Monotheletismus

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Lexikon für Theologie und Kirche

Stichwort: Monotheletismus

Monotheletismus, die Lehre von einem einzigen Willen in Christus. Den Monotheletismus verursachte die Innenpolitik des oströmischen Reiches. Kaiser Heraklius, von den Persern bedroht, sah in der Wiedervereinigung der Monophysiten mit den am Konzil von Chalcedon festhaltenden Katholiken eine politische Notwendigkeit. Sein Mitarbeiter Patriarch Sergius I. von Konstantinopel plante seit etwa 619, die Monophysiten so zu gewinnen, daß man zwar an der Lehre von den 2 Naturen festhielt, aber nur von einer Wirkungsweise Christi sprach. Am Anfang des Streites steht also der Monenergismus. Verhandlungen mit den Armeniern führten zu einer vorübergehenden Union; solche mit dem Bischof Paul v. Zypern zerschlugen sich jedoch, worauf Heraklius 622 verbot, von 2 Energien in Christus zu reden. Erfolg hatten die Verhandlungen des Sergius mit dem Chalcedonianer Theodor von Pharan und dem 631 zum Patriarchen von Alexandria erhobenen Cyrus von Phasis. Dieser brachte 633 eine Vereinigung mit den Monophysiten zustande, bei der über Chalcedon geschwiegen, der Monenergismus dagegen gelehrt wurde.

Der in Ägypten weilende palästinensische Mönch Sophronius erhob aber Einspruch. Von Cyrus an Sergius verwiesen, erreichte Sophronius, daß Sergius den Monenergismus preisgab, wogegen Sophronius versprach, nicht von einer zweifachen Energie zu reden. Für diese Verabredung, welche die 1. Phase des Streites beendete, gewann Sergius den Kaiser und auch den Papst Honorius I. Ein Brief des Sergius an Honorius stellte die Lehre von den 2 Energien als Wortgezänk und als gefährlich dar; die Annahme einer 2fachen Energie lege leicht den Gedanken an 2 sich widerstreitende Willen nahe. Hier ist zum 1. Mal der Monotheletismus behauptet worden. Honorius ging, ohne die Gegenseite zu hören, auf den Vorschlag des Sergius ein. Inzwischen war Sophronius Patriarch von Jerusalem geworden und legte in einem Synodicon dar, jede Natur habe ihre natürliche Tätigkeit. Von einer 2fachen Energie zu sprechen, vermied er. Ebenso erwähnte er nicht 2 Willen. Honorius trat in einem 2. Schreiben an Sergius dem Standpunkt des Sophronius bei. Das brachte Sergius in Verlegenheit; er veranlaßte den Kaiser, zur Versöhnung der Anhänger des Chalcedonense untereinander 638 die Ekthesis zu veröffentlichen. In ihr wurde u. a. Severus von Antiochia verurteilt, der Monenergismus aufgegeben, aber auch verboten, von 2 Energien zu reden, weil in Christus nur ein Wille sei.

Die Nachfolger des inzwischen verstorbenen Honorius (Severinus, Johann IV., Theodor I.) verwarfen die Ekthesis. Jetzt wurde man mehr und mehr auf die Lehre von dem einen Willen, den eigentlichen Monotheletismus, aufmerksam. Besonderes Verdienst darum hat Maximus Confessor, der 645 in Nordafrika mit Pyrrhus, dem abgesetzten Nachfolger des Sergius, darüber eine Disputation hielt. Da Patriarch Paul II. von Konstantinopel und viele orientalische Bischöfe an der Ekthesis festhielten, wurden sie von Rom gebannt und abgesetzt. Um diesen Streitigkeiten ein Ende zu machen, erließ Kaiser Konstans II 647 den Typos. Durch diesen wurde verboten, von einer oder 2 Energien und von einem oder 2 Willen zu reden. Aber dafür war es zu spät. Auch der Typos wurde von Papst Martin I. auf einer Lateransynode 649 verworfen und dagegen die Lehre von 2 natürlichen Energien und Willen festgestellt. Des Papstes rege Tätigkeit zur Durchführung der Konzilsbeschlüsse nahm ein Ende durch seine Gefangennahme, Misshandlung und Verbannung. Noch größere Grausamkeiten erduldeten Maximus und seine Schüler, die beiden Anastasius. Papst Vitalian empfing Konstans in Rom freundlich, hielt aber an der Verurteilung des Typos fest. Nach des Konstans Ermordung 668 dauerte der Bruch zwischen Rom und Konstantinopel wegen Kriegswirren fort, bis 678 Kaiser Konstantin IV. Pogonatus den Papst um Gesandte zur Beilegung des Zwistes bat.

Papst Agatho veranlasste zunächst abendländische Synoden, die am Laterankonzil von 649 festhielten, und sandte dann erst Legaten mit einem Schreiben. Darauf tagte in Konstantinopel 7.11.680 bis 16.9.681 unter dem Vorsitz der Legaten eine Synode, die 6. allgemeine. Sie stellte fest, daß es in Christus 2 natürliche Tätigkeiten ohne Teilung und Trennung, ohne Verwandlung und Vermischung und 2 natürliche Willen ohne Gegensatz gebe, weil der menschliche Wille dem göttlichen untergeordnet ist (Dyotheletismus). Die Verteidiger und Begünstiger des Monotheletismus wurden anathematisiert, auch Honorius. (*) Der neue Papst Leo II. trat den Beschlüssen bei. Die Verurteilung des Monotheletismus wurde durch den Usurpator Philippus Bardanes (711-13) vorübergehend angefochten, aber durch Anastasius II. wieder in Kraft gesetzt. Nur in Syrien (Maroniten) und auf Zypern fand der Monotheletismus noch Anhang.

Ohne religiösen Schwung, einzig das Produkt ausklügelnder Politik, hat der Monotheletismus nie die Bedeutung des Monophysitismus erreicht. Sein Fehler war, auf das Chalcedonense die Lehre des Severus aufzupfropfen. Das zwang dazu, die Lehre von den 2 Naturen zur Lehre von den 2 mit den Naturen gegebenen Tätigkeiten und Willensvermögen auszubauen. Die Anhänger des Monotheletismus hatten dagegen mehr die numerische Einheit des gottmenschlichen Tätigkeit und die moralische Einheit des Wollens im Auge. –
aus: Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. VII, 1935, S. 286 – S. 288

(*) Daß nun die sechste Synode mit ihren Urteilen über Honorius in Widerspruch zu dem nachdrücklichen Schreiben des Papstes Agatho getreten ist, braucht nicht erst erwiesen zu werden. Aber sie wurde mit ihrem strengen Spruch auch im Stich gelassen von Leo II. Dieser nimmt zwar im übrigen die Synode an und bezeichnet sie unter Lob und Anerkennung als ökumenische, aber die Beschlüsse gegen Honorius bestätigt er durchaus nicht im Sinne der Konzilsbischöfe…
Leo II. wählte einen weisen Mittelweg… Bei diesem Mittelweg jedoch hat Leo II., um genau zu reden, den Konzilsspruch nicht etwa bloß milde interpretiert, sondern hat ihn nicht angenommen und ein anderes Urteil an seine Stelle gesetzt; die Form des Anathems blieb, erhielt aber ihre richtige Begründung. –
aus: Wetzer und Welte`s Kirchenlexikon, Bd. 6, 1889, Stichwort Honorius Sp. 255

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