Nero

  1. Start
  2. Christenverfolgung
  3. Nero

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Nero

Nero, römischer Kaiser, * 15.12.37 zu Antium, wurde nach der Heirat seiner Mutter Julia Agrippina, einer Enkelin des Kaisers Augustus, mit Kaiser Claudius von diesem 25.2.50 adoptiert und gelangte13.10.54 nach dessen Tod 17jährig auf den Thron. Seine Regierung war anfangs unter dem Einfluß seines früheren Erziehers Seneca und des Prätorianerpräfekten Burrus gut; doch etwa seit dem Jahre 58, in dem er auch Beziehungen zur Buhlerin Poppaea Sabina knüpfte, überließ er sich mehr und mehr seinem künstlerischen Dilettantismus, seinen verschwenderischen Liebhabereien, seiner ungebändigten Sinnlichkeit und seinem brutalen Despotismus. Seine Mutter ließ er 59 töten, 62 sich von seiner Gattin (seit 53) Octavia scheiden und sie hinrichten, um Poppaea zu ehelichen; 65 gab sich Seneca, der Teilnahme an der Verschwörung des Piso beschuldigt, auf Aufforderung den Tod. Auch den großen Brand, der 18.-24.7.64 von den 14 Regionen der Stadt Rom 3 völlig einäscherte und nur 3 unberührt ließ, schob nach Tacitus (Annales XV 38/44) das Gerede des Volkes dem Kaiser zu. Einige Quellen (Namentlich Plinius, Hist. Nat. 17,4) bestätigen diese Gerüchte, während Tacitus es offen läßt, ob der Brand „forte an dolo proncipis“ entstanden sei; einzelne neuere Forscher entlasten Nero. Nach Tacitus unterschob Nero zur Ablenkung dieses Gerüchtes als Schuldige die vielfach verhaßten Christen. „Er ließ solche ergreifen, die gestanden (am richtigsten zu ergänzen: daß sie Christen seien), und dann wurde auf ihre Angabe hin eine große Menge nicht so fast der Brandstiftung, als des Hasses gegen das Menschengeschlecht überführt.“

Dieser ersten Christenverfolgung fiel eine „gewaltige Menge“ zum Opfer; die Hinrichtung geschah nach Tacitus zum Teil in den Gärten des Nero unter ausgesuchten Martern: die Christen wurden in Tierfelle gehüllt und durch Hunde gehetzt, oder gekreuzigt und danach nachts als Fackeln angezündet. Allem nach beziehen sich auch die Andeutungen des 1. Klemensbriefes (c.6), daß Frauen als „Dirken und Danaiden“ (zur Darstellung mythologischer Szenen) schreckliche Mißhandlungen erfuhren, auf diese Verfolgung. Ihr erlagen auch die Apostel Petrus und Paulus. Sie scheint sich auf Rom beschränkt zu haben, dauerte aber, langsam nachlassend, bis Nero, beim Aufstand des Julius Vindex vom Senat als Feind des Vaterlandes erklärt und zum Tode verurteilt, in der Nähe Roms 9.6.68 durch Selbstmord endigte. Mag Nero die erwähnte juristische Begründung der Strafbarkeit des Christentums gegeben haben oder nicht, sein Vorgehen wurde als „institutum Neronianum“ Vorbild und Norm für das Verhalten der römischen Staatsgewalt gegen die Christen (Tertullian, Ad nat. I 7). –

Die römische Volkssage und die sibyllinischen Bücher prophezeiten eine Wiederkehr Neros. Auch in den frühchristlichen und mittelalterlichen Sagenkreis ging er ob seiner Unmenschlichkeit ein als großer Zauberer (mit Simon Magus), als dämonische bzw. apokalyptische Gestalt, als letzter Kaiser vor dem Antichrist oder als dieser selbst.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VII, 1935, S. 489-490

Nestorius
Decius

Weitere Lexikon-Einträge

Nestorius

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Nestorius Nestorius, dessen Geburtsort unbekannt ist, lebte in der Jugend zu Germanicia (Syria Euphratensis), dann in Antiochia, wo er wahrscheinlich Schüler des Theodor von Mopsuestia war. Priester und Mönch dort geworden, erwarb er sich…

Reuchlin

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Reuchlin Reuchlin, Johann, gräzisiert Capnion, berühmter deutscher Humanist, * 22.2.1455 zu Pforzheim, † 30.6.1522 zu Liebenzell (Württemberg); studierte in Freiburg i. Br., Paris und Basel. Hier gab er 1475 ein lateinisches Reallexikon (Vocabularius breviloquus)…

Wiclif

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Wiclif Wiclif (Wyclif), John v., der bedeutendste der sog. Vorläufer der Reformation, *um 1320 (1324?) zu Wicliffe oder Spreswell (Grafschaft Yorck) aus alt-sächsischem Adel, †13.12.1384 zu Lutterworth; studierte seit 1344/45 an der Universität Oxford…

Jansenismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Jansenismus Jansenismus, von Kornelius Jansenius dem Jüngeren und seinem Freund Du Vergier begründete religiöse Reformbewegung, die sich im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts zu heftigem Widerspruch gegen Lehramt und Tradition der Kirche entwickelte.…

Montanismus

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Montanismus Montanismus, schwärmerische Sekte, die sich zunächst als eine aszetisch-eschatologische Erweckungs-Bewegung innerhalb der Kirche offenbarte, aber auch eine gefährliche Häresie war. Obschon sie das Glaubens-Bekenntnis nicht änderte, wollte sie doch die christliche Offenbarung durch…

Weitere Lexikon-Beiträge

Moloch

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Moloch Moloch (= Schande) statt Melek (=König) in hebräischer, oder Malk, Milk in phönizischer Aussprache), semitische Gottheit, die dem kanaanitischen Baal, dem ammonitischen Milkom und dem moabitischen Chamos entspricht. Ihr wurden Menschenopfer (besonders Kinder) datgebracht. Obgleich solche Opfer den Israeliten unter Todesstrafe verboten waren (Lv. 18, 21; 20, 2-5),…

Palästina

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Palästina Palästina heißt mit seinem späteren, allgemein üblichen Namen das den Israeliten von Gott verheißene und übergebene Land. Es wurde nämlich der Name des südwestlich von dem israelitischen Gebiet an der Meeresküste gelegenen Landes der Philister (Peleschet (assyr. Palaschtu, ägypt. Puluschta), von den Griechen und Römern auch auf das…

Konrad Martin

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Konrad Martin Martin, Konrad, * 18.5.1812 zu Geismar (Eichsfeld), 1836 Priester, Rektor des Progymnasiums zu Wipperfürth, 1840 Religionslehrer am Marzellen-Gymnasium in Köln, 1844 ao. Professor der Moral und Pastoral und Inspektor des theologischen Konvikts in Bonn, 1848 o. Professor der Moral, 1856 Bischof von Paderborn. Wirkte als Bischof mit…

Moab

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Moab Moab, im Alten Testament 1. Name eines Stammvaters, des Sohnes Lots von seiner älteren Tochter (Gen. 19, 37); 2. eines von diesem abstammenden Volkes (zuerst Ex. 15, 15 u. ö.), sonst Moabiter genannt (Gen. 19, 37); 3. des von letzteren bewohnten Landes (Gen. 36, 35), welches in der…

Diokletian

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Diokletian römischer Kaiser und Christenverfolger Diokletian, Cajus Aurelius Valerius, römischer Kaiser, * bei Saloma (Dalmatien), arbeitete sich im Militärdienst zum Comes domesticorum empor, 17.9.284 zu Chalcedon von den Offizieren zum Kaiser ausgerufen. Schon 1.4.286 nahm er Maximianus Herkuleus zum Mitregenten an; beide erhoben 293 Konstantius Chlorus und Galerius zu…

Maximinus Daja

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Maximinus Daja römischer Kaiser und Christenverfolger Maximinus Daja oder Daza, römischer Kaiser, Illyrier, niederer Abkunft, 1.5.305 seinem Oheim Galerius als Cäsar über Cilicien, Syrien und Palästina beigegeben, 309 vom Heer als Augustus ausgerufen, 311 nach des Galerius Tod Alleinherrscher im Orient, 30.4.313 von Licinius bei Adrianopel besiegt, † auf…
Menü