Wallfahrtskirche Marienberg in Oberbayern

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte der himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Die Wallfahrtskirche Marienberg bei Burghausen in Oberbayern

Dreiviertel Stunden oberhalb der alten Stadt Burghausen liegt auf einem ziemlich hohen Bergrücken die prächtige und berühmte Wallfahrtskirche Marienberg. Majestätisch läßt dieser Tempel Mariens, in Form einer Rotunde gebaut, sein strahlendes AVE MARIA aus Bronze mit reicher Vergoldung am Giebelfeld zwischen zwei starken herrlichen Türmen beim Glanz der aufgehenden Sonne weithin nach Osten erglänzen. Gegen Sonnen-Untergang funkelt beim Abendlicht der reich vergoldete und verzierte Buchstabe M aus Metall. Im Innern hat die Kirche einen neu vergoldeten Choraltar, über dem von zwei Engeln getragen das Gnadenbild der allerseligsten Jungfrau mit dem Jesuskind von einer zahlreichen Schar von Engeln umgeben schwebt. Noch zwei Altäre, zierliche Schnitzarbeiten, reiche Vergoldungen und viele schöne Deckengemälde schmücken die herrliche Kirche.

Als das Kloster Raitenhaslach, jetzt eine Pfarrei, deren Filiale Marienberg ist, gegründet wurde, faßten die Mönche den Plan, eine neue Pfarrkirche zu bauen, und wählten hierzu einen, eine halbe Stunde entfernten Berg dazu aus, auf dessen Gipfel schon seit uralten Zeiten eine kleine, hölzerne Kapelle mit einem Marienbild stand. Die Bewohner der Umgegend wallfahrteten häufig dahin, beteten vor dem Gnadenbild zu Gott und erlangten nicht selten auf höchst wunderbare Weise Hilfe in verschiedenen Nöten. Kein Wunder also, daß die frommen Mönche von Raitenhaslach um so eher auf diesen Ort aufmerksam wurden, als auch seine Lage der Glanzpunkt jener herrlichen Gegend ist. Unter dem besonderen Schutz Mariens ward der Bau der Kirche bald vollendet, dieselbe eingeweiht, und der Berg „Marienberg“ geheißen. Das Heil der frommen Pilger dahin wurde von nun an durch die Mönche von Raitenhaslach eifrig besorgt, wofür Maria sichtbar ihr Kloster schützte, wie sie es dem ersten Abt des Klosters, Gerr mit Namen, selbst verheißen. Als dieser nämlich eines Tages ihr Gnadenbild zu Marienberg besuchen wollte, erschien sie ihm in wunderbar glänzender Gestalt auf dem Wege, überreichte ihm einen Blumenstrauß, entdeckte ihm, daß gottlose Mörder ihm nach dem Leben streben und versprach ihm zugleich, daß sie ihn und sein Kloster jederzeit in Schutz nehmen werde.

Eine Zeichnung der Wallfahrtskirche Marienberg auf dem Berg; daneben am Himmel die Himmelskönigin Maria mit dem Jesuskind auf einer Kugel

Wie es bei allen berühmten Wallfahrts-Orten der Fall war, so auch zu Marienberg. Der Andrang der Pilger wurde im Laufe der Zeit immer stärker, die Kirche musste größer werden, und als sie auch jetzt die Menge der Pilger nicht fassen konnte, wurde sie wieder erweitert oder vielmehr vom Grunde aus erneut. Endlich faßte im Jahre 1759 der damalige Abt Emmanuel II. von Raitenhaslach den Entschluss, eine ganz neue große Kirche an die Stelle der alten zu bauen. Auch diesen Bau segnete Maria sichtbar, denn trotz der Stürme, welche im Jahre 1761 in der ganzen Umgegend hausten, und sogar die stärksten Bäume entwurzelten, ging doch die Arbeit ohne mindesten Schaden von statten, ja nicht einmal eine einzige Dachplatte rückte der Sturm von der Stelle. Im Jahre 1764 war die Kirche vollendet und am 4. Dezember desselben Jahres von Erzbischof Sigmund von Salzburg feierlich eingeweiht. Bei dieser Feier war der Zulauf des Volkes unermesslich; nicht nur von den umliegenden Pfarreien, sondern von ganz entfernten Orten wurden Bittgänge veranstaltet, und 20000 Gläubige empfingen die hl. Kommunion. Abt Emmanuel war es aber nicht genug, für Marienberg Alles getan zu haben, sich selber wollte er noch zum Opfer bringen. Deshalb bestimmte er bei seinem Ableben (1780), daß sein Herz, das so innig für Maria geschlagen, in der Kirche Marienberg beigesetzt werden solle. Dies geschah denn auch. Eine große Marmorplatte mit einer passenden Inschrift vor dem Hochaltar bezeichnet die Stelle, wo dieser teure Schatz geborgen ist.

Doch nicht mehr lange sollte Marienberg Pfarrkirche und Mittelpunkt einer so ausgedehnten Wallfahrt bleiben. Als im Jahre 1803 eine falsche gottlose Aufklärung die schönen Klöster und herrlichen Abteien Bayerns vernichtete, wurde auch Marienberg dem Untergang geweiht. Nur mit Mühe wurde das Gnadenbild gerettet und in Raitenhaslach aufbewahrt; die Gnadenkirche ward geschlossen, zuvor aber ausgeplündert, und dann der Versteigerung unterworfen. –

Vergeblich widersetzten sich diesem gottesräuberischen Attentat dreizehn brave Männer aus der Pfarrei; sie wurden ins Gefängnis geworfen, und schon war die Kirche dem Untergang nahe, als der bayerische Kronprinz, nachmals König Ludwig I., an den die Pfarrgemeinde sich wendete, auf einer Reise nach Salzburg, Marienberg besuchte, die schöne Kirche besichtigte, sie als Denkmal seltener Baukunst erklärte und befahl, daß weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit einzustellen. –

Am 17. September 1812 wurde Marienberg wieder dem gottesdienstlichen Gebrauch übergeben, und im Jahre 1815 wurde das Gnadenbild wieder in die Kirche zurück gebracht.

Im Jahre 1864 wurde von dem würdigen seeleneifrigen Pfarrer Hrn. Joseph Zaunhuber eine Jubiläumsfeier der schönen Wallfahrtskirche, die er zuvor auf die kunstsinnigste Weise mit Hilfe von Wohltätern einer Restauration unterworfen hatte, beschlossen, und am 25. Juni desselben Jahres damit begonnen. –

Um den von allerwärts hier zusammen strömenden Gläubigen zu genügen, waren die Ortsgeistlichkeit von Raitenhaslach und acht P. P. Redemptoristen von Altötting, welche zugleich eine Volksmission abhielten, nebst vielen anderen Priestern der Umgegend unablässig im Beichtstuhl und auf der Kanzel tätig. Besonders groß war die Volksmenge an den beiden letzten Tagen. Wohl mehr als 10000 Menschen waren da zusammen geströmt und mit größtem Dank gedachte man auch der Großmut des greisen Königs Ludwig I., der nur im Wohltun seine Freude findet und durch den die herrliche Kirche vom Untergang gerettet und erhalten wurde, auf daß dort am Mutterherzen der gebenedeiten Jungfrau die Betrübten Trost, die Verirrten Licht, die Schwachen Kraft, die Leidenden Hilfe und die armen Sünder Rettung finden. (Kath. Kalender 1866) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 126 – Sp. 128

Die Wallfahrtskirche Marienberg bei Burghausen

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Category: Gnadenorte, Ott
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