Der Regenbogen stellt den Rosenkranz dar

Ein wunderschönes eingerahmtes Bild der Muttergottes Maria sowie ein Rosenkranz mit einem goldenen Kruzifix

Die drei Grundfarben des Regenbogens -Vorbilder der drei Geheimnisse des Rosenkranzes

Auszug aus der neunten Rosenkranzpredigt von Antonio Vieira SJ (*)

Das hat der Prophet gesehen und erfahren, gleich als ihm jener seltsame und wundervolle Wagen erschienen; denn vor ihm zog der Schrecken und das grauen – in einem Gewitter – mit schwarzen Wetterwolken, Sturmwind, Blitz und Donner: Und sieh, ein Sturmwind kam von Mitternacht, eine große Wolke; – Feuer darinnen, Glanz – um sie her. (Ezech. 1, 4)

Das ist, o Freunde und Gefährten, der Ort, wo und die Zeit, in der wir uns befinden, und die bevorstehende Gefahr, worin wir Alle schweben, – bei recht zweifelhafter und ungewisser Hilfe von Seite der Kunst und der menschlichen Kräfte. Wir werden aber recht wirksame, gewisse und zuverlässige Hilfe finden von Seite der göttlichen Macht. Die sah der Prophet am obern und triumphierenden Teil eben jenes Wagens: auf dem Boden desselben da sah er einen Thron aus Saphir. (a.a.O., 26) Auf dem Thron, da sah er einen Menschen, aus Gold und Silber gestaltet; – und rings um den Thron, wo dieser in Majestät saß, – da erblickte er einen Strahlenbogen: Ich sah etwas wie Feuer, das ringsum erglänzte, anzusehen wie der Regenbogen, wenn er in den Wolken zur Zeit des Regens ist: so war der Anblick des Glanzes ringsum. (a.a.O., 28)

Dieser Thron aus Saphir nun, dieser Mensch, aus Gold und Silber, und dieser Regenbogen, der Alles überragt, und über Meer und Winde gebietet, – was sinnbildete er? Der Thron von Saphir sinnbildete die Jungfrau Maria; der Mensch aus Golf und Silber sinnbildete den Sohn Gottes und den ihrigen; der Regenbogen sinnbildete ihren Rosenkranz; und Alles zusammen sinnbildete die Macht und Gewalt, welche die Mutter Gottes mittelst ihres Rosenkranzes über das Meer hat, über die Winde und über die Ungewitter und die Gefahren derer, die darin zur See reisen. –

Der Saphirthron ist die Jungfrau Maria. Dieses sprechen aus der heilige Augustinus, der heilige Johannes Damascenus, und insbesondere der heilige Bonaventura bei Erklärung eben dieser Stelle des Propheten Ezechiel: Maria ist jener Saphirthron, der ,wie wir bei dem Propheten lesen, auf dem Boden errichtet ist. (S. Bonav. in speculo B. Virg. C. 11) Sie wird ein Saphirthron genannt; denn der Saphir hat die Farbe des Meeres, durch welches nicht bloß der Namen der heiligsten Jungfrau, sondern auch die Bedeutung desselben: „Gebieterin des Meeres“ gesinnbildet wird. Er, der auf dem Thron erschienen, er ist der menschgewordene Sohn Gottes. Dieses behauptet und beweist außer den übrigen Vätern der heilige Petrus Damiani. (S. Petr. Dam. Serm. De Nativ. Virg.)

Er, der darauf saß, war aus Gold und Silber gestaltet: durch die Verschiedenheit und die Verschmelzung dieser beiden Metalle, wovon das eine das andere an Kostbarkeit übertrifft, sollte die Gottheit und Menschheit, die in Christus auf eine unaussprechliche Weise vereinigt war, gesinnbildet werden. Der Regenbogen endlich stellt den Rosenkranz dar – nicht bloß mittelst einer oder einiger, sondern mittelst all seiner Eigenschaften.
Das Wesen des Regenbogens besteht in nichts Anderem, als in den Sonnenstrahlen, die sich in den Wolken brechen.

Und von dieser Art ist das ganze Inhalt des Rosenkranzes, der aus den Geheimnissen und den Taten, den Strahlen der wahren Sonne, Christus besteht; – die brechen sich im Gewölk seiner Menschheit, das sich aus den Dünsten der Erde gebildet, die sich zur Hoheit seiner Gottheit erhoben haben. Die Gestalt des Regenbogens, diese bilden die Farben, die aus den Sonnenstrahlen und ihren Brechungen hervor gehen, und deren so viele und die so verschieden sind; doch noch zahlreicher und mannigfaltiger sind die wunderbaren Taten Christi, die, nach dem Zeugnis des heiligen Johannes, würden sie aufgezeichnet, die ganze Welt nicht fassen könnte (Joh. 21, 25), wie darin der Regenbogen nicht Raum genug findet. –

Doch gleichwie die Farben des Regenbogens auf drei: grün, rot und blau hinaus laufen; so werden auch die Geheimnisse des Rosenkranzes, einem gleichen Unterschied gemäß, der sie insbesondere auszeichnet, – eingeteilt: die Geheimnisse der Kindheit Christi, welches die freudenreichen sind, und der grünen Farbe entsprechen: die Geheimnisse seines Leidens und Todes, welches die schmerzenreichen sind, und der roten Farbe entsprechen: und die Geheimnisse seiner Auferstehung und Himmelfahrt, welches die glorreichen sind und der blauen Farbe entsprechen.

Das ist der Inhalt und die Gestalt des Rosenkranzes. Doch welches sind seine Wirkungen? Eben jene, die wir nötig haben, und die mit Recht uns mit so großer Sorge bewältigen, daß uns nämlich der Rosenkranz, – als wahrhafter Regenbogen, sichert gegen die Wut der Winde und Wetter und vor der Furcht vor ihren Gefahren. Gott hat den Menschen mittelst dieses Regenbogen die Versicherung gegeben, daß es keine Flut mehr geben werde, wie jene, die das größte Ungewitter war, das es in der Welt gegeben: Meinen Bogen will ich in die Wolken setzen; und ich will gedenken meines Bundes. (Gen. 9, 13 15)

Doch nicht bloß vermöge einer göttlichen Anordnung, – wie in diesem Falle, sondern auch aus einem natürlichen Grund, (wie der heilige Thomas von Aquino sinnreich bemerkt) – versichert uns der Regenbogen, daß weder die Wolken, noch die Luft, noch das Feuer (die drei Grundbestandteile, woraus sich seine Farben gestalten) sich in ein großes Ungewitter werden auflösen können. Und warum? Große Ungewitter entstehen bloß durch dichte und schwere Wolken, und der Regenbogen erscheint bloß in dünnen und leichten Wolken. Große Ungewitter bedecken und verdunkeln die Sonne, und ohne die Sonne und die Brechung ihrer Strahlen ist kein Regenbogen möglich. Daher nennt ihn ein Weiser des Altertums den Vorboten, den Verkündiger des heitern, schönen Wetters. So wird durch den Regenbogen nicht bloß der Rosenkranz mit seinen Geheimnissen gesinnbildet, sondern auch die wundervolle Wirkung, daß er See- und Gewitterstürme stillt und vor ihren Gefahren sicher stellt.

Bloß die Gestalt des Regenbogens scheint dieser Sinnbildung nicht angemessen zu sein. Denn der Regenbogen bildet, wie wir sehen, nur einen Halbkreis, und die Gestalt des Rosenkranzes ist ein vollkommener Kreis. Aber dieser Einwendung begegnet sinnreich der Prophet Ezechiel, wenn er sagt: der Regenbogen, der seinen Triumphwagen umgab, bildete – keinen Halbkreis, sondern einen vollständigen Kreis: Ich sah etwas wie Feuer, das ringsum erglänzte, – anzusehen wie der Regenbogen, wenn er in den Wolken zur zeit des Regens ist: so war der Anblick des Glanzes ringsum. Erwägt das Wort „ringsum“: rings um den Thron und den Herrn, der darauf saß; denn das war kein Halbkreis, wie wir ihn am Regenbogen sehen, sondern vollkommener Kreis, wie der, den der Rosenkranz bildet.

Wie also die Maler, um „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz zu malen, – sie – mit dem gebenedeiten Kindlein in ihren Armen darstellen, und mit einem Rosenkranz rings herum: – so stellt der Prophet auf dem Wagen, wodurch das von den Winden bewegte und aufgeregte Meer, gesinnbildet wird, – den saphirnen Thron dar, und das ist die heilige Jungfrau , und auf dem Thron den Gottmenschen, und das ist ihr Sohn; und rings um beide einen vollkommenen Strahlenbogen, und das ist der Rosenkranz. Und das widerspricht nicht dem Wesen des Regenbogens, es entspricht ihm vielmehr; denn gleichwie der Bogen des Rosenkranzes sich vervollkommnete und sich schloß, als Christus und seine Mutter zum Himmel empor stiegen: so beschreibt der Regenbogen, wenn die Sonne im Scheitelpunkt steht, einen Kreis um den ganzen Horizont: Er umzieht den Himmel in der Runde seiner Herrlichkeit. (Eccl. 43, 13)

Da denn die Kraft, welche dem Rosenkranz Unserer-Lieben-Frau eigen ist, nach ihrem eigentümlichen Namen „Gebieterin des Meeres“, darin besteht, daß sie über das Meer gebietet, den Winden ein Maß setzt und die Stürme stillt: so wird er, – (obwohl die Zeit, worin wir uns befinden, und der Stand der Gestirne – – große Stürme vorhersagen und drohen) – so wird er, wenn wir mittelst des Rosenkranzes den erhabenen Beistand der Gebieterin des Meeres anrufen, – uns so wirksam, wie sicher vor all seinen Gefahren beschützen und beschirmen.

Doch damit die Betrachtung dieser natürlichen Ursachen und ihrer Gewalt uns Stärke uns nicht, wie gewöhnlich entmutige, – so mögen wir wissen: die Natur selbst, die in Rücksicht auf sein Wesen, seine Wirkungen und selbst in Rücksicht auf seine Gestalt – ein so vorzüglich angemessenes Bild des Regenbogens entwarf, vergaß auch nicht diesen Umstand der Zeit, welcher der grauenvollste ist, und wofür wir das wirksamste Mittel nötig haben. – –

Bei Anfang des Winters, nach der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, wenn die Tage anfangen, immer kürzer zu werden; – dann erscheint der Regenbogen am häufigsten. Und gerade von dieser Art ist der Umstand der Jahreszeit und der gegenwärtige Stand der Gestirne. Eben jetzt ist die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche vorüber; der Winter hat bereits angefangen, und die Tage nehmen ab, und die Nächte nehmen zu; und mit diesen fängt die Jahreszeit und das Meer an, furchtbarer zu werden: Doch gerade bei diesen Umständen – da sollte – nach Gottes Anordnung das Rosenkranzfest zu dieser Zeit gefeiert werden, damit der Rosenkranz, gleichwie der Regenbogen jetzt häufiger erscheint, die Stürme für uns stillen, und bei denselben uns gegen ihre Gefahren sichern möge. –
aus: Antonio Vieira SJ, Sämmtliche Marienpredigten, Dritter Teil, 1863, S. 10 – S. 15

(*)Vieira hielt diese Predigt auf der See am achtzehnten Sonntag nach Pfingsten, (auf welchen das Rosenkranzfest fiel)

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