Heiliger Silvinus Bischof und Missionar

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

17. Februar

(Habsucht und Genügsamkeit)

Heiliger Silvinus, Bischof und Missionar

Dieser lebte 700 Jahre nach Christus und war gebürtig aus einem vornehmen Geschlecht zu Toulouse in Frankreich. Er hatte sich schon versprochen mit einem Mädchen, um sie zur Frau zu nehmen, faßte aber später den Entschluss, auf die Ehe zu verzichten, um mit reinem Geist und Körper dem Heiland nachzufolgen, eingedenk der Worte des Evangeliums: „Jeder, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib um meines Namens willen aufgibt, wird es hundertfach empfangen und das ewige Leben besitzen.“
Silvinus begab sich dann in die Niederlande (Belgien), wo er viel Volk zu Gott führte. Denn die Leute daselbst waren zum Teil ohne Christentum; er predigte ihnen aber den lebendigen Gott, teils durch das Wort der Lehre, teils durch das Beispiel eine erbaulichen Wandels. Da nun der Glaube in diesem Land zunahm, wurde Silvinus von Allen wie ein Vater geleibt und wie ein Fürst verehrt; und zwar mit Recht, denn er übertraf fast alle Zeitgenossen an Demut und Heiligkeit und guten Werken. Er war freigebig gegen Jedermann, einsichtsvoll in der Lehre, demütig im Gottesdienst, angenehm im Aussehen, heiter im Gesicht, arm in der Kleidung, reich im Herrn. Zuerst schaute er auf sich selbst und wies sich zurecht, wenn er etwas zu tadeln fand, dann wurde er aber auch nicht müde, täglich Andere durch Lehre und Ermahnung auf den guten Weg zu führen.

Besonders aber nahm er Fremde und Reisende gleichsam wie den Herrn selbst in seiner kleinen Wohnung auf, wusch ihnen die Füße (welcher Liebesdienst damals noch gebräuchlich war), gab ihnen zu essen, so gut er es aufbringen konnte, und schenkte ihnen zuweilen noch einen Teil seiner Kleider. Er glaubte an die Worte des Herrn: „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“; und folgte auch darin dem Heiland nach, welcher, selbst reich, für uns arm werden wollte. Was er im Vermögen hatte, gab er ohne Verzug den Armen und machte sich nicht die geringste Sorge für sein eigenes Auskommen. Er hielt sich genau an das Wort Gottes, wo es heißt (Matth. 6, 34): „Sorget nicht für den folgenden Tag; der folgende Tag wird schon für sich seine Sorge haben. Genug, daß jeder Tag seine eigene Plage hat.“ Er verachtete die Welt, und sah Alles für hinfällig und vergänglich an; dafür liebte er Gott von ganzem Herzen, und trachtete aus allen Kräften das ewige Leben zu gewinnen.

In seiner frommen Demut machte er Wallfahrten an verschiedene Orte, wo Heilige verehrt wurden, um ihre Fürbitten anzurufen, indem er der Ansicht war, daß er durch sich allein die Seligkeit nicht erringen könne, sondern auch die Gebetshilfe der Heiligen brauche. Er machte selbst die große und beschwerliche Reise in das heilige Land und besuchte die Orte, wo unser Heiland gelebt und gelitten hat, und kehrte dann, als er auf diese Weise seinen größten Herzenswunsch auf Erden erlangt hatte, wieder zurück. Bei den vielen Gefahren einer solchen weiten Reise zu Wasser und zu Land hatte der hl. Silvinus nicht die geringste Furcht, und Gottes Engel geleitete ihn auch allenthalben, so daß er überall ohne Gefahr durchkam.

Der das Leben des hl. Silvinus geschrieben hat, fährt fort und sagt: Es war aber dieser Mann ein Vater der Waisen, ein Beistand der Witwen, ein Schützer der Jungfrauen, die Zierde der Mönche, ein Friedensstifter, klug in der Rede, heilig im Werk; denn was er mit dem Mund predigte, zeigte er vorerst durch sein Beispiel. Alles, was er hatte, weihte er dem Herrn, und was er Gutes tat, schrieb er nicht seinen Verdiensten zu, sondern der Barmherzigkeit Gottes. Er erbaute auch zur Ehre des allmächtigen Gottes und seines heiligen Namens zwei Kirchen, entweder aus seinem angeerbten Vermögen oder durch Beiträge frommer Leute.

Er war aber zugleich ein Mann von großer Enthaltsamkeit; er aß Jahre lang kein Brot, sondern nur Gemüse und Früchte. Seine Kleidung war einfach, arm und rauh; er wollte nicht zu denen gehören, von welchen der Herr sagt: „Siehe, die in weichliche Kleider sich kleiden, sind in den Palästen der Könige.“ Statt aber in einem Bett, schlief er auf bloßer Erde oder auf einem Brett.

Als Sivinus nach einem so heiligen Leben krank wurde, ließ er keineswegs nach im Lob seines Schöpfers, und ermahnte unermüdlich Alle, die zu ihm kamen, sie möchten immer eingedenk sein des Tages ihres Todes, jede Sünde fliehen, und den Weg, der zum Leben führt, wandeln. Am Karsamstag Abend sah er die Engel des Herrn heran kommen; und indem er einige Zeit diese herrliche Erscheinung betrachtete, rief er laut zu den Umstehenden: „Seht die Engel Gottes bei uns! Seht die Engel Gottes bei uns!“ Und da er so gesprochen hatte, gab er den Geist auf.

Der Tod des hl. Silvinus erinnert mich durch den Gegensatz an den Tod eines Mannes, den ich gekannt habe. Dieser hatte auch vor seinem Sterben, und zwar auch in der Nacht vom Karsamstag auf den Ostertag, eine Erscheinung; es kam ihm vor, der Teufel stehe vor seinem Bett, und er sagte zu seiner Tochter: „Der Schwarze steht vor mir!“ Statt Gott zu loben in seiner Krankheit, wie der hl. Silvinus, war sein tägliches Gebet das Fluchen; und statt von religiösen Dingen zu sprechen, waren ihm diese langweilig, und er redete nur von Angelegenheiten des Erwerbes, obschon er den Tod vor Augen hatte. Der Grund seines unglückseligen Seelenzustandes und bösen Todes war fast ganz allein eine festgesessene Habsucht. –
aus: Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel, Bd. 1 Januar bis März, 1872, S. 246 – S. 248

Silvinus, hl., Regionar-Bischof in der Gegend von Thérouanne, soll als Missionar von Toulouse gekommen sein, † 17.2 um 720 (?). Begraben in Auchy-les-Moines (bis zur Zerstörung durch die Normannen Frauenkloster, seit dem 11. Jahrhundert Männerabtei OSB), 941 nach St-Omer und später nach Senlis übertragen. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX, 1937, Sp. 562-563

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