Gottseliger Arnold von Reichersberg

Der gottselige Priester Arnold von Reichersberg

Im Kloster Reichersberg, das zwischen Braunau und Schärding in Oberösterreich liegt, starb um das Jahr 1167 der fromme Priester Arnold. Bis an sein Lebensende lebte er still und zurückgezogen nur für Gott und das Heil seiner Seele. – Daß er U. L. Frau besonders lieb hatte und innig verehrte, davon gibt das merkwürdige Ende seines Lebens Zeugnis. –

Im oben genannten Jahr in der letzten Adventwoche befiel ihn ein leichtes Fieber, das aber so heftig wurde, daß er an den Rand des Grabes kam. Wie es in den Klöstern der Brauch ist, kamen öfters die Brüder, um sich um sein Befinden zu erkundigen. Er aber antwortete immer freundlich: „Gut, gut geht es!“ Selten nahm oder verlangte er Speise. So sehr aber auch sein Leib geschwächt war, blieb sein Gesicht doch immer heiter. Am 30. Januar rief er alle Brüder zusammen, um sich mit den heiligen Sterbesakramenten versehen zu lassen, damit er sich am Mariä Lichtmess-Tag recht in Gott erfreuen könnte und Stärke hätte, den letzten und schwersten Kampf glücklich zu bestehen. Deshalb empfahl er sich auch in das Gebet aller seiner Ordensgenossen.

Wie seine letzte Stunde nahte, erschienen alle Brüder des Klosters, um auf ihren Knien zu beten. Auf einmal sah er nun die ganze Zelle von höllischen Gestalten erfüllt, die mit ihren Ränken den frommen Mann zur Verzweiflung bringen wollten. Arnold schloss seine Augen, erbleichte und zitterte an allen Gliedern. Dann schrie er mit lauter Stimme: „Seht ihr nicht die höllischen Gestalten, die das ganze Haus füllen! Seht ihr nicht jene höllischen Ungeheuer! Dies sind jene verfluchten, geschworenen Feinde Gottes und der Menschen, die aus dem Himmel verbannt und für immer zum ewigen Feuer bestimmt sind. Wohlan, laßt uns gegen diese Feinde kämpfen!“

Bei diesen Worten ergriff er das Kreuz und hielt es den Teufelsgestalten wie einen Schild entgegen, wobei er sich nach jener Seite, wo eben der Angriff geschah, wendete. Er bezeichnete sich dann öfter selbst mit dem heiligen Kreuzzeichen, um alle Angriffe zurück zu weisen. Die Väter, welche das Krankenbett umgaben, waren voll Erstaunen und Furcht, doch nicht so, daß sie darob auf das Psalmen-Gebet vergessen hätten.

Die Gestalten entfernten sich dann ein wenig. Arnold ergriff nun das Zeichen des Kreuzes, küßte es und rief aus: „Seht, wie jene lichtscheuen Gespenster das Kreuzzeichen fürchten, das sie nie anzuschauen sich getrauen! Betet meine Freunde, betet das Gebet des Herrn, ruft den Vater im Himmel an, betet das Glaubens-Bekenntnis: bekennen wir Einen Gott und beten wir Gottes Sohn und den heiligen Geist, der von beiden ausgeht, an! Betet auch, daß die allerseligste Jungfrau mir helfend beistehe. Sie wird mich mit ihrem Sohn aussöhnen; sie wird mir Verzeihung erlangen! Wo sind denn meine Freunde alle? Sind nicht mehr da? Wo sind denn die Gott geweihten Jungfrauen? Ich brauche viele Fürbitter, damit ich das Antlitz der Apostel schauen könne, die ich wie Sterne in der Nacht leuchten sah! Ich bitte euch alle, die ihr herum steht, wendet euch zu Maria. Maria ist mein Turm und meine Burg. Sie wird den Zorn Gottes abwenden, sie wird mich mit ihrem Sohn aussöhnen, sie wird mir den Weg zur Gnade öffnen, und mich darin befestigen.“

Die Anwesenden begannen nun die Allerheiligen-Litanei zu beten. Als sie Maria anriefen, da rief der Sterbende plötzlich aus: „Wiederholt das, was ihr von Maria gebetet, wiederholt es drei-, viermal; denn schon hat sie beim obersten Gerichtshof für mich gesprochen. Auf einer Seite, so erzählte Arnold, stehen die Heiligen; auf der anderen die ewigen Ankläger der Hölle. Immer bin ich im Zweifel, ob es ein glückliches oder unglückliches Ende nehmen wird.“ Bei diesen Worten erzitterte er, er atmete langsam und schwer und antwortete dabei immer stille auf alle Anklagen. Tod und Krankheit setzten ihm gewaltig zu; aber den Schild des Glaubens ließ er nicht sinken. Und obwohl er alle Hoffnung auf Gott setzte, und sich ganz auf den Schutz Gottes und Mariens verließ, so antwortete er doch den Versuchern: „Klagt nur an, klagt nur an, ihr habt wohl einen büßenden Sünder vor euch, der aber auf die Verdienste Jesu vertraut. Dann wandte er sich zu Maria und sprach: „Wenn du nur ein Wort für mich sprichst, Maria, dann bin ich schon gerettet. O wenn du nur ein Wort für mich sprächest!“ Hernach jagte er wieder mit dem Kreuzzeichen den Satan weiter, den er Dieb, Räuber, Seelenmörder nannte.

Während dessen war die Morgendämmerung heran gekommen; da rief Arnold, der immer zur seligsten Jungfrau gefleht, plötzlich mit dem Psalmisten aus:

„Wir gehen nun in das Haus des Herrn!“ Hierbei blickte er die Anwesenden an, zeigte mit dem Finger auf das Kreuz und sprach: „Seht, hier ist unser Heil und unsere Erlösung.“ Darauf rief er aus: „O Kraft des Gehorsams! O wie groß und unbegreiflich sind die himmlischen Freuden, die ich gesehen. Nichts als Eitelkeit sind die irdischen Freuden dagegen!“ Zuletzt erzählt er dann seinen Freunden, daß Maria ihm Verzeihung erworben. Unter solchen Reden starb er am 1. Februar.

„So verloren wir“, erzählt ein alter Schriftsteller, der bei seinem Tod zugegen gewesen, „so verloren wir diesen Mann, seligen Angedenkens, der uns voraus gegangen ist. Denn auch wir werden ihm folgen, und der Fürst dieser Welt wird, wenn Gott es nicht verhindert, auch uns anfallen. Gebe Gott, daß, wenn jener böse Feind uns angreift, er nichts an uns findet, was sein Eigentum ist. Damit dies geschehen möge, wollen wir dem Wunsch Jesu gemäß wachen und beten, damit wir nicht in Versuchung fallen.“ (Raderus Bavaria sancta.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Erster Teil, 1869, Sp. 547 – Sp. 549

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