Aufhebung des Jesuitenordens durch Klemens XIV.

Der Papst trägt das Kreuz Christi, von seinen Feinden mit Steinen beworfen, von Christus glorreich empfangen; es zeigt das Leiden der Päpste und zugleich der Kirche

Das Zeitalter der Revolutionen

Die Aufhebung des Jesuitenordens durch Klemens XIV.

Einen harten Kampf setzte es jetzt im Konklave ab. Die Vertreter der bourbonischen Höfe boten alles auf, um einen Papst, der auf ihre Pläne einging, zu erhalten. So weit ging die Unverschämtheit der Franzosen, daß sie die Wählbarkeit für die päpstliche Würde auf fünf Kardinäle beschränkten mit dem Bedeuten, daß, wenn ein anderer gewählt würde, man wohl einen Bischof von Rom, aber keinen Papst haben werde. Edler benahm sich die Kaiserin Maria Theresia, sie erklärte nur, ihr Wunsch sei, daß ein würdiger Papst gewählt werde. Endlich nach drei Monaten einigte man sich auf den Kardinal Lorenz Ganganelli, der unter dem Namen Klemens XIV. den Stuhl Petri bestieg. Er erblickte als der Sohn eines armen Wundarztes bei Rimini das Licht der Welt und war während seiner Studien auf die Unterstützung von Wohltätern angewiesen. Im 18. Lebensjahr trat er in den Orden der Minoriten, wo er sich durch ein frommes, fleckenloses Leben wie durch ungewöhnlichen Eifer für die Studien hervortrat. Bei ausgebreiteten Kenntnissen erlangte er als Lehrer wie als Prediger hohes Ansehen. Als er von Klemens XIII. zum Kardinal erhoben wurde, warf er sich dem Papst mit der Bitte zu Füßen, er möge doch einen Würdigeren wählen. Auch als Kardinal blieb Ganganelli der einfache, anspruchslose Ordensmann. Als Kaiser Josef sich gelegentlich seines Aufenthaltes in Rom über das prunklose Äußere des Kardinals verwunderte, erwiderte dieser: „Ich bin ein Sohn des heiligen Franziskus und trage die Tracht der Armut.“ Seine Wahl wurde vom Volk mit Jubel aufgenommen, dessen Gunst er noch mehr gewann, als er es von einer drückenden Auflage befreite. Auch in der neuen Würde behielt er die frühere Einfachheit bei.

Sein Wunsch war, Frieden zu stiften, den Glauben zu stärken, die Strenge früherer Zeiten wieder herzustellen, die Wissenschaft zu heben, die Kunst zu fördern und der Kirche neuen Glanz zu verleihen. Doch wieviele seiner Wünsche mußte er mit sich unverwirklicht ins Grab nehmen!

Die furchtbaren Stürme, die damals gegen das Schifflein Petri tobten, ließen ihn keines Augenblickes froh werden. Bewies er auch die größte Nachgiebigkeit gegen die Mächte, schwieg er selbst gegen offene Eingriffe in die Rechte der Kirche, all dies Entgegenkommen war nicht imstande, die bourbonischen Höfe von ihrer Forderung, den Jesuiten-Orden aufzuheben, abzubringen. Immer stürmischer wurde der Papst zur Aufhebung gedrängt. Da Spanien sogar drohte, sich von Rom zu trennen, wenn der Papst nicht nachgebe, und auch von der Kaiserin Maria Theresia keine energischen Schritte zugunsten der Jesuiten geschahen, war deren Los entschieden. Am 21. Juli 1773 läuteten eben die Glocken von der Kirche al Gesú zur Eröffnung der Fest-Novene zu Ehren des hl. Ignatius, als der Papst auf dem nahen Quirinal das Geläute vernahm und um die Bedeutung desselben fragte. Auf die erhaltene Mitteilung erwiderte er: „Ihr irrt euch, man läutet nicht für die Heiligen, sondern für die Toten.“ Von diesem Tage datiert auch das Aufhebungs-Breve, in welchem der Papst erklärt, daß er zur Überzeugung gelangt sei, der Orden könne die reichen Früchte, um derentwillen er gestiftet worden sei, nicht mehr hervor bringen und es könne der Friede in der Kirche nicht erhalten werden. Daher wurde er aufgehoben. Die Gesellschaft Jesu hatte bei ihrer Aufhebung mehr als 22000 Mitglieder. Im Drange der Not handelte Klemens.

Der hl. Alfonsus sagte: „Was konnte der arme Papst tun unter den schwierigen Umständen, in denen er sich befand, während alle gekrönten Häupter im Verein jene Unterdrückung verlangten. Wir können nur die geheimen Ratschlüsse Gottes anbeten und uns ruhig verhalten. Betet für den Papst, er ist durch all die Drangsale, welche die Kirche bestürmen, niedergeschlagen.“

Keine erwiesene Schuld wurde ausgesprochen, da Klemens im Breve ausdrücklich erwähnt, daß keine Untersuchung vorher stattgefunden. „Jetzt haben wir“, rief Voltaire aus, „mit der Infamen – so nannte er die Kirche – leichtes Spiel“. Friedrich II. schrieb an Voltaire: „Jetzt, da die Jesuiten aufgehoben sind, wird bald die ganze Kirche zugrunde gehen; es wäre ein Wunder, wenn sie gerettet würde. Und sie, mein lieber Patriarch, werden wohl noch das Vergnügen haben, ihr die Grabschrift zu machen.“ Übrigens kannte Friedrich das ersprießliche Wirken der Jesuiten, daher ließ er das Aufhebungs-Breve in seinen Staaten nicht verkünden. Ehe dasselbe in jedem einzelnen Haus durch den Ortsbischof verkündet worden, mußten die Jesuiten-Niederlassungen nach den Bestimmungen des Papstes Klemens XIV. bleiben. Er wie Katharina von Russland behielten sie in ihrem Reich. Die Kaiserin Maria Theresia weinte bei der Aufhebung der Gesellschaft und war, wie sie selbst schrieb, untröstlich. Sie bemerkte: „Mein ganzes Leben habe ich sie geliebt und hoch geachtet und nichts als Erbauliches an ihnen gesehen.“

Der Papst, vorher bedrängt, verfiel nach der Aufhebung in immer größere Traurigkeit und Schwermut. „Ich habe es gezwungen getan“, äußerte er sich öfters. „Gnade, Gnade!“ rief er in seinen Gemächern umher wandelnd in seinem Seelenschmerz aus. Nachdem seine Gesundheit schön längere Zeit wankend war, verschlimmerte sich sein Zustand infolge einer Verkältung, die er sich gelegentlich einer Feierlichkeit, an der er teilgenommen, zugezogen hatte. Er verschied am 22. September 1774, nachdem er tags zuvor die hl. Sterbesakramente empfangen hatte. In den letzten Stunden stand dem schwer geprüften Papst in übernatürlicher Weise der hl. Alfonsus bei und erleichterte ihm den Hingang in die Ewigkeit.

Ein Muster von Frömmigkeit und engelreinen Sitten war er unermüdlich in der Arbeit. –
aus: Andreas Hamerle C.Ss.R., Geschichte der Päpste, III. Band, 1907, S. 596 – S. 598

Lorenz Ganganelli war ein Mann des Friedens, der keinen Zank, keine Feindschaft ertragen konnte. Obwohl seine Regierung nur etwas über fünf Jahre dauerte, wurde ihm doch die päpstliche Krone zur schmerzlichen Dornenkrone, die ihm das Leben verbitterte und verkürzte.

Überall bewies sich Klemens als einen Freund und Gönner der Gelehrten, der Künste und Wissenschaften. Seine Hauptsorge aber war, den Frieden und das gute Einvernehmen mit den europäischen Fürsten wieder herzustellen. Allein die größte Nachgiebigkeit des Papstes konnte diese vor der Forderung, den Jesuitenorden aufzuheben, nicht abbringen. Der heilige Vater bat um Zeit und Geduld, damit er alles genau prüfen könne. Die meisten Kardinäle verteidigten die Unschuld der Jesuiten. Der Generalobere des Ordens erklärte demütig, er wolle sich allen Anordnungen des Papstes unterwerfen.

Papst Klemens schrieb die freundlichsten und versöhnlichsten Briefe an die Könige. Allein diese lagen in der Gewalt der Freimaurer, und so fand die Stimme des Statthalters Jesu Christi kein Gehör…

Verlassen von allen katholischen Fürsten, bedrängt von allen Seiten hob Papst Klemens am 21. Juli des Jahres 1773 die Gesellschaft Jesu auf. Der Generalobere Ricci und andere Vorsteher des Ordens wurden in Rom in die Engelsburg gebracht, und streng bewacht. „Ich beteuere“, sprach Ricci, „daß die erloschene Gesellschaft Jesu keine Veranlassung zu ihrer Unterdrückung gegeben hat. Ich mache diese Beteuerung nur, weil sie der Wahrheit entspricht und für den Ruf der Gesellschaft Jesu, deren Oberer ich gewesen bin, notwendig ist.“

Im Jahre 1775 starb der General des Ordens in der Engelsburg. Die Jesuitenklöster wurden überall aufgehoben; ihre Kirchen wurden geplündert; überall suchte man nach verborgenen Schätzen des Ordens und erwies selbst den kranken Ordensleuten keine Schonung. Ja, in Neapel ging man sogar daran, auch andere Orden zu verfolgen.

Dieses Opfer, oder, wenn wir so sagen dürfen, dieses Zugeständnis der Aufhebung des Jesuitenordens hatte also der Papst der Welt gemacht. Er war der Meinung, der Friede in der Kirche fordere, daß die Gesellschaft Jesu entfernt entfernt werde, weil sie die Veranlassung zum Streit gewesen war. Doch der Papst täuschte sich; die Vorposten der katholischen Freiheit und Wahrheit waren entfernt. Nun kam die Reihe an die übrigen Katholiken…

Als der heilige Alfons Liguori die Nachricht erhielt, daß die weltlichen Regierungen endlich ihren Willen durchgesetzt hätten, rief er aus: „Armer Papst! Das konntest du tun?“ Nach einer Pause aber rief er:

„Der Wille des Papstes ist der Wille Gottes!“

aus: Chrysostomus Stangl, kath. Weltpriester, Die Statthalter Jesu Christi auf Erden, 1907, S. 699 – S. 700

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