Sankt Paulus Die Bekehrung des Sünders

In den Wolken erscheint Christus dem Saulus, der vom Pferd auf den Boden fällt, da das Pferd quasi scheut; die Soldaten als seine Begleiter fallen ebenfalls zu Boden, halten sich die Ohren zu, bedecken ihren Kopf und sind voll Angst

Die Bekehrung des Sünders

Die katholische Kirche lehrt, daß einem jeden Menschen zur Erlangung des ewigen Heiles die zuvorkommenden Gnade Gottes notwendig ist und ihm die Pflicht obliegt, mit derselben mitzuwirken. Das Konzil von Trient erklärt diesen Glaubenssatz mit den Worten: „Wenn Jemand sagt, der Mensch könne ohne Eingebung des heiligen Geistes und ohne seinen Beistand glauben, hoffen, lieben und Buße tun, wie es erfordert wird, damit ihm die Gnade der Rechtfertigung verliehen werde, der sei im Banne.“ Die Bekehrung des Saulus veranschaulicht dir diese so wichtige Glaubenslehre in lichtvoller Klarheit.

Den ersten Schritt zu dieser Bekehrung tut Gott selbst. Saulus ist eben auf dem Weg, seine noch vom Blut des hl. Stephanus triefenden Hände wider die Christen in Damaskus auszustrecken; die amtliche Vollmacht dazu trägt er in der Tasche und den pharisäischen Haß im Herzen. Was konnte und sollte ihn aufhalten, diese Grausamkeit nicht zu vollbringen? Plötzlich durchleuchtet die Gnade seinen Geist und fordert Antwort auf die Frage: „Saulus, Saulus, (Sünder), warum verfolgst du Mich?“ Jedes Wort dieser Frage ist ein Hammerschlag auf das Herz des Begnadigten.

Warum verfolgst du Mich? Was haben dir die Christen, die an Mich, den durch die Erfüllung aller Weissagungen und durch zahlreiche Wunder beglaubigten Erlöser, glauben, zu Leid getan? Kennst du als Pharisäer nicht das größte Gebot: „Du sollst Gott aus allen Kräften lieben und den Nächsten wie dich selbst?“ Hältst du dich zu diesem neuen Frevel berechtigt, weil Ich deine früheren Missetaten noch nicht bestraft, weil Ich so langmütig deinen Stolz, deinen Ehrgeiz, deine Bosheit ertragen habe?

Warum verfolgst du Mich? Wer bist du denn? Hast du dich selbst erschaffen, dir selbst das Leben, die Talente, die Gesundheit gegeben? Nein, Alles, Alles hast du von Mir: meine Sonne bescheint dich, meine Erde trägt dich, mein Feuer erwärmt dich, meine Luft erfrischt dich, meine Speise ergötzt dich, meine Sorge beschützt dich, meine Barmherzigkeit sucht dich. Und du – du verfolgst Mich! Es wäre schon ein großes Verbrechen für dich, Mich nicht zu liebe; ein größeres, Mir zu mißfallen; das größte, Mich absichtlich zu beleidigen; was erst, Mich verfolgen, Mich hassen, Mich lästern!

Warum, o Sünder, verfolgst du Mich? Mich, der Ich aus Erbarmen gegen dich Mensch geworden, das Evangelium verkündet und mein Leben am Kreuz geopfert habe! Mich, der Ich dein gnädiger Erlöser, dein täglicher Wohltäter, dein baldiger Richter, dein ewiger Vergelter bin! Mich, der Ich dir an Liebe ein Vater, an Wohlwollen ein Bruder, an Treue ein Freund, an Glückseligkeit das höchste Gut, in Allem dein Gott bin! O wie oft hat der süße Jesus diese rührende Klage und Frage an mich und dich gestellt!

Den zweiten Schritt zur Bekehrung muss der Sünder tun. Saulus hat ihn getan – sogleich getan. Noch auf der Erde liegend antwortete er: „Herr, was willst Du, daß ich tun soll?“ – ich bin zu Allem bereit! Das ist eine herrliche Antwort: ausgelöscht ist der Haß gegen Jesus, verschwunden die Wut wider die Christen, zerrissen die Anhänglichkeit an die Partei der Pharisäer, abgelegt der herrschsüchtige Stolz, und aus dem Schutt dieser Sünden bricht hervor der lebendige Glaube: Du bist mein Herr, in die Arme deiner Barmherzigkeit flüchte ich mich, Dir allein will ich gehorchen, befiehl nur, was ich tun soll! Mit diesen schönen Worten verband er, wie ihm der Herr befohlen, die Tat. Denn was nützen schöne Worte, goldene Versprechen, gute Vorsätze, wenn du sie nicht ausführst? Saulus verharrte drei Tage lang in stiller Einsamkeit, fastete streng und betete andächtig. Den Inhalt seines reuevollen, zerknirschten und gedemütigten Herzens kannst du leicht erraten. Hast du diesen zweiten Schritt auch schon getan bei der letzten heiligen Beichte? O verschiebe ihn doch nicht! –
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 61 – S. 62

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