Heiliger Polykarp Bischof und Märtyrer

Christus mit dem Buch des Lebens in der Mitte, links der heilige Joseph mit der Lilie sowie den heiligen Mönchen; rechts sind die heiligen Jungfrauen, vorne knien auf der linken Seite Jünglinge und ein Mann, rechts Mädchen und eine Frau, Christus anbetend

Heiligenkalender

26. Januar

Heiliger Polykarp, Bischof von Smyrna und Märtyrer

Der heilige Polykarp, Bischof von Smyrna in Kleinasien, war ein Jünger des heiligen Apostels Johannes, der ihn auch zum Bischof dieser Stadt eingesetzt hat; denn er liebte ihn besonders wegen der Unschuld seines Wandels und seines brennenden Eifers, den Glauben an Jesus überall zu verbreiten. Polykarp regierte seine Kirche wie ein wahrer Apostel mit Wort und Beispiel. Er bekehrte eine unzählbare Menge von Ungläubigen und führte die Rechtgläubigen zu aller Tugend an. Im hohen Alter reiste er nach Rom zum Papst Anicet(us) in einer Streitsache, die wegen der Zeit des Osterfestes entstand. Er traf daselbst viele, welche sich durch die Ketzer Valentin und Marcion verführen ließen, entdeckte ihnen die Gottlosigkeit dieser zwei Bösewichte und führte sie zur katholischen Wahrheit wieder zurück. Einst, da ihm eben dieser Marcion begegnete und fragte: „Kennst du mich?“ antwortete der heilige Polykarp: „Ja, ich kenne dich, den Erstgeborenen des Teufels.“

Nach seiner Rückkehr nach Asien entstand unter dem Kaiser Marcus Aurelius eine große Verfolgung der Christen. Statius Quadratus, der Statthalter, machte den Anfang mit zwölf Christen, die er zu Smyrna den wilden Tieren vorwerfen ließ. Da verdoppelte sich der Eifer unseres heiligen Bischofs. Er ging von Haus zu Haus, sprach seinen lieben Schäflein Mut ein und munterte sie zur Standhaftigkeit in dem wahren Glauben auf. Diese aber waren mehr besorgt für das Leben ihres lieben Hirten, als für ihr eigenes. Sie baten ihn, er möge doch für einige Zeit die Stadt verlassen und sich der Verfolgung entziehen, damit er ihnen länger beistehen könnte. Viele Mühe kostete es, bis er einwilligte. Demnach begab er sich mit einigen wenigen in einen nicht weit von der Stadt entlegenen Maierhof, wo er Tag und Nacht für seine Schäflein betete. Drei Tage ehe er gefangen wurde, offenbarte ihm Gott die bevorstehende Marter im Schlaf; denn es kam ihm vor, sein Kopfkissen wäre ganz mit Flammen umgeben. Als er erwachte, sprach er zu den Seinigen: „Liebste Brüder! Nun zweifle ich nicht mehr, daß ich um des Glaubens willen mit Feuer umgeben und sterben werde. Gebenedeit sei der Vater unseres Herrn Jesu Christi, welcher mich der Marterkrone würdigen will!“ Was er gesagt, wurde nach drei Tagen erfüllt.

Die abgeordneten Gerichtsdiener, welche den heiligen Bischof aufgesucht hatten, kamen endlich in das Haus, wo er war; und obwohl er ganz leicht hätte entfliehen können, so wollte der dennoch nicht, sondern sprach: „Nun geschehe der Wille des Herrn!“ Alsdann stieg er von dem oberen Teil des Hauses, wo er dem Gebet oblag, herab in den unteren, wo die Gerichtsdiener auf ihn warteten, und empfing sie auf das freundlichste, ließ ihnen auch ein gutes Mittagsmahl zubereiten und verlangte ein Stündlein Aufschub zur Verrichtung seines Gebetes. Nach vollendetem Gebet setzten die Gerichtsdiener den heiligen Mann auf einen Esel und begleiteten ihn bis zur Stadt.

Der Landpfleger, dem er in Gegenwart einer ungeheuren Menge Volkes vorgestellt wurde, fragte ihn, ob er jener Polykarp sei? Da der Heilige diese Frage mit Ja beantwortete, begehrte der Landpfleger, er sollte Christus verleugnen und schmähen. Polykarp sprach: „Ich habe bereits 86 Jahre Christo gedient, und er hat mir bisher kein Leid zugefügt – wie könnte ich ihn jetzt verleugnen oder schmähen?“ Der Landpfleger setzte ihm noch heftiger zu, auch mit Drohungen.

Er ließ öffentlich bei dem Volk ausrufen: „Polykarp hat bekannt, daß er ein Christ sei.“ Darauf forderten alle Heiden und Juden, man solle ihn lebendig verbrennen. Das Holz wurde ohne Verzug herbei getragen, und der Scheiterhaufen zubereitet. Man wollte auf demselben den heiligen Bischof mit Nägeln an einen Pfahl anheften, damit er sich nicht bewegen und entfliehen könnte; er aber sagte: „Laßt solche nur weg. Derjenige, der mir nach seiner Barmherzigkeit die Gnade gibt, die Feuerflammen mit Geduld zu erleiden, wird mich auch stärken, daß ich unangenagelt ohne jede Bewegung des Leibes standhaft verbleibe.“ Demnach band man ihm nur die Hände rückwärts zusammen und zündete hierauf den Scheiterhaufen an. Ehe das Feuer das Holz erfaßte, wendete der ehrwürdige Bischof seine Augen zum Himmel und sprach: „Ich lobe und preise dich, o allmächtiger Gott! Und sage dir Dank, daß du mich würdigst, mich heute der Zahl deiner Märtyrer beizuzählen. Ich bitte dich, nimm mich an zu einem dir angenehmen Brandopfer. Dir sei Lob und Ehre in Ewigkeit! Amen.

Kaum hatte er dieses Gebet verrichtet, so stand der ganze Scheiterhaufen in vollen Flammen; allein Gott der Herr zeigte, daß er mächtig genug sei, seinen getreuen Diener auch mitten im Feuer zu beschützen. Die Flammen schlugen links und rechts in die Höhe und bildeten eine Art Bogen, so, daß der heilige Bischof inmitten derselben ganz unverletzt blieb und Gott zu loben fortfuhr. Es duftete auch ein so angenehmer Geruch, als wenn man die kostbarsten Spezereien dabei angezündet hätte. Die Christenfeinde entsetzten sich über dieses Ereignis; weil sie aber dennoch den Tod des Heiligen begehrten, bekam ein Gerichtsdiener Befehl, demselben ein Schwert durch den Leib zu stoßen. Dabei trug sich aber ein zweifaches Wunder zu; denn aus der Wunde, die ihm zugefügt wurde, sah man eine schneeweiße Taube dem Himmel zufliegen; und dann floß aus derselben eine solche Menge Blut, daß die Feuerflammen ganz ausgelöscht wurden. Auf Anstiftung der Heiden und Juden ward sein heiliger Leib nach dem Tod verbrannt; die Christen aber nahmen die übrig gebliebenen Gebeine aus der Asche heraus und verwahrten sie in größten Ehren. Der heilige Polykarp starb, 100 Jahre alt, den 26. Januar, der auch sein Verehrungstag ist, um das Jahr 166. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 59 – S. 60

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