Ehrwürdiger Alphons Rodriguez Jesuit

Christus sitzt in der Mitte, Löwe und Stier zu seinen Füßen, die Heiligen aus den Orden und Jungfrauen stehen in der oberen Reihe, in der unteren Reihe knien heilige Kinder und Ehepaare

Heiligenkalender

31. Oktober

Der ehrwürdige Alphons Rodriguez, Jesuit

Der ehrwürdige Alphons Rodriguez war in Spanien zu Segovia von ehrlichen Eltern geboren, welche das Tuchmacher-Handwerk trieben. – Früh schon zeigte er einen natürliche Neigung und Andacht gegen die allerseligste Jungfrau: denn noch unmündig machte es ihm große Freude, wenn er den Namen Maria hörte und fiel ihm zufällig ein Papier in die Hand, worauf dieser heilige Name geschrieben stand, so drückte er es an sein Herz und bewahrte es wie einen kostbaren Edelstein.

Älter geworden lernte er die Väter der Gesellschaft Jesu kennen, welche in seiner Heimat predigten und die ihn in den christlichen Übungen und in der Art und Weise den Rosenkranz U. L. Frau zu beten unterrichteten. Von nun an kam der Rosenkranz fast gar nicht mehr aus seiner Hand. Er hatte bereits zu studieren angefangen, als sein Vater starb. Nun musste er mit seiner Mutter den Tuchhandel treiben und sich verehelichen. Mit der fleißigen Besorgung seines Hauswesens verband er eine innige Frömmigkeit. Da ihn aber Gott zu höherer Vollkommenheit führen wollte, so ließ er ihn in kurzer Zeit am zeitlichen Gut merklichen Schaden leiden und entriss ihm auch seine Gattin durch den Tod. Zum Witwer geworden übte er sich in allen gottseligen Werken, er fastete, trug Bußkleider, und nachdem er eine Lebensbeichte abgelegt, verwendete er täglich fünfeinhalb Stunden auf das Gebet. Fast ausschließlich ließ er sich das mündliche Rosenkranz-Gebet angelegen sein. Die Vater unser waren schöne rote Rosen und Ave Maria weiße, und damit wand er seiner lieben Mutter einen anmutigen Kranz der innigsten Andacht. Immer empfand er dabei den größten Trost. Noch größer wurde dieser Trost, als er von seiner Schwester lernte, wie man die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten, d. h. darüber nachdenken soll, was beim Rosenkranz-Gebet die Hauptsache ist. Er tat dies mit so großem Eifer, besonders bei den schmerzhaften Geheimnissen, daß er dabei die Schmerzen des Herrn einigermaßen an seinem Leib empfand, indem er sich wie am Fuß verwundet und ans Kreuz geheftet glaubte. –

Um diese Zeit begann auch sein innigster, geistiger Verkehr mit Jesus und Maria. Es erschien ihm Christus der Herr und noch öfter die gebenedeite Gottesmutter, besonders am Fest ihrer Himmelfahrt, worauf er sich immer sorgfältig vorbereitete. Er wurde verzückt, im Geist schwang er sich in den Himmel; die Himmelskönigin nahm ihn bei der Hand und stellte ihn dem himmlischen Vater vor, der ihn mit Liebe aufnahm. Diese Erscheinung war so deutlich und der Glanz, den er um sich gesehen, so groß, daß er hernach nicht wußte, ob seine Seele im Leib oder außerhalb desselben gewesen war; nur so viel wußte er bestimmt, daß er in unaussprechlicher Schnelligkeit einen sehr hohen Ort erhoben wurde.

Seine Gattin hatte ihm ein Knäblein geboren, das nahm der liebe Gott zu sich. Nun sich Alphons von allen Banden an diese Erde los sah, gedachte er die Welt zu verlassen und in einen Orden zu treten, und fand auch Aufnahme in den Orden der Jesuiten. –

Doch bald geriet er in ängstliche Besorgnis, ob er auch zum Ordensleben berufen sei. –

Da nahm er denn seine Zuflucht zu Gott im heißen Flehen, und siehe, eine Stimme rief ihm zu: „Alphons, es ist genug, daß ich es will.“ Hierüber nun beruhigt legte er nach vollendetem Probejahr die Gelübde ab. Aber nun ward er von den bösen Geistern auf das heftigste versucht, die ihn seine Keuschheit rauben wollten. Sie erschienen ihm, und taten ihm alle mögliche Martern an. In seiner großen Not flehte er mit fester Zuversicht die Gottesmutter um ihre Fürbitte an, auf daß sie doch nicht zulassen möchte, daß er Gott, den er so sehr liebe, auch nur mit der geringsten Sünde beleidige. Mitten im Kampf erschien ihm auch Maria und sprach zu ihm: „Mein Sohn Alphons, fürchte dich nicht, denn du bist mir lieb.“ Alphons bestand siegreich den Kampf und seine seele ward dadurch engelrein und Gott immer wohlgefälliger. Gott verlieh ihm die höchste Gabe der Beschauung und ohne die geringste Anstrengung erfaßte er bei der Betrachtung die göttlichen Dinge weit besser, als wenn er selbst lange Zeit nachgedacht hätte. –

Mit dem Gebet und der Betrachtung verband Alphons die strengste Buße. –

Obwohl fast immer kränklich und voller Schmerzen übersah er doch keine Gelegenheit, wo er sich abtöten konnte. Er befand sich im Kloster auf der Insel Majorka, wo große Hitze mit größter Kälte oft wechselte. –

Nie wehrte er die Mücken und anderes Ungeziefer, welches in warmen Gegenden die Menschen so peinigt, von sich ab; niemals klagte er über schlechtes Wetter, niemals schützte er sich bei der grimmigsten Kälte und bei der brennendsten Hitze. Fragte man ihn, wie es ihm dabei ergehen, entgegnete er: „Leicht erträglich sind diese Beschwernisse, wenn man die Hölle, wovon uns Gott behüten wolle, betrachtet, denn dort herrscht eine ewige Hitze und ein unaufhörliches Zähneklappern, im Vergleich dessen unsere Hitze und Kälte eine lautere Wonne ist; – und wie gering macht die Liebe Gottes eine Seele, die ihm zu gefallen sucht, nicht alle diese zeitlichen Übel?“ Selten setzt er sich nieder, und auch für das Stehen erfand er eine Plage, indem er größtenteils nur auf einem Fuß stand. Vierundvierzig Jahre schaute er keiner Weibsperson mehr in das Gesicht. Siebenundvierzig Jahre, die er im Orden verlebte, suchte er nie um Erlaubnis nach, im Freien sich ergehen zu dürfen, außer einmal, wo er Jemandem einen Liebesdienst erweisen wollte. –

Immer leuchtete aus seinem Angesicht, aus seinen Reden, aus seinem ganzen Benehmen die größte Züchtigkeit hervor. Hierzu munterte ihn besonders die Liebe Frau auf. Als er einst sein gewissen erforschte, was er täglich mit der größten Genauigkeit zweimal tat, erschien sie ihm, und unterwies ihn, wie er allerlei kleine Fehler durch fleißige Bewachung seiner Augen und seiner übrigen Sinne meiden könne. Über seine Zunge ging nie ein unnützes Wort, nie sah man in seiner Hand eine Blume. Seine Freude war nur, die Gefängnisse und Spitäler zu besuchen, daselbst den Kranken leiblichen und geistlichen Trost zu spenden und den Sterbenden beizustehen. Seine Zelle galt ihm für ein Grab, der Orden für die Straße zur Seligkeit. –

Alphons versah mit pünktlichster Treue und kindlicher Einfalt das Amt eines Pförtners, aber dabei fand er immer Zeit, sich mit seinem Gott zu unterhalten, man sah ihn immer beten, seine Seele war immer in Gott versenkt; besonders lieb hatte er den heiligen Rosenkranz, den er so gerne und fleißig betete, daß seine Finger vom Halten desselben Schwielen bekamen. Die heilige Jungfrau und Jesus im heiligsten Sakrament waren die besonderen Gegenstände seiner Andacht. Sein Gebet, das er gar oft wiederholte, war:

„Jesus, Maria, mein Liebstes was ich habe, laßt mich leiden, laßt mich sterben euretwillen; lasset mich ganz euer sein und nicht mehr mein, gleich als wäre ich nie gewesen.“

Bereits hatte Alphons 87 Jahre im treuen Dienst seines Gottes und seiner geliebten Mutter Maria zugebracht, als ihn die Himmelskönigin zur ewigen Ruhe einlud. Er war auch zum Scheiden von dieser Erde ganz bereit, denn die liebe Frau hatte ihm zugerufen: „Ich sorge für Dich.“ –

Die letzten vier Monate vor seinem Tod befielen ihn die heftigsten Schmerzen, dennoch seufzte er: „Herr, noch mehr Schmerzen, noch mehr und dazu mehr Liebe und Geduld.“ Nachdem er die heiligen Sterbesakramente empfangen, ward er in eine Verzückung erhoben, die drei Tage dauerte. Am 31. Oktober 1617 hörte um Mitternacht die Verzückung auf und Alphons gab bald darauf den Namen Jesus ausrufend seinen Geist auf. –

In der Kapelle der unbefleckten Empfängnis wurde er zu den Füßen seiner geliebten Mutter Maria begraben. (Sein Leben v. P. Eusebius Nieremberg.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 2387 – Sp. 2393

Category: Ordensleute, Ott
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