Der Wallfahrtsort Maria Eck in Oberbayern

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte der hohen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Die Wallfahrt Maria Eck in Oberbayern

Ungefähr 3 Stunden südlich von Traunstein, eine Stunde vom bekannten Bade Adelholzen entfernt, steht auf den lieblichen Vorbergen der bayerischen Alpen, gegen 3000 Fuß über der Meeresfläche erhaben, überragt von den dunklen Fichten- und Tannenwäldern des Rabensteines, des Haargaß-Rückens, des Scheichenberges und des 5000 Fuß hohen Hochfellen, das freundliche, viel besuchte Wallfahrts-Kirchlein Maria Eck, zur Pfarrei Siegesdorf, zum kgl. Bezirksamt und Landgericht Traunstein gehörig.

Erst seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts ist die bezeichnete Anhöhe mit diesem Kirchlein geziert. Mit der herrlichen Aussicht auf das mit Hügeln durchfurchte gesegnete Flachland zwischen dem Inn und der Salzach, auf den lieblichen Chiemsee mit seinen zwei Klöstern, die wie ein großes und kleines Schiff auf der Wasserfläche daher zu schwimmen scheinen, hatte der Schöpfer diesen Punkt schon uranfänglich ausgezeichnet. Was noch dazu gekommen, das hat der fromme Sinn und der Fleiß der Menschen zu Stande gebracht. Die Sache ist so hergegangen.

Unsere Vorfahren haben zu allen Zeiten erhabene Punkte oder auch vom Wald umgebene einsame Orte für ganz geeignet zum Beten erkannt. Die natürliche Erhebung hat ihnen auch zur Erhebung des Geistes verholfen, die Waldeinsamkeit hat sie von den vielen zerstreuenden Weltgedanken isoliert und ihnen zu jener Sammlung verholfen, ohne die alles Beten nur eitler Klingklang bleibt. Dazu kam aber hier noch eine besondere Veranlassung. Schon lange hatten die Holzknechte auf dem gegenüber liegenden Rabenstein, wenn sie am Abend nach Hause zurück kehrten, auf dem Vordereck, wo jetzt das Kirchlein mit seinen drei Altären steht, jedesmal drei Lichter gesehen, wenn Tags darauf ein Fest der seligsten Jungfrau oder sonst ein Festtag gefeiert wurde. Diese Lichter bewegten sich hin und her und verliefen sich am Ende nach den zwei Richtungen hin, von welchen später die Wallfahrer-Wege herauf führten aus der Ebene. Nachdem die Kapelle mit einem Altar gebaut war, sah man nur noch zwei Lichter, und als endlich drei Altäre im Kirchlein errichtet waren, verschwanden die Lichter gänzlich und wurden nicht mehr gesehen. So geht die Sage.

Der Wallfahrtsort Maria Eck in Oberbayern: Die Muttergottes mit ihrem Sohn Jesus stehen auf dem Halbmond über der Wallfahrtskirche Maria Eck

Im Jahre 1618 kam die Voralpe käuflich an das Kloster Seeon und wurde die Kapelle unter dem Titel Maria-Hilf vom Weihbischof von Salzburg, Graf Christoph von Lichtenstein, geweiht. In den trübseligen Zeiten hatten nämlich die Gläubigen in Bayern und Tirol ihre ganze Zuflucht zur „Trösterin der Betrübten und Helferin der Christen“ genommen, nachdem hier eine Abbildung des vom heiligen Lukas gemalten Muttergottes-Bildes unter dem Namen „Maria Eck“ aufgestellt wurde und so das Vertrauen der Gläubigen wunderbarer Weise erweckte. Als im Jahr 1636 Maria Eck dem Kloster Seeon für ewige Zeiten einverleibt bleiben sollte, erhielt Vordereck einen ständigen Priester, und Einsiedler versahen den Mesnerdienst. Die immer mehr zunehmenden Wallfahrten erforderten später 3-4 Priester, welche die Wallfahrt ungemein beförderten, zumal mehrere wunderbare Heilungen auf die Fürbitte U. L. Frau geschahen, deren eine große Anzahl aufgezeichnet wurden.
Bei Aufhebung der Klöster und Stifte in Bayern im Jahre 1803 traf dasselbe Schicksal auch das Kloster Seeon, und Maria Eck wurde der Pfarrei Siegsdorf einverleibt und ein Pfarrvikar aufgestellt. Doch bald sollte auch Maria Eck der Säkularisation verfallen; denn nachdem das dem Kloster Seeon gehörige Vordereck mit seinen nicht unbedeutenden Güterkomplexe verkauft worden, wurde auch Hand angelegt zur Sperrung des Wallfahrts-Kirchleins Maria Eck, obgleich man sich allenthalben widersetzte. –

Indessen kamen noch unzählige Wallfahrer von nahe und ferne nach Maria Eck und beteten daselbst vor der verschlossenen Kirche. Fünf Gemeinden gaben im Jahr 1810 eine Bittschrift ein, man möchte ihnen die Kirche öffnen, mit der Erklärung, sie wollten die Unterhaltung derselben für alle Zeiten übernehmen, und auch den Wallfahrts-Priester besolden, wenn wieder einer angestellt würde. Endlich kam die Sache zu den Ohren des damaligen Kronprinzen Ludwig von Bayern, auf dessen Verwendung im Jahre 1812 die Eröffnung der Kirche erfolgte, und hoch erfreut wendeten sogleich die fünf Gemeinden 2000 fl. Auf, um der Kirche wieder ein würdiges Aussehen zu geben. So wurde denn nach neunjähriger Sperrung der Kirche und nach vielen Widerwärtigkeiten und Mühen im alten Heiligtum wieder das Opfer tagtäglich dargebracht. An Sonn- und Feiertagen wird die heilige Messe früher gelesen, damit die Leute nicht vom Pfarr-Gottesdienst in Siegsdorf abgehalten werden. Seitdem besteigen alljährlich 30 bis 40000 Menschen den lieblichen Mariahilf-Berg, um in ihren leiblichen und geistigen Nöten Linderung und Trost zu erhalten. Schon im Jahre 1791 am 31. Oktober hat Papst Pius VI. alle reumütigen Pilgern, die daselbst die heiligen Sakramente der Buße und des Altares empfangen und die vorgeschriebenen Gebete verrichten, einen vollkommenen Ablass verheißen, den sie einmal im Jahr gewinnen können.

Durch Wohltätigkeit und kluge Sparsamkeit erhält sich die Wallfahrt nicht bloß, sondern sie kann auch manche Verschönerungen und zweckmäßige Einrichtungen zu Stande bringen. Um die Stelle eines Wallfahrts-Priesters für immer zu sichern, hat ein Wohltäter im Jahre 1853 eine namhafte Summe vermacht. – Die frommen Wallfahrer aber mehren sich und beten hier zur seligsten Jungfrau:

O hilfreiche Mutter Gottes und mächtige Jungfrau Maria, die du mir von Jesus selbst zur Mutter gegeben bist und dir diesen Gnadenort ausersehen hast, um auch hier die Bitten deiner vertrauensvollen Kinder zu erhören und dem himmlischen Vater anzuempfehlen, ich grüße und lobpreise dich. Seih gnädig auf mich herab! Dir ist all mein Elend bekannt. Erzeige auch an mir deine wunderbare Macht und erlange mir durch deine Fürbitte wahre Reue und ernstliche Buße, Verzeihung aller meiner Sünden und Beharrlichkeit im Guten. Handle mit mir nach deiner mütterlichen Barmherzigkeit, o Maria, jetzt in den Gefahren des Lebens, und gedenke besonders in der letzten Stunde und größten Not meiner Bitten und Seufzer. Komm mir zu Hilfe, damit ich von aller Anfechtung des bösen Feindes befreit, in die Zahl der getreuen Diener deines Sohnes Jesu Christi aufgenommen werde. Amen. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 189 – Sp. 191

Category: Gnadenorte, Ott
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