Heiliger Walter Gualterius Abt

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

4. Juni

Der heilige Walter Abt von Tenna

(Schönheit)

Nicht weit von Rom, in der kleinen Stadt San Serviliano, werden die Gebeine des hl. Walter in einer Kirche aufbewahrt und verehrt. In dem Sarg hat man ein Pergament gefunden, worin das Leben des Heiligen erzählt wird. Nun ist dasselbe zwar viel später geschrieben worden, als der hl. Walter gelebt hat, und wohl Manches nur aus ungewissen Sagen entnommen; auf jeden Fall mag aber der Christ, welcher, wie die Biene überall Erbauliches heraus findet, auch aus dieser Lebensgeschichte eine ganz gewisse und nützliche Wahrheit schöpfen; ich will daher den Inhalt jener Schrift hersetzen.

Der selige Walter (Gualterius) stammt aus der Stadt Rom von adeligen Eltern; sein Vater hieß Euritus, die Mutter Viktoria. Sie waren edel durch ihre Abstammung, aber noch edler durch Glauben und Frömmigkeit; da ihre Ehe nun unfruchtbar war, so flehten sie in ihren Gebeten oft zu Gott, daß, wenn es zu ihrem Heil gereiche, er ihnen Nachkommenschaft verleihen möge. Auch Andere unternahmen es mit ihnen Gott zu diesem Zweck anzurufen, aber wie es schien vergeblich.
Die Eheleute, eingedenk daß Gott das Gebet seiner Diener nicht verschmähe und die Beharrlichkeit belohne, ließen nicht ab, und nahmen auch ihre Zuflucht zu heiligmäßigen Männern, namentlich gingen sie auch den damaligen Papst um sein Gebet an, einen Mann von besonderer Frömmigkeit und Heiligkeit. Sie versprachen, wenn ihnen Gott einen Nachkommen schenke, so wollten sie die Kirche mit Allem beschenken, was nur der Papst wünschen werde. Der gütige Gott wollte nun so vieles und anhaltendes Gebet nicht länger unerhört lassen; nach einiger Zeit gebar Viktoria einen überaus lieblichen und schönen Knaben, an dessen rechtem Arm vorne ein besonderes Zeichen gewesen sein soll, nämlich ein Stern mit einem Kreuz darin.
Der schöne Knabe, mit dem wunderbaren Mal bezeichnet, wird zum Vater getragen; dieser erstaunt und mit ihm erstaunen Alle, welche dastehen und den Knaben sehen; sie freuen sich mit großer Freude und sagen Dank dem gütigsten Herrn für ein so großes Geschenk, und wünschen dem Vater Glück. Dieser antwortete als vernünftiger Mann, daß ihm diese Gnade nicht wegen seiner Verdienst zu Teil geworden sei, sondern durch das Verdienst anderer heiliger Männer, besonders aber des Papstes. Er wollte daher in Betreff des erhaltenen Geschenkes nicht undankbar sein, wählte eine anständige Begleitung, ging mit dem Knaben zu dem Papst, und sprach, nachdem er seine Ehrerbietung bezeigt hatte, also: „Heiliger Vater, siehe hier den Sohn, welchen mir Gott um Eures frommen Gebetes willen geschenkt hat; ich bringe in Euch dar, damit Ihr über denselben und über mich verfügt, wie Ihr für gut findet.“
Da der Papst die ausnehmende Schönheit des Knaben sah, und das besondere Zeichen an ihm, hob er seine Hände zum Himmel, brachte Gott Dank, nahm den Knaben auf seine Arme, taufte ihn selbst und sprach in prophetischem Geist: „Wahrlich, dieser Knabe wird ein Freund Gottes sein.“ Der Knabe nahm zu nicht nur an Körpergröße, sondern noch weit mehr an guten Sitten; und er war durch sein ganzes Betragen liebenswürdig in Aller Augen. Der Vater ließ ihm auf das Kleid das nämliche Zeichen von Seide setzen, womit er durch göttliche Fügung am Fleisch bezeichnet war…

Da er in Kenntnissen, Sitten und Heiligkeit des Wandels täglich größere Fortschritte machte und die Jahre erreicht hatte, wo die Schönheit zur höchsten Blüte sich entfaltet, suchte der Feind des menschlichen Geschlechtes, Luzifer, den Jüngling von dem weg Gottes abwendig zu machen. Und weil es zunächst unmöglich war, dem Walter eine andere Liebe beizubringen als die Liebe Gottes, so weckte der Teufel bei der Tochter des höchsten Beamten eine unendliche Liebe zu Walter. Sie bewunderte seine Sitten, seine Schönheit, seinen anstand, und je mehr sie die Liebesflamme für ihn zu verbergen suchte, desto mehr wurde sie davon entflammt. Endlich faßte sie den Entschluss, da sie vom vornehmsten Geschlecht war und vom Vater einzig geliebt wurde, diesen zu bitten, er solle ihr den schönen geliebten Jüngling zum Ehegatten verlangen. Der Statthalter erstaunte höchst darüber, ließ aber doch den Vater des Jünglings, Euritus, zu sich rufen und teilte ihm das Verlangen der Tochter mit kurzen Worten mit. Euritus erwiderte freudig, der Antrag gefalle ihm und er gebe seine Einwilligung ganz gern dazu; nach Hause zurück gekehrt, teilte er seinem Sohn die Sache mit. Dieser antwortete: „Vater, ich bitte dich, laß mich Besseres vorziehen; ich möchte das Gelübde, welches ich dem allmächtigen Gott gebracht habe, nicht brechen; ich will die jungfräuliche Keuschheit, die Gott so sehr gefällt, nicht aufgeben.“ – Zuerst suchte der Vater durch Bitten, dann durch Drohungen, endlich selbst durch Schläge den Sohn von seinem Vorhaben abwendig zu machen, und er ließ keinen Tag vergehen, wo er ihm nicht harte Vorwürfe machte. Walter ging deshalb zu dem Priester Armand, welcher Anlass geworden war zu seinem Gelübde, und erzählte ihm, was er auszustehen habe zu Haus.

Armand dachte an das Wort des Propheten: „Ich habe zu dem Herrn gerufen, als ich geängstigt wurde, und er hat mich erhört.“ Er gab deshalb dem Walter ein Bildnis des Erlösers und der Jungfrau Maria, und ermahnte ihn davor zu beten, damit ihm der Herr eingebe, was in dieser Angelegenheit zu tun sei. Der Jüngling ging nach Haus, kniete vor dem Bild nieder und richtete seine Seele zum Himmel, da hörte er, nachdem er einige Zeit gebetet hatte, eine Stimme vom Himmel sagen: „Fliehe, Walter!“ Den andern Morgen kehrte er zu Armand zurück und erzählte ihm dieses; darauf machte sich Armand mit dem Jüngling heimlich auf den Weg.
Sie kamen nach einigen Tagen mit einander in ein Waldtal bei Servilianum und ließen sich daselbst nieder. Sie führten hier ein gottseliges Leben mit ganz geringer Nahrung, und es geschahen durch sie verschiedene Wunder; aber sie blieben hier nicht. Denn angesehene und reiche Männer erbauten ihnen an dem Fluss Tinna eine Wohnung, welche später ein Kloster wurde, in welches viele Männer von vornehmem Stand eintraten. Durch die Unschuld und Heiligkeit seines Wandels wurde Walter ihr Vater und Führer und lehre Alle, was man auf dem Weg Gottes beobachten müsse. Der Ruf Walters nahm täglich zu, weshalb ihn der Papst zum Abt ernannte, damit sein Leben desto mehr als Vorbild leuchte.

Es waren schon viele Jahre so verflossen, ohne daß die Eltern hätten erfahren können, wo ihr Sohn sei. Endlich kamen sie einmal durch Gottes Fügung in das Kloster und weinten vor Freude, als sie ihren Sohn erblickten. Nachdem sie einige Tage bei ihm zugebracht hatten, setzten sie ihm mit Bitten und Tränen zu, daß er mit ihnen nach Rom zurück kehren möge. Allein Walter brachte sie dazu, daß sie ihn nicht weiter vom Wege Gottes und seinem heiligen Vorhaben abwendig zu machen suchten. Im Gegenteil, die Gnade Gottes und Ermahnungen Walters bewirkten, daß die Eltern nach Rom zurück kehrten, Alles verkauften und aus Liebe Gottes verteilten; dann kehrten sie zu ihrem Sohn zurück und harrten in einem ganz heiligen Leben bei ihm aus bis zu ihrem Tod.

Nach dem Tod des Priesters Armand und der beiden Eltern, welche alle in derselben Kirche beerdigt wurden, lebte Walter noch eine gute Zeit in großem Ruf und heiligem Wandel. Und weil der Landmann auch von den Früchten seiner Arbeit genießen soll, so sollte auch Walter nach der langen Arbeit, die er im Weinberg des Herrn verrichtete hatte, den Denar des ewigen Lebens erhalten; deshalb rief ihn der gütige Hausvater Jesus Christus nach einer kurzen Krankheit aus dieser Welt ab.

Das Evangelium lehrt, daß der Reichtum sehr gefährlich sei für das Seelenheil; und die Erfahrung zeigt auch, daß im Ganzen nicht viele Reichen Gott wahrhaft über Alles lieben und ihm dienen. Wie der Reichtum, so bringt auch große Schönheit Gefahr mit sich; eine schöne Person sieht, daß sie gefällt und gesucht wird, dadurch wird sie leicht gefallsüchtig und eitel, und läßt sich in Verhältnisse ein, welche in Sünde und Unglück führen. Der hl. Walter war auch sehr schön; aber an ihm magst du sehen, wie die leibliche Schönheit nicht nur zur Versuchung, sondern auch zum Guten Anlass werden mag. Sie ist eine Blume, die blüht und verwelkt, ein fallender Wassertropfen im Regenbogen, worin einen Augenblick lang der Sonnenstrahl farbig schimmert. Aber sie kann, wie der Priester Armand beim Anblick des schönen Knaben gebetet hat, den Menschen auch mahnen, er möge trachten, seine Seele auch so schön zu machen, wie der Leib ist, nämlich durch Keuschheit, Wahrhaftigkeit, Demut, Frömmigkeit und Liebe. Hast du von Natur eine schöne Gestalt und schönes Gesicht, so bedenk, das vergeht in kurzer Zeit, und denen du gefällst, die vergehen auch; du und sie werden alt und sterben. Hingegen wenn deine Seele durch wahre Tugend, gute Gesinnung und edle Tat schön wird, das bleibt und wird erst recht sichtbar in der Ewigkeit, und du gefällst dem Ewigen, Gott selbst und seinen Heiligen. Ja, selbst um auch leiblich schön gestaltet zu werden für alle Ewigkeit, gibt es kein besseres Mittel als eine schöne Seele sich zu schaffen; denn wie die Seele ist, so wird bei der Auferstehung auch der Leib sein – die Seele wird durchleuchten und dem Leib Gestalt geben, ihn schön machen, wenn er vorher häßlich war; ihn noch schöner machen, wenn er vorher hübsch war; ihn aber abscheulich machen, wenn die Seele selbst durch die Sünde verteufelt ist.  –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 2 April bis Juni, 1872, S. 321-326

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