Immanentismus

  1. Start
  2. Irrlehren
  3. Immanentismus

Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Immanentismus

Immanentismus. Immanent und transzendent sind korrelative Begriffe; der Umkreis, für den etwas immanent oder transzendent ist, ist entweder die geschöpfliche Welt oder die mögliche Erfahrung oder das seelische Leben. Was zu dem betreffenden Umkreis gehört, wird als immanent, was darüber hinaus ragt, als transzendent bezeichnet. Immanentismus kann man nun im allgemeinen die Erkenntnisweise nennen, die sich innerhalb eines der genannten Umkreise hält.
Wird dieser Umkreis als streng geschlossen betrachtet, über den man theoretisch nicht hinaus kommen kann, so haben wir den Immanentismus als Lehre vor uns. Seine bekannteste Form ist die Lehre Kants, daß unsere Begriffe nur innerhalb der möglichen Erfahrung gelten; die transzendenten Gegenstände seien nur dem Glauben zugänglich. Der Positivismus und Agnostizismus des 19. Jahrhunderts ließen diesen Ausweg Kants ins Transzendente fallen und verschärften damit den Immanentismus , der allmählich zu einem philosophischen Dogma wurde. Die letzten Folgerungen zog der Solipsismus, der nur den Umkreis des eigenen Bewußtseins bestehen läßt (A. Krzesinski, Une nouvelle philosophie de l`immanence, Paris 1931). Der religions-philosophische Immanentismus wurde von Schleiermacher begründet und in der sogenannten Erlebnistheologie weiter gebildet. Danach ist Religion nicht Hinordnung des Menschen auf Gott als Ursprung und letztes Ziel (Thomas, S. th. 2,2, q. 81 a. 1), sondern Erlebnis Gottes als der letzten Tiefe des Ich. Der Immanentismus in diesem Sinne bildet den eigentlichen Kernpunkt des Modernismus.

Der Immanentismus als Methode bedeutet die Erforschung eines bestimmten Gegenstands-Bereiches aus seinen eigentümlichen Ursachen, ohne daß diese als die letzten und absoluten angesehen würden; hier wird der Immanenz-Umkreis zwar methodisch als geschlossen, sachlich aber als für das Transzendente offen betrachtet.

aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. V, 1933, S. 374-375

Utilitarismus
Sensualismus

Weitere Lexikon-Einträge

Unmäßigkeit

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Unmäßigkeit Unmäßigkeit, zunächst allgemein und als Habitus ungeordnete Sucht nach Ernährungs- und Genußmitteln, speziell und als Akt ungeordnete Zufuhr von Speise oder Trank; ist Gegensatz zur Mäßigung, im besonderen gegen die Nüchternheit und Enthaltsamkeit.…

Kanaan

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Kanaan Kanaan, Name des dem Volke Israel verheißenen Landes, der im engeren Sinne für die Meeresküste (Jos. 13, 4; Soph. 2, 5 u. ö.), im weiteren für das Westjordanland (Nm. 32, 29f; Jos. 22,…

Sabatier

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Sabatier Sabatier, Louis Auguste, französischer reformierter Theologe, * 22.10.1839 zu Vallon (Dep. Ardèche), Professor der reformatorischen Dogmatik 1867-73 an der Universität Straßburg, seit 1877 an der von dort nach Paris übertragenen Fakultät; † 12.4.1901…
Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Theodora die Ältere Theodora die Ältere, übte mit ihrem Gemahl, dem Konsul, Senator, magister militum und päpstlicher Vesterarius Theophylakt, in Rom die maßgebende Gewalt aus. Mag auch Luitprands Darstellung parteiisch und übertrieben sein, so…

Medici

Lexikon für Theologie und Kirche Stichwort: Medici Medici, bürgerliches florentinisches Geschlecht, das durch Geldgeschäfte, besonders als Bankiers der Kurie, reich geworden, seit der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts bis zu seinem Erlöschen in der Hauptlinie (1737) mit kurzen Unterbrechungen die…

Weitere Lexikon-Beiträge

Es wurden keine Ergebnisse gefunden, die deinen Suchkriterien entsprechen.

Menü