Gottselige Maria Viktoria von Sarntheim

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

5. September

Die gottselige Maria Viktoria von Sarntheim

Zwei hoch gestellte Edelfrauen aus den ersten Familien des Freistaates Genua, Maria Viktoria von Strata und Magdalena Centurione, eben so reich als andächtig, verließen ihren Familienkreis und stifteten einen neuen Jungfrauen-Verein, der im Jahre 1604 auch wirklich zu Stande kam. Die Zahl der Nonnen war in jedem Kloster auf 33 Chorschwestern und sieben Dienerinnen bestimmt, das erstere zur Ehre der 33 Lebensjahre Jesu Christi auf Erden, das letztere zur Erinnerung an die sieben Schmerzen Mariä. Die Farbe ihres Hauptkleides war schneeweiß, Skapulier, Mantel und Kopfbedeckung himmelblau, nachbildend das jungfräuliche Gewand der allerseligsten Gottesmutter, als ihr vom Engel die Geburt Jesu Christi verkündet worden war, durch das glänzende Weiß ihre Reinigkeit, durch das Blau ihren himmlischen Sinn andeutend. Daher der Name Annunziaten-Cölestinen, Klosterjungfrauen, die wie Maria von Jugend an in der Liebe zuJesus grünend, und wachsend nach himmlischen Gütern streben. Nebst den drei Gelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams legten sie noch das vierte ab, nie auszugehen wie einst die heilige Jungfrau Maria, und für alle Auswärtigen das Haupt zu verhüllen, die nächsten Anverwandten ausgenommen. –

Wandernde Tiroler wurden mit diesem Orden bekannt, und schnell ward in ihren Bergen der Wunsch rege, ein ähnliches Kloster auch in Tirol zu besitzen. Diesen Wunsch nun zu verwirklichen gelang der gottseligen Gräfin Maria Viktoria von Sarntheim.

Sie wurde am 6. April 1666 zu Bozen geboren und stammte aus einem Geschlecht, das sich von jeher durch Frömmigkeit und Treue für die heilige katholische Kirche ausgezeichnet hat. Ihre Eltern hatten sie durch die Fürbitte der heiligen Katharina von Bologna vom Himmel erfleht und von ihrer frommen Großmutter wurde sie erzogen zu einer wahrhaft christlichen Jungfrau. Überaus schön von Gestalt, lebhaft von Farbe, hellen blauen Auges, wohlgefällig in Gang und Bewegung ward sie besonders auch noch wegen ihrer ungeschminkten Frömmigkeit und Andacht bewundert. –

Es fehlte ihr daher nicht an Gelegenheit, nach der Ansicht der Welt ihr zeitliches Glück zu begründen, allein sie wies alle Anträge zu einer Ehe entschlossen zurück, denn in der Tiefe ihres Herzens fühlte sie einen geheimen Drang, ihr Leben in unversehrter Reinheit dem Erlöser in einem Kloster zu weihen. Drei Ereignisse gaben ihrem Geist eine entschiedene Richtung und brachten ihren Entschluss zur Ausführung. Einmal von einem Pferd abgeworfen, kam sie, am Zweig eines nahe stehenden Baumes sich haltend, unversehrt davon. Darauf bis zum Tode krank werdend, erhielt sie durch die Fürbitte des hl. Franz Xaver, an den sie sich wendete, augenblicklich die Gesundheit. Fast zu gleicher Zeit starb ein hochadelige, weltlich gesinnte Dame, und als man deren Leib öffnete, fand man ihr Herz eingeschrumpft und wie verdorrt. Dieser Anblick machte auf Maria Viktoria den tiefsten Eindruck; dieses Einschrumpfen des Herzens kam ihr vor als ein Bild des im Sündendienst der Erde ohne Liebe zu Gott, ohne Öl der Gnade verkümmerten und verdorrten Menschen.

Um solcher Gefahr zu entgehen, faßte sie den Entschluss, selbst ein Kloster zu stiften und den Schleier zunehmen. Ihr Bruder Ludwig erklärte sich bereit, ihr hierin beizustehen. Nach vielen Hindernissen, die der Feind alles Guten in den Weg legte, gelang ihr es endlich, unweit Bozen ein Kloster zu bauen, und den schon genannten Annunziaten-Orden einzuführen. Im Alter von 30 Jahren entsagte sie allem väterlichen und mütterlichen Vermögen, und begann mit mutiger Entschlossenheit, das Leben einer Novizin im Kloster zu Steier zu führen. Fräulein aus den edelsten Häusern ergriffen wetteifernd den Schleier und entsagten gleich ihr der Welt, um der gebenedeiten Gottesmutter nachzufolgen.

Als das Kloster bei Bozen gebaut und eingerichtet war, übersiedelte sie in dasselbe und ward zur ersten Oberin gewählt. Gleich ihrem Vorbild der allerseligsten Jungfrau, die sie überaus liebte und ehrte, leuchtete sie allen Schwestern als liebliches Muster heiliger Tugend vor. Sie war so demütig, daß es ihr die größte Freude machte, für die Schwestern zu kochen, zu waschen und zu flicken. Brach sie aus Ungeschicklichkeit ein Geschirr, so hing sie sich die Scherben davon um den Hals, damit alle ihr Unaufmerksamkeit sehen möchten. Die Seele ihres Lebens ward die oft wiederholte Lehre an die Schwestern: „Vertraut auf Gott und dann lacht ihr die ganze Hölle aus! Gott ist unser, mit ihm löschen wir die Hölle aus. Wüßte ich ein Glied an meinem Leibe, das Gott nicht liebte, ich würde es sogleich abschneiden.“

Ihre Andacht zur allerheiligsten Jungfrau über eine unwiderstehliche Kraft, sogar auf ihren schwachen, kranken Leib. Im Jahre 1722 lag sie krank im Bett, sie konnte kein Glied rühren vor Schmerzen. Da wurde ihr aus weiter Ferne ein schönes Muttergottes-Bild zugesendet, dem sie bereist im Innern des Klosters eine kleine Kapelle erbaut hatte. Die Klosterfrauen erschienen an der Pforte, das Bild zu übernehmen, in festlicher Zierde und brennende Kerzen in der Hand. Sie stimmten nach Übernahme des Bildes das herrliche Lied an: „Sei gegrüßt, Stern des Meeres!“ Der Schall davon drang auch zur kranken Maria Viktoria, sie berührend mit Himmelskraft. Alsbald sprang sie leicht aus dem Bett. Auf den Knien rutschte sie dem Bild entgegen, einstimmend in das Jubellied, ganz überströmend von der Andachtsglut und begrüßte die Königin des Himmels in ihrem Bild. Alsdann legte sie sich wieder geduldig auf ihr Schmerzenslager.

25 Jahre brachte sie in fast steter Krankheit zu. Ihre Beschäftigung war das Gebet und die Fertigung von Messgewändern, welche sie mit kunstreicher Hand stickte und den Gotteshäusern zum Dienst des Altares zusendete. Wenn sie ein wenig schlief, lehnte sie ihr Haupt auf de Stickrahmen, Dieser wich einst aus, sie fiel auf den Boden schwer verletzt und konnte sich seit dieser Zeit gar nicht mehr bewegen. Aber die Heiterkeit des Geistes verließ sie nicht. Ihre Augen waren größtenteils zum Himmel gerichtet. An einen Lehnsessel geheftet, unfähig, sich nur selbst den geringsten Dienst zu leisten, betete sie doch alle Tage 5 Vater unser und Ave um noch mehr Kreuz und Leiden. Furchtbare Krämpfe quälten sie, und nichts gewährte ihr Erleichterung, als der Anblick frischer Blumen. „Wenn ich die Blümlein ansehe“, sprach sie, „dann wird mir leicht.“

So brachte sie in größten Schmerzen ihre Tage dahin, bis zum 5. September 1737. An diesem Tage sagt sie schwach: „Jetzt geht’s zu Ende! Gebt mir eine Kerze in die Hand!“ Es geschah. Bereits gestärkt mit den heiligen Sakramenten, starb sie, in der einen Hand die Kerze, in der anderen Hand einen Blumenstrauß, sitzend in ihrem Lehnsessel. Am Fest Mariä Geburt wurde sie zu den 23 Schwestern beigesetzt, die ihr im Tode voran gegangen. (Tirol und die Reformation von Beda Weber.) –
aus: Georg Ott, Marianum Legende von den lieben Heiligen, Zweiter Teil, 1869, Sp. 2009 – Sp. 2011

Category: Ordensleute, Ott
Tags:

Verwandte Beiträge

Textkritik und Schlussfolgerungen
Die Lehre vom natürlichen Sittengesetz
Menü