Teuflische Geheimbünde ab dem Mittelalter

Teuflische Geheimbünde mit Beginn des Mittelalters

Mit dem Beginn des Mittelalters nahmen diese unfaßbaren Verbände, zum Teil vom Orient her, zum Teil aber auch durch die Juden vom maurischen Spanien aus, eine sehr große Verbreitung an. Ihnen ist es insbesondere zuzuschreiben, daß die albigensischen Irrtümer in kurzer Zeit so unglaublich große Verbreitung fanden. Denn sie waren überaus geschickt organisiert und im Besitz einer eigenen Zeichen- und Geheimsprache. Als in den furchtbaren Kämpfen zwischen Staat und Kirche das Christentum allmählich aufhörte, die herrschende Macht zu sein, als an den Höfen Friedrichs II. und Johanns ohne Land der frechste Unglaube offen auftreten durfte, da hielten sie es nicht mehr für notwendig, das Dunkel so strenge zu hüten. Um jene Zeit war es öffentliches Geheimnis, daß das ganze südliche und westliche Europa mit Logen, oder wie man damals sagte, mit Schulen übersät war. Vor allem waren die Universitätsstädte die Sitze dieser Geheimsekten. Wir können uns aber nicht genug darüber wundern, daß selbst ganz abgelegenen, kleine Orte deren besaßen.

Teufelsdiener im Orden der Templer

Einen überaus günstigen Ablagerungsplatz für ihre Lehren und für ihr Treiben fanden diese Teufelsdiener im Orden der Templer. An einer gewissen Schuld der Templer zu zweifeln ist wohl nicht mehr möglich. Zwar haben sich gerade neuerlich wieder manche Geschichtsschreiber ihrer angenommen und Hans Prutz und selbst Leopold Ranke hart darüber angelassen, daß diese, sicher nur gezwungen von der überwältigenden Wucht der Zeugnisse, sie für schwer belastet, ansahen. Allein wir kennen den Zug der Teilnahme für alle Verbrecher alter Zeit, der sich unserer Gelehrten bemächtigt hat, und finden es doppelt begreiflich, daß sich dieser Zug in der vorliegenden Frage wieder recht lebendig zeigt. Deshalb brauchen wir uns im Glauben an die zweifellosen Berichte und Tatsachen nicht irre machen zu lassen. Zugegeben selbst, daß manches von dem, was sonst besonnene Männer über die gräuelvollen Untaten so vieler Ritter berichten (1), übertrieben sei, so erwecken die kirchlichen Berichte und Urteile schon durch die maßvolle und zurückhaltendeArt, in der sie sich darüber aussprechen (2), volles Vertrauen. Jedenfalls bleibt zum mindestens der Verdacht unwiderleglich, daß von den Rittern die Verleugnung Christi, die Verhöhnung des Kreuzes und gewisse Übungen, welche stark an baren Teufelskult erinnern, vielfach getrieben worden seien. (3) Damit soll nicht gesagt sein, daß der Orden als solcher im großen und ganzen bis zu dieser Gottlosigkeit vorgegangen sei. Wir brauchen darum nicht zu bezweifeln, daß jene Ritter, die im Angesicht des Todes eidlich die Unschuld des Ordens versicherten, ihrer Überzeugung nach die Wahrheit sagten. Denn wenn selbst die Mitglieder einer geheimen Gesellschaft zu einem großen Teil nicht wissen, was ihr Bund will und übt, um wieviel mehr mussten innerhalb des Templerordens alle jene in gutem Glauben sein, die sich der verbrecherischen Geheimbündelei fern gehalten hatten!

Sehr nahe verwandt mit dieser Angelegenheit ist die Geschichte der Stedinger. Die Verbrechen, welche ihnen zur Last gelegt werden, sind in ihrem Wesen ganz die gleichen wie die, welche sich von den Gnostikern und den Templern berichtet finden. Sie sind wahrer, unverhüllter Teufelskult. Daß sie in einer Form auftreten, die um ein gutes roher ist (4) als bei den fein gebildeten, ja überfeinerten Rittern, liegt in der Natur der Sache. Wer jedoch über diese Äußerlichkeiten hinweg auf den Kern sieht, wird nicht verkennen, daß hier im Grunde nichts Neues zum Vorschein kommt.

Anmerkungen:

(1) Thomas Walsingham (Mansi, Coll. Concil. XXV 409, b c.)
(2) Clemens V, Ad providam (Mansi XXV 389,c)
(3) Clemens V, Ad Philipp. Reg. Franc. (Mansi XXV 371, b); Conc. Londin. 1311 (Mansi XXV 425, d 428, a 431, c); Conc. Eborac. 1311 (Mansi XXV 447, a)
(4) Gregor IX, Epist. Ad Hemricum imperat. Friider. Fil. (Mansi XXIII 324, b c). Raynald. 1233, 43.

Ununterbrochene Fortpflanzung des Teufelskultes seit dem Altertum

Das ist überhaupt ein Punkt, der bei Beurteilung dieser und ähnlicher Mitteilungen sehr ins Gewicht fällt. Es ist unzweifelhaft, daß das Volk im Mittelalter oder zu Beginn der Neuzeit, wenn es sich über die Frevel unterhielt, die, wie es glaubte, bei den Templern, bei den Stedingern oder auf den Hexensabbaten begangen wurden, daß, sagen wir, das gemeine Volk nicht erst bei Irenäus und Epiphanius über das schändliche Treiben der alten Sekten Studien anstellte. Ebenso sicher ist anzunehmen, daß die, welche über die Vorgänge im innersten Heiligtum der neuen Geheimbünde berichten, die Züge dazu nicht aus den Berichten der Väter schöpfen, die sie nicht einmal kennen. Wenn nun trotzdem diese Beschreibungen so sehr miteinander übereinstimmen, wenn Äußerungen, die aus diesen Kreisen heraus an die Öffentlichkeit dringen, so buchstäblich den Aussprüchen der alten Gnostiker gleich klingen, wie wir das alsbald bei manchen neueren Schriftstellern bemerken werden, so dürfte wohl daraus hervor gehen, daß diese mittleren und neueren geheimen Verbindungen durch das Band ununterbrochener Fortpflanzung mit dem Altertum zusammen hängen.

Der Teufelskult in den gebildeten Schichten

Indem wir dieses sagen, nehmen wir nicht die Verpflichtung auf uns, alle die Einzelheiten zu beweisen, die der Volksmund oder eine aufgeregte Phantasie von den genannten Winkelkirchen berichtet. Aber alles ohne weiteres zu den Fabeln zu werfen, soll versuchen, wer es kann. Man mag von den angegebenen äußeren Formen wegnehmen, was sich wegnehmen läßt, man mag der Phantasie zuschrieben wie viel immer, ein beabsichtigter und zur rechten Zeit wohl auch ein wirklicher Bund mit dem Teufel bleibt doch. Wir können nicht finden, warum man über diesen Satz solche Verwunderung und solchen Unwillen affektiert. Soll denn gemeinen Menschen und Weibern nicht auch möglich sein, was Ketzern und den angeblich Gebildeten gelingt? Oder soll der Bund mit dem Teufel nur gewissen feinen Kreisen als ausschließliches Privilegium vorbehalten sein? Oder meint man wirklich, Satan sei so versessen auf all den teuern Hokuspokus und den umständlichen Krimskrams, wie ihn die Rosenkreuzer, Cagliostro und Casanova und die modernen Spiritisten ausgebildet haben, daß die Kenntnis dieses läppischen Altweiber-Zeremoniells unbedingt notwendig sei, um mit ihm in Verbindung zu treten?

Daß aber die soeben genannten abergläubischen Gaukeleien reiner Teufelskult seien, das zu leugnen überlassen wir denen, die den Beruf hierzu in sich fühlen. Das allerdings geben wir zu, daß in den Klassen des gewöhnlichen gläubigen Volkes die eigentliche Teufelsverehrung weit weniger verbreitet ist als in den sogenannten gebildeten Schichten, aus denen der Glaube gewichen ist. Sicherlich war das Hexenwesen mit allem, was sich daran hängte, im 15. und 16. Jahrhundert nicht in der Form und nicht in dem Grad Tatsache, wie es die aufgeregte Phantasie ausmalte. Sicherlich lag aber den übertriebenen Vorstellungen viel Tatsächliches zu Grunde. Die Opfer dieser Übertreibungen waren, wie immer, gerade die am wenigsten Verantwortlichen. Man hat Hunderte von Unschuldigen als Hexen verbrannt. Die wirklichen Hexen und Hexenmeister sind der Strafe meist ebenso entkommen wie die großen Diebe und die Massenmörder und die geschäftsmäßigen Verführer. Hätte man die wahren Satansdiener aufgreifen wollen, dann hätte man fast immer höher hinauf steigen müssen als in die Dachstübchen der Armen.

Der Höllenfeuerklub

Den raffiniertesten Teufelskult muss man dort suchen, wo eine falsche, sitten- und glaubenslose Bildung ihren Höhepunkt erreicht hat. Unter Heinrich III. wie unter Napoleon III. war er Mode am französischen, im 17. und 18. Jahrhundert fast an jedem deutschen Hof. Jener Ausbund von vornehmer Verworfenheit, der sich um Philipp von Orleans, den unseligen Regenten, scharte, jene Waffenbrüderschaft von Wüstlingen, von Giftmischerinnen und von Glaubensspöttern, in die einer nur Zutritt erhielt, wenn er nach allgemeinem Urteil den Ehrennamen eines Roué oder Pendard verdient hatte, also des Rades oder des Galgens würdig erfunden worden war, kurz, die frivole Gesellschaft des 18. Jahrhunderts gab sich in ihrem übermütigen Sicherheitsgefühl gar keine Mühe mehr, die Teufelsklauen zu verbergen. Um dieselbe Zeit erfanden die vornehmen Ungläubigen in England ein neues Mittel, um wenigstens für einige Zeit den Spleen zu vertreiben, den sie isch durch das zwecklose Herumliegen auf ihren Gold strotzenden Faulbetten zugezogen hatten. Sie stifteten einen Bund, dessen einziger Zweck war, für Unterhaltung durch Erfindung neuer Wollüste, durch ausgesuchte Verhöhnung des Glaubens und durch teuflische Nachahmung des christlichen Gottesdienstes zu sorgen, und diesen Bund nannte man den Höllenfeuerklub.
Diesen Kreisen blieb die Freimaurerei in ihrer neueren Gestaltung nicht fremd. Wenn diese in ihrer gewöhnlichen, exoterischen Form die Teufeleien zurück gedrängt hat, so findet das Bedürfnis nach ihnen doch in besondern, esoterischen Zirkeln seine Rechnung. So bestand noch im 19. Jahrhundert – wir meinen gehört zu haben, daß später eine Änderung geschehen sei – mitten im Herzen von Deutschland, in Regensburg, ein Höllenklub in aller Form. Der Versammlungssaal stellte eine mit Teufeln reich gespickte Hölle, eine wirkliche „höllische Kammer“, dar. Die Mitglieder erschienen in Teufelstracht. Selbst die Münzen, die hier allein gangbar waren, trugen, wie billig, das Bild des Herrschers in ganzer Gestalt. Und Fürsten, Generale, Präsidenten, Bürgermeister, Beamte fanden es nicht unter ihrer Würde, diesen höllischen Scherz mitzumachen. Anderswo treibt man es anders, die Sache aber ist dieselbe. –
aus: Albert M. Weiß, Apologetik, Bd. II Humanität und Humanismus, 1908, S. 576- S. 581

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