Der heilige Papst Nikolaus I. der Große

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Fundament des hl. Stuhles ist Christus

Der heilige Papst Nikolaus I. der Große (regierte von 858-867)

Unter den Diakonen, welche den verstorbenen Papst Benedikt III. zu Grabe trugen, fand sich einer, der wegen seiner Verdienste und Heiligkeit in der ganzen Stadt das höchste Ansehen genoß. Es war Nikolaus, ein Römer von Geburt und der Sohn des Stadtvorstehers Theodorus. Seine Eltern hatten ihn mit aller Sorgfalt erzogen. Er war gleich ausgezeichnet in den weltlichen Wissenschaften und in der Furcht des Herrn. Seine Talente und seine Wissenschaft zogen bald die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn. Die Päpste, die voraus sahen, welche Dienste Nikolaus einst der Kirche leisten würde, nahmen ihn unter die römische Geistlichkeit auf. Papst Sergius II. weihte ihn zum Subdiakon, der heilige Leo IV. gab ihm die Weihe des Diakonates. Als Diakon war der heilige Nikolaus beständig in der Umgebung des Papstes Benedikt III., der ihn in die Regierung der Kirche einführte und ihn an allen Regierungs-Geschäften Anteil nehmen ließ.

Der römische Kaiser Ludwig war noch in der Nähe der Stadt Rom, als Papst Benedikt aus dem Leben schied. Sogleich eilte er darum in die ewige Stadt, in der Geistlichkeit und Volk nach dem Herkommen sich versammelten. Schon nach einigen stunden vereinigten sich am 24. April des Jahres 858 sieben Tage nach dem Tode Benedikt III., die Stimmen auf den Diakon Nikolaus.

Die heiligen Weihen empfing der Gewählte im Lateran, die Krönung vollzog sich bei St. Peter. Es war dies die erste Papstkrönung, die mit besonderer Feierlichkeit vorgenommen wurde. Hierauf hielt der neue Papst die heilige Messe über dem Grab des Apostelfürsten Petrus.

Zwischen Kaiser und Papst herrschte die beste Eintracht. Zwei Tage nach der Krönung speisten beide an demselben Tische. Dann verließ der Kaiser Rom und hielt sich im Lager seiner Soldaten in der Nähe der Stadt auf, wo ihn auch der Papst besuchte. Kaum erblickte der Kaiser das ankommende Oberhaupt der Christenheit, als er ihm entgegen eilte, die Zügel des Pferdes ergriff und ihn bis zum kaiserlichen Zelt führte. Beim Abschied erzeigte er dem Stellvertreter Christi dieselbe Ehre, eine Sitte, welche die nachfolgenden Kaiser beibehielten. Später sah freilich Kaiser Friedrich Barbarossa in dieser Zeremonie eine Herabwürdigung des kaiserlichen Ansehens und wies sie zurück, mußte sich aber später noch tiefer demütigen.

Der heilige Papst Nikolaus zögerte nicht lange, der Welt zu zeigen, daß er in Wahrheit der päpstlichen Krone würdig war. Er besaß bei aller Unbeugsamkeit seines Charakters eine große Sanftmut und Milde, verschaffte während seiner Regierung den Gesetzen Gottes und der Kirche das nötige Ansehen und strafte die, welche dem Wohle der Menschheit entgegen arbeiteten.

Der Erzbischof Johannes von Ravenna in Italien trieb Missbrauch mit seiner Gewalt und unterdrückte und knechtete die Bewohner der Stadt und Umgebung; er riß mehrere Güter des Heiligen Stuhles an sich, sperrte päpstliche Beamte ein, hinderte viele an der Reise nach Rom und mißachtete alle Aufforderung des Papstes, nach Rom zukommen. Die Mahnungen des heiligen Vaters blieben nicht allein fruchtlos, sondern reizten den unwürdigen Bischof nur zu noch größeren Gewalttaten. Väterlich ermahnte ihn der heilige Papst, sein Betragen zu ändern; Johannes nahm aber darauf keine Rücksicht, sondern trieb sein Unwesen fort, beschimpfte selbst die vom Papst aufgestellten Beamten, hob nach seiner Laune die Kirchengesetze auf und weigerte sich, vor einer Kirchenversammlung zu erscheinen. Da er einer dreimaligen Vorladung nach Rom nicht nachkam, belegte ihn der heilige Papst schließlich mit dem Bann. Der treulose Bischof nahm nun seine Zuflucht zum Kaiser in Ravenna, der er wirklich zu täuschen verstand. Das nützte ihm aber nichts; der der heilige Papst Nikolaus eilte dem Verbrecher nach, um ihn an Ort und Stelle zu richten. Verlassen von seinen Geistlichen und selbst vom Kaiser, mußte der Bischof sich im November des Jahres 861 dem Urteil einer Kirchenversammlung unterwerfen und seine Vergehen bekennen. Da er große Reue zeigte, verzieh ihm der heilige Papst, ordnete die zerrütteten Verhältnisse in jenem Teil des päpstlichen Landes und gab den Beraubten ihre Güter zurück. Aber der Friede dauerte nicht lange; schon nach einigen Jahren trat der Erzbischof wieder feindlich gegen den Papst auf und beteiligte sich an dem Kampf zweier fränkischer Bischöfe, von denen wir bald hören werden…

Das Abendland war zwar gläubiger als das Morgenland, bereitete aber doch dem Papst manchen Kummer und Schmerz. Auf dem erzbischöflichen Stuhl zu Reims in Frankreich saß damals Hinkmar, ein Mann, der in weltlichen und kirchlichen Angelegenheiten einen bedeutenden Einfluß ausübte. Erzbischof Hinkmar war nicht weniger tugendhaft und eifrig, als weise und fest; doch wußte er sich nicht frei zu erhalten von kleinen Leidenschaften.

Der Bischof Rothadius von Soisson in Frankreich hatte einen Priester aus der Kirche ausgeschlossen. Dieser appellierte nun an den Erzbischof. Hinkmar fand das Urteil zu streng und wollte den Priester wieder in sein Amt einsetzen. Da aber der Bischof Rothadius die Unwürdigkeit des Priesters nur zu gut kannte, widersprach er dieser Entscheidung; aber Hinkmar berief im Jahre 861 eine Versammlung nach Soisson und erwirkte die Absetzung des Bischofs. Rothadius appellierte an den Papst, wurde aber an der Reise nach Rom verhindert und nach einer neuen Versammlung zu Soisson im Jahre 862 in klösterliche Haft gebracht.

Der heilige Vater erhielt dennoch bald von dem Vorgang Kenntnis und mißbilligte laut das Benehmen des Erzbischofs Hinkmar gegen Bischof Rothadius. Solche Machtentscheidung eines Erzbischofs über einen ihm untergebenen Bischof konnte der Papst nicht gleichgültig ansehen. Er verlangte darum, daß Rothadius und seine Anhänger nach Rom kommen sollten, und erklärte die von Erzbischof Hinkmar vorgenommene Einsetzung eines Nachfolgers für Rothadius für ungültig. Mehrere Schreiben des Papstes an Kaiser Karl den Kahlen, an Erzbischof Hinkmar, die Bischöfe und die Königin Hermintrud bewirkten, daß auf einer neuen Versammlung zu Verberie im Oktober des Jahres 863 beschlossen wurde, den Willen des Papstes zu erfüllen und Bischof Rothadius mit Bevollmächtigten nach Rom zu senden. Rothadius kam auch im Juni des folgenden Jahres zum Papst. Da sich aber keine Ankläger gegen den Bischof einfanden, sprach ihn der Papst frei und setzte ihn wieder in sein Bistum ein.

Die Bischöfe hatten also einen wirksamen Schutz beim Römischen Stuhl, und die zu Troyes im Jahre 867 versammelten Bischöfe baten darum den Papst angelegentlichst, er möge auch für die Zukunft strenge daran festhalten, daß kein Bischof ohne päpstliche Genehmigung abgesetzt werden könne.

So hat der große Papst Nikolaus die kirchliche Einheit und die Unterordnung der einzelnen Kirchen unter die römische Kirche verteidigt. Während er so mit feurigem Mut und mit unbeugsamer Beharrlichkeit die Rechte der Unschuld wahrte, hatte er auch noch zu kämpfen für die Reinerhaltung der Sittenlehre und für die Rechte der Familien. Die Veranlassung zu diesem schweren Kampf gab folgendes Ereignis. (siehe: Papst Nikolaus I. verteidigt die Ehe)

So war der heilige Papst Nikolaus allerorts tätig, um die Gesetze Gottes und der Kirche, Zucht und Sittlichkeit, Frieden und Eintracht bei hoch und niedrig aufrecht zu erhalten. Der Heilige Papst schützte allenthalben die Unterdrückten, half den Armen in der Not, setzte gewalttätig entthronte Bischof wieder in ihre Rechte ein, wahrte die Heiligkeit der christlichen Ehe und erledigte eine Menge der verschiedensten Anfragen, die aus allen Teilen der Christenheit an ihn kamen, kurz er erwarb sich in vollstem Maße den Ehrentitel: „der Große“. –
aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 296 – S. 298; S. 303 – S. 307

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