Heiliger Paulinus Bischof und Märtyrer

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

12. Juli

Heiliger Paulinus, Bischof und Märtyrer

Im Jahre 1261 lebte in der italienischen Stadt Lucca ein Mönch mit Namen Jakob, ein Mann von großer Heiligkeit des Lebens und der strengstens Buße. Diesem, als er zur Nachtzeit dem Gebet oblag und vor Müdigkeit einschlief, erschien am 17. Juli ein überaus schöner Jüngling und sprach zu ihm: „Bruder Jakob, von Gott Gott gesegnet, erhebe dich schnell und gehe zur Kirche des heiligen Antonius. Dort sage dem Priester, daß er zur Ehre der seligen glorreichen Jungfrau eine Messe lese und der Messe wohne du selbst mit großer Andacht bei, denn der selige Paulinus war einer der teuersten und andächtigsten Diener der Himmelskönigin.“ Nach diesen Worten verschwand der Jüngling. Jakob tat, wie ihm geheißen; er wohnte der heiligen Messe bei, und als die hochheilige Hostie aufgewandelt wurde, hörte er, demütig im Chor auf den Knien liegend, eine Stimme welche sprach: „Der Leib des heiligen Paulinus liegt neben deiner rechten Schulter, und dort, zwei Armlängen entfernt, grabt nach und ihr werdet ihn finden.“

Nach der heiligen Messe erzählte Jakob Alles dem Priester, der dann mit ihm zu Bischof Heinrich ging und das Erzählte demselben hinterbrachte. Der Bischof erlaubte ihnen das Nachgraben um den Leib des seligen Paulinus, und nachdem sie drei Tage gefastet und gebetet hatten, machten sie sich ans Werk. Sie gruben abwechselnd mit noch 9 Religiösen bis zum Abend an der von der Stimme bezeichneten Stelle, fanden aber nichts. Ermüdet überließen sie sich dem Schlaf, Jakob aber ging in die Kirche zur Grabstätte des seligen Antonius und mit großer Betrübnis rief er aus: „O Herr, wir finden den versprochenen und geliebten Schatz nicht.“ Einige Zeit betend, schlief er ein. Da erschien ihm derselbe Jüngling wieder und sprach: „Bruder Jakob! Warum grabt ihr nicht?“ Jakob entgegnete: „Herr, den ganzen Tag haben wir gearbeitet und wir sind sehr müde geworden, konnten aber nichts finden.“ Da sprach der Jüngling: „Erheb dich und grabe im Namen Jesu Christi; was ihr sucht, werdet ihr finden.“ Alsbald erhob sich Jakob, erzählte sein Gesicht dem Priester, und man fing wieder zu graben an. Nicht lange, und Alle, die in der Kirche waren, fühlten einen äußerst süßen Geruch, der sie von jeder Müdigkeit und Schlafsucht befreite. –

Als es Nacht geworden, fanden sie ein Denkmal aus Marmor mit der Inschrift: „Hier ist der Leib des seligen Paulinus, des ersten Bischofs von Lucca und eines Schülers des heiligen Apostels Petrus; mit ihm ruht hier der Leib des Märtyrers und Priesters Severus und des Soldaten Theobald.“ Hierauf wurde vom Bischof und der Geistlichkeit in Gegenwart eines zahlreich jubelnden Volkes der Leib des heiligen Bischofs mit seinen Gefährten erhoben.

Zur Zeit, als der grausame Kaiser und schreckliche Christenverfolger Nero, der im Jahre 37 nach Christi Geburt zur Welt kam und im Jahre 68 elendiglich umkam, über das Römerreich herrschte, sandte der heilige Apostel Petrus seinen Jünger Paulinus in die Gegend und Stadt Lucca. Der heilige Apostel hatte ihn zum Bischof geweiht und ihm die innigste Liebe zu Jesus und Maria eingepflanzt. In Fasten und Gebet Tag und Nacht Gott dienend, gewann er durch seine Predigten eine große Menge Heiden für Christus. Als die Zahl der Gläubigen in Lucca zunahm, erbaute er mit den Priestern Severus und Antonius, die er geweiht hatte, sieben Kirchen und versah sie mit Priestern. Als aber Kaiser Nero davon hörte, der um diese Zeit in der Stadt Pisa der Diana einen Tempel gebaut hatte und befahl, dieselbe zu verehren, sandte er Häscher und nach Lucca, um den heiligen Bischof Paulinus zu fahnden und gefesselt zu ihm zu führen. Sie fanden wirklich den heiligen Bischof mit seinen Gefährten, den Priestern Severus,dem Diakon Lucas und dem Soldaten Theobald und vielen andern Gläubigen singend und betend in einer Kapelle, welche Paulinus zur Ehre der heiligen Dreifaltigkeit, des Kreuzes Christi, der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria und des heiligen Märtyrers Stephan eingeweiht hatte.

Vor dem Kaiser geführt, ward ihm befohlen, der großen Göttin Diana zu opfern. Paulinus aber gab zur Antwort: „Ich opfere nicht dem Teufel, der dich und deine Anhänger besitzt zum ewigen Untergang, sondern ich opfere mich selbst ein unbeflecktes Opfer dem Herrn, der vom Himmel auf die Erde in den Schoß der Jungfrau erbarmungsvoll herab steigend und aus ihr seine Menschheit annehmend für uns am Kreuz zu sterben sich würdigte. Dem diene ich, der Allen, die an ihn glauben, das ewige Leben gibt und ewige Glorie.“
Nun ließ der grausame Kaiser den heiligen Bischof und seine Gefährten so lange mit Prügeln schlagen, bis sie ihren Geist aufgaben. –

Unter Lobpreisungen des Herrn stiegen ihre Seelen zum Himmel empor. Ihr Fest wird am 12. Juli gefeiert. Aus dem Leben diese heiligen Bischofs siehts du, lieber Leser, wie schon die Jünger der Apostel die Gottesmutter ehrten und liebten, welche Liebe ihnen gewiß die Apostel einflößten. (Ex Bollando.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 1614 – Sp. 1616

Category: Märtyrer, Ott
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