Heiliger Meinrad Einsiedler Märtyrer

Christus mit dem Buch des Lebens in der Mitte, links der heilige Joseph mit der Lilie sowie den heiligen Mönchen; rechts sind die heiligen Jungfrauen, vorne knien auf der linken Seite Jünglinge und ein Mann, rechts Mädchen und eine Frau, Christus anbetend

Heiligenkalender

21. Januar

Heiliger Meinrad Einsiedler und Märtyrer

Ein Liedtext von P. Gall Morel zu Ehren des heiligen Meinrad

Da hat einst Meinrad als Einsiedler sechsundzwanzig Jahre gelebt und durch die Glut seiner Gebete, durch die Opfer seiner Selbstverleugnung, durch die Heldenkraft seiner Kämpfe wider das Fleisch und die Hölle und durch die Werke seiner Nächstenliebe den Boden bereitet und geheiligt, auf welchem heute noch das weltbekannte Einsiedeln blüht.

Der heilige Einsiedler Meinrad war von hochadeligen Eltern zu Sulgen in der Schweiz um das Jahr 805 geboren. Vom fünften Jahr an wurde er in dem Benediktiner-Kloster zu Reichenau gottesfürchtig erzogen und in den Wissenschaften bestens unterrichtet. Bei reiferen Jahren verlangte er in die Zahl der Ordensgeistlichen desselben Klosters aufgenommen zu werden. Nachdem sein Verlangen erfüllt war, sah man an ihm in kurzer Zeit ein vollendetes Muster der geistlichen Vollkommenheit. Nach empfangener priesterlicher Weihe schickten ihn seine Oberen in ein anderes am Züricher See gelegenes Kloster, Balingen genannt, wo er seine Ordensbrüder in den göttlichen Wissenschaften unterweisen sollte. Der heilige Mann tat dieses zwar auf das sorgfältigste zur allgemeinen Zufriedenheit sowohl der Oberen als der Schüler; weshalb er auch bei allen in großer Hochachtung stand. Dennoch fühlte er ohne Unterlaß in seinem Herzen das Verlangen, Gott dem Herrn in der Einöde zu dienen. Sobald er nun einen dazu geeigneten Ort auf der Höhe des Etzelberges gefunden und von seinem Oberen die nötige Erlaubnis erhalten hatte, begab er sich ohne Verzug dahin und wohnte daselbst sieben Jahre lang in der kleinen Zelle, welche eine fromme Witwe zu Altendorf für ihn da erbauen ließ.

Die ganze Zeit brachte Meinrad zu mit Beten, Fasten und Betrachtung der göttlichen Geheimnisse. Der Ruf von dem frommen Leben dieses heiligen Einsiedlers breitete sich gar bald in der ganzen Gegend aus. Daher kamen viele zu ihm, die in ihren sowohl geistlichen, als leiblichen Anliegen Trost und Hilfe verlangten. Allein gerade dieser Zulauf veranlaßte den Heiligen, der unbekannt und in aller Stille Gott dienen wollte, sich einen anderen Aufenthalt in gänzlicher Abgeschiedenheit aufzusuchen. Dieser war eine zwischen zwei hohen Bergen im Wald gelegene Ebene, wo nicht leicht eine Beunruhigung von Menschen zu besorgen war. Hildegardis (Heilwiga), damalige Äbtissin des gefürsteten Stiftes Frauenmünster zu Zürich, welche Meinrad in seiner ersten Wohnung mehrmals besucht hatte, ließ ihm daselbst eine kleine Zelle und nächst derselben eine kleine Zelle bauen. Weil er nun von Kindheit an eine zarte Andacht gegen die jungfräuliche Mutter Maria hatte, so verlangte er, daß diese Kapelle der göttlichen Mutter zu Ehren erbaut, und ein Bild derselben darin aufgestellt werde. Was er verlangt hatte, geschah, und Meinrad bezog seine neue Zelle. Die genannte Äbtissin schenkte ihm eine Mutter-Gottes-Statue, welche dieselbe sein soll, die noch jetzt in Maria Einsiedeln verehrt wird. Hier setzte er sein abgetötetes Leben fort, nicht ohne schwere Leiden und Kämpfe.

In dieser schauerlich-kalten Wildnis hatte Meinrad, der bereits den vollkommenen Sieg über die Welt und sich selbst erstritten hatte, noch einen furchtbaren Kampf mit der Hölle auszuringen. Denn der Satan mochte wohl ahnen, daß die Barmherzigkeit Gottes mit diesem heiligen Einsiedler ein großes Werk beabsichtige, und daß diese Wildnis, durch solche Tugend geheiligt, einst herrlich blühen müsse; daher feindete er ihn heftig mit Schmeicheleien und Drohungen an, um ihn aus der Einsamkeit zu vertreiben. Eines Tages stürmten die bösen Geister in solcher Masse in Gestalt von Schlangen, geflügelten Drachen und tierischen Ungeheuern wider seine Klause, daß sie das Licht der Sonne verdunkelten, und der Wald von ihrem Getöse erdröhnte. Furchtlos kniete Meinrad im Gebet vor Gott…

… die bösen Geister aber durch einen Engel des Himmels verjagt wurden und der Zelle Meinrads nimmer nahen durften.

Von jetzt an mehrten sich die himmlischen Erquickungen; gar oft erschien ein Knabe von überirdische Schönheit in weißem Gewand und sang mit ihm wechselweise um Mitternacht die kirchlichen Tagzeiten.

Aber ein so glänzendes Licht der Gottseligkeit konnte auch hier nicht verborgen bleiben. Die Bewohner der Umgegend suchten den wunderbaren Einsiedler auf, erholten sich bei ihm Trost und Hilfe und baten ihn um Anweisung zu einem Gott gefälligen Leben. So ward Meinrad in kurzem der Lehrer, Freund und Vater der Bewohner der Umgegend und von ihnen auf das höchste verehrt.

Der Tod des heiligen Meinrad: zwei Mörder des Heiligen rennen nach der Freveltat davon; im Vordergrund sieht man den Heiligen auf dem Boden liegen, die Hände gefaltet

Aber nur zu bald sollten sie ihn verlieren. Zwei Bösewichte, in dem Wahn, der Heilige hätte durch die Geschenke und Gaben der Besuchenden große Schätze gesammelt, beschlossen, ihn zu töten und zu berauben. Als die Ruchlosen – sie hießen Richard und Peter – zur Zelle kamen, las Meinrad soeben die heilige Messe und erhielt während derselben die Offenbarung seines bevorstehenden Todes. Die Mörder warteten, bis er das heilige Opfer vollendet hatte und begehrten dann Einlaß. Meinrad erkannte, daß sein letztes Stündlein gekommen sei, stärkte sich durch ein inbrünstiges Gebet und öffnete ihnen mit freundlichem Gruß die Türe. Er bot ihnen dann Wein, ja selbst sein Gewand dar – sein ganzes Besitztum. Sie aber, damit nicht zufrieden, begehrten von ihm unter fürchterlichen Drohungen Geld und zwar alles, was er so lange Zeit gesammelt hätte. Umsonst beteuerte der Mann Gottes, daß er nicht ein Geldstück besäße. Da schlugen ihn die Grausamen mit einer Keule zu Boden und erdrosselten ihn auf unmenschliche Art. Meinrad litt schweigend; die Augen und Hände zum Himmel erhoben, gab er seinen Geist auf den 21. Januar 861…

… Sogleich erfüllte ein himmlischer Wohlgeruch die ganze Kapelle, und zwei Kerzen, welche die Mörder vor die heilige Leiche hinstellten, entzündeten sich von selbst. Dieses Wunder jagte ihnen solchen Schrecken ein, daß sie ohne den Altarschmuck anzurühren, eiligst davon flohen…

Gott offenbarte sowohl die verübte Mordtat der zwei Bösewichte, als die Heiligkeit seines Dieners. Zwei Raben, die Gefährten seiner Einsamkeit, welche der heilige Meinrad bis dahin ernährt hatte, fingen gleich bei Annäherung der Mörder ein entsetzliches Geschrei an und flogen hin und her, als wollten sie um Hilfe rufen, oder die Mörder abschrecken. Nach vollendeter Mordtat flogen sie denselben allenthalben nach und verfolgten sie so lange, bis man sie ergriffen und zu gebührender Strafe gezogen hatte…

Aber die treuen Raben verfolgten die Fliehenden mit zürnendem Geschrei und flatterten mit lautem Krächzen um ihre Köpfe. Ein Zimmermann aus Wollerau bemerkte die scheue Eile der zwei Männer und den Ingrimm der ihm bekannten Raben, ahnte das Unglück im finsteren Wald, traf die blutige Leiche dort an und eilte mit der Schreckenskunde nach Zürich. Die kreischenden Raben verrieten die Schenke, in welcher die Mörder eingekehrt waren; sie bekannten ihren Frevel und büßten ihn mit dem Tode.

Der Leib des Heiligen verbreitete einen ungemein angenehmen Geruch, der die ganze Gegend erfüllte…

Viele Kranke haben daselbst augenblicklich ihre Gesundheit erlangt. Eberhard, ein geborener Fürst aus Hessen, Herzog in Franken und Domdechant in Straßburg, nahm im Jahre 934 an demselben Ort, wo der heilige Meinrad gemartert wurde, seine Wohnung, vereinigte die Kapelle und Zelle des Heiligen in ein Gebäude, ließ darüber eine herrliche Kirche, neben derselben aber ein Benediktiner-Kloster erbauen. Das in jener Kapelle sich befindende Marienbild ist wegen unzählbarer Wunder fast in der ganzen Christenheit berühmt. Ganz glaubwürdige Zeugnisse melden, daß Christus selbst die erwähnte Kapelle eingeweiht habe in der Nacht vor dem Tage, an welchem der heilige Konrad, Bischof von Konstanz, dieselbe einweihen sollte. So entstand das große Kloster und die berühmte Wallfahrt Maria Einsiedeln.

Die göttliche Vorsehung hat darüber gewacht, daß Söhne des heiligen Benedikt das Grab des heiligen Meinrad in frommer Liebe hüten und in der Gnadenkapelle der göttlichen Mutter die Wallfahrt pflegen, welche er gestiftet und mit seinem Blut befruchtet hat. Schon über tausend Jahre steht „Maria Einsiedeln“ an Wundern reich, und trotz der gewaltigen Stürme, welche im Laufe so vieler Jahrhunderte mit gesteigerter Heftigkeit ihre Kraft an diesem Heiligtum gemessen haben, ist es heute noch wahr:

„Für fromme Pilger eine Wunderquelle
Quillt dort in St. Meinradscapelle.“

Zusammenstellung
aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 49 – S. 50
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 32 -S. 33

Bildquellen

  • bitschnau-hl-meinrad-liedtext: Bildrechte beim Autor
  • auer-hl-meinrad-einsiedler: Bildrechte beim Autor
  • bitschnau-jesus-mit-seinen-heiligen: Bildrechte beim Autor

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