Papst Johannes VIII. (872-882)

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Fundament des Hl. Stuhls ist Christus

Papst Johannes VIII. (regierte von 872-882)

Johannes war ein Sohn des Römers Guido und bei seiner Wahl zum Papst Archidiakon der römischen Kirche. Während seines ganzen Pontifikates hatte er schwere Bedrängnisse zu bestehen, doch begegnete er ihnen mit ungebeugtem Mut. Er entfaltete eine wunderbare Tätigkeit. Groß als Staatsmann und Gesetzgeber, gleich Nikolaus I., war er auch in kirchlichen Dingen seiner Aufgabe gewachsen; tätig für die Bekehrung heidnischer Völker, voll Eifer für die Aufrechterhaltung der Disziplin, arbeitete er unermüdlich, um die Bewohner Italiens vor den Sarazenen zu schützen. Immer zahlreicher und verheerender überschwemmten sie von Sizilien aus Süditalien und dehnten ihre Raub- und Verwüstungszüge immer weiter nach Mittelitalien aus. Die christlichen Großen bekriegten sich gegenseitig und riefen selbst die Sarazenen zur Bekämpfung ihrer Gegner herbei. Treulosigkeit, Ehrsucht, Raubgier, Geiz und Stolz schändeten den italienischen Adel dieser Zeit. Ein Schriftsteller meint, Dantes Hölle biete nur ein schwaches Bild von den menschlichen Leidenschaften, wie sie damals unter den Großen Italiens zutage traten.

Noch schlimmer wurden die Dinge, nachdem Kaiser Ludwig II. die Augen geschlossen hatte (875). Der Papst gab sich alle Mühe, eine Verbindung der Fürsten und Städte Unteritaliens gegen den gemeinsamen Feind zuwege zu bringen; er suchte und bat auch außerhalb Italiens um Hilfe, aber seine Stimme verhallte in den Wirren der Zeit. Die Sarazenen gingen mit dem Plan um, ganz Unteritalien in ihre Gewalt zu bekommen; 876 drangen sie in die römische Campagna vor; Klöster, Ladengüter, mühsame Pflanzungen so vieler Päpste, wurden bis in den Grund zerstört, der Landbau vernichtet, die Landleute, die sich nicht durch die Flucht retten konnten, erschlagen oder in die Sklaverei geschleppt. Die römische Campagna verwandelte sich seither in eine völlige fiebervolle Wüste. Die Stadt Rom, welche ihrem Untergang entgegensah, wussten die Scharen des flüchtigen Landvolks, der Mönche und Geistlichen, die den qualmenden Schutthaufen ihrer Kirchen hinter sich gelassen, kaum zu bergen und zu nähren. Trotz all dieses Elends ließ der Papst den Mut nicht sinken. Durch seine Energie beschämte er die Fürsten und Könige. „Ein solcher Mann“, bemerkt Gregorovius, „verdiente wahrlich Rom zu beherrschen…Er rüstete selbst und bemannte römische Fahrzeuge und zum ersten Mal konnte von einer päpstlichen, wenn auch kleinen Marine gesprochen werden.“

Ja, er selbst begab sich zu Schiff, traf die Sarazenen am Kap von Circe, nahm ihnen 18 Schiffe weg, befreite 600 Christensklaven und tötete eine Menge von Feinden. Dies war das erste Mal, daß ein Papst als Admiral in den Kampf zog. Doch dieser glückliche Erfolg war nur ein Lichtpunkt in der düsteren Nacht. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, II. Band, 1907, S. 278 – S. 280

Mitten in den Kämpfen gegen die Anhänger des Propheten Mohammed starb Kaiser Ludwig II. im August des Jahres 875 wie vorher Kaiser Lothar kinderlos; seine beiden Oheime König Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle bewarben sich um die Kaiserkrone. Karl der Kahle kam zu Weihnachten des Jahres 875 nach Rom, um aus den Händen des Papstes die Kaiserkrone zu erhalten. Er schwur, Italien gegen die Sarazenen zu schützen. Auf dieses hin leisteten ihm die Römer den Eid der Treue, während der neue Kaiser dem Papst kostbare Geschenke darbrachte und alle Rechte und Besitzungen des Apostolischen Stuhles bestätigte.

Kaum aber hatte Kaiser Karl den Papst verlassen, als die Sarazenen sich wiederum gegen Rom rüsteten. Die Gefahr für die ewige Stadt wurde um so größer, weil der Herzog von Neapel ein Bündnis mit den Feinden der Christenheit einging. Alle Bemühungen des Papstes, den Herzog von dem Bündnis mit den Sarazenen abzubringen, waren erfolglos, bis er endlich den Bann über ihn aussprach. Zuletzt fand der Papst keine anderes Rettungsmittel mehr, als daß er den Sarazenen jährlich 25.000 Mk. Silber versprach, wenn sie Rom schonen wollten. In dieser äußersten Not schrieb Papst Johann an den Verteidiger des Heiligen Stuhls, an Kaiser Karl. Dieser stieg sogleich mit einer mächtigen Armee über die Alpen nach Italien nieder. Bis Vercelli ging ihm der Papst entgegen, worauf beide in Pavia, der alten Langobardenstadt, einzogen. Allein bald gab der Kaiser dem von den Sarazenen so schwer bedrohten Papst nur leere Versprechungen, stand vom Kriegszug gegen den Feind ab und ließ den Papst ohne Hilfe zu einer Zeit, in der derselbe so sehr auf ihn gehofft hatte. Kaiser Karl starb im Oktober des Jahres 877 in einer Bauernhütte infolge einer Arznei, welche ihm sein jüdischer Leibarzt gegeben hatte.

Sein Bruder Karlmann strebte jetzt nach der Kaiserkrone und versprach dem Papst, mehr als irgend einer seiner Vorfahren für die römische Kirche tätig zu sein. Herzog Lambert von Spoleto und der Markgraf Adalbert von Bremen wiegelten inzwischen in Rom eine Partei gegen den Papst auf, fielen im Frühjahr 878 mit Heeresmacht in Rom ein, nahmen den Papst gefangen und zwangen die Stadt, Karlmann den Eid der Treue zu schwören. Allein es gelang dem Papst nach einer 30-tägigen Gefangenschaft zu entkommen und nach Frankreich zu fliehen. (1) (Stangl, S. 316 – S. 317

(1) Karl der Kahle war unvermögend, dem Papst Hilfe zu leisten und starb schon 877. Nun erhoben sich die italienischen Parteihäupter, und sich zur Partei der Deutschen schlagend, verheerten sie das römische Gebiet, schlossen den Papst in St. Peter ein und hielten ihn 30 Tage lang in strenger Haft. Er ließ sich aber weder durch Versprechen noch durch Drohungen die Zusage, Karlmann, einen Sohn Ludwigs II. zum Kaiser zu wählen, abringen. Nach einem Monat entkam der Papst seinen Bedrängern und floh zu Schiff nach Frankreich, nachdem er den Bann über seine Verfolger ausgesprochen hatte. Nach seiner Rückkehr entschied sich der Papst für den deutschen König Karl III., den Dicken, und erteilte ihm die Kaiserkrone. Allein dieser Fürst hatte keine Tatkraft, wie sie der Ernst der Zeit verlangte. Er war ebenso unfähig als Kaiser wie als König, und obschon er noch einmal das Reich Karls des Großen in seiner Person vereinigte, wurden die öffentlichen Verhältnisse immer trostloser, so daß er noch vor dem Tod seiner Würde entsetzt wurde. († 887)

Nach einer aufopferungsvollen Tätigkeit starb der charakterfeste Papst nach einigen Berichten eines wahrhaft traurigen Todes. Es wurde ihm nämlich von einem habgierigen Verwandten Gift gereicht, und als dasselbe nicht schnell genug wirkte, das Haupt mit einem Hammer zerschmettert. Der Protestant Gregorovius schreibt über diesen Papst: „Johannes VIII. war der größte staatsmännische Herrscher jener Epoche; so seltene Gaben des Geistes und so große Energie zeichneten ihn aus, daß sein Name in der weltlichen Geschichte des Papsttums zwischen Nikolaus I. und Gregor VII. königlich erglänzt.“ (Hamerle, S. 281/282)

Von seiner königlichen Würde machte unser Papst zum Wohl seiner Untertanen den besten Gebrauch… Um Italien aus der Gewalt der Sarazenen, die unendliches Elend über dasselbe brachten, zu befreien, wandte er sich … später an Alfons den Großen, der einen Teil Spaniens beherrschte und mit Glück gegen die Mohammedaner kämpfte. Zur selben Zeit befestigte der Papst Rom, besserte die Mauern und Wälle aus, vergrößerte sie, so daß auch die Kirche des heiligen Paulus innerhalb der Stadtmauern zu stehen kam.

Neben diesen Arbeiten pflegte der Papst auch eifrig die Künste des Friedens. Er vermehrte die Zahl der Priester und Diakonen an den sieben Hauptkirchen Roms auf 72. Diese mussten sich alle Monat zweimal im Lateranpalast um den Papst versammeln, die Verbesserung der Geistlichkeit und des Volkes beraten, Klagen anhören und abstellen. Sie erhielten den Namen Kardinäle, weil sie eine große Wichtigkeit für die Kirche hatten und noch haben. Ferner hob der Papst den Gebrauch auf, daß die Bischöfe ihre Diözesen verließen, um in den Ruhestand zu treten. Ebenso verordnete er im Jahr 877 auf der Kirchenversammlung zu Ravenna, daß jeder Erzbischof zum Empfang des Palliums einen Abgeordneten mit einem Glaubensbekenntnis nach Rom senden müsse; sonst verliere er das Recht, Bischöfe zu weihen. Die Erzbischöfe durften dieses Pallium nur an bestimmten hohen Festtagen tragen, wie es noch heutzutage gebräuchlich ist. Ebenso erteilte der Papst auch mehrere große Anlässe für die Verstorbenen.

Wenn man diese allseitigen Bemühungen des Papstes Johannes für das Wohl der Kirche betrachtet, so muss man der Standhaftigkeit und Festigkeit des Papstes alle Anerkennung aussprechen. Er wäre einer der größten Päpste, wäre die Zeit, in der er wirkte, weniger traurig und verwirrt gewesen. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 319 – S. 320

Category: Papsttum, Stangl
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