Heiliger Joseph von Copertino

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

18. September

Der heilige Joseph von Copertino

In der Bulle der Heiligsprechung, in welcher der katholischen Welt von Papst Klemens XIII. verkündet wurde, daß Joseph von Copertino in das Verzeichnis der Heiligen eingetragen sei, heißt es von diesem treuesten Diener der allerseligsten Jungfrau: „Maria war stets in seinem Herzen, Maria war allzeit in seinem Munde!“ Sein Leben gibt dessen Zeugnis.

Er ward geboren in der kleinen Stadt Copertino im Königreich Neapel. Sein Vater war der rechtschaffene Zimmermann Felix Desa und seine fromme, züchtige Mutter hieß Franziska Panara. Schon als Knabe von acht Jahren hatte ihn der Geist des Gebetes und der Andacht so ergriffen, daß man ihn oft ohne Bewegung des Leibes mit zum Himmel erhobenen unbewegten Armen und halb geöffnetem Munde in himmlischer Verzückung da stehen sah, so daß ihn die Kinder nur la bocca aperta» „den offenen Mund“ zu nennen pflegten. Mit dieser innigen Anbetung und Lobpreisung Gottes verband er die zarteste Andacht zur gebenedeiten Gottesmutter. – Als er von einer schmerzlichen, ekelhaften Krankheit befallen wurde und ein arzneikundiger Einsiedler ihn mit Schneiden und Brennen nicht zu heilen vermochte, brachte ihn seine Mutter auf seine Bitten nach der Kirche Maria Gnaden zu Galatone, neun Meilen von Copertino, wo der oben genannte Einsiedler sich aufhielt. Joseph wandte sich hier mit kindlichem Vertrauen zur Mutter der Barmherzigkeit, und siehe, kaum hatte ihn der Einsiedler mit etwas Öl bestrichen, als er sich augenblicklich geheilt und so gestärkt fand, daß er des anderen Tages ohne weitere Hilfe nach Hause kehren konnte. Wie dankbar er für diese wunderbare Heilung der gebenedeiten Mutter des Herrn war, dafür zeugt am besten seine kindliche Liebe und Verehrung zu ihr sein ganzes Leben lang. –

Im siebzehnten Jahre seines Alters ward er der Welt überdrüßig und wünschte, sich in ein Kloster zurück zu ziehen, um mit größerer Ruhe Gott dienen und sich inniger mit ihm vereinigen zu können. Er verlangte besonders in den armen, strengen Büßerorden der Kapuziner aufgenommen zu werden, was ihm endlich nach Besiegung mancher Hindernisse im Kloster von Grotella gewährt wurde, wo man ihm das Kleid der dritten Regel des heiligen Franziskus gab. – Im Kloster musste er die niedrigsten Arbeiten verrichten, was er sehr gerne tat; dabei übte er sich in allen Tugenden, die zur Vollkommenheit gehören, und führte das Leben der strengsten Buße in Kreuzigung seines Fleisches durch Bußgürtel, eiserne Ketten und fortwährendes Fasten. Seine Heiligkeit nahm dergestalt zu, daß er bei Einsammlung des Almosens Gott durch sein Beispiel mehr Seelen zuführte als dem Kloster Brot. Große Not hatte er mit Erlernung der Wissenschaften; er schien hierzu ganz dumm und unfähig zu sein. Als ihm eines Tages der Novizenmeister wegen seiner schlechten Fortschritte herbe Vorwürfe machte, antwortete er ganz demütig: „Ach! haben Sie doch Geduld mit mir, damit Sie sich größeres Verdienst erwerben.“ In seiner Not wandte er sich zu Maria, der Mutter der Erkenntnis, und siehe, er wurde zur Ablegung der Ordensgelübde, und ohne Prüfung wegen seines heiligen Wandels zu den niedern Weihen zugelassen, und nachdem er vom heil. Geiste selbst belehrt, mit bewunderungswürdiger Weisheit die Worte: „Selig ist der Leib, der dich getragen hat,“ ausgelegt hatte, ward er zum Diakon und endlich i. J. 1628 zum Priester geweiht. Hierauf eilte er mit jubelnder Freude zum Bilde der allerseligsten Jungfrau, um ihr seinen Dank für ihre Hilfe abzustatten. – Von dieser Zeit an gab er sich ganz und gar Gott hin; er lebte nur mehr in Christus und für Christus. Er wollte gar nichts besitzen, versagte sich selbst das ärmliche Hausgerät und beraubte sich sogar der gebräuchlichen Unterkleider; und so mit seinem bloßen Oberkleide, barfuß warf er sich vor die Füße des Gekreuzigten und sprach: »Siehe, nun bin ich aller Dinge beraubt, und da nur du, o Gott! mein Gut bist, so erachte ich alle anderen Dinge für Gefahr, für Nachteil und Schiffbruch meiner Seele.“ Mit dieser gänzlichen Selbstentäußerung begann er auch ein wunderbares Leben zum Schauspiel für Engel und Menschen. Die Gottesliebe erfaßte ihn so mächtig, daß er fast immer in Verzückung sich befand und zwar auf doppelte Art. Entweder war sein Geist in Gott und heilige Betrachtung so vertieft, daß er von der Außenwelt nichts fühlte und sah, und wie erstorben schien, oder die Liebesflammen hoben ihn gleich einem Vogel in die Lüfte…

Der Gehorsam war gleichsam mit seiner Seele verwachsen. Er nannte ihn bald ein Messer, das den menschlichen Willen schlachtet, bald einen Wagen, der ganz bequem zum Himmel fahre, bald ein Hündchen, das einen Blinden leitet. Ja zuweilen rief er aus: „Heiliger Gehorsam! Ach heiliger Gehorsam, den Gott selbst ehrt!“ Durch diese Tugend des Gehorsams war er den bösen Geistern schreckbar geworden. Sollte er auf Befehl des Oberen einen Teufel austreiben, so sprach er meistens zu dem unreinen Geist: „Ich bin hierher gekommen aus Gehorsam, und deswegen musst du von hier weichen“; und – augenblicklich entwich derselbe. Zuweilen sprach er auch, nachdem er die lauretanische Litanei gebetet hatte: „Ich bin nicht hierher gekommen, dich aus aus dem Leibe zu treiben, sondern nur, damit ich gehorsame; willst du also gehen, so gehe; willst du nicht, so tue, was dir gefällig ist; mir ist genug, daß ich gehorsam bin.“ Auf solche Worte musste sich der Teufel schimpflich entfernen.

Besonders leuchtete an dem lieben Joseph die größte Einfalt und Demut hervor. Er hielt sich wirklich für den verworfensten Sünder. Es kam ihm höchst sonderbar und unbegreiflich vor, daß das Volk und die hohen fürstlichen Personen so zahlreich zu ihm kamen, und sprach oft kläglich: „Ich weiß nicht, warum jene doch zu mir ganz unwissenden und armen Sünder kommen?“ Einst nannte ihn sein Beichtvater, um ihn zu prüfen, einen Heuchler. Darüber wurde der Heilige nicht im Geringsten aufgebracht, sondern erwiderte, indem er seine Augen mit seinen Händen bedeckte: „Ja so ist es, du sagst wahr, du sagst wahr…“ Höchst merkwürdig ist, wie Gott selbst dieDemut seines Dieners durch Offenbarung seiner Heiligkeit belohnte. –

Einmal befand er sich auf Befehl seines Oberen bei einer Schwester der dritten Regel, welche ein Kind von drei Jahren mit sich gebracht hatte. Joseph tat sehr freundlich mit diesem Kinde, stellte es auf ein Fußbänkchen und sprach zu ihm also: „Mein Kleiner! sage mir nach, was ich sage: „Bruder Joseph ist ein großer Sünder, und wird, wenn er stirbt, zur Hölle gehen.“ Das Kind, welches sonst weder ordentlich sprechen, noch auch die Sprache Anderer verstehen konnte, antwortete mit klaren deutlichen Worten: „Bruder Joseph ist ein großer Heiliger, und wenn er stirbt, wird er zum Himmel gehen.“ Der Heilige machte dem Kinde darüber ein zorniges Gesicht und sprach heftig: „So habe ich nicht gesagt; du sollst mir nachsprechen, wie ich spreche: „Bruder Joseph ist ein großer Sünder u.s.w.“ Das Kind wiederholte wie früher: „Bruder Joseph ist ein großer Heiliger u.s.w.“ Der Heilige zupfte mit unwilligem Blicke das Kind ein wenig bei denHaaren und sprach: „Willst du denn nicht sagen, was ich sage? Noch einmal: Bruder Joseph ist ein großer Sünder u.s.w.“ Nichts desto weniger wiederholte das Kind zum dritten Mal: „Bruder Joseph ist ein großer Heiliger u.s.w.“ Darüber weinten die Anwesenden süße Freudentränen, daß Gott die Demut seines Heiligen so belohnen wollte.

Überaus lieb hatte Joseph die schöne Tugend der Keuschheit; er pflegte von ihr zu sagen: „Eine keusche Seele gleicht einem reinen und sauberen kristallenen Gefäß, welches mit frischem Wasser angefüllt ist und bei der Sonnenhitze einem Jeden gefällt und über Alles angenehm ist; wird aber nur ein einziger Öltropfen dazu gegossen, so wird dieses ganze Wasser bald verderben, schmutzig und ekelhaft.“ Auch der Heilige blieb von Versuchungen des Fleisches nicht frei, aber, wie dieses die Heiligsprechungs-Bulle ausdrücklich besagt, durch sein Flehen zur gebenedeiten Gottesmutter und durch ihre Fürbitte gelang es ihm, alle Versuchungen zu überwinden und die heilige Reinigkeit so unbefleckt zu bewahren, daß sein Körper schon bei Lebzeiten den wunderlieblichsten Wohlgeruch aushauchte, den man nur „den Wohlgeruch des Paradieses“ nannte. – Wie Joseph von Kindheit an und sein ganzes Leben hindurch die allerseligste Jungfrau liebte, so auch noch im Tode. – Als auf seinem Totenbette der bei ihm wachende Bruder den Lobgesang „Ave maris stella“, „Sei gegrüßt, o Meeresstern“, anstimmte, da horchte er mit heiligem Entzücken auf die Worte des Gesanges, ein holdseliges himmlisch-süßes Lächeln schwebte auf seinem Gesicht und zugleich ward sein Haupt mit einem hellen Glanze umgeben. Seine Seele war hingegangen in die Hände ihres Schöpfers am 18. September 1663. –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben heiligen und gottseligen Dienern Unserer Lieben Frau, Zweiter Teil 1860, S. 2105 – S. 2107; S. 2112 – S. 2114

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