Heiliger Simeon Salus der Einfältige

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

1. Juli

Der heilige Simeon Salus der Narr

Salus, welches in der syrischen Sprache so viel heißt als blödsinnig (oder besser einfältig), war zu Edessa in Syrien im Jahre 522 geboren und wurde von seinen reichen und eifrigen katholischen Eltern in der Frömmigkeit erzogen und in verschiedenen Kenntnissen gut unterrichtet. Ungefähr zwanzig Jahre alt, reiste Simeon mit einem seiner treuesten Gefährten, namens Johannes nach Jerusalem, um das Fest der Erhöhung des heiligen Kreuzes daselbst mitzufeiern. Bei der Rückkehr begab er sich mit seinem Gefährten in ein Kloster, dem der heilige Abt Nicon vorstand, und lebte hier einige Zeit sehr gottselig. Aus Verlangen, ein noch strengeres Leben zu führen, verließ er wieder mit Erlaubnis des Abtes das Kloster, ging mit einem Mitbruder in eine Wildnis und kam dort zu einer kleinen Hütte, wo kurz zuvor ein sehr frommer Einsiedler gelebt hatte. Diese erwählte er für sich und seinen Mitbruder zur Wohnung. Nachdem er mehr als zwanzig Jahre daselbst in größter Strenge zugebracht hatte, gab ihm Gott ein, er solle in die Welt zurück kehren und sich auf solche Weise betragen, als wenn er recht einfältig wäre, damit er so, von den Menschen verachtet und verspottet, seine geheime Hoffart und seinen Ehrgeiz gänzlich besiege und Gelegenheit habe, manchen Menschen heilsame Ermahnungen zu erteilen. Um nicht durch eine falsche Eingebung betrogen zu werden, nahm er seine Zuflucht zum Gebet, wurde aber immer mehr überzeugt, daß die Eingebung von Gott komme, der nicht alle auf gleiche Weise zum Himmel beruft. Er nahm nun von seinem Gefährten Abschied und reiste wieder nach Jerusalem, um die heiligen Orte noch einmal zu besuchen. Als er sich nun bei Gelegenheit dieser Besuche erinnerte, welchen Spott und welche Verachtung Christus ins einem bitteren Leiden erduldete und wie er sich freiwillig für einen Toren halten und verlachen ließ, wurde er noch mehr in seinem Vorhaben bestärkt. Um aber diese Lebensweise noch sicherer zu erwählen, reiste er als Eremit gekleidet von Jerusalem in seine Geburtsstadt Edessa, entdeckte einem wegen seiner Heiligkeit berühmten Diakon, Johannes genannt, was ihm Gott eingegeben und seinen Vorsatz, dieser Eingebung zu folgen. Der fromme Diakon fragte Gott im Gebet um Rat, prüfte dann Simeon aufs genaueste und munterte ihn zuletzt auf, die ihm von dem Herrn eingegebene Lebensweise mit allem Vertrauen zu beginnen und standhaft fortzusetzen.

Jetzt zweifelte Simeon nicht mehr, Gott wolle, daß e auf dem Wege der Verachtung Jesus nachfolge. In allem Tun und Lassen, im Gehen und Reden, in Mienen und Gebärden stellte er sich wie ein Mensch, der zu wenig Verstand habe oder närrisch wäre. Unter anderem traf er außer der Stadt auf einem Düngerhaufen einen toten Hund an. Diesen band er an einen Strick, den er um den Leib hatte, und zog ihn durch die Gassen der Stadt mit allerlei lächerlichen Gebärden. Man kann sich leicht denken, was die Kinder bei diesem Anblick für Gespött mit ihm trieben. Sie liefen ihm nach, warfen mit Kot und Steinen auf ihn, rissen ihn hin und her, jagten ihn von einer Gasse in die andere und schrieen laut: Seht, der Mönch ist ein Narr! Zu einer andern Zeit gesellte er sich, obschon ziemlich alt, zu den Kindern, setzte sich mit ihnen auf der Gasse nieder, spielte mit ihnen, baute mit ihnen Häuschen aus Sand oder Lehm. Bisweilen steig er auf einen erhöhten Ort und warf auf die Vorübergehenden mit Nüssen oder kleinen Steinchen. Mit einem Wort, er stellte sich in allem, als wenn er ein ganz sonderbarer Mensch wäre und wurde auch für einen solchen in der ganzen Stadt gehalten, verachtet, verspottet und mißhandelt. Allein gerade das war es, was er suchte. Und man kann wohl sagen, daß nicht leicht ein Weltkind so sehr nach weltlicher Ehre und Hochachtung trachten könne, wie Simeon von allen Menschen verspottet und verachtet zu werden gesucht hat.

Bei allem dem führte er ein strenges und gottseliges Leben. Mehr als einmal hat er vierzig Tage zugebracht, ohne etwas zu essen, als an den Sonn- und Donnerstagen. In einem schlechten Häuschen hatte er nichts als einen Bündel von Gesträuch. Worauf er das Haupt als auf ein Kopfkissen legte. Die Zeit des Tages verwendete er zur Anhörung der heiligen Messe und anderem Kirchenbesuch, zur Übung des angenommenen Blödsinnes und zur Bekehrung vieler Sünder. Die Nacht brachte er größtenteils im Gebet zu. Wegen seiner vermeinten Torheit hatte er bei allen freien Zutritt. Daher benützte er die Gelegenheit, manchen die heilsamsten Ermahnungen beizubringen, andere aber durch schreckliche Bedrohungen zur Buße zu bewegen. Man weiß, daß Gott viele Wunder an Kranken und Besessenen durch diesen seinen Diener gewirkt und dadurch sein Wohlgefallen an ihm bezeugt hat; aber Simeon wußte sie in seiner Demut zu verbergen oder zu verheimlichen; denn er wollte einmal von den Menschen nicht geehrt, sondern verachtet werden. Er gesellte sich zuweilen zu den Besessenen, schrie wie diese und stellte sich in allem wie sie. Der böse Feind, der Geist des Hochmutes, konnte diese Verdemütigung des Heiligen nicht ertragen, sondern verließ die Leiber der Besessenen, mit lauter Stimme beteuernd: Er hätte keine größeren Feind als den Narren von Edessa, der ihm so viele Seelenraube. Simeon hatte auch die Gabe der Prophezeiung; so sagte er einst ein schreckliches Erdbeben, zu einer anderen Zeit die Pest vorher. Außerdem begnadigte ihn Gott mit Erscheinungen der heiligen Engel und mit vielen Offenbarungen. Endlich zeigte er ihm auch die stunde seines Hinscheidens an. Simeon bereitete sich dazu durch den Empfang der heiligen Sakramente vor; erzählte jenem oben erwähnten frommen Diakon die großen Gnaden, welche er bis dahin von Gott empfangen habe, mit der Bitte, er möge vor seinem Ende nichts offenbaren, und begehrte endlich, daß er ihn nach einigen Tagen besuchen wolle. Der Diakon kam nach zwei tagen in sein Häuschen, traf ihn aber tot an. Der Leib war mit Rebenholz und anderem Gesträuch zugedeckt. Alles eilte herbei und betrachtete den Toten. Das Jahr seines Todes ist unbekannt. Ganz Edessa verehrte ihn als einen Heiligen, als ihnen der fromme Diakon die Absicht seiner angenommenen Einfältigkeit erklärte und von den vielen Wundern erzählte, die Gott durch ihn wirkte. –
aus: Wilhelm Auer, Kapuzinerordenspriester, Goldene Legende Leben der lieben Heiligen Gottes auf alle Tage des Jahres, 1902, S. 502 – S. 504

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