Seliger Peter Armengol Ordensmann

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

27. April

Der selige Peter Armengol

(Die Seligkeit)

Das Geschlecht der Armengol gehörte in Katalonien zu den vornehmsten; darauf bildete sich der junge Peter nicht wenig ein, machte sich damit groß und zeigte offen seine Geringschätzung gegen andere Jünglinge, welche ihm nicht so hochadelig schienen. Sein hochfahrendes beleidigendes Benehmen zog ihm natürlicher Weise viele Feinde zu. Damals aber (vor 600 Jahren) arteten die Feindschaften gewöhnlich in Gewalttätigkeiten und selbst Mord aus, da es keine so geregelte Ordnung und Polizei gab, wie jetzt. Um nun seinen Feinden Schrecken einzujagen und Rache an ihnen zu üben, so sammelte sich Armengol einen Anhang von ganz liederlichen und ruchlosen Menschen und wurde gleichsam ihr Anführer. Diese glaubten, die Verbindung mit einem jungen Mann von so hoher Familie werde sie vor aller Strafe sichern; sie verübten daher ganz frech und öffentlich alle Lastertaten, Raub, Mord und Ehebrüche. Der Gräuel nahm so zu, daß endlich die Stadt Cervera und die Umgegend, wo die Gesellen des Armengol ihr Unwesen trieben, es nicht länger ertragen konnten. Um der drohenden Vergeltung zu entgehen, flüchtete sich die Rotte ins Gebirge und Armengol mit ihnen, und bildeten dort eine Räuberbande. So wurde nun der stolze, reiche, adelige Jüngling Peter Armengol ein Räuberhauptmann, ein Gegenstand des Abscheus aller rechtschaffenen Leute, ein Verbrecher, dem der Galgen gebührte. Eine solche Versunkenheit ist sehr oft die Folge der Hoffart.

Arnold, der Vater des unglückseligen Menschen, konnte die ungeheure Schande, welche ihm und seinem Geschlecht durch den eigenen Sohn widerfuhr, nicht länger ertragen; er verließ deshalb sein Vaterland Katalonien und begab sich nach Valencia, wo er dem König Jakob von Aragonien seine Dienste antrug, welche auch angenommen wurden. Nach einiger Zeit geschah es, daß zwischen dem König Jakob und dem König von Frankreich eine Zusammenkunft und Unterredung veranstaltet werden sollte. Da aber der Weg zu dem verabredeten Ort durch ein wildes Gebirge ging, das durch Räuberbanden höchst unsicher gemacht war, so wurde Arnold beauftragt, mit noch andern Kriegsleuten sich dorthin zu begeben, um dem König und seiner Begleitung sichere Straße zu machen. Die Räuber wurden in ihren Schlupfwinkeln aufgesucht und verfolgt. Da geschah es, daß Arnold allein auf einen Räuber stieß; alsbald kam es zu einem Zweikampf. Aber während beide mit ihren Schwertern einander zu töten suchten, warf sich der Räuber auf einmal vor Arnold auf die Knie, bot ihm das eigene Schwert und Leben an – es war sein eigener Sohn Peter, der den Vater erkannt hatte. Dieses wunderbare Zusammentreffen war nun der Beginn einer vollkommenen Bekehrung.

Nach so schweren Versündigungen begnügt sich der Geist der Buße nicht einfach damit, daß man die Sünde bereut und beichtet und nun sein Laster nicht mehr ausübt – sondernder wahrhaft Bekehrte will viel mehr leisten und leiden, als gewöhnliche Christen. Peter Armengol ließ sich in denselben Orden aufnehmen, wozu der hl. Raimund (31. August) gehört hat. Seine frühere Grausamkeit, welche er in seinem Räuberleben gezeigt, wandelte sich um in feurige Liebe. Zweimal schon hatte er die Brüder nach Afrika begleitet, um dort Christensklaven zur Freiheit zu verhelfen, als ihm bei einer neuen Sendung das Geld ausging. Was ihm sein Orden mitgegeben hatte, das hatte er zum Loskaufen gefangener Christen verwendet, so daß ihm nichts übrig blieb zur Befreiung einiger Christenknaben, die noch in Gewalt der Mohammedaner und in Gefahr waren, vom Christentum abwendig gemacht zu werden. Voll Mitleid und Besorgnis machte sich Armengol anheischig, bei den Mohammendaner als Gefangener zurück zu bleiben, bis der Ordensbruder, welcher ihn begleitet hatte, mit der geforderten Summe Geldes zu einer fest gesetzten Zeit aus Spanien zurück gekommen wäre; sie sollten dafür die gefangenen Knaben losgeben und mit dem Bruder Wilhelm in ihr Vaterland zurück kehren lassen. Der Antrag wurde angenommen und Wilhelm reiste mit den befreiten Christen ab.

Allein die bedungene Frist, innerhalb welcher das Lösegeld gebracht werden musste, lief ab, ohne daß Wilhelm kam; sei es, daß er die große Summe sobald nicht zusammen brachte, oder daß günstige Witterung und Gelegenheit mangelte nach Afrika überzuschiffen. Endlich langte einige Zeit später der abgesandte Ordensbruder an, und hörte zu seinem Schrecken, Armengol sei von den Mohammedanern zum Tod verurteilt worden, weil das Geld nicht zur rechten zeit gekommen, und sei schon vor einigen Tagen aufgehenkt worden. Wilhelm, voll Schmerz und Tränen über den Tod des vortrefflichen Bruders, ging nun um denselben zu beerdigen. Als er aber an den Ort kam und das Seil vom Hals losmachen wollte, sah er zur höchsten Verwunderung, daß Armengol noch lebe, und dieser fing auch alsbald zu reden an und sprach: „Liebster Bruder, weine nicht; denn siehe, durch Hilfe der heiligsten Jungfrau bin ich beim Leben erhalten worden; sie ist mir diese Tage hindurch liebreich beigestanden.“ Voll Freude löste ihn jetzt Wilhelm vom Seil und kehrte mit ihm in die Stadt zurück. Die Christen waren höchst erstaunt, die Sarazenen wollten es gar nicht glauben. Da Wilhelm Lösegeld mitgebracht hatte, so wurden noch andere gefangene Christen losgekauft, mit welchen sie dann glücklich in das Vaterland zurück reisten. Die Spuren davon, was mit Armengol geschehen war, waren lebenslänglich sichtbar. Seit der Zeit, daß er gehenkt worden war, blieb sein Hals gekrümmt und sein Gesicht ganz blaß.

Nach einiger Zeit bekam Armengol mehr und mehr ein Verlangen, sich von dem Verkehr mit der Außenwelt abzusondern; er zog sich deshalb zurück in das Kloster Maria de Pratis, wo er Buße tat in unaufhörlichem Gebet und in Fasten bei Wasser und Brot. Es kamen viele Leute, durch den Ruf seiner Heiligkeit angezogen, aus den umliegenden Ortschaften und suchten bei ihm Hilfe in ihren Bresten. Armengol nahm sie gütig auf und half ihnen durch sein Gebet. Es haben auch die Klosterbrüder gerichtlich bezeugt, daß sie ihn mehrmals gesehen haben, wie e während des Gebetes außer sich in Entzückung frei über der Erde schwebte, und während seine Sinne über die Außenwelt verschlossen waren, habe er die süßesten Worte gesprochen und, wie es schien, auf die Fragen der seligsten Jungfrau Maria Antwort gegeben.

Da Armengol nachher von den Brüdern gefragt wurde, was er für Erscheinungen gehabt habe u. dgl., da antwortete er jedesmal: „Ich weiß es nicht, Gott weiß es.“ Sonst redete er aber gern und oft von der himmlischen Herrlichkeit und gedachte dabei der Tage, wo er in Afrika am Galgen hing; er sprach: „Denkt, liebe Brüder, wie groß die Freuden des Himmelreiches sein müssen, wenn selbst die Leiden für Christus schon so große Wonne gewähren. Und wenn selbst der Tod für Christus so süß ist und die Schmach so angenehm, was wird erst seine Anschauung sein und die Herrlichkeit bei ihm! Glaubt mir, ich halte alle Tage meines Lebens für nichts gegen jene Paar glückselige Tage, wo ich am Galgen hängend von der Welt schon für tot gehalten wurde.“ Indem Armengol dieses sprach, wurde er durch die Erinnerung so entzückt, daß er nichts mehr vorbringen konnte, als unter Tränen die Worte wiederholen: „Wann darf ich kommen und erscheinen vor dem Angesicht des Herrn?“
Später wurde Armengol von einer schweren Krankheit ergriffen; er empfing alsbald die hl. Sakramente und sagte seinen Tod an auf den andern Tag. Alle Brüder versammelten sich nun an dem bezeichneten Tag, um bei dem Tode ihres heiligen Gefährten gegenwärtig zu sein. Unmittelbar vor dem Sterben sang Armengol noch die Worte: „Geh` ein meine Seele, zu deiner Ruhe, weil der Herr dich begnadigt hat.“ Sodann bezeichnete er sich mit dem Kreuz und sprach ganz heiter: „Ich werde dem Herrn gefallen im Land der Lebendigen.“ Mit diesen Worten gab er seinen Geist in die Hände Gottes. Es war aber ein großer Zulauf des Volkes, das den seligen Pater Peter noch sehen wollte; bevor aber die Beerdigung stattfand, wurden unter denen, die den Leichnam berührten, drei Männer und vier Frauen von ihren Krankheiten geheilt, was die unterschriebenen Personen hiermit als Augenzeugen beurkunden.

Hierauf folgen die Namens-Unterschriften der Gerichtspersonen und mehrerer Klosterbrüder.

Was Armengol im Zustand, wo er vom Tod nur durch besondere Gnade bewahrt wurde, empfunden hat, das werden manchmal fromme Seelen auch inne, wenn es mit ihnen bald zum Sterben geht. Ein junges unschuldiges Mädchen, das an der Auszehrung krank lag und dem ich die hl. Sakramente brachte, bekam wenige Tage vor seinem Tod eine Ohnmacht; als es wieder zu sich kam, jammerte und klagte, daß man es wieder aufgeweckt habe – es sei im Himmel gewesen und habe wunderschöne Dinge gesehen. Aber dieses Vorausfühlen ist nur wie ein kleiner Funke; und das was man in Büchern vom Himmel liest oder in Predigten davon hört, ist schon wahr; aber es ist so gering und schwach gegen den wahren Himmel, als wenn man das Firmament, Sonne, Mond und Sterne mit Bleistift auf ein Blättchen Papier zeichnete. Es verhält ich damit ungefähr so: Wenn ein Kindim Mutterleib schon Verstand hätte und denken könnte, so wäre es ihm dennoch in seinem engen, finsteren Aufenthalt unmöglich sich zu denken, wie es nach der Geburt auf Erden sei; es könnte sich keine Berge und Flüsse, Blumen, Bäume, Tiere, Feuer, Tag, Augen usw. vorstellen, weil es nie so etwas gesehen hat. Ebenso unmöglich ist es uns zu denken, wie es im Himmel aussehen wird, wenn einmal unsere Seele aus dem Mutterleib unseres Leibes und der Erde heraus geboren ist zum ewigen Licht der Seligkeit. Deswegen sagt auch die hl. Schrift: „Kein Aug` hat es gesehen, kein Ohr gehört, in keines Menschen Herz ist es gestiegen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Und sieh` du Leser, dieses unsägliche Glück, diese Freuden und Güter so groß, als der allmächtige Gott nur selbst erdenken und erschaffen kann, diese kannst und sollst du alle gewinnen. Seist du noch so arm und gering und krank, su kannst ewig gesund werden und unendlich reicher, herrlicher, glückseliger, als der mächtigste König und Kaiser auf Erden; tue nur die eine so schöne Bedingung: liebe Gott. Der hl. Johannes aber schreibt: „Das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer.“ –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 3 Juli bis September, 1872, S. 363 – S. 367

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Category: Ordensleute, Stolz
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