Selige Johanna von Reggio Karmelitin

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

9. Juli

Selige Johanna von Reggio, Karmelitin

Johanna wurde in der Stadt Reggio in Italien von edlen und frommen Eltern im Jahre 1427 geboren. Die Liebe Gottes und kindliche Andacht zur Gottesmutter war ihr angeboren. Schon als Kind hielt sie ihre Sinne in heilsamer Zucht, blieb ferne von weltlichen Vergnügungen und hatte ihre Freude im Gebet und in Übung Gott wohlgefälliger Werke. –

Sie hatte zwei Schwestern, die ihre Eltern gerne versorgen wollten. Johanna merkte das Anliegen ihrer Eltern und betete deshalb in kindlicher Einfalt zu Gott. Und siehe, zwei brave Jünglinge kamen, und hielten um die Hand ihrer Schwestern an. Johanna aber wollte sich nicht verehelichen; sie hatte dem göttlichen Heiland unversehrte Jungfräulichkeit versprochen, und weder Schmeicheleien noch Drohungen konnten sie ihrem Entschluss abwendig machen, in den Orden der seligsten Jungfrau vom Berg Karmel zu treten.

Kaum hatte sie den Habit angezogen, als sie sich auch einen Bußgürtel um den Leib legte, den sie ihr Leben lang nicht mehr weg tat; auch trug sie eine eiserne Kette um den Leib, damit er sich unter das Joch des Geistes füge und immer unbefleckt bleibe. Als ihre Eltern gestorben waren, reifte in ihr der Entschluss, ein Kloster zu bauen. Sie hatte aber bereits Alles, was sie besaß, den Armen gegeben. Als sie nun eines Tages von einer frommen Frau gefragt wurde, woher sie wohl zu ihrem Kloster die Mittel nehme, antwortete sie: „Ich besitze einen Schatz, nämlich den gekreuzigten Herrn, in welchem ich reich bin.“ Und wirklich gelang es ihr mit der Hilfe des Herrn zur Freude Aller, die ihr heiliges Leben kannten, den Bau zu vollenden. Sie weihte Kirche und Kloster der allerseligsten Jungfrau. Hier lebte sie in Mitten der Jungfrauen, die sich mit ihr vereinigten, das Leben eines Engels. Fünf Stunden weihte sie täglich dem Gebet, wobei Ströme von Tränen ihren Augen entflossen; ihren Leib behandelte sie wie einen Feind, und wie die Sonne, sagt ihr Lebensbeschreiber, leuchtete sie den Schwestern als Beispiel ihres demütigen in Gott verborgenen Lebens vor.

Besonders zeichnete sie sich durch eine glühende Liebe zur jungfräulichen Mutter des Herrn aus. Um sich in der Gnade des Herrn zu befestigen, nahm sie beständig ihre Zuflucht zu ihr, und betete fünfhundertmal täglich das Ave Maria, und jedes Hundert schloss sie mit dem Salve Regina. Darnach betete sie noch sieben Mal das Ave Maris Stella „Sei gegrüßt, o Meeresstern“ und ebenso oft den Lobgesang „O gloriosa Domina“. Diese Art Andacht nannte sie das Kleid der glorreichen Jungfrau Maria. Kam ein Fest der Lieben Frau, so betete sie am Vorabend desselben 1000 Ave und am Tage selbst die sieben Tagzeiten mit der glühendsten Andacht und der größten Geistessammlung. So oft das Zeichen des englischen Grußes gegeben wurde, versank sie in Betrachtung des Geheimnisses der Menschwerdung des Herrn. An jedem Samstag fastete sie bei Wasser und Brot; das tat sie auch der Lieben Frau zu Ehren alle Tage von dem Fest der Kreuzerhöhung an bis zum Osterfest.

Solche Strenge des Lebens konnte nicht verborgen bleiben. Ihr Beichtvater erfuhr es und gebot ihr unter dem gehorsam, daß sie am Vorabend der Himmelfahrt Mariens nur ein einziges Ave Maria bete. Sie gehorchte auf das bereitwilligste, suchte aber die Zahl der Ave Maria durch größere Glut der Andacht zu ersetzen, und indem sie mit der größten Geistessammlung das einzige Ave betrachtete, ward sie vom Feuer solch göttlicher Liebe ergriffen und vom himmlischen Licht erleuchtet, daß sie in Entzücken geriet und wie im Himmel weilend die ganze Nacht zubrachte, das unaussprechlich hohe Geheimnis der Menschwerdung aus Maria im Geist erwägend.

Solches war dem bösen Geist sehr zuwider, der sie nun auf verschiedene Weise versuchte, und da Johanna ihn und seine Anfechtungen nur verachtete, sie auf alle mögliche Weise zu quälen und selbst zu töten suchte. Er schlug sie auf das grausamste und warf sie über die Stiege hinab. Halb entseelt fanden sie die Schwestern. Johanna sagte ihnen nichts von dem, was ihr begegnete. Als aber zwei Schwestern darnach eine Reise machten, begegnete ihnen ein Weib, das vom Teufel besessen war, und sie hörten den Teufel aus dem Weib sprechen: „Das sind Frauen aus dem Kloster der Johanna von Reggio, die ich jüngst von der Stiege herab gestürzt und geschlagen habe.“ –

Für diese Teufelsqualen verlieh der Herr der seligen Johanna große Tröstungen. Am Weihnachtsfest ward sie im Geist verzückt, und sie sah das Kindlein Jesus in Windeln gewickelt, liegend in den Armen seiner gebenedeiten Mutter. Maria legte es in die Krippe, betete es mit Jospeh an und sagte Dank dem ewigen Vater, daß er seinen Eingeborenen hingegeben hat zur Erlösung der Welt. Johanna sah auch, wie die unvernünftigen Tiere die zarten und zitternden Glieder des Jesuskindleins mit ihrem Hauch erwärmten, sie sah die Hirten Geschenke bringen, und die drei Könige den Herrn des Himmels anbeten. Am Osterfest hörte sie in einer Entzückung über die glorreiche Auferstehung des Heilandes, von allen Kreaturen das Alleluja jubelnd singen, und es erschien ihr Jesus Christus, in unaussprechlicher Glorie leuchtend, und tröstete sie mit den süßesten Worten. –

Bereits hatte Johanna ein hohes Alter erreicht, und sie sollte nun auch den Lohn für die Treue, womit sie ihrem himmlischen Bräutigam gedient, empfangen. Von heftigen Schmerzen auf das Krankenlager geworfen, erschien ihr der göttliche Arzt des Menschengeschlechtes in Gestalt eines Jünglings in weiße Kleider gehüllt und setzte ihr einen Kranz von Rosen und andern Blumen auf das Haupt, womit er ihr bedeutete, daß sie bald die ewige Krone erhalten werde. Vom höchsten Entzücken darob ergriffen, ließ Johanna die Schwestern zu sich kommen und erzählte ihnen, was der Herr ihr bedeutet habe. Da entstand eine große Trauer im Kloster; Johanna aber freute sich auf das Ende ihres Lebens, tröstete die Schwestern, ließ sich die heiligen Sakramente reichen, und alle nach der Reihe küssend und segnend, gab sie ihren Geist auf am 9. Juli 1491. (Ex Bollando.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 1595 – Sp. 1597

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