Heilige Maria Magdalena von Pazzi

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

29. Mai

Die heilige Maria MAgdalena von Pazzi in ihrem Ordensgewand kniet vor dem Kreuz; Lichtstrahlen aus den Wunden des gekreuzigten Heilandes treffen sie; die Muttergottes überreicht ihr eine Dornenkrone; der heilige Geist in Gestalt einer Taube sendet Flammen auf sie herab; und ganz oben im Himmel ist Gott Vater zusehen

Die heilige Maria Magdalena von Pazzi Karmelitin

Die heilige Magdalena von Pazzi wurde am 2. April im Jahre 1566 zu Florenz geboren. Ihr adeliger Vater hieß Camillo de Pazzi, daher der Beiname. In der heiligen Taufe erhielt sie den Namen Katharina, welchen sie bei dem Eintritt in das Kloster mit dem Namen Maria Magdalena vertauschte. Schon als Kind, ebenso schön, als von Herzen fromm, folgte sie den Eingebungen der göttlichen Gnade und hatte daher am Gebet und an der Anhörung des christlichen Unterrichtes große Freude. Ehe sie lesen konnte, brachte sie schon ganze Stunden im Gebet zu. Da man sie fragte, was sie bei ihrem Betstuhl mache, antwortete sie: „Ich bitte Gott um die Gnade, zu erkennen, was ich ihm zu Gefallen tun soll.“ Als sie in die Schule geschickt wurde, gab man ihr in einem Körbchen nach Landesgebrauch einige Speise oder Labung, die sie genießen könnte; der Weg zur Schule führte sie vor dem Gefängnis vorbei; da gab sie den Gefangenen die Labung. Auch pflegte sie niemals etwas von Speise oder Trunk zu nehmen, ehe sie in der Kirche war. Kaum sieben Jahre alt, fing sie schon an, sich auf allerlei Art abzutöten. Sie enthielt sich von verschiedenen Früchten, die sie sonst so gerne aß; niemals genoß sie etwas, außer mittags und abends; und wollte niemals bei eitlen Schauspielen erscheinen. Dagegen las sie mit größter Freude geistliche Bücher, besonders jene, die vom Leben und Leiden Christi handelten. Daher ihre innige Liebe zu Jesus, und ihr Verlangen nach ihm in der heiligen Kommunion schon im achten Jahr. Man erlaubte ihr deswegen im zehnten Jahr ihres Alters zu kommunizieren. Sie sagte nachher, sie habe bis dahin keinen fröhlicheren Tag gehabt, als den Tag der ersten heiligen Kommunion.

Bald darauf opferte sie sich Gott durch das Gelübde der jungfräulichen Reinigkeit ganz auf. Im zwölften Jahr schritt sie in ihren Abtötungen so weit, daß sie schon ein härenes Bußkleid anlegte, ihre Ruhestätte auf der Erde nahm, nachts eine Dornenkrone auf das Haupt setzte und auf verschiedene andere Weise ihren zarten Leib abtötete, besonders deswegen, um sich ihrem geliebten Jesus gleichförmiger zu machen. Im 15. Jahr wurde sie von verschiedenen vornehmen und reichen Jünglingen zur Ehe verlangt, sie beteuerte aber ihren Eltern, sie hätte schon einen weit edleren und reicheren Bräutigam erwählt und wolle diesem treu bleiben.

Im siebzehnten Jahre, nach Überwindung sehr vieler Schwierigkeiten trat sie endlich zu Florenz in das Kloster der Karmeliterinnen. Den Namen Magdalena nahm sie an, um ihr in der Liebe zu Jesus nachzufolgen. Am Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit legte sie ihre Profeß mit solcher Andacht und Inbrunst der Liebe gegen Gott ab, daß sie nach derselben zwei ganze Stunden lang verzückt blieb. Dasselbe geschah vierzig Tage nacheinander nach empfangener heiliger Kommunion. Auch zu anderen Zeiten wurden ihr Verzückungen zuteil, und zahlreiche Erscheinungen, sowie Offenbarungen, in denen sie viele heilsame Unterweisungen von Gott empfangen, zukünftige Dinge erkannt und andere vorhergesagt hat. Das Feuer der göttlichen Liebe entbrannte in ihr so heftig, daß man bisweilen ihre Brust und Hände mit kaltem Wasser begießen musste, um die innerliche Hitze etwas zu lindern. Bisweilen ergriff sie das Bild des Gekreuzigten und rief mit lauter Stimme: O Liebe! O Liebe! Ich will niemals aufhören, dich zu lieben.

Am Fest der Auffindung des heiligen Kreuzes lief sie durch alle Gänge des Klosters und schrie überlaut: „O Liebe! Wie wenig erkennt man dich! Wie wenig liebt man dich! Ach, kommt, kommt ihr Seelen, und liebet euren Gott!“ Oft wünschte sie, eine so starke und laute Stimme zu haben, daß man selbe in der ganzen Welt hören könnte, um alle Menschen zur Liebe Jesu zu ermahnen. Nichts konnte ihr schmerzlicher fallen, als wenn sie hörte, daß Gott von andern beleidigt worden sei. Täglich opferte sie gewisse Gebete und Bußwerke Gott dem Herrn für die Bekehrung der Ungläubigen und Sünder auf, und ermahnte ihre geistlichen Mitschwestern, das gleiche zu tun. Für das Heil der Seelen erbot sie sich Gott dem Herrn zu allen Krankheiten und Schmerzen.

Einst sprach sie: „Wenn mich Gott, wie den heiligen Thomas von Aquin, fragte, was ich für einen Lohn für das Wenige begehrte, was ich mit seiner Gnade getan habe: so wollte ich antworten, nichts anderes, als das Heil der Seelen.“ Die Zeit der Fastnacht, wo sie wußte, daß Gott so oft und schwer beleidigt werde, war bei ihr eine Zeit der Tränen, des Gebetes und der größten Bußwerke, welche sie verrichtete, um den erzürnten Gott etwas zu versöhnen. Ihren Leib peinigte sie mit härenen Kleidern, mit öfterem Geißeln, mit Wachen, mit Hitze und Kälte und mit strengem Fasten; denn 22 Jahre lang hat sie zu ihrer Nahrung nichts als Brot und Wasser genossen; nur an den Sonntagen nahm sie einige Fastenspeisen zu sich.

Indessen gefiel es dem Allerhöchsten, seine getreue Dienerin mit Widerwärtigkeiten heimzusuchen. Fünf Jahre lang wurde sie fast Tag und Nacht mit den entsetzlichsten Anfechtungen, mit unreinen, gotteslästerlichen und verzweifelnden Gedanken geplagt, wobei sie aber stets vertrauensvoll zu Gott aufblickte. Oft ergriff sie das Bild des Gekreuzigten oder der seligsten Jungfrau, küßte dasselbe und rief Gott um Beistand an. In den drei letzten Jahren ihres Lebens musste sie auch verschiedene schmerzhafte Krankheiten erdulden. Ein scharfer Fluss ergriff das Zahnfleisch und verzehrte es, so daß ihr ein Zahn nach dem andern ausfiel. Hierzu kam ein heftiger Kopfschmerz und ein hitziges Fieber. Gott entzog ihr dabei allen sonst gewöhnlichen himmlischen Trost. Sie musste beständig zu Bett liegen, ausgenommen, wenn die Zeit war, die hl. Messe zu hören und zu kommunizieren; dann konnte sie, in den drei ersten Jahren von Gott augenscheinlich gestärkt, der heiligen Messe beiwohnen und die heilige Kommunion und die heilige Kommunion empfangen, dann musste sie aber wieder in ihr Zimmer zurückkehren, wo man sie so entkräftet antraf, als wenn sie augenblicklich sterben müsste. Man widerriet ihr das öftere Kommunizieren; sie aber sprach, daß sie unmöglich ohne öftere heilige Kommunion die unausgesetzten Schmerzen ertragen könne. Bald konnte sie vor Schwäche die Zelle nimmer verlassen; daher empfing sie nun hier alle Tage die heilige Kommunion. Mit welcher Geduld sie ihre Schmerzen litt, ist nicht zu beschreiben. Ihr gewöhnlicher Spruch war: „Leiden, nicht sterben“. Sie verlangte so lange als möglich unserm Heiland zuliebe zu leiden. Da ihr Beichtvater einst sie damit trösten wollte, die Schmerzen würden auch ein Ende nehmen, sagte sie: „Nein, mein Vater, ich verlange keinen solchen Trost, wohl aber diesen, daß ich bis an das Ende meines Lebens leiden möge.“Ein anderes Mal sprach sie: „Ich hoffe, daß ich nach dem Beispiel meines Heilandes am Kreuz sterben werde“; sie wollte damit sagen, in den größten Schmerzen.

Als die Krankheit und die Schmerzen bereits drei Jahre lang angehalten hatten, urteilten die Ärzte, das Ende ihres Lebens wäre in der Nähe. Magdalena verlangte nach der heiligen Kommunion und der heiligen letzten Ölung, bat ihre Mitschwestern um Verzeihung für alle begangenen Fehler und gab ihnen einige heilsame Lehren, besonders empfahl sie ihnen, Gott zu lieben, sich selbst aber zu hassen. Danach brachte sie noch zwölf Tage in den Übungen der Tugenden zu, nach deren Verlauf aber endigte sie ihr heiliges und wunderbares Leben, nicht so fast von der Heftigkeit der Schmerzen, als von der Inbrunst der göttlichen Liebe ganz verzehrt, 42 Jahre alt, im Jahre 1607 den 25. Mai an einem Freitag, und fast zur selben Stunde, in welcher unser göttlicher Heiland für uns am Kreuze gestorben ist. Einige Tage vor ihrem heiligen Hinscheiden sagte sie: „Ich sterbe, ohne daß ich jemals habe fassen können, wie es möglich sei, daß ein Mensch in eine Todsünde einwillige.“ Gleich nach ihrem Hinscheiden at Gott ihre Seligkeit der Welt bekannt gemacht, nicht nur durch viele Wunder, sondern auch durch das, was sich mit ihrem heiligen Leib ereignete. Derselbe war wegen langwieriger Krankheit und Menge der Bußwerke ganz abgezehrt und bleich; nach dem Tode aber zierte ihn der Herr mit einer Schönheit und Verklärung, daß alle Anschauenden zur Andacht bewegt wurden. Es duftete aus demselben der angenehmste Geruch hervor. Im Jahre 1663 fand man denselben noch ganz unverwest und nahm noch eben diesen lieblichen Geruch wahr. Die hl. Magdalena wurde vom Papst Alexander VII. 1667 heilig gesprochen. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 392 – S. 396

Bildquellen

  • auer-heilige-maria-magdalena-von-pazzi: Bildrechte beim Autor
  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor

Verwandte Beiträge

Dämonische Sünde Lust am Bösen
Buch mit Kruzifix
Unser Kriegsdienst und Harren auf Umwandlung
Menü