Gottselige Franziska vom hl. Sakrament

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

27. November

Gottselige Franziska vom heiligen Sakrament, Karmelitin

(Kampf und Sieg)

Manches Mädchen hat in jüngeren Jahren Kloster-Gedanken; sobald aber eine Mannsperson ihr Zuneigung zeigt, wirft sie sich der Welt in die Arme. So ging es auch mit Franziska; obschon sie nicht schön und angenehm war, so fing sie doch mit einem Vetter von Adel eine Liebschaft an. Dieses war schon drei Jahre lang fortgegangen und sie dabei in der Religion immer lauer geworden, da kam es ihr an einem finstern Ort plötzlich vor, als sähe sie die Hölle unter ihren Füßen offen und die Peinen der verdammten Seelen. Der Schrecken darüber vertrieb alle weltlichen Gedanken und Gelüsten; sie zerriß allen ferneren Verkehr mit ihrem Vetter, beseitigte allen Putz und legte ganz schlechte Kleider an, und war entschlossen in ein Kloster zugehen, obschon ihr der Teufel eingegeben hatte, sie werde doch verdammt, sie solle deswegen lieber die Freuden der Welt genießen.

Um jene Zeit hatte die hl. Theresa in der Stadt Soria ein Karmeliter-Kloster für Jungfrauen errichtet; hier ließ sich auch Franziska aufnehmen. Allein die Sünden ihres vergangenen Lebens gingen ihr so zu Herzen, daß sie meinte, Gott könne ihr kaum mehr verzeihen, und daß sie höchst trostlos und verzagt umher ging. Auf ihr andringendes Gebet bekam sie endlich den Trost, es sei diese Unruhe und Angst nur eine Versuchung des Teufels, sie solle ihre Sünden beichten und werde auch die nötige Gnade dazu bekommen. Franziska tat solches und legte eine Generalbeichte ab, worauf sie ihre Angst und Misstrauen gegen die Barmherzigkeit Gottes zwar verlor, aber dafür setzte ihr der Teufel mit anderen schweren Versuchungen zu. Insbesondere wurde sie außerordentlich heftig von unreinen Gedanken angefochten, und zwar wurde sie lebenslänglich von diesen Anwandlungen geplagt, obschon sie über 60 Jahre alt wurde. Ihre Seele schwebte dadurch in großer Gefahr, wie ein Mensch, der mit einem weißen Gewand bekleidet einen weiten Weg voll Kot und Unrat machen und sich nicht verunreinigen soll.

Franziska hatte aber auch noch Anderes zu bekämpfen, wie ein Krieger, den die Feinde von zwei und drei Seiten zugleich anfallen. Sie war nämlich von Natur überaus trotzig und zum Zorn geneigt. Wenn ihr nur das geringste vorkam, war sie sogleich ungeduldig, und wenn sie nur ein wenig unfreundlich angesehen wurde, geriet sie in Zorn und Ärger. Sie wurde deshalb öfters von ihren Obern gestraft; dennoch hatte sie über 20 Jahre mit dieser bösen Natur zu kämpfen. Ferner kam es ihr über alle Maßen schwer an, ihre zerfahrenen Gedanken zum Gebet zu sammeln und ohne Zerstreuung zu beten. Sie hat selbst schriftlich darüber gesagt: „Die Trockenheit, so ich im gebet gelitten, ist übermäßig groß gewesen, weil ich ein sehr hartes Herz hatte und eine große Ungeschicklichkeit zur Andacht; ich fühlte mich träge und widerspenstig gegen alle geistliche Übungen.“
Dann kamen wieder Anfechtungen von Schwermut und Verzweiflung. Es kam ihr vor, als stünden viele Teufel vor ihr mit großen Zetteln, auf welchen alle ihre Sünden von früher Kindheit an bis jetzt aufgeschrieben waren; auch die geringste Kleinigkeit war nicht vergessen. Die Teufel lasen Alles vor und machten daraus ungeheuer große Sünden, wovon keine Vergebung mehr zu finden, sie sei ewig verloren.

Zum Überfluss gleichsam wurde dann die arme Franziska auch äußerlich noch schwer bedrängt. Sie war fast bei allen ihren Mitschwestern verachtet und verhasst, denn sie schien wenig Verstand zu haben, war unschön von Gestalt, unangenehm im Reden, und zeigte ein aufbrausendes grobes Wesen. Obschon nicht ihr Wille, sondern ihr Temperament schuld daran war, wurde sie doch von den Obern schwer gestraft, und als einmal der Provinzial kam, wurde die viel geplagte Franziska noch als Zänkerin und Ruhestörerin verklagt. Sie bekam nun eine Buße dafür, welche für sie die aller schmerzlichste war, nämlich, daß sie einige Monate nicht mehr zum Tisch des Herrn gehen durfte, und daß ihr der Beichtvater, der sie allein noch bei ihren Trübsalen und Anfechtungen getröstet und belehrt hatte, genommen wurde.

Ich habe nun einige von den Versuchungen angegeben, womit die gottselige Franziska gleichsam wie ein Wild lebenslänglich gehetzt wurde – ich will aber nun auch zeigen, wie sie sich dabei benommen hat. In Bezug auf die schweren Bußen, welche ihr der Provinzial auf falsche Anklagen hin auferlegt hat, zeigte sie nicht die geringste Verdrießlichkeit, sondern sagte zur Vorsteherin: „Alle diese Strafen fallen von oben herab; ich bin die Erde, auf welche Gott sie regnen läßt.“ Um ihre wilde Sinnlichkeit zu bezähmen, übte sie aber höchst furchtbare Bußen, so daß sich die übrigen Klosterfrauen ganz darüber entsetzten. Täglich warf sie in ihr Essen ein sehr bitteres Kraut, Aloe; an manchen Tagen fastete sie bei Wasser und Brot, an manchen aß sie gar nichts. Sie geißelte sich gewöhnlich eine ganze Stunde lang, so daß reichlich das Blut von ihr floß. Drei Jahre lang trug sie Tag und nacht ein Bußkleid, das nach innen wie ein Reibeisen sie verwundete. Auf ihr Bett legte sie Bretter und vergönnte sich allmählich nur noch zwei bis drei Stunden zum Schlaf. Da Franziska einmal besonders heftige Anfechtungen hatte, ging sie Nachts, als es stark schneite, in den Garten, zog sich aus und blieb so lange in dem Schnee stehen, bis sie ganz erfroren war – so daß sie hernach lange zu tun hatte, um in die eiskalten Glieder wieder einige Wärme zu bringen. Sehr oft musste sie auch sonst in der Nacht aufstehen und schwere Bußwerke tun, um das Feuer der Sinnlichkeit auszulöschen. Durch diese gewaltige Bußen und unaufhörlichen Kampf erreichte es die selige Franziska, daß sie niemals auch nur in einen unreinen Gedanken einwilligte, also in einem Meer von unreinen Versuchungen dennoch die Seele rein bewahrte.

Gegen ihren Jähzorn kämpfte Franziska nicht minder treu und standhaft. So oft sie aus menschlicher Schwachheit davon fortgerissen wurde und in unbedachtsame Reden ausbrach, so entschuldigte sie sich nicht mit ihrem heftigen Temperament, sondern klagte sich selbst bitter an, als kämen ihre Fehler aus lauter Bosheit. Sie blieb dann in ihrer Zelle, vergoss tausend Tränen, machte feste Vorsätze und rief Gott und alle Heiligen um Hilfe an; sie sprach mit Job: „Ich kann mich nicht mehr ertragen und bin mir selbst schwer geworden.“ Gott aber, vor dem sie sich beklagte, daß er ihr eine so schlimme Natur gegeben habe, antwortete ihr: „Diese Natur steht dir wohl an, und ich will, daß du damit streitest. Weine nicht, sondern bessere dich.“ Wann sie aber eine Klosterfrau durch ihr aufbrausendes Wesen erzürnt hatte, bat sie die Beleidigte um Verzeihung und gab ihr die aller freundlichsten Worte. Wollte aber eine Klosterfrau sich selbst bei Franziska entschuldigen wegen einer ihr zugefügten Beleidigung, so kam Franziska ihr eilends zuvor, fiel vor ihr nieder und klagte sich selbst als den schuldigen Teil an.

Indem ihr das Leben so schwer ankam, so ließ sie sich dadurch nicht zur Nachlässigkeit verleiten, sondern brauchte im Gegenteil recht Gewalt; besonders strengte sie sich sehr an, in die Gegenwart Gottes sich zu versetzen. Deshalb schlief Franziska auch so wenig, damit sie mehr zeit zum beten gewinne. Sie hatte sich selbst viele mündliche Gebete auferlegt und gestattete sich nicht zu schlafen, bevor alle verrichtet waren; jede Nacht um 12 Uhr betete sie drei Vaterunser und Ave Maria zu Ehren der Geburt Christi, welche Gewohnheit sie bis zu ihrem Tode fortsetzte, und auch in selbiger Stunde verschieden ist, auch unter dem spinnen, Nähen usw. betete sie fortwährend, der Rosenkranz kam ihr fast nie aus der Hand.

Auf solche Weise brachte es Franziska zu einer großen Heiligung, so daß sie alle andern Klosterfrauen übertraf, die nicht mit so vielen Versuchungen zu kämpfen hatten. Mancher Mensch, wenn er von seinem gewissen oder auch von außen gemahnt wird, christlicher zu leben und sich von sündigen Gewohnheiten los zu machen, entschuldigt sich damit, er habe eben ein schlimmes Temperament, er könne nicht anders leben. Ja selbst solche, die nach Besserung streben, verzagen oft und geben sich selber auf, wenn sie gegen ihren Vorsatz wieder in die alten Fehler gefallen sind. Du siehst an der gottseligen Franziska, wie der Mensch auch mit den aller schlimmsten Neigungen und unter lebenslänglichen heftigen Versuchungen dennoch heilig werden kann. Du darfst nur standhaft mit mit deinem freien Willen gegen alle sündhafte Anwandlungen kämpfen, d. h. in allen Stücken das Gegenteil von dem tun, was die Versuchung dir zumutet. Neigungen und Versuchungen zum Bösen sind noch keine Sünde, so lange man nicht darein willigt; im Gegenteil, wer viel mit Versuchungen und übler Stimmung zu streiten hat und tapfer auch wirklich streitet, der gewinnt zuletzt größeres Verdienst und größere Vollkommenheit, als wer gar nicht besonders angefochten wird und das Gute nur tut, weil es ihn leicht ankommt. Der Wille des Menschen ist nun freilich schwach, allein die Gnade Gottes ersetzt, was ihm an eigener Kraft abgeht; diese Gnade steht Jedem zu Gebot, der nur darnach langen mag, nämlich durch Gebet und Gebrauch der hl. Sakramente.

Wie sehr diese treue Seele in ihrem lebenslänglichen Kampf von dem Herrn geliebt wurde, zeigte er durch manche Erscheinungen, womit er sie begnadigte. Da sie einst in der Karwoche das Leiden Christi betrachtete, erschien er ihr ganz verwundet und mit Blut überronnen, wovon ihr Herz unsägliches Mitleid empfand. Er aber nahte sich zu ihr, tauchte einen Finger in sein rosenfarbiges Blut und spritzte ihr davon ins Angesicht. Dieses heilige Blut durchdrang ihren ganzen Leib und verursachte ihr unsägliche Schmerzen. Es nahm auch Christus die Dornenkrone von seinem Haupt und berührte damit sanft ihre Stirn, wovon sie abermals solche Schmerzen empfand, als würden ihr beide Augen aus ihrem Kopf und alles Eingeweide aus dem Leib gerissen. Franziska fürchtete aber hierbei, man werde nun Wundmalen an ihrer Stirne sehen und sprach deshalb: „Mein liebster Jesus, gib mir doch keine Gnade, die man äußerlich an mir erkennen kann, als allein die Gnade, dich zu lieben und ohne Belohnung dir zu dienen.“ – Der Herr gab zur Antwort: „Ich habe dir kein äußerliches Zeichen eingedrückt; die Schmerzen habe ich dir aber geschenkt, damit du mehr zu leiden und einen größeren Lohn zu verdienen habest.“

War das Leben dieser Gott gefälligen Magd des Herrn ein langer schwerer Kampf, so war ihr Ende friedsam und lieblich, wie wenn nach einem Tag voll Regen und Sturm Abends der Himmel sich lichtet, gegen Osten ein Regenbogen erscheint, und im Westen die Sonne im weiten Abendrot schön und tröstlich untergeht. Einige Tage vor ihrem Tode war Franziska zum ersten Mal seit ihrem Eintritt ins Kloster gänzlich frei von allen unreinen Versuchungen, bekam Erscheinungen von Christus, der freundlich mit ihr redete, und unmittelbar vor ihrem Sterben sah sie den Herrn und seine heiligste Mutter, den hl. Joseph und noch einige Heilige, die sie besonders verehrt hatte, wie wenn sie ihre Seele abholen wollten. Um Mitternacht schied dann ihre gebenedeite Seele sanft von dem Leibe, als wenn sie nur süß eingeschlafen wäre. –

Bitte, o selige Franziska, daß auch wir Kraft und Treue erlangen, gegen alle Versuchungen so siegreich zu kämpfen, wie du, bis an ein seliges Ende!. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 4 Oktober bis Dezember, 1872, S. 341 – S. 346

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