Pius X ein Heiliger mit auffallender Heilkraft

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Ein Porträt von Papst Pius X.; er ist in weißer päpstlicher Kleidung zu sehen, er trägt ein schönes Kreuz und schaut ernst, aber fest entschlossen

Papst Pius X. ein Heiliger mit auffallender Heilkraft

Vielleicht war es sein inniger Wunsch, zu trösten und zu helfen, verbunden mit persönlicher Heiligkeit und eifrigem Gebet, die der Auflegung seiner Hände, ja schon seinem Segen eine so auffallende Heilkraft verliehen. Der heiligen Kirche steht es zu, über Wunder zu entscheiden; aber die durch Gebet und Berührung des „Santo“ erhaltenen Gnadenerweise waren in Rom Stadtgespräch. Männer und Frauen, die mit eigenen Augen die Wunderdinge gesehen, bezeugten die Tatsachen.

Die Heilung einer Engländerin

Das Gerücht dieser Geschehnisse verbreitete sich unter den Katholiken anderer Länder. Eine junge Engländerin war an Kopf und Nacken mit fließenden Wunden bedeckt, die nicht heilen wollten. Bei Lesung der Apostelgeschichte erfaßte sie ein lebhafter Wunsch, nach Rom zu pilgern. Der Schatten des hl. Petrus, sagte sie, habe einst die Kranken geheilt; der Schatten seines Nachfolgers werde auch ihr Genesung bringen. Schließlich gab ihre Mutter den Bitten nach und führte sie nach Rom. Beide Damen nahmen mit vierzig andern Pilgern an einer öffentlichen Audienz teil. Der Papst ging langsam durch die Reihen, indem er bald an diesen, bald an jenen Pilger einige Worte richtete. Zu dem vor ihm knienden Mädchen aus England sagte er aber nichts, aber unter seinem Segen fühlte es sich gesund. Als beide Damen in den Gasthof zurück kehrten und die Mutter die Binden abnahm, die den armen Kopf verhüllten, fand sie die Wunden vollkommen geheilt.

Die Heilung zweier unheilbar kranker Nonnen

Noch merkwürdiger, weil offenkundiger, war, was zwei unheilbar kranke Nonnen aus Florenz erlebten. Sie reisten unter großen Beschwerden nach Rom, und bei allen, die mit ihnen in Berührung kamen, erregte ihr Zustand tiefes Mitleid. Zur Privataudienz zugelassen, baten sie den heiligen Vater um Heilung. – „Und warum wollt ihr geheilt werden?“ fragte er sie. -“Um zu Gottes Ehre arbeiten zu können“, lautete die Antwort. Der Papst legte ihnen die Hände auf und segnete sie. „Habt Vertrauen“, sagte er, „ihr werdet wieder gesund werden und noch viel zu Gottes Ehre arbeiten.“ In demselben Augenblick wurden beide geheilt. Pius X. bat sie, über den Vorfall zu schweigen, aber die Tatsachen sprachen laut genug. Beim Eintritt hatten beide Nonnen sich kaum schleppen können; als gesunde kräftige Frauen gingen sie hinaus. Mit größter Begeisterung wurden sie von den Außenstehenden begrüßt. Nur der Kutscher, dem die Sache nicht einleuchtete, wollte sie nicht in ihr Kloster zurück bringen. „Unter keinen Umständen tue ich das!“ behauptete er steif und fest. „Ich will die Nonnen haben, die ich hergebracht habe, oder deren Leichen.“ – „Aber diese Nonnen sind ja wir“, versicherten die Geheilten. – „Nein“, wiederholte der Kutscher, „die zwei, die ich hergebracht habe, waren schon halbtot; Sie sehen ihnen ja gar nicht ähnlich.“ Die Geschichte erzählt uns nicht, ob schließlich der Kutscher nachgab, oder ob die beiden Nonnen zu Fuß nach Hause gingen. Jedenfalls sah jedermann, daß sie dazu gut imstande waren.

Die Heilung eines von Geburt gelähmten Kindes

Bei einer öffentlichen Audienz erschien ein Mann, der seinen kleinen Sohn in den Armen trug. Das Kind war von Geburt an gelähmt und unfähig zu stehen. „Gib ihn mir her!“ sagte der Heilige Vater, nahm das Kind auf seine Knie und sprach mit einer andern Gruppe Pilger. Nach einigen Minuten schlüpfte das Kind auf den Fußboden und begann im Zimmer umher zu laufen wie jedes andere Kind seines Alters.

Daß die Berührung durch einen heiligmäßigen Mann oder durch seine Kleider, ja daß selbst sein Schatten die Kraft haben könne, Kranke zu heilen, bezeugt die Heilige Schrift (Apg. 5,15; 6,12; Matth. 13,58). „Vielleicht ist es so“, sagen manche; „aber die Zeit der Wunder ist vorüber.“ Für uns Katholiken ist die Zeit der Wunder nicht vorüber, noch wird sie es je sein, solange der Glaube auf Erden lebt. Denn wie Jesus selbst gesagt, bewirkt eben nur der Glaube die Wunder. In Nazareth konnte sogar seine Allmacht keine Wunder tun, weil das Volk ungläubig blieb. Mit dem Glauben hat auch das Wunder aufgehört, aber in der Kirche Christi leben beide fort.

Noch merkwürdiger als die Gnaden, die die Gegenwart Pius X. bewirkte, waren jene, die sein Segen und sein Gebet bisweilen in weiter Ferne vermittelten.

Die Heilung einer hüftkranken Nonne

Im Kloster der Ordensfrauen vom heiligsten Herzen zu Mount Anville bei Dublin in Irland litt Schwester Teresa Mac Mahon an einer Erkrankung des Hüftknochens. Seit acht Monaten hatte sie den linken Fuß nicht auf den Boden stellen können. Nach der Ansicht der Ärzte machte das Übel rasche Fortschritte und hatte bereits das Knie ergriffen, das sehr schmerzhaft war. Einige Zeit hatte die Kranke sich auf Krücken weiter geschleppt, aber bald wurde auch dies unmöglich, und sie musste beständig auf dem Rücken liegen.
Vor der Krankheit war sie mit der Volksschule betraut und dort sehr beliebt gewesen. Die Kinder erkundigten sich häufig, wann ihre gute Mutter wieder zu ihnen käme. Im Oktober 1912 hörte die Oberin des Klosters von einer wunderbaren Heilung, die dem Segen und Gebet des Heiligen Vaters zu verdanken sei, und beschloß, sich an ihn zu wenden. Die Liebe des Papstes für die Kinder kennend, bewog sie das sechsjährige Töchterchen des Haustischlers, dem Heiligen Vater zu schreiben und ihn zu bitten, er möge die kranke Mutter segnen und für sie beten. Das Geheimnis wurde wohl gewahrt, so zwar, daß außer der Oberin, dem Kinde und einer Lehrerin der Volksschule niemand etwas von dem Brief erfuhr.
In der Nacht zum 29. Oktober bemerkte die Kranke plötzlich, daß der Hüftknochen schmerzfrei sei. Sie konnte sich im Bett umwenden und auf der Hüfte liegen. Am andern Morgen saß sie aufrecht, bat aufstehen zu dürfen, da sie keinerlei Beschwerde fühle. Die Oberin war hoch erfreut über den wunderbaren Erfolg ihres Planes, enthüllte ihn aber noch nicht und gab nur die gewünschte Erlaubnis. Ohne jede Hilfe stand die Kranke auf, ordnete ihr Bett und ging in die Kirche, wo sie längere Zeit im Gebet kniend verweilte. Dann erst erfuhr sie von dem Brief an den Papst. „Ich wußte nicht, was geschehen sei“, sagte sie; „ich wußte nur, daß der Schmerz aufgehört hatte und daß ich gehen konnte.“
In der Klostergemeinde war die Freude unbeschreiblich groß; als man die Kranke durchs Haus gehen sah, war die Verwunderung noch größer. Die Zöglinge des Pensionates jubelten und jauchzten, so daß sie heiser wurden. Die Kinder der Volksschule aber gaben sich nicht zufrieden, bis sie in die Kapelle ziehen durften, um dem Heiland für seine Güte zu danken. Dem Haustischler standen die Tränen nahe, als er von dem Erfolg hörte, den der Brief seines Töchterchens gehabt hatte. Mit seiner ganzen Familie kam er zum Abendsegen in die Klosterkirche und machte seiner Aufregung durch fleißiges Orgeltreten Luft. Eine Röntgen-Aufnahme des geheilten Knochens wies keine Spur des Übels auf, während bei den früheren Aufnahmen dessen Folgen sehr sichtbar gewesen waren.

Die Heilung einer schwer krebsleidenden Redemptoristin

Das sind nur einige von den vielen durch den heiligen Vater erwirkten Gnaden. Kardinal Vives y Tuto bezeugte die Heilung einer von einem schweren Krebsleiden ergriffenen Redemptoristin, der ein Stückchen Stoff aus der Gewandung Pius X. aufgelegt wurde. Don Rafael Merry del Val, der Vater des Kardinal-Staatssekretärs, gewann auf gleiche Weise Sprache und Leben wieder, während man vorher jede Hoffnung auf seine Erhaltung aufgegeben hatte und der Tod unmittelbar bevorzustehen schien.
Der Heilige Vater tat sein Möglichstes, um die Vorgänge zu verbergen. „Ich habe nichts damit zu tun“, rief er bei jeder Gelegenheit; „es ist die Wirkung der Schlüsselgewalt.“

Die Heilung der Schwester Angela Zotelle in Indien

Bis ins ferne Indien wirkte diese göttliche Gewalt. Der hochwürdigste Erzbischof von Goa, Patriarch von Ostindien, sandte am 31. Juli 1914 an den Kardinal Bartolomeo Bacilierio, Bischof von Verona und Protektor der Barmherzigen Schwestern von Canossa, einen mit ärztlichen Attesten und andern Zeugnissen belegten Bericht über die am 7. Februar desselben Jahres in Belgaum erfolgte Heilung der Schwester Angela Zotelle, Oberin des dortigen Klosters vom hl. Joseph. Diese litt seit 1897 an einem Unterleibsleiden, dem eine zweimalige Operation keine Abhilfe brachte. Im Laufe der Jahre hatten gegen zwanzig Ärzte die Kranke behandelt, aber das Übel war nicht gewichen, hatte sich vielmehr auf den Magen ausgedehnt. Dieser vertrug gar keine feste Nahrung mehr; seit 1902 lebte die Schwester nur von Milch, deren sie täglich etwa ein Viertelliter zu sich nahm. Im Januar 1914 verschlimmerte sich der Zustand der Kranken sehr bedeutend. Ohne ihr Vorwissen schrieb nun eines der kleinen im Kloster erzogenen Waisenmädchen an den Heiligen Vater und bat ihn, die Oberin zu heilen. Am 7. Februar erhielt der Kaplan des Klosters ein Telegramm des Kardinals Merry del Val mit dem erbetenen päpstlichen Segen. Als die bereits mit den heiligen Sterbesakramenten versehenen Kranke die Depesche gelesen hatte, stand sie auf, kleidete sich an, nahm Speise zu sich und behielt sie ohne Schwierigkeit. Sie war geheilt.
Der Bericht erzählt weiter, wie diese wunderbare Begebenheit in ganz Indien größtes Aufsehen erregte, wie der heidnische Arzt sie auf natürliche Weise nicht erklären konnte und daß die Heilung nun bereits sechs Wochen lang andauere. Er schloß mit innigem Dank gegen Gott und den heiligen Vater.

„Ich bin ein Sarto“

Mit mehr Begeisterung als Taktgefühl sagte eines Tages eine Dame zu Pius X.: „Ich höre, daß Sie ein ‚Santo‘ (Heiliger) sind und Wunder tun!“ – „Sie haben einen Konsonanten falsch gehört“, antwortete lachend der Papst, „ich bin ein ‚Sarto‘.“
Nicht minder witzig war die Antwort, die ein Edelmann erhielt, der für einen Freund um den Kardinalshut bat. „Aber ich kann Ihrem Freund keinen Kardinalshut geben“, sagte ihm der Heilige Vater; „Ich bin kein ‚Hutmacher‘, sondern nur ein ‚Schneider‘.“ (Sarto heißt im Italienischen Schneider.) –
aus: F.A. Forbes, Papst Pius X. Ein Lebensbild, 1923, S. 139 – S. 141

Category: Forbes, Pius X.
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