Pilger vor dem Gnadenbild in Montserrat

Der Gnadenort Montserrat liegt auf einem hohen Berg, von Felsen eingerahmt

Gnadenorte der himmlischen Himmelskönigin

Einige berühmte Pilger vor dem Gnadenbild in Montserrat

Es gibt vielleicht keine Gnadenkirche in der Welt, welche so viele Pilger in ihren Räumen gesehen hat, zu welcher so viele und so hohe Herren, Kaiser, Könige, Fürsten, Kardinäle, Bischöfe, Helden und Ritter gewallt sind.

Hier erschien gegen das Jahr 1218 ein edler Ritter, um, von einer schweren Krankheit genesen, sein Gelübde zu erfüllen. Auf seinen Knien lag er neun Nächte hindurch vor dem Bild Unserer L. Frau. In einer derselben erschien ihm die gnadenreiche Himmelskönigin und forderte ihn auf, einen Orden zur Befreiung der von den Sarazenen gefangenen Christen zu stiften. Und der Ritter gehorchte; von dem frommen König Jakob von Aragonien unterstützt, dem gleichfalls die heilige Jungfrau erschienen, gründete er zu Barcelona den Orden von U. L. Frau de Mercede. Es war der heilige Petrus Nolaskus.

Fast drei Jahrhunderte später erscheint wieder ein Ritter im Bußgewand auf dem Montserrat, hängt seinen Degen auf unter den Votivgeschenken vor dem Bild U. L. Frau und hält die Ehrenwache vor ihm in dem Heiligtum, legt eine Generalbeichte ab bei dem Einsiedler von St. Dismas und empfängt himmlische Offenbarungen in der Höhle von Manresa, welche ihn bewegen, einen der größten und merkwürdigsten Orden, den die Welt gesehen, zu stiften. Es war der heilige Ignatius von Loyola, Stifter der Gesellschaft Jesu.

Hier vor dem Bild der gebenedeiten Gottesmutter kniete der König Ferdinand der Katholische, um Hilfe und Schutz für seinen Heldenkampf gegen die Sarazenen zu erflehen und hier knieten die katholischen Monarchen Ferdinand und Isabella wiederum, um den Tribut des Dankes abzustatten, nachdem sie die Sarazenen besiegt und auf den Mauern der Stadt Granada das Siegeszeichen des Kreuzes aufgepflanzt hatten.

Kaum hatten sie ihre Andacht vollendet, da erscheint in dem Hafen von Barcelona ein Schiff, das berühmteste vielleicht, das je die Wogen des Weltmeeres durchfahren. Es ist das Schiff des großen und frommen Christoph Kolumbus, der die neue Welt unter dem Schutz des Kreuzes und der Gottesmutter entdeckt hatte, und der nun den beiden katholischen Monarchen ankündigt, daß sie Gebieter eines neuen Reiches jenseits des Meeres geworden. Und ein Mönch des Klosters von Montserrat, Bruder Bernardo Boil, wird zum ersten Erzbischof von Indien (= Amerika) ernannt, und dieser begleitet den kühnen Seefahrer Kolumbus in die neue Welt und pflanzt zum ersten Mal das Kreuz dort auf.

Hier war es, wo Karl V., als er einsam in der Kirche vor der Himmelskönigin seine Gebete ausschüttete, durch den eintretenden Boten unterbrochen wurde, der ihm die Nachricht seiner Erwählung zum römischen Kaiser brachte. Hier war der Lieblings-Aufenthalt des großen Kaisers, und fast kein Jahr seiner Regierung verging, in dem er nicht hier gekniet und gebetet hat. – Hierher sendete der gefangene Franz I., König von Frankreich, seinen goldenen Ring mit den Worten: „Dies ist das einzige Geschenk, das ein gefangener König der L. Frau machen könne.“

Viermal unternahm König Philipp II. von Spanien, der sagen konnte, in seinem Reich gehe die Sonne nicht unter, eine Wallfahrt zum Bilde der Jungfrau, und er ist es, der den Bau der neuen prächtigen Kirche beginnen ließ.

Hier vor dem Bild der heiligen Jungfrau erwacht in der Enkelin Karls V., der Infantin Donna Margarita, die Sehnsucht, für immer der Welt zu entsagen, und mit dem Dolch eines ihrer Diener ritzt sie ihre zarte Haut und schreibt mit dem Blut ihrer Adern folgende Worte nieder: „Mit dem Blut meines Herzens opfere und weihe ich mich zur Braut Jesu und flehe, daß die Jungfrau Maria meine Fürsprecherin sei. Zur Bekräftigung dessen unterzeichne ich mich … Margarita.“ In Madrid hat sie später als Karmeliter-Nonne ihr frommes Leben beschlossen.

Bis auf König Ferdinand VII., der im Jahre 1833 starb, hat kein Monarch auf dem Thron Spaniens gesessen, der nicht entweder persönlich die rauhen Felsen des Montserrat als frommer Pilger bestiegen oder wenigstens durch reiche Geschenke seine Andacht zu Unserer L. Frau bezeugt hätte. Der letzte König, der im Heiligtum der L. Frau zu Montserrat gebetet, war Ferdinand VII. –

Als der raubsüchtige Kaiser Napoleon das schöne Land Spanien mit Krieg überzog und dem König Ferdinand Krone und Land entreißen wollte, da musste der Gnadenort Montserrat viel leiden. Fast alle Einsiedeleien wurden zerstört und einer der kaiserlichen Marschälle befahl, die Brandfackel an die Kirche der heiligen Jungfrau zu legen. Ein Teil der Kirche und des Klosters wurde in Asche gelegt; doch das Gnadenbild wurde gerettet. Als Napoleons Scharen aus Spanien vertrieben waren und Ferdinand wieder auf seinen Thron zurück kehrte, besuchte derselbe persönlich den Montserrat und ließ Kirche und Kloster auf seine Kosten aufbauen. Die Franzosen hatten den Schatz der Gnadenkirche fast ganz ausgeplündert, und was diese noch zurück ließen, wurde später eine Beute der Revolution. Ihre wilden Horden plünderten die Kirche, vertrieben die Priester und schändeten selbst die Gräber…

Seitdem wieder Ruhe in dem schrecklich heimgesuchten Land geworden, ziehen auch wieder in zahlreichen Scharen die glaubenstreuen Spanier hinauf zu ihrer unvergesslichen, getreuen, barmherzigen Mutter, und legen ihre Anliegen in ihr erbarmungsvolles Mutterherz! (Orsini, Reiseskizzen von Lorinser.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 175 – Sp. 176

Bildquellen

Category: Gnadenorte, Ott
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