Unsere Liebe Frau zu Kaltenbrunn in Tirol

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte der hohen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird

Unsere Liebe Frau zu Kaltenbrunn am Inn in Tirol

Am rechten Innufer, zwei Stunden von Prutz, liegt Kaltenbrunn, so genannt von einem Wasser, welches eine Viertelstunde oberhalb der Kirche, im Wald plötzlich aus dem Boden hervor sprudelt. Eine alte Überlieferung erzählt: „Da, wo jetzt die kleine Kapelle steht, war vordem viel Gesträuch. Allda auf einem Stein, darauf jetzt der Altar der Kapelle steht, war U. L. Frau Maria Bild, wo die Leute im Vorbeigehen jederzeit mit Andacht ein Ave gesprochen. Auf demselben Stein ist um das Bild Korn und Weizen gewachsen, dem das Vieh, welches man daselbst täglich hütete, keinen Schaden tat. Hierher kam einmal ein Pilgrim, der acht tage vor dem Bild betete und sagte, es sei allhier eine heilige Stätte und gehe eine Leiter auf zum Himmel; es werde auch noch dazu kommen, daß an diesem Ort viele Messen gelesen und gesungen und viele große Kirchenfahrten und Zeichen geschähen.

Nachher ist gekommen ein Bruder mit Namen Macarius, ein gelehrter Mann, der sah allhier eine Leiter aufgehen zum Himmel und sagte auch, daß noch große Kirchfahrten und Zeichen allhier geschehen und viele Gottesdienste werden abgehalten werden. Derselbe ließ eine hölzerne Kapelle und ein Häuslein allda erbauen, und sagte, daß noch Einer kommen werde, der wird dem Gotteshaus viel Gutes stiften und durch einen Andern werde der Gottesdienst anfangen und gemehrt werden.

Unsere Liebe Frau zu Kaltenbrunn steht, mit Kind und Zepter, auf einer Wolke, und mit einem Strahlenkranz umgeben schaut Maria auf Kaltenbrunn mit seiner Kirche und seinen Bewohnern

Hierauf kam ein Edelmann, mit Namen Schenkenberg, der einen andern Edelmann zu Mailand umgebracht, und andere Laster mehr begangen. Er hat aber die Jungfrau und Mutter Gottes Maria mit Andacht verehrt und angerufen, daß sie ihm einen Ort weise, allwo er sein Lebtag sein und seine Sünden büßen möchte. Darüber ist sie ihm im Schlaf erschienen und hat ihm gesagt, er solle ins Inntal reiten und nach Kaltenbrunn fragen. Darauf ist er gegen Prutz gekommen und hat gefragt, wo Kaltenbrunn sei. Also sind etliche Nachbarn mit ihm gegangen und haben ihm den Ort gezeigt. Als er diesen beschaut, ist er wieder gegen Prutz gegangen, hat seinen Knechten Urlaub gegeben, seine Pferde verkauft, und die Kapelle zu bauen angefangen. Und als er sein Leben hier verzehrt, ist er zu Kauns begraben worden. (siehe den Beitrag: Was ULF Frau von dir fordert) Dieser Edelmann samt andern Nachbarn haben bekannt, daß sie englische Stimmen an diesem Ort gehört. Als einmal etliche Nachbarn im Holz, Kaltenbrunn gegenüber, gewesen, haben sie beim Tage eine große Prozession, in welcher Alle weiße Kleider anhatten, mit einem roten Fähnlein in obbemeldete Kapelle gehen sehen. Wie sie nachts heim gekommen, haben sie gefragt, wer des Tags mit dem Kreuz sei gegen Kaltenbrunn gegangen, aber Niemand hat darum gewußt. Wiederum hat auch eine glaubhafte Mannsperson bekannt und darüber oft geschworen, daß ihr eine Stimme allhier hat zugerufen, und sie wegen ihrer Sünden gestraft; sie habe aber Niemand gesehen.

Eine ehrbare Frau hat hier, im Schlaf dazu gemahnt, U. L. Frau um ein Kind gebeten, und darauf, als sie sonst sieben mit ihrem Mann gehaust und kein Kind hatte, einen Sohn bekommen, der Priester geworden und die erste und andere heilige Messen zu Weihnachten allhier gelesen, da sonst allhier nie eine heilige Messe gelesen worden. Dieser ist lange Zeit hier Kapellan gewesen, und hat von der hoch gelobten Jungfrau und Mutter Gottes in vielen Nöten Hilfe erlangt. –

Unzählige Pilger suchten vor dem lieben Frauenbild Trost und Ruhe und Hilfe. Im Jahr 1438 entstand durch eine Wachskerze ein Brand. Aber das wunderbare Frauenbild ging unversehrt aus Rauch und Glut hervor und die Wallfahrt ward noch berühmter. Der Einsiedler Johannes Stab baute durch das Almosen der Gläubigen die Kapelle von Neuem auf und hohe Herren, darunter Erzherzog Sigismund, Landesherr von Tirol, nahmen sich der Wallfahrt an. Endlich konnte durch großmütige Beiträge der Landefürsten eine schöne Kirche gebaut werden. Noch jetzt ziehen die frommen Tiroler zu U. L. Frau nach Kaltenbrunn, und finden dort immer, um was sie vertrauensvoll bitten, Trost, Ruhe, Hilfe in aller Not! – (Kaltenbäck Mariensagen) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 195 – Sp. 196

Category: Gnadenorte, Ott
Tags:

Verwandte Beiträge

Unterricht für das Fest der heiligen Familie
Unsere Liebe Frau von Puy in Frankreich
Menü