Heilige Schwestern Herlinde und Renilde

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

 Heiligenkalender

22. März

Die heiligen Schwestern Herlinde und Renilde, OSB

(Christliche Erziehung)

Der Vater dieser zwei Schwestern hieß Adelhard und die Mutter Grimuara. Die Eltern waren von vornehmem Stand und ließen die Töchter sorgfältig erziehen, so daß mit dem Wachstum des Leibes zugleich die Kraft des Verstandes, der wahre Glaube und fester Charakter in ihnen wuchs. Da die frommen Eltern bemerkten, daß ihre Töchter von großer Liebe Gottes erfüllt waren, so dachten sie viel darüber nach, was sie mit ihnen tun sollen, wenn sie einmal die reiferen Jahre erreicht hätten. Obschon aber Vater und Mutter jedes für sich die Sache überlegte, so kamen dennoch beide durch Gottes Leitung auf den nämlichen Gedanken und teilten sich denselben einander mit, nämlich sie wollten ihre Töchter, sobald dieselben das geeignete Alter erreicht hätten, in den göttlichen Schriften gründlich unterrichten lassen.

Dieses geschah dann auch; die Eltern brachten die Töchter in ein geeignetes Kloster, wo sie Alles lernen konnten, was ihren Geist und ihr Herz vervollkommnen konnte. Gott gab auch dazu seinen besten Segen. Die beiden Mädchen zeigten den schönsten Wetteifer, in allem Guten, wer eifriger wäre zum Gottesdienst, im Gebet ausdauernder, in der Lesung aufmerksamer, in der Keuschheit reiner, in der Nüchternheit geregelter, im Äußeren anständiger, im herzen redlicher, im Lachen sparsamer, in der Betrachtung inniger. Dabei lernten sie zugleich Lesen, Schreiben, malen, Singen und Alles, was zum Kirchendienst der Klosterleute gehört; zugleich waren sie auch vorzüglich in allen weiblichen Arbeiten unterrichtet, im Weben, Nähen, Sticken u. dgl.

Der Mensch hat zwar einen freien Willen, so daß der schlecht Erzogene nicht gezwungen ist, deshalb auch ein schlechtes Leben zu führen, und der gut Erzogene nicht noch verderben könnte: aber dennoch zeigt die Erfahrung, daß die meisten Menschen so werden, wie sie erzogen worden sind. Ja, man kann sagen, mancher Mensch kann leichter Gutes gründen an seinen Kindern, als an sich selbst; weil die jugendliche Seele der Kinder leichter anzupflanzen ist mit allen guten Eigenschaften, als die ausgesogene, dürr und hart gewordene Seele eines älteren Menschen. Die Richtung, welche die Seele in der Jugend annimmt, oder ihr gegeben wird, verbleibt meistens für immer, zum Guten oder zum Bösen, wie der Baum entweder krumm oder gerade wächst und bleibt, je nachdem man ihm in den ersten Jahren eine Richtung gegeben hat. Deshalb ist es für Eltern und Alle, die Einfluss üben können auf Kinder, eine hohe heilige Pflicht, durch christliche Erziehung und durch guten Unterricht sie vorzubereiten für ein rechtschaffenes Leben. Eine christliche Erziehung ist unendlich mehr wert, als viel Vermögen für die Kinder sammeln und ihre Seele vernachlässigen. Freude, Ehre und frohe Zuversicht, einmal in ewiger Seligkeit vereint zu werden, das ist der regelmäßige Lohn solcher Eltern, welche sich bemüht haben, die Seelen ihrer Kinder auszustatten mit christlicher Gesinnung und allen ihrem Stand gemäßen Kenntnissen. Dieses zeigte sich auch bei den Eltern der zwei heiligen Jungfrauen Herlinde und Renilde.

Als diese genügende Zeit Erziehung und Unterricht im Kloster genossen hatten, wurden sie von ihren Eltern wieder nach Hause genommen. Eltern und Töchter hatten aber einen Sinn und ein Herz; insgesamt strebten sie dahin, möglichst vollkommen zu werden, und darum machten sie gemeinsam den Plan, auf ihren Gütern selbst ein Kloster zu errichten. Als ein geeigneter Platz aufgefunden war, gingen sie mit solchem Eifer an den Bau, daß Herlinde und Renilde mit eigenen Händen, wie die geringsten Arbeiter, Sand und Steine herbei trugen. Die beiden Eltern nahmen nach dem Ausbau des Klosters mit ihren Töchtern ihre Wohnung darin und verblieben bis zu ihrem seligen Ende.

Da die Eltern gestorben waren, so meinten die Töchter, ihre frühere Lebensweise sei noch zu gering, um das ewige Leben zu erlangen, sie möchten noch eifriger Gott dienen. Sie waren nie müßig, mit großem Eifer verweilten sie im Lob Gottes, sangen Psalmen oder übten sonstige Andacht; sonst beschäftigten sie sich auch mit Lesen, Schreiben, Unterricht der Klosterschwestern und mancher nützlicher Handarbeit, und munterten einander fortwährend auf zum Fortschritt in allem Guten. Was sie früher an Kunstfertigkeit und Geschicklichkeit gelernt hatten, wendeten sie zur Verherrlichung des Gottesdienstes an. Sie verfertigten für die Kirche Stickereien aus Gold und Perlen, und weil es damals (vor 1100 Jahren) noch keine gedruckte Bücher gab, schrieben sie die hl. Schrift und andere Erbauungsbücher ab. In Betreff ihres Benehmens gegen sich und Andere konnte man von ihnen sagen: sie waren hart und milde zugleich. Sie waren hart gegen sich, indem sie sich selbst erlaubte Dinge versagten, und sie waren milde, indem sie mit vieler Barmherzigkeit jeden Bedürftige auf das Beste unterstützten.

Herlinde und Renilde hatten darauf verzichtet, in den Ehestand zu treten, und in gewöhnlicher Mutterfreude leibliche Nachkommen um sich zu sehen: dafür wurde ihnen die hohe Gnade zu Teil, geistige Töchter zu erzeugen. Zuerst nämlich nahmen sie noch zwölf andere Jungfrauen zu sich in das Kloster, hernach fühlten sich noch viele andere aus vornehmem und geringem Stand auch angezogen. Herlinde und Renilde, als Vorsteherinnen, unterrichteten und erzogen diese zu gleichem Sinn und Wandel, so daß sie als wahre Töchter Christi ein schönes Leben im Kloster führten, voll Glaube und Liebe, tätig für`s Wohl der Menschen, freudig zum Almosengeben, in wahrer Demut und Keuschheit, mäßig, einsichtsvoll, anmutig in ihren Reden, innig in der Andacht, ausdauernd im Beten und Fasten.

Als Herlinde ihren Tod heran nahen fühlte, war ihre größte Angelegenheit, daß die übrigen Kloster-Jungfrauen, gleichsam wie Zweige ihrer eigenen Person, in der Richtung nach Oben verharrten und im Wachstum zunähmen. Sie ließ daher ihre geistlichen Töchter zusammen kommen und gab ihnen noch die eindringlichsten Ermahnungen, wie sie in einem gottseligen Leben festhalten und zunehmen sollen. Als Herlinde starb, war die Freude ihrer Schwester Renilde beinahe größer als der Schmerz über diesen Tod, weil sie wußte, daß sie in ein seliges Leben eingegangen sei. Renilde duldete es nicht, daß der Leichnam begraben wurde, sondern ließ denselben über der Erde im Sarg liegen und mit reiner Leinwand bedecken. Hier geschah nun, was man auch sonst schon an manchen Leichnamen heiliger Personen erfahren hat, daß nicht im Geringsten ein Verwesungs-Geruch sich merken ließ, sondern zuweilen ein außerordentlich süßer Wohlgeruch.

Renilde übte nun wo möglich mit noch größerem Eifer alle Frömmigkeit und Tugend, um auch in jener Welt wieder mit ihrer Schwester verbunden zu werden und ewig im Himmel zu wohnen, was nach mehreren Jahren auch geschah. Wie wohlgefällig aber das Leben der hl. Herlinde und Renilde vor Gott war, bezeugte sich dadurch, daß auch nach ihrem Tod an solchen, die ihre Fürbitte anriefen, so viele auffallende Wunder geschahen, daß der alte Schriftsteller, welcher ihr Leben geschrieben hat, sagt, was man nur in den Kirchen, wo sie verehrt werden, mit lebendigem Glauben bitte, das erlange man durch ihre Fürbitte. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 1 Januar bis März, 1872, S. 413 – S. 416

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Category: Ordensleute, Stolz
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