Pius X im Kampf gegen den Modernismus

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Ein Porträt von Papst Pius X.; er ist in weißer päpstlicher Kleidung zu sehen, er trägt ein schönes Kreuz und schaut ernst, aber fest entschlossen

Pius X. im Kampf gegen den Modernismus

Nachdem die Heilige Römische Kongregation der Inquisition durch das Dekret Lementabili sane exitu vom 3. Juli 1907 65 modernistische Lehren verdammt hatte, verurteilte der Papst in der Enzyklika Pascendi dominici gregis unter dem Namen „Modernismus“ eine Gruppe von Irrtümern, die die Wurzel des christlichen Glaubens angreifen.
Der Name Modernismus war nicht neu; er wurde bereits von Jean Jacques Rousseau mit Beziehung auf die Schriften eines atheistischen Philosophen geprägt.

Der Syllabus Pius IX. aus dem Jahre 1864 war zwar hauptsächlich gegen den Rationalismus gerichtet, verurteilte aber auch viele Irrtümer, die der Modernismus sich seitdem zu eigen gemacht hat.
Es mag von Interesse sein, kurz den Verlauf der Ereignisse zu überschauen und zu sehen, wie der Modernismus, ein Kind der humanistischen Philosophie des 18. Jahrhunderts, dahin gelangte, im 20. Jahrhundert als „Inbegriff aller Irrlehren“ von der Kirche verurteilt zu werden.

Allgemein zugegeben wird, daß die Grundsätze des Modernismus in weitgehendem Maße sich aus den Lehren Immanuel Kants ergeben, der als Rationalist jede übernatürliche Religion verwarf. Dennoch kann man sagen, daß sie sich eigentlich noch mehr an Schleiermacher anlehnen, der für den Glauben ein eigenes Vermögen erfand, das religiöse Gefühl, kraft dessen wir unsere Abhängigkeit von dem Unendlichen empfinden. Glaubenssätze sind ihm nur Reflexe frommer Gemütszustände. (Chr. Pesch SJ, Theologische Zeitfragen, S. 140) Dabei forderte er dennoch das Recht, als Christ anerkannt zu werden, eine Pose, die jener der späteren Modernisten sehr ähnlich sieht.

Die Forschungen deutscher, zumeist ungläubiger Gelehrten auf dem Gebiet der Bibelkritik während der letzten hundert Jahre wurden von vielen ihrer Leser oder Hörer als ein Ergebnis der modernen Wissenschaft betrachtet und hatten zur Leugnung mancher christlichen Glaubens-Wahrheiten geführt. Dem Einfluß eines Hegels, eines Wellhausen, Gunkel, Delitzsch, Harnack und anderer freisinniger Kritiker ist es zuzuschreiben, daß heutzutage außerhalb der katholischen Kirche, selbst bei Theologen, die Meinung herrscht, die wichtigsten christlichen Grundlagen seien offene Fragen, die man, je nach der persönlichen Ansicht, glauben könne oder nicht.

In Frankreich wurde der Modernismus insofern gefährlicher, als er zunächst in der Kirche selbst sich auswirkte. 1896 bezeichnete Blondel, katholischer Professor an der Universität in Lille, die bisher üblichen Abwehrmethoden gegenüber der ungläubigen Philosophie und Naturwissenschaft als veraltet und überlebt. Den gleichen Angriff machte der französische Oratorianer P. Laberthonnière 1897 in seiner Schrift: „Das religiöse Problem“. Früher schon hatte Abbé Marcel Hébert, ein offenkundiger Anhänger Kants, sich in ähnlichem Sinne geäußert.

Ihnen folgte Abbé Loisy, der bereits durch extreme Ansichten auf dem Gebiet der Bibelkunde bekannt war und sich nun zu einem Führer der französischen Modernisten entwickelte. Seine Laufbahn hatte er als Professor am Katholischen Institut in Paris begonnen. Trotz reichen Wissens und glänzender Dialektik wurde er wegen seiner stark liberalisierenden Richtung vom Rektor des Instituts entlassen. Da er sich noch keine ausgesprochene Verurteilung zugezogen hatte, wurde er Kaplan am Kloster der Dominikanerinnen in Neuilly. Hier begann er, in anonymen Artikeln und Flugschriften die Kirche anzugreifen und häretische Lehren zu verbreiten, stets mit der Versicherung, ein treuer Sohn der Kirche zu sein, eine Taktik, die für die Modernisten überall charakteristisch ist. Darauf trat Loisy in den Dienst der antiklerikalen französischen Regierung als Professor der Religions-Geschichte an einer staatlichen Studienanstalt in Paris und veröffentlichte diesmal unter seinem eigenen Namen sein bekanntestes Werk: „Das Evangelium und die Kirche“. Das Buch wurde wegen häretischer Sätze vom Pariser Erzbischof, Kardinal Richard, sofort verurteilt. Vielfach meinte man, der Verfasser habe sich unterworfen, doch ließ Loisy ein anderes Werkchen, „Um ein kleines Buch“ betitelt, erscheinen, worin er die früheren Behauptungen wiederholte. Die Verurteilung durch den Kardinal-Erzbischof von Paris behandelte er gleich den Zensuren anderer Bischöfe, die seine Bücher verboten hatten, mit so schneidendem Sarkasmus, daß darin eine wahre Beleidigung lag.

Jetzt griff Rom in die Angelegenheit ein. Am 4. Dezember 1903 wurden von der Indexkongregation und unter dem 16. Dezember desselben Jahres vom Heiligen Offizium die Werke „Das Evangelium und die Kirche“ und „Um ein kleines Buch“ nebst drei andern Schriften Loisys verboten. Die Verurteilung wurde am 17. Dezember des gleichen Jahres vom Heiligen Vater bestätigt.

Schon als Patriarch von Venedig hatte Kardinal Sarto für die jüngeren Priester der Erzdiözese Zyklen von Konferenzen über neuzeitliche Fragen eingerichtet. Das erste dort behandelte Thema war eben die Widerlegung von Loisys Buch über Evangelium und Kirche. Als das zweite Werk „Um ein kleines Buch“ erschien, war der Patriarch Papst geworden. Auch jetzt fand er Zeit, das Buch zu lesen, bevor er es verurteilte.

Mit genauester Aufmerksamkeit verfolgte Pius X. die Entwicklung der modernistischen Theorien, ließ alle darauf bezüglichen Bücher, Zeitschriften und Artikel sammeln und prüfen. Seine Enzyklika zum 13. Zentenarium Gregors des Großen vom Jahre 1904 wies auf die Gefährlichkeit von gewissen neuen theologischen Methoden hin, die geeignet seien, die katholische Lehre von jeder objektiven, unveränderlichen Wahrheit loszulösen, besonders wenn sich damit revolutionärer Kritizismus in Bezug auf die Echtheit der Heiligen Schrift und die Entstehung des Christentums verbinde.

Als Pius X. 1907 den Modernismus als solchen verdammte, war dies also kein übereilter, sondern ein wohl überlegter Entschluss, und der Papst erkannte deutlich die möglichen Folgen eines solchen Schrittes.

Die offizielle Verurteilung der Werke Loisys löste in der rationalistischen, antiklerikalen und modernistischen Presse einen Sturm der Entrüstung aus. Umsonst bewies Abbé Monchamp, Generalvikar von Lüttich, nach eingehender Analyse des Loisyschen Buches, man könne sich unmöglich der Folgerung verschließen, daß der Verfasser in direktem Widerspruch zu der katholischen Lehre stehe. Manchen Katholiken schien es eben wichtiger, daß einige hoch intelligente Männer trotz anrüchiger Lehren im Schoß der Kirche verblieben, als daß diese ihr Glaubensgut unversehrt bewahre.

Die französischen Modernisten standen nicht allein mit ihrer Auflehnung gegen Althergebrachtes. Hatten sie ihre Ideen vornehmlich auf dem Gebiet der Exegese niedergelegt, so strebte man in Italien zunächst die Loslösung der „Sozialen Aktion“ vom Einfluß der kirchlichen Behörden an. Dr. Romolo Murri leitete eine selbständige Bewegung ein, der sich der Papst im Interesse der gesamten Aktion widersetzen musste. Murri focht seine Kampfe mit dem Vatikan in der Mailänder Zeitschrift Il Rinnovamento aus und kümmerte sich jahrelang nicht um die kirchlichen Zensuren.
Als Vorkämpfer eines liberalen Katholizismus zog sich auch der Engländer George Tyrrell dieselben zu und starb unversöhnt mit der Kirche.

In Deutschland waren unter dem Pontifikat Leos XIII. mehrere Schriften des Würzburger Theologie-Professors Hermann Schell verurteilt worden, als dessen Geisteserbe Joseph Müller mit seiner Zeitschrift „Renaissance“ galt. Bereits im Mai 1902 bezeichnete ein Hirtenbrief der bayrischen Bischöfe den sog. Reformkatholizismus als den gefährlichsten Feind der katholischen Kirche.

Als sich nun viele Katholiken „fortschrittlicher“ Richtung um den Namen des 1906 verstorbenen Professors Schell scharten und auf indirekte Weise durch besondere Verehrung dieses von der Kirche zensurierten Theologen ihren Gegensatz zu einer autoritativen Stellungnahme der Kirche bezeugten, fand der Papst Ursache einzugreifen. Er tat es brieflich mit voller Anerkennung der persönlichen Frömmigkeit und Tugendhaftigkeit des Verblichenen, brandmarkte aber neuerdings die in seiner Lehre enthaltenen Irrtümer.

Die Römische Kongregation des Heiligen Offiziums entsprach demnach einen weit ausgedehnten Bedürfnis, als sie am 4. Juli 1907 einen neuen Syllabus erließ, der die modernen Irrtümer über die kirchliche Zensur, über die Kritik der Bibel, deren Auslegung, über den angeblichen Widerspruch zwischen Dogma und Urchristentum, zwischen dem kirchlichen Lehramt und dem unverfälschten Sinn der heiligen Schriften zusammen faßte und die Aufzählung mit den Worten beschloß, es sei ein Irrtum, den heutigen Katholizismus dadurch mit der Wissenschaft in Einklang bringen zu wollen, daß man ihn in eine Art undogmatisches Christentum umwandle, d. h. in einen weitherzigen, freisinnigen Protestantismus.

Der Sturm der Entrüstung, der bei der Verurteilung Loisys sich erhoben und bei der Veröffentlichung des Dekretes Lamentabili verstärkt hatte, erreichte seinen Höhepunkt beim Erscheinen der Enzyklika Pascendi vom 8. September 1907, die dem Modernismus die Maske abriß und seine Irrtümer schonungslos aufdeckte. Wie einst der Jansenismus, so hatte der Modernismus danach gestrebt, in der Kirche zu verbleiben und ihre Lehren nach seinem Geschmack umzumodeln. Und nun erschien er nur als eine der vielen Irrlehren, die gegen den Felsen der Verheißung angeprallt und daran zerschellt waren. Der Papst und Kardinal Merry del Val, dem als Staatssekretär die Ehre zufiel, alle Angriffe zu teilen, die sich gegen sein erlauchtes Oberhaupt richteten, wurden als unduldsame Fanatiker verschrien. Pius X., riefen die Modernisten, habe nur die eine Idee, jede Äußerung eines selbständigen Gedankens, jede Unabhängigkeit des Urteils mit Gewaltmitteln zu unterdrücken. Er versuche, eine Bewegung zu ersticken, die unter den besten Denkern des Zeitalters manche Gönner finde. Vielleicht sei er ein braver Landpfarrer, aber durchaus unfähig, die Fragen der Gegenwart zu behandeln. Sie, die Modernisten, wären dazu berufen gewesen, das Licht der Welt zu sein, und er habe sein möglichstes getan, dies Licht auszulöschen.

Manche begnügten sich nicht damit, sein Vorgehen anzugreifen, sondern verdächtigten sogar das fleckenlose, über alles Lob erhabene Leben dieses Hohenpriesters, eine Gemeinheit, die die Irrlehrer aller Länder und aller Zeiten charakterisiert. Sie nannten ihn einen Heuchler, einen maßlos ehrgeizigen Ränkeschmied, der durch vorgetäuschte Demut sich den Weg in die Höhe gebahnt habe und nun die Maske abwerfe. So hatte einst Arius gegen Athanasius gesprochen, so die Jansenisten gegen Vinzenz von Paul. Die Geschichte wiederholt sich. „Die modernistische Bewegung hatte tausend nebenhafte Unionsträume in begeisterte Hoffnungen gewandelt“, schrieb P. Tyrell, der Führer der Modernisten in England, „als plötzlich Pius X. hervortrat, in einer Hand einen Skorpion, in der andern einen Stein.“

Vielen Gläubigen offenbarte die Enzyklika Pascendi eine große Gefahr, die sie selber nie geahnt hatten, und die einleuchtende Zusammenstellung der modernistischen Lehren war für sie eine beredtere Lektion als alle Zensuren. Nicht eine Anklage, noch weniger eine Parodie war diese meisterhafte Analyse eines Systems, das das Recht beanspruchte, sich selbst an die Stelle des durch Jesus Christus errichteten Lehramtes zu setzen.

„Glaubt ihr an die göttliche Autorität der Kirche, ja oder nein?“ fragt Kardinal Mercier in seinem Werk „Modernismus in der Wissenschaft“. „Nehmt ihr offenkundig und mit aller Aufrichtigkeit des Herzens das an, was sie im Namen Christi befiehlt? Wenn dem so ist, dann bietet sie euch ihre Sakramente an und unternimmt es, euch unbeschädigt in den Hafen des Heils zu geleiten. Wenn nicht, dann löst ihr selber das Band, das euch mit ihr verknüpft, und brecht die Verbindung, die ihre Gnade heiligt. Vor Gott und eurem Gewissen gehört ihr nicht länger zu ihr. Bleibt also auch nicht länger in starrsinniger Heuchelei Scheinmitglieder ihrer Herde. Ehrlicherweise könnt ihr euch nicht als ihre Söhne aufspielen; und sie kann an solcher Heuchelei, an solchen Sakrilegien nicht teilnehmen. Wenn ihr sie also dazu zwingt, muss sie euch schließlich befehlen, ihre Reihen zu verlassen… Der vom Papst verurteilte Modernismus ist die Ableugnung des kirchlichen Lehramtes.“

Was ist Modernismus? Die Frage ist oft gestellt worden. Man kann den viel gestaltigen Begriff nicht in eine Nussschale zwängen, und der Antworten gab es viele. Papst Pius sagt in seiner Enzyklika, daß jeder Modernist sozusagen mehrere Rollen in einer Person spielt. Er ist Philosoph, Gläubiger, Theologe, Geschichtsforscher, Kritiker, Apologet und Reformator. – Voneinander sind die Modernisten so verschieden, daß es schwer fällt, sie vom innern Zusammenhang ihrer Ansichten zu überzeugen. Alle wollen die katholische Lehre dem modernen Gedanken anpassen. Nun steht aber dieser moderne Gedanke hauptsächlich in Abhängigkeit von Kant, ist weitgehend rationalistisch, schließt das Übernatürliche aus. Wie sollte es gelingen, der katholischen, ganz im Übernatürlichen fußenden Lehre einen rationalistischen Ausdruck zu geben? Der Modernismus hat gewagt, das zu unternehmen; es musste mißlingen.

Professor Périn aus Löwen beschreibt den Modernismus in seiner extremen Form als „das humanistische Streben der Jetztzeit, Gott aus dem gesamten sozialen Leben auszuscheiden“; im weniger fortgeschrittenen Stadium kann er als Liberalismus aller Grade und aller Schattierungen bezeichnet werden.

„Der Modernismus“, erklärt Kardinal Mercier, „besteht wesentlich in der Behauptung, daß die religiöse Seele aus sich selbst, und zwar nur aus sich selbst, Gegenstand und Beweggründe ihres Glaubens ziehen soll. Er lehnt jede durch das kirchliche Lehramt gebotene Offenbarung ab, kommt folgerichtig zur Ableugnung der durch Jesus Christus eingesetzten Lehrautorität der Kirche und spricht ihr das Recht ab, die christliche Gesellschaft zu regieren.“

P. Christian Pesch bemerkt zutreffend in der ganz dem Modernismus gewidmeten vierten Folge der „Theologischen Zeitfragen“ (S. 139 u. 155-156): „Das Anpassen an die Bedürfnisse der nicht-katholischen Zeitgenossen ist an sich gewiß lobenswert; nur darf die Anpassung unter keinen Umständen in Vertuschung oder Entstellung der katholischen Lehre bestehen… Wenn es auch gelänge, durch Verschleierung der Wahrheit einige schwache Seelen zu gewinnen, so würden diese später doch entdecken, was die katholische eigentlich lehrt, und der Rückschlag würde für sie um so gefährlicher sein. Über dies wäre eine solche Unaufrichtigkeit für ernste Katholiken ein Ärgernis. Dahin gehört es, wenn man sich bemüht, etwas als bloße Schulmeinung oder wandelbare Auffassung darzustellen, was in Wirklichkeit fest stehende katholische Lehre oder gar definiertes Dogma ist. Dieser Gefahr sind bekanntlich nicht alle Vertreter der neuen Apologetik entgangen.“

Weiterhin erklärt Pesch: „Der Glaube ist ein Akt der Unterwerfung unter die äußere göttliche Offenbarung, sein Beweggrund ist die Autorität Gottes. Kein Werturteil, kein Gefühl, kein Erlebnis kann diese Autorität ersetzen und einem Autoritäts-Glauben als Motiv dienen. Die Offenbarung ist eine geschichtliche Tatsache, und als geschichtliche Tatsache tritt sie an den einzelnen heran. Subjektive Erlebnisse des einzelnen können niemals leisten, was diese Tatsache bewirken soll, sondern nur den Menschen für die Annahme dieser Tatsachen bestärken. Sie sind und bleiben nur ein sekundäres Hilfsmittel. Das ist die katholische Lehre, wie sie im Vatikanum klar und deutlich definiert worden ist. Niemand darf dieselbe verwerfen, wenn er katholisch bleiben will…“

„Die religiöse Bedeutsamkeit der Glaubens-Wahrheiten war für Gott der Grund, uns diese Wahrheiten zu offenbaren; aber sie ist für uns durchaus keine Glaubensregel, nach der wir entscheiden können, ob wir einen Satz glauben sollen oder nicht. Was Gott gesagt hat, ist wahr; und was er uns geoffenbart hat, ist religiöse bedeutsam, ob wir das einsehen oder nicht. Auch eine Legende kann religiöse bedeutsam und anregend sein, aber Gegenstand des theologischen Glaubens kann sie nicht werden. Gegenstand des Glaubens ist das Wahre, insofern es durch die höchste Wahrheit verbürgt ist. Daß der Glaube der Liebe dienen soll, ist wahr; aber nicht alles, was die Liebe fördern kann, ist notwendig wahr. Einbildungen und Täuschungen können unter Umständen der Liebe förderlich sein. Und wenn man darauf bemerkt, daß das weder andauernd noch allgemein der Fall sei, so folgt daraus, daß eben der Natur der Dinge nach dem Anstreben des Guten das Erkennen des Wahren vorausgehen müsse, daß aber die Anregung zum Guten in keinem einzelnen Falle eine Bürgschaft für die Wahrheit sei. Die Kirche hat bei ihren dogmatischen Entscheidungen niemals an erster Stelle danach gefragt: Kann eine Lehre etwas Gutes hervorbringen? Sondern sie fragt: Ist sie in den Glaubens-Quellen enthalten? Und danach entscheidet sie.“ –
aus: F.A. Forbes, Papst Pius X. Ein Lebensbild, 1923, S. 103 – S. 111

Category: Forbes, Papsttum
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