Heilige Veronika Giuliani Kapuzinerin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

9. Juli

Heilige Veronika Giuliani, Mystikerin

Zu den Heiligen, welche im vertraulichsten, lieblichsten Verkehr mit der glorwürdigen Mutter Gottes standen, gehört die heilige Veronika Giuliani, welche der Papst Gregor XVI. Im Jahr 1839 am 26. Mai in das Verzeichnis der Heiligen eingetragen hat.

Veronika`s Kindheit

In Mercatillo, im Kirchenstaat, am 27. Dezember 1660 kam sie zur Welt, und erschien gleich ganz anders geartet, als gewöhnliche Kinder. Sie schrie nicht, weinte nicht, und war auch ihrer Mutter nicht zur Last. Am Mittwoch, Freitag und Samstag nahm sie nur ein paar Tropfen Milch zu sich, und tat sich also schon in der Wiege Abbruch. Noch nicht fünf Monate alt, saß sie eines Tages auf dem Schoß ihrer Mutter, die mit der Hand auf ein Bild der heiligsten Dreifaltigkeit deutete, daß ihr gegenüber sich befand. Ursula, diesen Namen hatte Veronika in der hl. Taufe erhalten, ließ sich plötzlich vom Schoß der Mutter herab, und ging zum Bild, um es in der Nähe zu betrachten, und von diesem Augenblick an konnte sie gehen und stehen. Nach allen Bildern Jesu und Mariä hatte sie ein solches Verlangen, daß sie nicht ruhte, die Händchen darnach auszustrecken, bis man sie ihr zum Kuss reichte. Als sie anderthalb Jahre alt war, ging ihre Wärterin, sie auf dem Arm tragend, in einen Laden, um Öl zu kaufen. Nun führte aber der Krämer ein zu kleines Maß, und wäre bald vor Entsetzen zu Boden gefallen, als die Kleine zu sprechen anhub und sagte: „Gott sieht dich! Gib das rechte Maß.“ Von jetzt an konnte sie reden, und es schien, als wollte sie diese Gabe nur benützen, um zu beten, denn selbst alle ihre Spiele waren Unterhaltungen mit dem lieben Gott, dem Kind Jesus und seiner allerheiligsten Mutter.

Sie hatte sich ein schönes Bildnis zu verschaffen gewußt, das die Gottesmutter Maria darstellte, wie sie das Jesuskind an ihrer Brust trägt. Von diesem Bild errichtete sie einen kleinen Altar, und all ihr Denken und Sorgen ging dahin, dasselbe nach Kräften zu zieren und mit Blumen zu schmücken. Alles, was sie immer von der Mutter und Schwester Schönes erhielt, verwendete sie zum Schmuck des Bildes und stellte sich die auf demselben gemalten Personen lebend vor. Sie kannte keine höhere Freude, als in ihrer kindlichen Einfalt mit Mutter und Kind trauliche Gespräche, wie mit lieben Gespielen, zu führen. Sie legte ihr Frühstück auf den Altar und lud das göttliche Kind ein, davon zu essen; versteckte sich dann hinter der Türe, um zu sehen, ob es auch herunter steige und von dem Dargebotenen verkoste, und wenn dies nicht geschah, so beklagte sie sich und sagte: „Wenn du nicht issest, so esse ich auch nicht.“ Sie bat Maria, daß sie ihr das Kindlein in die Arme geben möchte, und wenn sie nicht erhört wurde, stellte sie Sessel auf Sessel, um hinauf zu steigen und das Kindlein ihr mit Gewalt zu nehmen; sie fiel auch öfter herab und verletzte sich einmal das Köpfchen, worüber sie sich dann bei der göttlichen Mutter beklagte, daß sie ihr wehe getan habe, weil sie ihr das Jesuskind nicht herunter gereicht; sie solle daher den erlittenen Fall wieder gut machen, und – auf der Stelle ward sie geheilt.

Ihr vertrautes Verhältnis zur Gottesmutter Maria

Diese unschuldige Einfalt des Mädchens gefiel Maria und ihrem göttlichen Kind so sehr, daß das Bild in lebendige Vorstellungen sich verwandelte, Maria das göttliche Kind wirklich der kleinen Ursula in die Arme gab, und Jesus sich auf den Altar herab ließ, von dem gebrachten Frühstück zu verkosten schien und einen Teil davon der freudigen Ursula zum Mitessen darreichte.

Bei diesem zärtlichen Umgang nahm die Liebe und Andacht zu den zwei Gegenständen des Bildes in dem heiligen Mädchen immer mehr zu, so daß Maria mit ihr zu reden anfing, als wenn sie vor ihr stünde und ihr heilsame Regeln gab. Eines Tages, als Ursula recht innig davor betete, sagte ihr Maria: „Mein Töchterlein! Dieser mein Sohn liebt dich sehr; halte dich bereit, er will dein Bräutigam sein!“ worauf sie mit einer außerordentlichen Leibe entflammt wurde, und sehnsüchtig wünschte, sich ihm ganz zu schenken.

Was Ursula immer Anmutiges und Gutes erhalten konnte, brachte sie auf den Altar, worüber das Kindlein Jesus eines Tages sein Wohlgefallen zu zeigen sich würdigte und mit vernehmlicher Stimme sprach: „Ich liebe dich sehr, sorge, daß du nur mich allein liebst!“ worauf Ursula sogleich erwiderte: „Liebster Jesus, ich liebe dich recht sehr, lehre mich aber die Weise wie ich mich verhalten soll.“ Und nun wandte sich Jesus zu seiner jungfräulichen Mutter und sagte: „Diese, unsere Geliebte, sollst du leiten!“ –

Sie wird ein vollkommenes Abbild des Heilandes

Je älter sie wurde, um desto gottseliger und schöner wurde sie. Aber ihre Schönheit ward ihr zur Pein, denn ihr Vater wollte mit ihr vor der Welt glänzen, während sie keinen andern Wunsch hatte, als in einem strengen Orden ganz demütig und arm ihrem armen, demütigen Jesus zu dienen. – Da sie endlich wegen der eitlen Vergnügungen, denen sie auf Befehl des Vaters beiwohnen musste und wegen oftmaliger Anträge zur Ehe, die sie standhaft ausschlug, vor innerem Schmerz in eine schwere Krankheit verfiel, gab der Vater die Erlaubnis, daß sie in das strenge Kloster der Kapuzinerinnen zu Citta die Castello im Alter von 17 Jahren treten durfte. Der Bischof, der ein sehr frommer Herr war, gab ihr den geistlichen Habit und sagte zu der Oberin: „Sie wird eine Heilige.“ Hier empfing sie auch ihren schönen, bedeutungsvollen Namen „Veronika“, „das wahre Bild“, denn sie wurde ein vollkommenes Abbild des Heilandes.

Veronika betrachtet die Schmerzen Jesu und seiner Mutter

Im Kloster diente sie, nachdem sie die Ordensgelübde abgelegt hatte, siebzehn Jahre in verschiedenen Ämtern mit einem übermenschlichen Gehorsam und in tiefster Demut und Armut. Sie schlief nur auf einer Hand voll Stroh unter einer dünnen kleinen Decke, die viel zu kurz für sie war; der Habit, den sie trug, war mit 98 Läppchen ausgebessert worden; Tag und nacht diente sie denKranken, unaufhörlich betete und weinte sie für die Bekehrung der Sünder. Nebst dem bitteren Leiden des Herrn, das sie stets betrachtete, gedachte sie immer mit höchstem Mitleid der Schmerzen seiner gebenedeiten Mutter. Als sie Novizenmeisterin geworden, konnten sich die Schwestern, wenn sie von den Schmerzen der Mutter Gottes mit ihnen redete, der Tränen nicht enthalten; sie selbst schien dann ein Bild der schmerzhaften Mutter zu sein. Um die Herzen der Schwestern zur Andacht gegen die schmerzhafte Mutter zu bewegen, ließ sie im Chor eine Bildsäule errichten, welche die heilige Schmerzensmutter, diese Königin der Märtyrer recht lebhaft darstellte und führte ihr zu Ehren an jedem dritten Sonntag des Monats einen andächtigen Bittgang in dem Kloster ein. Diese Betrachtung der Schmerzen des Heilandes und seiner glorwürdigen Mutter entflammte ihr Herz endlich so sehr zur Liebe zum Leiden, daß sie gänzlich im Herrn zu sterben und nichts als für ihn und mit ihm zu leiden wünschte.

Veronika erhält die Stigmata des Heilandes

In der Nacht des 4. April 1694 erschien ihr der Heiland mit der Dornenkrone, als sie tief im Gebet versenkt war, und sogleich rief sie von Liebe hingerissen: „O lieber Herr, die Dornen sind für mich, nicht für dich, gibt sie mir!“ „Ich komme, um dich zu krönen, meine Braut, meine Geliebte“, sprach Er, nahm den Dornenkranz ab und setzte ihn auf Veronikas Haupt, und nun empfand sie einen so furchtbaren Schmerz, daß sie eine Weile besinnungslos am Boden lag. Dieser Schmerz währte besonders an Freitagen ihr ganzes Leben lang.

In der Karfreitagsnacht 1697 ward sie wieder einer Erscheinung des göttlichen Heilandes gewürdigt. Sie sah ihn nämlich ans Kreuz geschlagen und dieser Anblick entflammte ihr Herz dermaßen, daß sie bat, mit ihm gekreuzigt zu werden. Dreimal fragte er, was sie begehre und dreimal wiederholte sie mit Inbrunst ihre Bitte. Endlich sprach er: „Ich gewähre sie dir; aber ich begehre Treue, und mit Hilfe der Wunden, die ich dir eindrücke, gebe ich dir die Gnade, diese Treue in alle Zukunft zu bewahren.“

Da schossen fünf glänzende Strahlen, golden und feurig, aus seinen Wunden und durchzuckten mit brennendem Schmerz Veronika`s Hände und Füße und Herz. Ihr vergehen die Sinne von der unerhörten Pein, aber als sie wieder zu sich kommt, trägt sie an ihrem Leib die blutenden Wunden des Gekreuzigten. Von nun an versank sie immer tiefer in die Betrachtung der Passion des Herrn und im geist verzückt, macht sie alle Stationen seines Leidens vom blutigen Schweiß auf dem Ölberg bis zum Ersterben am Kreuz durch. Sie litt dabei leiblich und geistig die größten Qualen.

Bei all diesen außerordentlichen Gnadengaben, die der Herr ihr verlieh, blieb sie doch in ihren Augen immer gering und unbedeutend, immer gehorsam wie ein Kind, immer allen Schwestern dienend wie eine Magd. Dadurch aber ward sie dem Kloster eine Quelle des Segens, und man wählte sie daher zur Oberin des Klosters…

Was man nach ihrem Ableben in ihrem Herzen fand

So lebte die Dienerin Gottes immer mit Jesus und Maria vereinigt und ihre Schmerzen teilend, flammend von Liebe zu Gott und den menschen bis zum tage ihrer Auflösung; und obwohl so hoher Gnaden gewürdigt, zerfloss sie doch immer in tränen über ihre Schwäche und Gebrechlichkeit. Fragte man sie deshalb, so entgegnete sie: „Ich fürchte verloren zu gehen; muss ich nicht weinen?“ Nachdem sie endlich durch ihr heiliges Beispiel und ihr glaubensvolles Gebet viele Sünder und viele laue Gemüter zu einem frommen Wandel gebracht und überallhin Segen verbreitet hatte, reif sie Gott zu sich. Am Karsamstag 1727 offenbarte sie ihrem Beichtvater den Tag ihres Todes und sagte ihm, daß sie nicht nur an ihrem Leib die Wundmale, sondern auch in ihrem Herzen die Leidenswerkzeuge des lieben Heilandes und die sieben Schmerzensschwerter seiner heiligen Mutter trage und beschrieb es ihm. Der Beichtvater gebot ihr nun unter dem Gehorsam, ihr Herz genau so abzuzeichnen, wie sie es ihm beschrieben habe. Da sie nicht zeichnen konnte, nahm sie die Schwester Florida zu Hilfe, die nach ihrer Angabe die Zeichnung machte, welche dann der Beichtvater unterschrieben und versiegelt dem Bischof übergab. Nach ihrem Tod, als man ihr Herz öffnete, fand man darin alle Marterwerkzeuge Jesu und die sieben Schwerter seiner allerheiligsten Mutter genau nach dem Abbild, das der Bischof in Händen hatte und das sich bis zur Stunde in ihrem Kloster zu Citta di Castello befindet. Um Pfingsten ward Veronika vom Schlagfluss getroffen und nach vier Wochen unsäglichen Leidens, das sie mit heiterem Mut ertrug, ging ihre Seele zum Hochzeitsmahl des Lammes am 9. Juli 1727. (Legende der Heiligen von Ida Hahn-Hahn. Leben der schmerzhaften Mutter von Perzager.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 1600 – Sp. 1606

Bildquellen

  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor
Category: Ordensleute, Ott
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