Heiliger Eberhard Abt von Einsiedeln

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

14. August

Der heilige Eberhard Abt von Einsiedeln

Am Vorabend des hohen Festes „der Aufnahme Mariä in den Himmel“ verdient unser ehrfurchtsvolles und dankbares Andenken der hl. Eberhard, der auf dem ehrwürdigen Fundament, welches der hl. Meinrad im „finstern Walde“ mit seinem Märtyrerblut gesegnet hatte, mit den geistigen Bausteinen, welche der selige Benno gesammelt hatte, und mit dem Schatz seiner eigenen Tugenden das Kloster Einsiedeln aufgebaut hat, wo heute noch die Himmelskönigin einen ihrer berühmtesten Gnadenthrone verherrlicht.

Eberhard, ein Sprößling der Grafen von Franken und ein Blutsverwandter des Herzogs Hermann von Schwaben, verzichtete auf weltliche Größe und Pracht, wählte den Priesterstand und leuchtete an der Kirche zu Straßburg so sehr durch den Reichtum seines Wissens wie durch die Frömmigkeit des Herzens, daß ihm, der noch jung an Jahren war, die Würde eines Dompropstes aufgenötigt wurde. Doch seiner Demut war diese Ehre unerträglich, und sein engelreines Herz sehnte sich nach stiller Einsamkeit, um in ungestörtem Gebet mit Gott sich zu vereinigen. Der Ruf der göttlichen Gnade und die heilige Freundschaft mit dem ehrwürdigen Benno lenkten seine Schritte nach der durch Wunder leuchtenden St. Meinrads-Zelle im finstern Wald, wo er die herzlichste Aufnahme fand. Damals lebten die Mitbrüder Benno`s nicht bei einander, sondern als Einsiedler in einzelnen, von einander ziemlich weit entfernten Zellen, und kamen nur zur Sonntagsfeier zusammen.

Mit Eberhards Ankunft entfaltete sich ein neues Leben im finstern Walde; die Brüder vereinigten sich zur Annahme der Regel des hl. Benedikt, welche das gemeinsame Zusammenleben vorschreibt, und beschlossen den Bau eines Klosters. Eberhard, noch im Besitz des von Mutter und Vater ererbten, sehr großen Vermögens, bestritt die Baukosten, wobei ihn der Graf von Rapperswil und noch mehr der Herzog von Schwaben mit Schenkungen unterstützten. Das Kloster wurde in großartigem Maßstab aufgeführt mit einer prächtigen Kirche, welche die Kapelle des hl. Meinrad mit dem wundertätigen Muttergottes-Bild schirmend umschloß und überwölbte.

Nach dem Tode des im Rufe der Heiligkeit stehenden Benno, welcher bisher Vorsteher dieser Genossenschaft gewesen, wurde Eberhard sogleich zum Nachfolger und ersten Abt erwählt, ein ruhmvolles Zeugnis, wie hoch die Brüder seine Liebe, Weisheit und Charaktergröße schätzten. Dieses Zeugnis wird auch besonders dadurch bestätigt, daß sich viele Söhne aus herzoglichen und gräflichen Familien um das Glück bewarben, unter der Leitung des neuen Abtes im ärmlichen Mönchskleid von Stufe zu Stufe bis zur seligen Vereinigung mit Gott empor zu steigen. Würdige Schüler dieses großen Meisters waren der selige Thietland, der selige Gregor, der hl. Adalrich, der ehrwürdige Adam und Heinrich: herrliche Blüten des jungen Klosters, dem die göttliche Vorsehung eine so segensreiche Zukunft bestimmt hatte.

Inzwischen hatte der hl. Eberhard den Bau des Klosters und der Kirche zu Ende geführt und den Diözesanbischof Konrad von Konstanz mit seinem Freunde, dem Bischof Ulrich von Augsburg, nebst zahlreichen Kirchenfürsten, Äbten und Adeligen eingeladen zum Fest der Kapell- und Kirchenweihe. Bischof Konrad, der die Weihe am 14. September 948 vollziehen sollte, ging wie gewöhnlich um Mitternacht mit mehreren Mönchen zum Gebet in die Kirche. Plötzlich unterbrach ein himmlischer Lichtglanz und lieblicher Engelgesang von der Kapelle her ihre Betrachtung, und mit Staunen sahen sie, wie Jesus Christus selbst, umgeben von Engeln und Heiligen, die Kapelle einweihte und dabei ganz dieselbe Ordnung und dieselben Zeremonien beobachtete, wie sie für die Einweihung der Kirchen vorgeschrieben sind. Als am folgenden Tage Alles zur heiligen Handlung bereitet war, das zusammen geströmte Volk mit Ungeduld auf den Beginn derselben wartete und Konrad immer noch im Gebet blieb, drängte man ihn, er möge anfangen. Notgedrungen erzählte er den gegenwärtigen Bischöfen und Äbten, was er in der Nacht gesehen und gehört. Diese jedoch erklärten das Vernommene für ein Traumgesicht, für ein Phantasiegebilde und verlangten, daß er die Kapelle gerade zuerst einweihe. Allein in dem Augenblick, da er die Zeremonie beginnen wollte, ertönte laut und mächtig eine himmlische Stimme. „Halt` ein, halt` ein, Bruder, die Kapelle ist von Gott geweiht.“ Alle Anwesenden vernahmen diese Stimme dreimal und wurden von Schrecken und Staunen erfüllt. Konrad bestieg nun die Kanzel und erzählte den versammelten Zuhörern, was er und die ihn begleitenden Mönche um Mitternacht gesehen und gehört hatten. Diese Aufklärung verwandelte die bange Spannung ob der vernommenen Stimme des Himmels in die lauteste Freude und freudigste Danksagung gegen Gott.

Das Andenken an dieses wunderbare Ereignis wird seither alljährlich unter dem Namen „die Engelweihe“ festlich begangen, und die unzähligen Gnaden, welche seit tausend Jahren die fortwährenden Pilgerzüge in dieser göttlich geweihten Kapelle durch die Fürbitte Mariä, der Mutter der Barmherzigkeit, empfangen, sind die unzweifelhafte Bestätigung der Wahrheit dieses Wunders.
Die große Kirche weihte dann der Bischof zu Ehren des hl. Feldherrn Mauritius und seiner thebäischen Legion.

Nach dieser einzig in der Kirchengeschichte dastehenden und für das fromme Herz des hl. Eberhard so glorreichen Begebenheit lebte er noch zehn Jahre, hoch verehrt von den eigenen Söhnen und von den Pilgern, unter denen öfters Kaiser und Fürsten waren, die bei ihm Rat und Trost suchten. Seine Heimkehr aus diesem Leben in die selige Heimat, über welche nähere Berichte fehlen, erfolgte am heutigen Tage 958, und sein Leichnam wurde beigesetzt vor der Muttergottes-Kapelle, an den Stufen dieses Heiligtums, da er mit so inniger Verehrung gehütet und mit so großen Opfern geziert hatte. –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 601 – S. 602

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