Heilige Jutta Witwe und Wohltäterin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

13. Januar

Heilige Jutta von Huy Witwe

(Frömmigkeit und Frömmelei)

Die hl. Jutta (von Huy) war eine sehr junge, schöne und reiche Witwe. Ihre Eltern und Verwandten redeten ihr sehr ernstlich zu, sich wieder zu verehelichen. Da dieses aber nichts nützte, so bat ihr Vater den Bischof, bei welchem er Verwalter war, er möge selbst die Jutta ermahnen, daß sie wieder in den Ehestand trete. Der Bischof ließ sie kommen und ermahnte sie, seinem Rat und dem Wunsch ihres Vaters zu folgen und einen Gemahl zu nehmen. Während der Bischof ihr so zusprach, betete sie im Geist zu Gott um Beistand, und erklärte dann, daß sie Christus gelobt habe, nur ihm und seinem Dienst zu leben, und keinem sterblichen Menschen mehr angehören zu wollen. Der Bischof bekam nun selbst einen andern Sinn, und statt ihr noch ferner eine Verehelichung zuzureden, mahnte er sie nun, daß sie ihrem Vorhaben getreu bleiben solle, gab ihr den Segen und forderte ihren Vater auf, er solle ihr jetzt nicht mehr die Ehe zumuten.

Sie fing nun einen sehr religiösen Lebenswandel an; die hübschen Kleider und allen Schmuck legte sie gänzlich ab; sie verwendete täglich viele Zeit auf das Gebet, brach sich viel vom Schlaf ab, um mehr Zeit zur Andacht zu haben, redete wenig und nur mit Überlegung, aß nur die geringsten Speisen; suchte aber ihre strenge Lebensweise vor Andern zu verbergen, um nicht deshalb gerühmt zu werden.

Eine fromme Wohltäterin

Zu den Armen aber zeigte sie eine ganz besondere Liebe. Wenn sie von Armen angesprochen wurde und nichts zu Hand hatte, gab sie zuweilen gerade das Weißzeug, das sie für sich oder ihre Kinder brauchte, ganz oder teilweise den Dürftigen. Sie beherbergte arme Reisende und teilte ihr Brot mit den Hungrigen; sie kümmerte sich überhaupt um die Notleidenden, wie wenn diese ihre Angehörigen gewesen wären.

Damit war es ihr aber nicht genug. In der Nähe von ihrer Stadt war ein Krankenhaus für Aussätzige; weil aber der Aussatz eine abscheuliche und sehr ansteckende Krankheit ist, so war es schwer nur Jemanden zu bekommen, der den Kranke abwartete (= versorgte), zumal da dieses Spital arm war. Nun entschloss sich Jutta, erst 23 Jahre alt, in Wohlstand und Ansehen aufgewachsen, einen Dienst umsonst über sich zu unternehmen, welchem kaum der armseligste Dienstbote um`s Geld sich unterzog. Sie bediente die mit Geschwüren und Aussatz überzogenen Kranken beim Essen, wusch ihnen Hände und Füße, reinigte ihnen die Kleider, legte die schwächsten im Bett zurecht, und benahm sich mit solcher Liebe und Treue gegen diese vom Aussatz verwüsteten Menschen, wie wenn sie den Heiland selbst bediente. Es machte diese christliche Liebe einen solchen Eindruck auf die Augenzeugen, daß sich manche selbst zu solchen Liebeswerken entschlossen, andere aber überhaupt ein christlicheres Leben anfingen. Und dieses war bei der hl. Jutta nicht etwa eine vorüber gehende schöne Aufwallung, daß sie sich einem solchen schweren Werk der Barmherzigkeit hingab, sondern sie hielt gegen 11 Jahre aus. Dabei wußte sie aus dem Reichtum ihrer Gottseligkeit auch andern Menschen so ans Herz zu sprechen, daß mehrere Personen aus der Stadt und den nahen Dörfern in ihrer Nähe sich wohnhaft niederließen, um recht oft durch ihre Gespräche und Ermahnungen erbaut zu werden.

In gleicher Weise ließ sich aber die hl. Jutta auch das Seelenheil Anderer herzlich angelegen sein. Selbst Geistlichen, von denen sie Schlimmes wußte, redete sie inständig zu, daß sie sich bekehren möchten, und betete mit großem Eifer für das Seelenheil Anderer. Desgleichen zeigte sie herzliche Teilnahme, wenn sie um ihr Gebet angesucht wurde, tröstete und munterte auf zum Vertrauen auf Gott.

Der ihr Leben beschrieben und sie persönlich gekannt hat, sagt, er rufe Gott zum Zeugen an, daß er noch Niemanden gesehen habe, der ein größeres Mitleiden und Erbarmen mit den Sündern und den Unglücklichen gehabt habe, als die hl. Jutta.

Da sie nun fühlte, daß die Zeit des Sterbens heran nahe, so war sie weniger um ihre eigene Seele besorgt, als vielmehr um die Seelen der Personen, welche sich unter ihre Aufsicht gestellt hatten, um ein recht Gott geweihtes Leben zu führen. Sie verwendete selbst von der Zeit, welche sie sonst im Gebet zubrachte, dazu, um ihre geistlichen Töchter recht oft bei sich zu versammeln und sie teils mit einander, teils einzeln noch zu belehren, zu mahnen, zu warnen, zu ermuntern und zu befestigen, und zeigte auf diese Weise, daß ihr das Seelenheil Anderer selbst in der Nähe des Todes so wichtig war als das eigene, indem sie lieber weniger betete als sonst, um mehr für die Seele Anderer zu sorgen.

In der Nacht auf das hl. Dreikönigsfest wollte sie ihrer Gewohnheit gemäß aufstehen, um Gott zu loben, aber sie fühlte ein heftiges Fieber und gänzliche Schwäche; sie wollte aber Niemanden in der Ruhe stören, und blieb auf diese Weise bis zum Tag in ihrer Todeskrankheit liegen. Sie beichtete nun und sagte den Tag ihres Todes genau voraus, und begehrte deshalb erst an diesem Tage die hl. Ölung zu empfangen; aber sie gab dennoch den Bitten ihrer geistlichen Töchter nach, welche besorgt waren, sie möchte früher sterben. Sie ging nun an dem bezeichneten Tag in die andere Welt mit heiterem Antlitz und den Worten: „In deine Hände empfehle ich meinen Geist.“

Du wirst nun selbst eingesehen habe, wodurch sich diese fromme Frau von manchen Leuten unterscheidet, die auch für fromm gelten wollen. Die hl. Jutta machte großen Ernst mit Gebet, mit Empfang der hl. Sakramente, mit Zurückgezogenheit von der Welt und ihrer Lust; sie machte aber eben so großen Ernst mit der Nächstenliebe. Und gerade diese ist die Probe, ob die Frömmigkeit echt ist aus dem hl. Geist. Es gibt nämlich manche Menschen, welche auch sehr eifrig sind in allen religiösen Übungen; sie verwenden viele Zeit auf Gebet, gehen täglich in die Kirche, gebrauchen sonntäglich die hl. Sakramente, schreiben sich in mehrere Bruderschaften ein, sind bedacht mannigfache Ablässe zu gewinnen; aber je frömmer sie in ihrer Weise werden, desto widerwärtiger werden sie denjenigen, welche mit ihnen umgehen müssen. Voll Eigensinn wollen sie bald den Eltern, bald dem Seelsorger nicht gehorchen; sie wissen fortwährend an Anderen zu tadeln, sei es mit Worten, oder sei es in dem Herzen mit bitteren Gedanken; Kleinigkeiten nehmen sie hoch auf als schweres Unrecht und tödliche Beleidigung; daß sie selber Unrecht haben könnten bei Zwistigkeiten, fällt ihnen im Traum nicht ein. Haben sie Dienstboten, so plagen sie diese oft mit ihren Wunderlichkeiten, daß es kaum auszustehen ist. Und geben sie Almosen, so lesen sie nicht die Dürftigsten heraus, sondern solche Arme, die fromm tun und schmeicheln können.

Ja, man kann oft Menschen finden, die wenig Religion haben und dennoch schon aus natürlicher Gutmütigkeit mehr Mitleid und Nächstenliebe zeigen, als gewisse Fromme. Das ist aber eine durchaus falsche Frömmigkeit und nützt nichts, sondern schadet noch, weil sie sorglos macht, als sei man auf dem guten Weg. Der Heiland hat gesagt: „Daran soll man erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt.“ Und der Apostel Paulus hat geschrieben: „Wenn ich mein ganzes Vermögen den Armen hingäbe, und meinen Leib, so hülfe es mir nichts.“ Und der Apostel Jakobus schreibt: „Wenn ihr nur das königliche Gebot nach der Schrift: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, genau befolgt, so tut ihr wohl.“ Und der Apostel Petrus schreibt: „Vor allem aber beharrt in fortwährender Liebe gegen einander; denn die Liebe deckt eine Menge Sünden.“ Und der hl. Johannes schreibt: „Wer keine Liebe hat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Wer den Bruder nicht liebt, bleibt im Tode.“

Somit ist es Gottes festes unabänderliches Wort, und hat sich bei allen wahren Heiligen gezeigt, daß die Liebe eine der größten Hauptsachen ist, wenn man Gott gefallen will. So wenig der Menschenleib leben kann, wenn das Herz tot ist und nicht mehr schlägt, so wenig hat deine Seele das wahre Leben, aus welchem einmal die Seligkeit kommt, wenn die Liebe fehlt. Der Sünder weiß, daß er verloren ist, wenn er sich nicht bekehrt; hingegen meint manche Fromme ohne Nächstenliebe, der Himmel fehle ihr nicht, und ist deshalb oft noch schwerer zu retten als der offene Sünder. Wenn du daher noch so eifrig bist in Religionssachen, aber nicht mehr, vielleicht gar noch weniger Nächstenliebe hast, als mancher Weltmensch: so denke nicht, es fehle dir noch etwas zur Vollkommenheit, sondern ich sage dir aus dem Wort Gottes: Es fehlt dir Alles; du bist noch vollständig unerlöst und ungeheiligt, und du musst dich von Grund aus erst bekehren und in das Leben hinüber schreiten; sonst gehst du so gewiß verloren, als der Ehebrecher und der Dieb und der Ungläubige. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 1 Januar bis März, 1872, S. 63 – S. 67

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