Die Andacht der marianischen Tagzeiten

Ein Engel mit einem Lilienzweig in der Hand steht auf einer Wolke; mit der linken Hand hält er ein Spruchband, auf dem mit schönen großen Buchstaben das Wort Maria steht

Wie U.L.Frau von ihren treuen Dienern mit den Tagzeiten verehrt wird

Die marianischen Tagzeiten, nämlich gewisse Bitt-, Lob- und Dankgesänge und Gebete an gewissen Stunden des Tages zu Ehren Unserer Lieben Frau, – sind auf Befehl des Papstes Gregor VII. von dem heiligen Petrus Damian, einem der eifrigsten Diener der gebenedeiten Gottesmutter, in gehörige Ordnung gebracht, und zuerst in die Klöster verbreitet worden. – Dieser Heilige läßt sich über diese Andacht der marianischen Tagzeiten also vernehmen: „Wir wissen unbezweifelt, daß wer immer diese Tagzeiten zum Lobe Unserer Liebe Frau häufig zu beten sich befleißigt, an der Mutter unseres Richters am Tage der Not eine Helferin und Beschützerei erhalten wird.“ – Der heilige Bonaventura, ein nicht minder treuer Diener Unserer Lieben Frau, ordnete die marianischen Tagzeiten aufs Neue, und fügte das marianische Psalterium hinzu. – Der heilige Papst Pius V. verleiht allen Christgläubigen, gemäß Erlass vom 5. April 1571, welche diese Andacht freiwillig verrichten, jedesmal einen Ablass von 50 Tagen.

Es gibt zweierlei Tagzeiten Unserer Lieben Frau, nämlich die großen und die kleinen. Die großen werden an ihren Festen, und insgemein alle Samstage, wenn kein anderes Fest ein Hindernis macht, in der Kirche gebetet. Die kleinen Tagzeiten bilden nur eine Nebenandacht zum Brevier, und sind bedeutend abgekürzt.

Viele fromme Verehrer Unserer Lieben Frau aus dem Priester- und weltlichen Stand beteten und und beten noch aus besonderer Andacht zur gebenedeiten Gottesmutter täglich ihre kleinen Tagzeiten. Andere, die durch Geschäfte verhindert sind, beten sie wenigstens alle Sonn- und Festtage; andere alle Samstage, weil dieser Tag zur Verehrung UnsererLieben Frau besonders bestimmt ist.

Mögest auch du, christliche Seele, das Gleiche tun, und diese Andacht gern zur Ehre deiner geliebten Mutter verrichten. Niemals wirst du es ohne Erlangung von besonderen Gnaden tun, wie dies aus dem Leben der Heiligen erhellt.

Heilige Franziska

Die heilige Franziska Romana betete einmal die Tagzeiten Unserer Lieben Frau auf freiem Feld. Während des Gebetes überfällt sie plötzlich ein sehr starker Regen. Sie aber läßt sich in ihrer Andacht nicht stören, sondern betet fort. Doch kein Tropfen Wasser fällt auf sie, es ist, als stünde sie unter heiterem Himmel, während ihre Mitschwestern ganz von regen durchnäßt mit ihr nach Hause kehren. Vierzig Jahre lang verrichtete die Heilige täglich diese Andacht. Noch vor ihrem Lebensende suchte sie dies Gebet zu verrichten, wurde aber vom Tode daran verhindert, wo ihr auch die seligste Jungfrau erschien, und sie würdigte, das holde Jesuskindlein ihr in die Arme zu legen. So begnadigt gab sie ihren Geist auf, um im Himmel zu vollenden, was sie auf Erden nicht mehr tun konnte.

Als Franziska noch im Ehestand lebte, und eines Tages die marianischen Tagzeiten betete, hörte sie ihren Mann rufen. Sogleich unterbrach sie ihr Gebet und ging. Sie kehrt wieder zurück und fährt zu beten fort; da ruft sie der Mann wieder; sie gehorcht sogleich dem Ruf, und dieses auch zum dritten Mal. Wie sie das dritte Mal zu ihrem Ort zurück kehrt, um ihr Gebet zu vollenden, findet sei die Stelle, wo sie aus Gehorsam aufgehört hat zu beten, mit goldenen Buchstaben beschrieben. Woraus sie erkannte, wie wohlgefällig Gott ihr Gebet und ihr Gehorsam gewesen! – (Auriema und Schmid SJ.)

Hl. Petrus Cölestinus

Der heilige Petrus Cölestinus betete schon als Knabe die Tagzeiten zu Ehren Unserer Lieben Frau. Um sie noch andächtiger beten zu können, begab er sich eines Tages in die Kirche vor ein Kruzifix, zu dessen beiden Seiten Maria und Johannes standen. Wie er sein Gebet beginnt, sieht er sichtbar gegenwärtig die seligste Jungfrau und den heiligen Johannes, welche mit ihm abwechselnd beteten. Da ward ihm so wunderbar tröstlich ums Herz, als befände er sich im Paradies. Als das Gebet beendet war, verschwanden Maria und Johannes. Petrus aber läuft voll Freuden eilends nach Hause zur Mutter, und erzählt ihr, was ihm begegnet. Die Mutter freut sich dessen, befiehlt ihm aber, ja Niemanden davon etwas zu sagen. Doch Petrus gehorchte nicht, und erzählt es auch andern Knaben. Die folgende Nacht sieht er Engel, welche Ruten in den Händen haben, und ihn damit seines Ungehorsams wegen schlagen wollen, doch einer aus ihnen sagte: „Wir wollen ihn diesmal nicht strafen, weil er es nicht aus Bosheit getan!“ (Auriema.)

Seliger Pius, Franziskaner

Der selige Pius, aus dem Orden des heiligen Franziskus, reiste einmal nach Parma, Unterwegs betete er die Tagzeiten mit großer Andacht. Da stürzen plötzlich zwei Schäferhunde auf ihn zu. Pius aber bleibt stille stehen, blickt zum Himmel und fleht Maria um Hilfe an. Kaum waren die Hunde ihm nahe, als Pius sein Brevier ihnen entgegen hält. Unbeweglich bleiben die Hunde stehen, tun ihm nichts zu Leid und entfernen sich ruhig wieder. (Auriema.)

Seliger Jakob, Dominikaner

Der selige Jakob von Venedig, aus dem Dominikaner-Orden, hatte eine fromme Ahnfrau mit Namen Johanna. Diese zog ihn in seinem Knabenalter auf. Einmal versprach sie ihm eine gute Belohnung, wenn er hundert Tage nach einander die marianischen Tagzeiten andächtig beten würde. Der Knabe, aus Begierde nach der Belohnung, tat es eifrig. Wie er nun kommt, um seinen Lohn zu empfangen, entläßt sie ihn mit einem beifälligen Lächeln. Der Knabe aber wird darüber nicht böse, sondern fährt nun fort, alle Tage aus Liebe zu Maria die Tagzeiten zu beten. Dafür lohnte ihn nun Maria mit der höchsten Gnade. Sie berief ihn in den Predigerorden, wo er mit ihrer Hilfe ein heiliges Leben führte und selig verstarb. (Auriema.)

Der heilige Karl Borromäus betete die Tagzeiten ungeachtet seiner vielen Arbeiten alle tage auf den Knien.
Der ehrwürdige Karl Caraffa, Stifter der frommen Arbeiter, trug als Soldat unter seinem Schild die Tagzeiten Unserer Lieben Frau und pflegte sie mit Andacht zu beten. Seine Bekehrung und Heiligung hatte er Maria zu verdanken. (In vita.)

Hl. Petrus Damianus

Der heilige Petrus Damianus erzählt von einem Kloster des heiligen Vinzenz, daß darin war beschlossen worden, mit den priesterlichen Tagzeiten auch die Tagzeiten Unserer Lieben Frau zu vereinigen.
Hierüber begann jedoch ein Mönch, Namens Gazo, dessen Leben im Kloster nicht sehr regelmäßig gewesen, der aber eine sehr beredsame Zunge hatte, zu murren; und er brachte es auch dahin, daß die marianischen Tagzeiten zuletzt ausgelassen wurden. Von jener Zeit an aber kamen nach und nach immer größere Bedrängnisse über das sonst gesegnete und glückliche Kloster.

Die Mönche klagten darüber gar dringlich bei dem Kaiser, erhielten aber keine Abhilfe. Endlich kamen sie auch, spricht der Heilige, zu mir. Ich aber sagte ihnen: dies alles sei ihnen darum begegnet, weil sie Maria, „die Mutter des Friedens“, von sich getrieben hätten. Da fielen die Abgeordneten auf die Knie und verhießen, das Lobgebet der seligsten Jungfrau künftig hin nicht mehr zu unterlassen. Und siehe! Nach kurzer Zeit wurde das Kloster samt seinen Einwohnern auch von jeglicher Kriegsplage befreit.

Hl. Brigitta

Die heilige Brigitta vernahm in einer Offenbarung, daß die Seele eines frommen Dieners Unserer Lieben Frau im Fegefeuer große Pein leide. Da hörte sie Maria ihren göttlichen Sohn also anreden: „Mein Sohn, erweise diesem Menschen Barmherzigkeit, denn er hat in seinem Leben keinen Tag unterlassen, mir zu Ehren die Tagzeiten zu beten.“ Darauf erwiderte Jesus: „Sei gebenedeit meine liebe Mutter! Es sollen seine Peinen gemindert werden, und die Engel werden ihn trösten; aber völlig erlöst wird er noch nicht; denn er hat noch mehr Hilfe notwendig. Doch wenn die Zeit meiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit wird heran nahen, soll er auf deine Fürbitte gänzlich befreit werden.“ (Offenb 6, 12.)

Sel. Andreas, Zisterzienser

Der selige Andreas, aus dem Orden der Zisterzienser, betete die marianischen Tagzeiten so eingesammelt und mit solcher Andacht, daß er bei allen Versen, ja bei jedem Wort der gebenedeiten Mutter Gottes eingedenk war. Nachdem er 17 Jahre im Orden und im treuen dienst Unsere Lieben Frau verweilt, ward er krank. Während seiner Krankheit bat ihn einmal einer seiner Mitbrüder, der ihm aufwartete, ihm doch etwas Auferbauliches zu sagen. Da sprach Andreas: „Ich will dir offenbaren, daß mich gestern Unsere Liebe Frau heim gesucht und zu mir gesagt hat, daß ich in 7 Tagen von dieser Welt scheiden werde; alsdann fügte sie noch hinzu: „Weil du mir so treu gedient hast, so will ich dir eine besondere Gunst erweisen.“ Wie sie dies gesprochen, beugt sie sich über mich, und küßt mich. (Auriema.)

Willst du nun, christliche Seele, ähnliche Gnaden erlangen, so lobe und ehre sie mit dem schönen, von der heiligen Kirche empfohlenen Lobgebete der Tagzeiten. Beherzige aber dabei folgende Punkte:

1. Bete sie mit wahrer Andacht, nicht übereilt, nicht freiwillig zerstreut, und nicht zu geschwind.

2. Bevor du die Tagzeiten anfängst, sammle dein Gemüt und bedenke, daß du jetzt auf Erden das verrichten willst, was die Engel im Himmel tun.

3. An welchem Tag du immer die Tagzeiten betest, bedenke, daß du diesen Tag dem Dienst Mariens gewidmet hast; du hast also das Glück, an diesem Tag ihr Hausgenosse zu sein. Mit welcher Ehrfurcht sollst du ihr also dienen?!

4. Es wird gut sein, das Gebet mit einer heiligen Meinung zu beginnen: z. B. Gott zu loben, und ihm für die Gnaden zu danken, welche er Maria und dir auf ihre Fürbitte mitgeteilt hat; oder durch diese Königin des Himmels um Nachlass deiner Sünden und um die Bekehrung anderer armer Sünder zu flehen. Dadurch wird das Gebet Gott und der heiligsten Jungfrau wohl gefälliger, und dir um so heilsamer. (Abelly.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 435 – Sp. 439

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