Bekehrung des Markgrafen Hugo

Zwei Engel sitzen auf einer Wolke, zwischen ihnen ist eine Sonne mit Strahlen, in der die Buchstaben M und A für Maria stehen

Welch eine überaus barmherzige Frau Maria ist

Die Bekehrung des Markgrafen Hugo durch Maria

Der Pater Paciucchelli erzählt, daß Hugo, Markgraf von Toskana, von seiner Mutter in aller Gottesfurcht erzogen, und ihm von ihr eine besondere Andacht zur allerseligsten Jungfrau eingeflößt worden.

Als er zum Jüngling herangewachsen, starb sein Vater Rupert, und hinterließ ihm großen Reichtum an Land und Leuten. Da ward des Jünglings Herz Gott entfremdet; Schmeichler führten ihn auf Abwege und elende Sinnenlust berauschte ihn so, daß er sich abscheulichen Lastern ergab. Doch vergaß er dabei nicht, was die Mutter ihm eingepflanzt, – die Andacht zur allerseligsten Jungfrau. Er betete täglich etwas ihr zu Ehren.

Da geschah es, daß er seiner Gewohnheit nach auf die Jagd ging. Während des Jagens trennte er sich von seinen Begleitern, denn ihm kam ein stattlicher Hirsch ins Gesicht, den in seine Gewalt zu bekommen, er der Mühe wert hielt. Er jagt also dem Hirschen nach, der schnellen Laufs dahin eilt, und den Grafen weit hinein in den Wald lockt; dort aber entwischt er ihm. – Ermüdet vom langen Jagen steigt der Graf vom Pferd, um zu rasten. Hunger und Durst quälen ihn. – Er sucht nach Waldbeeren, um sich zu erquicken; aber die er findet, sind unschmackhaft und bitter. – Da greift er zum Jagdhorn, um seine Begleiter herbei zu rufen. Allein diese hörten ihn nicht wegen weiter Entfernung. – Er setzt sich daher wieder zu Pferd und reitet in der Irre herum. Siehe, da tritt ihm eine schöne Jungfrau entgegen und bietet ihm in einem Körbchen das beste Obst dar. Er griff alsbald begierig darnach, fand aber die Früchte voll Schmutz und Kot. – Sich grausend und ekelnd vor dem Unflat wirft er die Früchte von sich. Auf dies hin, spricht die Jungfrau sanft und ernst: „Dir missfallen und dich ekeln die schönen Früchte, ob des Unflats, mit dem sie bedeckt sind; wie aber sollen meinem göttlichen Sohn und mir deine Andachten gefallen, da sie vom Unflat der Sünde verunreinigt sind? Mit diesen Worten verschwand sie.

Was in dem Herzen des jungen Grafen vorgegangen, kann man sich leicht denken. Die Worte der Lieben Frau hatten ihn tief ergriffen; er erkannte sein wüstes Leben, ging in sich, bereute seine Fehltritte und machte den festen Vorsatz, sich zu bessern. Ganz in sich gekehrt fanden ihn endlich seine Begleiter. Er verließ den Wald; und das erste, was er nach seiner Rückkehr tat, war, daß er durch eine aufrichtige Beichte sein Gewissen reinigte.

Doch nicht lange, und Hugo vergaß wieder seiner guten Vorsätze. Die alten Versuchungen traten wieder an ihn heran; er gab den Schmeichlern Gehör und sank wieder in das frühere garstige Leben zurück. Doch die Liebe Frau wandte sich nicht von ihm ab; sie wollte seine Seele retten.

Hugo ging wieder auf die Jagd; ein Wild, das er verfolgt, führt ihn zur jähen Wand eines Berges; ein Unwetter bricht los, die Donner rollen, die Blitze leuchten, der Regen stürzt in Strömen herab. Er gab seinem Pferd die Sporen und sah sich um, wo er wohl Schutz fände vor dem bösen Wetter. Da bemerkte er eine Höhle in den Felsen; er sprengt darauf zu, aber was sieht er? – Er sieht gräßliche Gestalten bei einem hell lodernden Feuer und glühenden Ambos, auf dem die schrecklichen Bestien Menschenleiber schmieden. Vom Schrecken ergriffen, empfiehlt sich Hugo dem Schutz Unserer Liebe Frau und ruft: „O Frau! Merke auf meine Hilfe!“ Doch die schauerlichen Gestalten spotten seiner; er erkennt, daß es böse Geister seien, die ihn ergreifen wollen. – In größter Angst ruft er wieder zu Maria, und gelobt vom ganzen Herzen wahre und beharrliche Besserung seines Lebens. In diesem Augenblick war der schreckliche Spuk verschwunden. Ganz durchnäßt vom Regen, noch zitternd und bebend vor Schrecken macht sich Hugo auf den Weg, mit dem festen Entschluss, seiner Sünden sich zu entledigen und ein neuer Mensch zu werden. Öfters rief er aus: „Ugone non sarà piu Ugone!“ „Hugo soll nicht mehr Hugo sein!“ Und er hielt Wort. Als er in seine Residenz nach Florenz zurück gekehrt war, begab er sich zu dem Kardinallegaten von Ravenna und zu dem Bischof von Florenz, erzählt ihnen, was ihm bei der Jagd begegnete, und verlangt, eine öffentliche Beichte abzulegen, indem er öfters die Worte wiederholte: „Ugone non sarà piu Ugone!“ – Von nun an bessert er sein Leben; erbaut zu Ehren der Himmelskönigin Kirchen, stiftet Klöster und sucht durch einen wahrhaft frommen christlichen Wandel das Ärgernis wieder gut zu machen, welcher er früher hatte gegeben. (Alexander Sperelli, Bischof von Gubbio, Predigten.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 552 – Sp. 554

Category: Erzählungen, Ott
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