf dem Throne sitzt.“ Am Tage bei der heiligen Messe hatte ich dasselbe Gesicht, und ich rief aus: „O glorwürdige Dreieinigkeit, die du sitzend auf dem Thron deiner Herrlichkeit hinab schauest in die Abgründe und zählst die Gedanken eines jeglichen Herzens!“ Darnach fügte ich die Worte hinzu: „Gegrüßt seist du Maria, Zierde der Jungfrauen, Herrin der Völker, Königin der Engel!“

Gesicht am Fest der Geburt Christi

Am Fest der Geburt Christi, da man sich bereitete zur Feier der heiligen Messe, während der Mette sah ich einen Strahl von großer Klarheit vom Himmel herab sich senken auf den Altar des Oratoriums. Und als man begann, das Evangelium zu lesen: „Das Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids etc.“, siehe da stieg durch jenen Strahl herab die Königin des Himmels, begleitet von einem Heer der Engel und stellte sich zur Rechten des Priesters, eine Krone, vom größten, liebreichsten Glanz auf dem Haupt. Und nachdem das Evangelium gelesen war und nach Gewohnheit der Lobspruch gesungen wurde: „O Königin der Welt“ etc., sah ich, wie Maria sich erhob mit ihrer Begleitung und durch den Strahl zurück kehrte zu ihrem Sitz. Ich aber hörte nicht auf, sie anzurufen.

Gesicht am Fest Mariä Lichtmess

Am Fest Mariä Lichtmess sah ich bei Lesung des Evangeliums meine Frau durch den Strahl des nämlichen Lichtes herab steigen und zur Rechten des Priesters stehen und neben ihr einen ehrwürdigen Greis mit weißem herab hängendem Bart. Und als die Schwestern ihre Lichter opferten, trat Maria zurück, und siehe, eine Menge lieblicher Jungfrauen kamen ihr mit flammenden Kerzen entgegen. Am Abend sah ich die Liebe Frau wieder im Himmel und rief andächtig zu ihr um Hilfe und empfahl ihr mit aller Herzlichkeit mich und die ich lieb hatte, und am Ende meines Gebetes sprach ich: „Meine Frau! Was darf ich vor dir hoffen? Und ich sah sie antworten: „Du, und alle, die auf mich ihr Vertrauen setzen, dürfen gute Gnade hoffen.“

Ähnliche Gesichte von der allseligsten Jungfrau wurden der heiligen Elisabeth mehrere zu Teil. Sie sah sie gewöhnlich an der Spitze der heiligen, immer an der Seite ihrs göttlichen Sohnes, selbst beim letzten Gericht, das sie schaute. Sie stand mit der gebenedeiten Mutter Gottes im engsten, traulichsten Verkehr; ihr Lob war immer auf ihrer Zunge; in allen ihren Anliegen, Leiden und Kämpfen war die Liebe Frau ihr Trost, ihre Stärke, ihre Hilfe. Dieser Trost und diese Hilfe ward ihr besonders auf ihrem Sterbelager und bei ihrem Hinscheiden zu Teil.

Gesicht am Pfingstfest

Am Pfingstfest des Jahres 1165 war sie noch heiter wie gewöhnlich. Am Dienstag darauf gegen Abend fiel sie in eine große Schwäche, alle Schwestern beteten für sie. Am folgenden Tag kamen die Brüder des Klosters St Florini zu Schönau in Prozession bis zum Kloster, wo Elisabeth wohnte. Sie trugen mit sich vierzehn heilige Leiber. Als die erste heilige Messe gelesen wurde, kam Schwester Elisabeth in Verzückung, und als sie wieder zu sich gekommen, sagte sie: „Die heilige Ursula und die heilige Verena und noch viele heilige Jungfrauen sind mir erschienen mit Kronen und Palmen geschmückt. Ich sah auch die heiligste Jungfrau Maria mitten unter ihnen, und ich sprach zu ihr: „Zu dir, meiner geliebtesten Frau, erhebe ich klagend aus ganzem Herzen meine Stimme über alle meine Trübsal. Habe Erbarmen mit mir, denn wie zerschlagen bin ich ob so vieler Leiden von Jugend auf bis zu diesem tage und auch jetzt muss ich ein unerträgliches Martyrium an meinem elenden Körper erdulden!“ und Maria tröstete mich mit süßen Worten und sprach: „Meine geliebte Tochter! Unser Herr hat es so angeordnet, daß du in deinem Leben so viele Schmerzen und Trübsale zu leiden hast; er wird sich aber deiner erbarmen und dich wohl trösten. Sein Wille ist, daß du dadurch gereinigt und also bestellt werdest, daß du nach deinem Hinscheiden nichts mehr leiden darfst. Habe also Geduld in allen deinen Übeln; murre nicht gegen den Herrn in deinem Herzen, weil er Alles zum Guten dir wenden wird. –

Das Leiden der heiligen Elisabeth

Betrachte die, welche mich hier umgeben, wie sie gekrönt sind und wie groß ihr Schmuck ist. Sie haben viel Trübsal geduldet und harte Marter für den Herrn, und daher haben sie nicht bloß Ehre vor Gott, sondern sie werden auch hoch geehrt von den Menschen und weit und breit wird ihnen gedient. Ich sage dir in Wahrheit: wenn es möglich wäre, daß du an einem Tage dreißigmal verbrannt würdest zu Staub und wieder auflebtest, so könntest du mit solchem Leid keine größere Gnade und Glorie verdienen, als jene, welche der Herr dir aufbewahrt hat.“

Da sprach ich wiederum zur Gottesmutter: „Ich fürchte, o Frau, daß vielleicht Menschen an meinen Krankheiten Ärgernis nehmen und glauben möchten, ich müsse sie erdulden wegen einiger schwerer Sünden und möchten deshalb die Gnade bezweifeln, die mir der Herr verliehen und nicht glauben, was der Herr in mir gewirkt hat.“ Darauf erwiderte meine Frau: „Niemand, der da weise ist, wird solches tun.“
Von diesem Tage an ward die Dienerin Gottes immer schwächer und immer neue Schmerzen traten hinzu. Sie konnte nimmer schlafen vor Leid, und saß Tag und Nacht da ruhig und stille, manche Dinge besorgend, von denen man glaubte, daß sie gar nicht daran denke.

Das Versprechen der Himmelskönigin an Elisabeth

Ehe die tödliche Schwäche sie ergriffen, sah sie einmal die Liebe Frau, und im herzinnigen Gebet empfahl sie ihr das Ende ihres Lebens, sprechend: „Ich bitte dich, meine Frau, hilf mir um deiner Güte willen, damit mein Ausgang Gott wohlgefällig sei und daß ich nicht scheide von dieser Erde, bevor nicht alles an mir geschehen ist, was einem Christenmenschen beim Sterben geziemt.“ Darauf gab die Liebe Frau zur Antwort. „Sei versichert, daß dein Hinscheiden nicht bloß eines Christen würdig, sondern wie das eines Heiligen sein wird!“ In der Tat sah Elisabeth das Versprechen der Lieben Frau an sich erfüllt, denn nicht bloß empfing sie alle heiligen Sakramente wie ein Christ, sondern der Herr überhäufte sie mit seinen Segnungen so, daß alle in ihr die Wirkungen besonderer Gnade erkannten und Gott lobten. Vor ihrem Ende gab sie den Schwestern noch die rührendsten Ermahnungen und bezeugte feierlich, daß ihre Gesichte und Offenbarungen wahrhaft von Gott seien. Nun wurde ihr Bruder Egbert herbei gerufen. Als er vor ihr Bett sich setzte, sprach sie zu ihm: „Liebster Bruder! Siehe, ich sterbe und werde nicht wieder gesund werden, das hat mir der Herr diese Nacht in einem Gesicht geoffenbart.“ Seit diesem Tag genoss sie nur mehr frisches Wasser, und einmal auf vieles Bitten einige Erdbeeren und ein Stückchen Apfel; konnte aber das Genossene nicht behalten.

Ihr heiliges Sterben

Am Samstag, den 12. Juni, als man die Tagzeiten der L. Frau betete, erschien ihr die Königin des Himmels und sprach zu ihr: „Deine Krankheit bringt dir den Tod. Du wirst mich aber sehen bis zur Stunde, wo ich deine Seele in herrlicher Begleitung aufnehmen und führen werde zum Ort der Erquickung, wo du ausruhen sollst von allen deinen Arbeiten.“ In der Sonntagsnacht wurde sie etwas stärker am Geist; und als sich hierauf die Schwestern wieder um ihr Bett versammelt hatten, betete sie andächtig zur allerheiligsten Dreifaltigkeit und zur Mutter des Herrn und empfahl ihnen, wie auch allen Heiligen ihre Seele. Als die Schwestern Amen gesagt hatten, wendeten sie sich wieder an die Mutter des Herrn mit den schönen Gebeten: „Salve Regina“ und „Holde Mutter des Erlösers!“ – und wie ihr Maria versprochen hatte, geschah es auch. Sie sah immer die Himmelskönigin bei sich und zwar manchmal im helleren, manchmal im schwächeren Glanz; auch nahte sich ihr die Mutter Gottes mit sehr vielen anderen Heiligen, und es schien, als würde sie abscheiden. Dabei ward sie von diesem Anblick so ergriffen, daß sie die Sprache verlor und auf Niemanden der Umstehenden merkte. –

Als sie aber die Sprache wieder erhielt, betete sie fort, erteilte den Anwesenden noch fromme und ernste Ermahnungen und bat dann, da sie immer schwächer wurde, sie auf ein härenes Bußkleid auf den Boden zu legen. Nachdem dies geschehen, entschließ sie, während die Schwestern die Litanei beteten und der Abt und die Brüder sie wiederholten, sanft im Herrn am Freitag den 18. Juni um die neunte Stunde. Ein Priester, der die Heilige in Christo sehr lieb hatte, brach weinend bei ihrem Hinscheiden in folgende Worte aus: „Gehe nun gin, heilige Seele, in deine Ruhe: steige auf wie eine Rauchsäule von Spezereien aus Myrrhen und Weihrauch und aus allerlei Pulver des Salbenkrämers“ (Hohel. 3, 6); gehe ein in die Freuden deines Herrn, – Herr Jesu Christe, Erlöser der Welt, nimm die Seele auf, die du erschaffen, die Seele, welche du mit deinem Blut erkauft hast. O Maria, Mutter der Barmherzigkeit, nimm auf deine Magd. O Jungfrau der Jungfrauen, erkennen nun diese deine Jungfrau! Heiliger Engel, nimm nun diese dir anvertraute Seele auf und führe sie ein in den Frieden, wo sie ruhen möge von ihren Mühen.“ (Ex Bollando.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1440 – Sp. 1445

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