Das Gnadenbild Mariä in Bornhofen

Eine Prozession christgläubiger Katholiken zu einem Gnadenort der Muttergottes Maria: angeführt von einem Jungen, der das Kruzifix hält, gefolgt vom Priester mit den Messdienern und dem gläubigen Volk

Gnadenorte unserer himmlischen Himmelskönigin

Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter Maria, sitzt, umringt von vielen Heiligen, in der Mitte, ihren Sohn Jesus auf dem Schoß, eine Lilie in der linken Hand; unter ihr ist das Häuschen zu sehen, daß von Engeln zum Gnadenort Loreto getragen wird
Das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter Gottes und ihre Kirche zu Bornhofen

Zunächst oberhalb Boppard, einer Stadt am Rheine, liegt auf dem rechten Rheinufer der sehr alte Marktflecken Kamp. Nicht fern davon sieht man auf zwei zusammen hängenden Bergkuppeln die Trümmer zweier alter Ritterburgen, und am Fuße derselben eine ansehnliche Kirche, die schon in ihrem Äußern zeigt, daß sie einem längst verschwundenen Jahrhundert angehört. Die Kirche ist von einigen Häusern umringt, und der kleine Ort, der durch eine freundliche Allee von Nussbäumen mit dem Marktflecken Kamp in Verbindung steht, führt den Namen Bornhofen. Schon vor dem Jahre 1311 stand in Bornhofen eine Kapelle mit dem Gnadenbild der schmerzhaften Mutter Maria, und war wegen der herrlichen Wundertaten, die dort geschahen, berühmt. Dieser Kapelle hat wahrscheinlich auch der Ort den Namen Bornhofen zu verdanken; denn dieser war durch Maria, der heiligen Jungfrau, ein Born, eine Quelle der Gnaden geworden.

Im Jahre 1435 erbaute Ritter Johann Brömser von Rüdesheim statt der kleinen Kapelle eine schöne Kirche zu Ehren der schmerzhaften Mutter, welche jetzt noch steht.. Der Erzbischof Rabanus von Trier weihte sie im Jahre 1436 am Fest Mariä Himmelfahrt feierlich ein. Dieser Ritter Brömser zog mit dem Kaiser Konrad III. in das heilige Land, um den Ungläubigen Jerusalem zu entreißen, und as heilige Grab Christi zu erobern. Im Kampf mit den Ungläubigen wurde er gefangen, in Ketten und Banden gelegt und in einen tiefen Kerker geworfen. Da schmachtete er längere Zeit ohne alle Hoffnung der Erlösung; nur Gott konnte ihn befreien. Da machte er denn das Gelübde, wenn ihm die heilige Jungfrau durch ihre mächtige Fürbitte Erlösung aus den Banden erwirke, so wolle er nach seiner Heimkunft zu Gottes und der heiligen Jungfrau Ehren mehrere Kirchen bauen.

Sein Gebet fand Erhörung; er fand seine Freiheit wieder, und in die Heimat zurück gekehrt, erbaute er drei Kirchen: dieKirche Not Gottes, die Pfarrkirche in Rüdesheim und die Kirche zu Bornhofen.

Kaum war die Kirche in Bornhofen erbaut, als der Zulauf des Volkes dahin zur Verehrung der schmerzhaften Mutter Gottes immer größer wurde. Von nah und fern strömten die Gläubigen hinzu, und man sah sich bald genötigt, sich nach geistlichen Mitarbeitern in dieser reichlichen Ernte umzusehen. Der Erzbischof von Trier, Johann Hugo, rief im Jahre 1618 die Kapuziner nach Bornhofen, damit sie die dortige Gnadenkirche in ihre Obhut nehmen, und die geistlichen Bedürfnisse der zahlreichen Wallfahrer besorgen möchten. Aber erst im Jahre 1679 konnten die Kapuziner Besitz von der Kirche nehmen, als ihnen nämlich gedachter Erzbischof, der selbst ein frommer Diener der Gottesmutter war, ein Kloster baute, und mit eigener Hand den Grundstein hierzu legte.

Als das Kloster fertig war, ließ der Erzbischof die kostbare Kapelle von Marmor über dem Gnadenbild in der Kirche errichten, samt einem prachtvollen Altar, auf dem jetzt das Gnadenbild steht.

Seitdem nun die Kapuziner den Gottesdienst an der Gnadenkirche versahen, nahmen die Fahrten zahlreicher Pilger von Jahr zu Jahr zu. Im Jahre 1691 belief sich die Zahl der Pilger am Feste Mariä Geburt schon auf 12,000, und im Jahre 1740 sogar auf 40,000. Man sah sich genötigt, weil die Kirche zu klein war, alle frommen Gläubigen zu fassen, vor derselben einen Altar aufzustellen, und die heilige Messe zu lesen und die heilige Kommunion auszuspenden.

Gegen 1750 erschienen jährlich 62 Prozessionen. Aber in Folge der französischen Revolution, die auch das deutsche Vaterland mit ihren ungläubigen Grundsätzen ansteckte, wurde das Kloster zu Bornhofen aufgehoben und verkauft. Doch die Kirche wurde erhalten, nur durfte bis zum Jahre 1821 kein Gottesdienst darin gehalten werden. In diesem Jahr am zweiten Sonntag nach Ostern wohnten Tausende dem ersten Hochamt bei, und dankten dem Allerhöchsten, daß er diesen alten Zufluchtsort für reuige Sünder und diesen hehren Gnadenort für Bittende und Hilfsbedürftige seinem Reich wieder einverleibt und der Christenheit wieder eröffnet habe.

Seit dieser Zeit wurde der Gnadenort denn auch wieder fleißig von den Christen von nah und fern besucht. Es wallfahrten die Gläubigen vor wie nach wieder dahin, und man darf sagen in größerer Anzahl und mit lebendigerer Andacht als vordem, Zeugnis gebend ihrer Liebe und ihrem vertrauen zur Mutter unseres Heilandes.
Es lebe Jesus, unsere Liebe, und Maria, unsere Hoffnung! (Das Gnadenbild zu Bornhofen, Koblenz 1850.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 857 – Sp. 859

Bildquellen

  • ott-marianum-gnadenorte: Bildrechte beim Autor
  • ott-marianum-prozession: Bildrechte beim Autor
Category: Gnadenorte, Ott
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