Gottselige Margaretha vom Kreuz

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

5. Juli

Gottselige Schwester Margaretha vom Kreuz

Margaretha hatte zum Vater den römischen Kaiser Maximilian II., und zur Mutter eine Tochter des Kaisers Karl V., Maria. Im Jahre 1567 wurde sie zu Wien geboren. Sie war ihrer Herkunft nach bestimmt, einst eine Königskrone zu tragen, wählte aber mit der schmerzhaften Gottesmutter Maria unter dem Kreuz zu stehen, die Dornenkrone der Leiden auf dem Haupt. –

Ihre fromme Mutter erzog sie in der Furcht des Herrn, und da sie eine besondere Liebhaberin der heiligen Mutter Gottes war, so ließ sie sich sorgsam angelegen sein, diese Liebe in die Herzen ihrer Kinder, besonders ihrer geliebten Tochter Margaretha zu pflanzen. Sie lehrte sie frühzeitig den Rosenkranz, und da sie lesen gelernt, die Tagzeiten der Lieben Frau beten, was alle Tage Morgens geschehen musste. Die kleine Margaretha sah es gerne, wenn auch Andere den Rosenkranz beteten, daher sie die von ihrer Mutter erhaltenen Rosenkränze herschenkte, bis endlich die Mutter ihr befahl, den Rosenkranz, die sie ihr gegeben, zu behalten, und Margaretha allzeit pünktlich gehorsam, behielt den Rosenkranz bis zu ihrem Tode. Margaretha war überhaupt ein ganz eigenes Kind; sie hatte nur mit göttlichen Dingen Freude, und ihre Erholung war, in der Betkammer Altärchen zu bauen und heiligen-Bilder, besonders das Bild der Mutter Gottes, zu bekleiden. Das Kindlein Jesus war es vorzugsweise, mit dem sie sich viel abgab; sie machte ihm ein weiches Bettlein in der Krippe, gab ihm warme Kleider und sprach mit ihm, wie Kinder mit einander sprechen.

Als sie größer geworden, fühlte sie in sich eine heilige Entschiedenheit, sich dem Herrn zu opfern, weswegen sie auf allerhand Mittel sann, sich abzutöten. Von ihrer Mutter wurde sie mit dem Habit der unbefleckten Empfängnis bekleidet, da zog sie die silberne Schnur, welche sie dabei erhielt, oft so straff um den Arm, daß dieser tiefe Striemen erhielt und nicht selten das Blut hervor trat. Sie wußte sich auch von ihrem Hoffräulein Bußgürteln und Geißeln zu verschaffen, womit sie ihren zarten Leib züchtigte. Da man Blutspuren an ihrem Leib fand, nahm man ihr die Werkzeuge der Buße; sie aber verfiel bald auf eine neue Abtötung. Sie legte sich bei Nacht auf den rauhen Deckel einer Kiste, und da man auch in Folge dieses harten Lagers Blutspuren fand, machte man ihr jede derartige Abtötung unmöglich. Jedoch eine Art derselben ließ sie sich nicht nehmen. Sie hatte die fromme Oberhofmeisterin gesehen, wie sie sich in der Hauskapelle auf den Boden warf und unter einem Lobspruch die Erde küßte. Diese Verdemütigung gefiel ihr so, daß sie dasselbe sogleich und es dann oft tat, wenn sie allein war. Es war ihr eine heilige Lust, in Gegenwart Gottes sich nieder zu werfen und verdemütigt bis zur Erde den Herrn Himmels und der Erde anzubeten, zu lobpreisen und ihm freudigen Dank zu sagen, wegen seiner großen Herrlichkeit. Bei all diesen Übungen eines sich hinopfernden Lebens und der verschiedenen Leiden, welche ihr mancherlei Krankheiten verursachten, war sie doch immer heiter, und wer in ihr von dem Liebreiz der Unschuld strahlendes Antlitz schaute, musste sie lieb haben.

Sie war, obwohl eines Kaisers Kind, immer bescheiden, ungemein friedfertig, gehorsam und herablassend. Sie war so unbefangen, daß sie gar nicht glauben konnte, daß Katholiken auch freiwillig Gott beleidigten. Sie wußte lange nichts davon, daß es auch andere Leute, als Katholiken gäbe, und als sie davon hörte, empfand sie einen tiefen, stechenden Schmerz, weil sie sich nicht denken konnte, daß Jemand Frieden und Freude haben könne, der nicht durch die Kirche Gottes den Frieden der Herrn besitze. Eine besondere Freude machten ihr die Feste des Herrn und U. L. Frau. An den Samstagen kamen arme Kinder aus der Stadt; mit diesen sang sie auf dem Chor der Kirche, welcher an den Palast stieß, auf den Knien und mit erhobenen Händen das Salve Regina und andere Muttergottes-Lieder; darnach wurden die Kinder mit einem Almosen entlassen. Diese Andacht an den Samstagen machte ihr so viel Sehsucht herbei wünschte.

Bald zeigte sich der Weg, den Margaretha fortan nach der Absicht Gottes wandeln sollte. Sie hatte eine Abneigung vor der Welt, ehe sie dieselbe kannte. –

Nach dem Tod ihres Vaters nämlich, wo sie erst neun Jahre zählte, verließ ihre Mutter das Reich, schiffte mit Margaretha, die sie nicht verlassen wollte, nach Spanien über, um im königlichen Stift der Barfüßerinnen vom Orden der heilige Klara ihre Wohnung aufzuschlagen. Im Hafen von Barcelona nach glücklich überstandenem Seesturm angekommen, unternahmen sie ungesäumt eine Wallfahrt nach Montserrat, wo Margarethens Seele vor dem Gnadenbild U. L. Frau von solcher Süßigkeit und geistlicher Lieblichkeit überströmt wurde, daß sie sich Gewalt antun musste, es zu verbergen. Das Gnadenbild unverwandt anschauend, aus innerstem Herzensgrund betend, brach sie in die Worte aus: „Meine allerheiligste Frau, ich bitte dich, daß du meiner Treue und meiner Liebe Hilfe leisten wollest.Ich möchte eine Braut deines holdseligen Sohnes sein, verleihe mit diese Gnade. Solltest du sie mir nicht erweisen? Wem hat doch dein Schutz nicht Hilfe geleistet? Wer erkennt nicht allzeit deine allerheiligste Fürbitte?“

Ihr Lebensbeschreiber erzählt, daß das Gnadenbild sich freundlich zu Margaretha sich geneigt habe, worauf die Glut ihres Herzens noch mehr aufflammte, so daß sie eines Tages ein Messer ergriff, die Brust sich wund ritzte und mit dem eigenen Blut dieses Gelöbnis nieder schrieb: „Mit dem Blut meines Herzens opfere ich mich auf zu einer Braut Jesu Christi und bitte die allerseligste Jungfrau Maria, daß sie meine Mittlerin sein wolle. Zu dessen Versicherung unterzeichne ich mich: Margaretha.

Ihr Gebet fand Erhörung, ihr Opfer ward durch die Hände der Gottesmutter vom Herrn angenommen, der es trotz aller Hindernisse fügte, daß Margaretha in dem alter von 17 Jahren in dem Stift der Barfüßer-Nonnen der heiligen Klara eingekleidet wurde, und im Jahr 1585 feierlich die Ordensgelübde ablegte. –

Von ihrem heiligen Leben im Kloster nur einige wenige Züge. –

Sie suchte nicht auf außerordentliche Weise Gott zu dienen, sondern wollte immer in heiliger Einfalt auf dem gewöhnlichen Weg wandeln. „Ich bin zufrieden“, pflegte sie zu sagen, „wenn ich Gott recht lieben und ihm nach der gemeinen Weise der heiligen Kirche dienen kann.“ Nur dies Eine wünschte sie von Herzen: Im reinen Glauben zu leben und alle Werke mit der möglichsten Vollkommenheit nach Gottes Willen zu verrichten. Der Glaube der heiligen katholischen Kirche ging ihr über Alles, deshalb beklagte sie so schmerzlich jede Ketzerei, deshalb war sie so besorgt um die Ausbreitung des heiligen Glaubens, deshalb liebte sie so innig die heiligen Märtyrer, welche für den Glauben starben, deshalb ehrte sie so hoch die Priester, welche den Glauben verkündigen, deshalb hegte sie die tiefste Ehrfurcht vor dem Papst, dem allgemeinen Vater der Christenheit, deshalb sah sie seine Gesandten für Engel an, die Gott zum Nutzen der Kirche schicke. Die Briefe des Papstes legte sie auf ihr Haupt, küßte sie und drückte sie an das Herz. Aus diesem lebendigen Glauben floss ihr beständiger Gebets-Eifer. Ganz besonders fand sich ihre kindliche Andacht zum heiligsten Jesuskind und seiner göttlichen Mutter hingezogen. Mit Allerheiligen begann sie die Vorbereitung auf das Christfest. Sie fühlte sich davon so ergriffen, daß sie ein oder das andere Mal sagte, sie müsse jetzt in ihrem Herzen ein Kripplein erbauen und mit allerhand schönen Tugenden auszieren, damit das Jesuskind eine lustliche Wohnung daselbst finde. (*) Sie zierte ihr Herz aus mit allerlei Anmutungen, durch anhaltendes Gebet, durch jede Abtötung, die ihr gestattet wurde, und All` Jenes, was ein geistlicher Mensch tut, um sich zu reinigen und mit guten Werken sich darzustellen.

In der heiligen Nacht stimmte sie vor der Krippe kniend gar schön das Gloria in excelsis Deo an; ihre Augen vergossen Tränen, sie trug das Christkindlein auf den Armen, wiegte es und unterhielt sich mit ihm wie eine Mutter mit ihrem süßen Kind; sie sagte, sie sei jetzt im Stall eine Magd ihrer Lieben Frau und Herrin; mitunter war sie ganz entzückt, daß sie von den äußerlichen Geschäften gar nichts wahrnahm; aber niemals vergaß sie zu Ehren der heiligen Familie an diesem Tag eine arme Familie zu kleiden und zu speisen. –

Ihre Liebe zur Gottesmutter war über die Maßen groß, und daher auch ihre glühende Andacht zu ihr. Täglich betete sie ihr zu Ehren den Rosenkranz; sie trug ihn allzeit in der Hand bei Tag und auch bei Nacht…

Von dem Tage an, da sie in den Orden getreten war, erbat sie sich jeden Tag von Maria drei Gnaden:

fürs Erste, daß der Teufel sie nicht anfechte und keine Gewalt über sie habe;
fürs Zweite, daß ihr Maria in der Stunde ihres Hinscheidens die Gabe der Stärke verleihe und von aller Angst und Schrecken befreie, damit sie innerlich und äußerlich im Frieden sterbe;
und fürs Dritte, daß sie ihr in jener Stunde die vollkommene Ergebung ihres Willens erteile, damit sie in Ruhe des Gemütes und innerlicher Zufriedenheit sich befinde.

Ganz besonders verehrte sie die unbefleckte Empfängnis, und sie tat nach ihren Kräften alle möglichen Schritte, damit dieses heilige Geheimnis zu einem Glaubensartikel erhoben werde. Sie schrieb an die Päpste flehentliche Briefe, endlich den Glaubenssatz auszusprechen; sie ließ sich nicht verdrießen, auch an die Kardinäle zu schreiben, und wenn die spanischen Könige Philipp der Dritte und Vierte, wie bekannt ist, so viel für diese heilige Sache taten, so wurde ihr Eifer ganz besonders von Margaretha entflammt.

Schon lange hatte sich Margaretha auf den Tod vorbereitet; immer redete sie gerne vom Tod, vom Sterben, und als eine Klosterfrau einmal zu ihr sagte: „Muss denn Eure Durchlaucht immerdar vom Tode reden?“ gab sie zur Antwort: „Sollte es viel sein, daß ich immerdar von demjenigen rede, was ich immerdar tue? Ist es nicht wahr, daß wir allzeit sterben, und daß jeder Atemzug ein Schritt näher dem Tode ist? Werden wir darum nachlassen zu sterben, wenn wir aufhören, davon zu reden?“

Im Jahr 1633 am 24. Juni ward sie von einer Krankheit aufs Sterbebett geworfen. – Mit dem Habit bekleidet, den Schleier auf dem Haupt, mit dem Strick umgürtet und den Rosenkranz in der Hand, empfing sie die heilige Wegzehrung. – Sie litt jeden Schmerz ohne Klage, unterhielt sich immer mit Gott und der göttlichen Mutter Maria im Gebet, und erwartete getrost ihre letzte Stunde. Als der Morgen des 5. Juli angebrochen war, fing sie zu lächeln an; und als man sie deshalb fragte, antwortete sie: „Hört ihr nicht die liebliche Musik?“ Niemand vernahm etwas. Nach einer weile sagte sie zum Beichtvater: „O wie schön man singt! Hört ihr es Pater Beichtvater?“ Er hörte nichts, sagte aber, es ist möglich, daß man in der Kirche singt, da dort das allerheiligste Sakrament ausgesetzt ist.

„Es dünkt mich wohl“, meinte sie, „daß es eine Musik und fröhliche Begängnis des allerheiligsten Sakramentes wäre. O schöne Sache!“ Als sie fort und fort lächelte, und man sie darüber fragte, antwortete sie: „Große Dinge begegnen mir, wundert euch nicht, daß ich frohlocke. Man bereitete sich, ihr die letzte Ölung zu geben. Die ganze Familie des Klosters kniete im Kreis umher. Da der letzte Augenblick kam, betete man die Befehlung der Seele, und sie verschied am Abend dieses Tages. (Katholische Trösteinsamkeit. 9. Band)

(*) Die Art und Weise, diese schöne, heilsame Andacht zu halten, findest du in dem Büchlein „Geistlicher Krippenbau“, welches bei Buchhändler Pustet in Regensburg zu haben ist. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 1565 – Sp. 1571

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Category: Ordensleute
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