Papst Formosus (891-896)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Fundament des Hl. Stuhles ist Christus

Papst Formosus (regierte 891 bis 896)

Wenige Tage nach dem Hinscheiden Stephans wurde der greise Formosus, Bischof von Porto, auf den päpstlichen Stuhl erhoben. Dieser Papst hatte die Wandelbarkeit der menschlichen Urteile im Leben und nach dem Tode noch wie kaum ein zweiter erfahren. Er war der Sohn eines römischen Bürgers, namens Leo, und wurde in Rom ausgebildet. (Hamerle, S. 285)

Er muss in der römischen Kirche bald ein hervorragendes Ansehen genossen haben; denn im Jahr 864 ernannte ihn der heilige Papst Nikolaus I. zum Kardinalbischof von Porto. Auch unter Papst Hadrian II. besaß Formosus noch das gleiche Vertrauen. Im Jahr 869 wurde er in der Ehescheidungs-Angelegenheit des Kaisers Lothar II. und seiner Gemahlin Theutberga als päpstlicher Bevollmächtigter nach Frankreich geschickt. Auch Papst Johann VIII. behielt ihn anfangs als Vertrauensmann bei sich und schickte ihn in wichtigen Angelegenheiten nach Deutschland, Frankreich und Bulgarien. (1) Auf einmal aber fiel er beim Papst völlig in Ungnade. Schon im April des Jahres 876 hielt der Papst strenges Gericht über Formosus und setzte ihn seines bischöflichen Amtes, weil er in ehrgeiziger Weise nach der päpstlichen Würde gestrebt und seinen Bischofssitz verlassen haben soll. (2)

Papst Marinus, der Nachfolger des Papstes Johann VIII., rief den verbannten Formosus wieder nach Rom zurück und setzte ihn im Jahr 883 wieder in seine Würde ein. Nach dem Tod des Papstes Stephan VI. wurde nun Formosus am 6. Oktober des Jahres 891 auf den päpstlichen Stuhl erhoben. Das Alter hatte inzwischen seinen großen Ehrgeiz sehr gemildert. Es ist begreiflich, daß viele gegen die Wahl dieses Papstes sich wehrten; aber die rasche Wahl spricht doch dafür, daß Formosus in Rom die Liebe, das Vertrauen und die Verehrung der Geistlichkeit und des Volkes besaß und seinen früheren Fehler vollkommen gutgemacht hatte. Formosus täuschte auch die auf ihn gesetzten Hoffnungen nicht; denn „er war“, sagt der Geschichtsschreiber Gröne, „ein Mann von musterhaften Sitten und großer Gelehrsamkeit, in göttlichen und menschlichen Wissenschaften wohl bewandert.“

Der 75-jährige Papst entfaltete nun eine rege Tätigkeit… Der heilige Vater ließ seine Gesandten eine Kirchenversammlung im Frankenreich halten, während er selbst eine solche in Rom feierte, um zu beraten, was man für die von den Sarazenen bedrängte Kirche in Afrika tun könne.

Bei dieser Tätigkeit fand Papst Formosus noch Zeit, ermunternde Briefe an König Karl von Frankreich zu schreiben. Ebenso freundlich verkehrte er mit dem deutschen König Arnulf und lud ihn zu einer Reise nach Italien ein, als die Partei des Herzogs Guido von Spoleto in unerträglicher Weise in Rom ihr Unwesen trieb. Da fielen aber die Hunnen in das Land des deutschen Königs ein und zwangen ihn zur Rückkehr, nachdem er bereits bis Piacenza gekommen war. Doch zog der König im Oktober des Jahres 895 wieder nach Rom, eroberte es und erhielt am 22. Februar des Jahres 896 in der Peterskirche aus den Händen des Papstes die Kaiserkrone. Vierzehn Tage blieb der Kaiser noch in Rom, hielt ein strenges Gericht über die Feinde des Papstes und nahm deren Anführer Konstantin und Stephan, zwei spoletanische Adelige, gefangen mit nach Bayern. Dadurch wurden aber die Feinde nur noch wütender und schwuren furchtbare Rache, die sie auch später an dem toten Papst in grausamster Weise ausführten, wie wir bald sehen werden. (3)

Von der Last seiner achtzig Jahre gebeugt, stieg der Papst am 4. April des Jahres 896 in die Totengruft. Als Papst gehörte Formosus unstreitig zu jenen Männer, die dem Heiligen Stuhl große Ehre gemacht haben. Mit seinem Tod beginnt wohl die traurigste Zeit für das römische Papsttum, nämlich das sogenannte Eiserne Jahrhundert. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 325 – S. 326

(1) Namentlich löste er als Legat bei den Bulgaren seine Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit, so daß Bogoris ihn als Erzbischof wünschte.

(2) Auch Johannes VIII. schenkte ihm anfänglich sein Vertrauen, später jedoch exkommunizierte er ihn und entsetzte ihn seines bischöflichen Amtes. Nur politische Gründe und falsche Anklagen konnten eine so strenge Maßregel gegen den nach jeder Seite hin ausgezeichneten Bischof veranlassen. Es herrschte unter Johannes VIII. der Streit um die Kaiserkrone zwischen der fränkischen und deutschen Partei. Papst Johannes trat auf die Seite Frankreichs und krönte Karl den Kahlen zum Kaiser in der Hoffnung, von ihm ausgiebige Hilfe, namentlich gegen die Sarazenen, zu erhalten. Formosus stand auf Seiten der Deutschen. Inwieweit er sich von diesen gegen die fränkische Partei und gegen den Papst selbst gebrauchen ließ, lässt sich nicht ermitteln. Daß Formosus die harte Behandlung nicht verdiente, beweist der Umstand, daß der Nachfolger des Papstes Johannes, Marinus, ihn wieder in seine Würde einsetzte.

(3) Im Streit der politischen Parteien musste Formosus, obschon er mehr zu Deutschland hinneigte und von dieser Seite Ordnung in Italien hoffte, sich doch mit der italienischen Partei abfinden und den Sohn des Guido von Spoleto, Lambert krönen, jedoch die Unordnungen wurden nur noch schreiender, und der Papst selbst kam in die bedrängteste Lage, so daß er sich genötigt sah, den König Arnulf von Deutschland dringend nach Italien einzuladen. Erst im Jahr 896, wo Arnulf zum zweiten Mal die Alpen überschritt, drang er bis Rom vor, das von den Anhängern Lamberts, an deren Spitze seine Mutter Ageltrude stand, besetzt war. Arnulf erobert Rom und befreite den Papst… Nach 15 Tagen verließ Arnulf die Stadt und die Lage des Papstes wurde schlimmer als zuvor. Der Tod erlöste ihn jedoch bald darnach aus seiner Bedrängnis. Die über ihre Unterdrückung in Rom und über die barbarische Krönung wütende italienische Partei ließ dem Papst im Grab noch keine Ruhe… –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, II. Band, 1907, S. 285 – S. 286

Category: Papsttum, Stangl
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