Der heilige Cyprian von Karthago Bischof

Jesus Christus mit seinen Heiligen, die ihm Verehrung zollen und ihn anbeten

Heiligenkalender

16. September

Der heilige Cyprian von Karthago
Bischof, Kirchenlehrer und Märtyrer

Cyprian, um das Jahr 200 zu Karthago, der Hauptstadt Nord-Afrikas, geboren, war der hoffnungsvolle Sohn einer reichen Senatorsfamilie. Mit Glanz studierte er auf den gelehrten Schulen, entwickelte ein gewaltiges Rednertalent und trat öffentlich als Professor der Beredsamkeit auf. Die edle Geburt, bedeutender Reichtum, seine Manieren, glänzende Talente, hohe Gelehrsamkeit, weit berühmte Redekunst, noble Lebensweise machten ihn zum Stolz der heidnischen Hauptstadt; nach Innen scheint sich seine Sittlichkeit nicht über das Maß der „gebildeten Welt“ erhoben zu haben. Zu seinen besten Freunden zählte ein in seinem Hause wohnender christlicher Priester, Cäcilius, der ihn zum Lesen der heiligen Schrift bewog und mit dem Inhalt des heiligen Evangeliums bekannt machte.

Cyprian hatte für diese göttlichen Wahrheiten ein empfängliches Gemüt: aber dennoch kämpfte in seiner Seele der lang genährte Irrtum einen heftigen Kampf wider die Wahrheit, bis endlich die Gnade siegte, und er sich der göttlichen Barmherzigkeit in die Arme warf. Die heilige Taufe empfing er im Jahre 245 und teilte seine Freude darüber seinem teuren Freund Donatus brieflich mit in den lehrreichen Worten: „Als ich in Finsternis und tiefer Nacht schmachtete und auf dem stürmischen Weltmeer schwankend und auf Irrwegen unschlüssig umher trieb, unsicher über mein Lebensziel und fern vom Licht der Wahrheit, da drückte mich äußerst schwer und hart, was die göttliche Gnade zum Heile verhieß, nämlich daß der Mensch neu geboren werde und sich nach Geist und Herz umschaffen könne… Ich vertrug mich mit meinen sittlichen Vergehen, die mir aus früheren Zeit anklebten, als ob sie nun einmal bei mir Sitz und Heimat hätten. Als aber das Wasser der Neugeburt die Befleckung des früheren Lebens abwusch, da strömte von oben herab ein helles, reines Licht in die entsündigte Brust…“ Voll des Dankes teilte er sogleich das meiste Vermögen unter die Armen, gelobte die Keuschheit und verlegte sich mit glühenden Eifer auf das Studium der heiligen Glaubens-Wissenschaft, deren herrliche Früchte schnell in köstlichen Schriften zu Tage traten. Die Christen freuten sich sehr über den Gewinn dieses Mannes und verlangten, daß er zum Priester geweiht werde; denn er war ein liebliches Vorbild aller Tugenden.

Drei Jahre nach Cyprian`s Taufe starb der Bischof Donatus, und sogleich wählte ihn das ganze Volk zum Nachfolger, ohne auf seine Weigerung zu hören, im Jahre 248. Als Bischof von Karthago hatte Cyprian die Oberaufsicht über alle Kirchen der Provinz Afrika, und er waltete seines Amtes mit erstaunlicher Klugheit, Demut und Anstrengung, um das Wohl der Kirche und der Gläubigen zu fördern und das fromme Leben nach dem Vorbild des Gekreuzigten zu pflegen. Der Erfolg seiner Tätigkeit war ein sehr gesegneter; aber je mehr die Christen sich freuten, ihn zum Bischof gewählt zu haben, desto mehr haßten ihn die Heiden, weil er, der ihre Zierde und ihr Ruhm gewesen, jetzt mit der Stärke seiner Wissenschaft so wuchtige Schläge wider ihre Sache, den abscheulichen Götzendienst, führte. Als daher im Jahre 250 unter Decius die Christenverfolgung wieder losbrach, brüllten die Heiden sogleich im Theater: „Cyprian vor die Löwen, Cyprian vor die wilden Tiere!“

Der Heilige, durch eine himmlische Erscheinung gemahnt, entzog sich der Wut der Heiden durch die Flucht, um sich in dieser stürmischen Zeit der Herde zu erhalten zum Schutz gegen die inneren und äußeren Feinde. Von seinem Versteck aus leitete er die Christen mit väterlicher Klugheit, wie seine so belehrenden und Liebe atmenden Briefe an Bischöfe, Priester und Laien heute noch bezeugen. Bald hatte der Sturm ausgetobt, und Cyprian kehrte wieder zu seiner Kirche zurück, die ihn mit Jubel empfing.

Aber bald traf ihn ein bitteres Leiden. Einige Priester, welche ihren verletzten Ehrgeiz gegen den heiligen Bischof bald durch unkirchliche Milde beschönigten und Anklagen wider Cyprian erhoben, gewannen durch Lug und Trug einen ziemlichen Anhang, und stellten den Diakon Felicissimus als Gegenbischof auf gegen den rechtmäßigen – das erste Beispiel dieses später so oft wieder kehrenden Ärgernisses. – Zu diesen gesellten sich die ketzerischen Montanisten, welche behaupteten, das wahre Kennzeichen der Rechtmäßigkeit eines Bischofs uns seiner höheren Weihe sei nicht das Zeugnis seiner apostolischen Nachfolge, sondern der Besitz außerordentlicher Geistesgaben. Wider diese Friedensstörer erhob sich Cyprian mit der ganzer Kraft seiner Glaubens-Wissenschaft und schrieb das unsterblichen Ruhmes würdige Werk „Über die Einheit der Kirche“, in welchem er die erhabene Größe seines Geistes, den mächtigen Reichtum seiner Gedanken und die flammende Innigkeit seines Gemütes offenbart.

Noch stand der hochherzige Streiter Christi auf diesem Kampfplatz, als ein neuer Feind auftrat, der ihm Gelegenheit bot, sich nicht bloß als einen Helden der Gelehrsamkeit, sondern auch als einen Helden der Tugend zu bewähren. Im Jahre 252 brach in Karthago die Pest aus, die mit entsetzlicher Wut ihre Opfer hinraffte. Wer fliehen konnte, floh; die Kranken schmachteten ohne Pflege, die toten lagen auf den Straßen ohne Begräbnis. Da entflammte Cyprian durch sein Wort und sein Beispiel die Christen zur Betätigung der übernatürlichen Liebe, welche die Kinder Gottes und Schüler des Gekreuzigten von ihrem Meister geerbt haben. Nun entfaltete sich ein wahrhaft himmlisches Schauspiel, die Christen eilten von Haus zu Haus ohne Unterschied des Glaubens, pflegten die Kranken, trösteten die Sterbenden, begruben die Toten, halfen in jeglicher Not und begeisterten manche Heiden, daß auch sie mutig mithalfen, bis die Pest wieder verschwand.

Was Cyprian voraus sah, und auf was er sich mit allem Fleiße seiner Amtstätigkeit vorbereitete, kam bald, nämlich eine neue Christenverfolgung im Jahre 257. Der kaiserliche Statthalter Paternus ließ sogleich den heiligen Bischof verhaften und befahl ihm den Reichsgöttern zu opfern. Cyprian erklärte: „Ich bin Christ und Bischof; ich kenne nur Einen wahren Gott, der Himmel und Erde und Alles gemacht hat. Diesen Gott verehren wir Christen, zu Ihm beten wir Tag und Nacht für uns, für alle Menschen und für die Wohlfahrt der Kaiser.“ Auf die Frage des Richters, wie viele Priester in der Stadt seien und wo sie wohnten, entgegnete der gute Hirt: „Ich kann sie nicht angeben; denn in den römischen Gesetzen ist verordnet, daß keine Angeber sein sollen; man wird sie in ihren Häusern finden.“ Cyprian wurde nun verbannt nach Curubis; aber auf diese Strafe folgte bald eine härtere. Der neue Statthalter Galerius holte durch zwei Offiziere mit bewaffneter Mannschaft den heiligen Bischof nach Karthago zurück.

Die Kunde, daß Cyprian verhaftet worden sei, brachte die ganze Stadt in große Bestürzung: denn auch die Heiden hatten noch nicht vergessen die großmütige Liebe, mit der er ihnen während der Pest wohl getan. Das Verhör war ganz kurz und schloß mit dem Urteil: „Cyprian soll enthauptet werden als Stifter und Führer einer verbrecherischen Sekte, die den Gesetzen und den hoch heiligen Kaisern zuwider ist.“ „Gott sei Dank“, antwortete der heilige Bischof; die zahlreich anwesenden Christen fielen einander weinend und schluchzend in die Arme und riefen: „Wir wollen mit ihm sterben!“ Als der ungeheure Zug auf dem Richtplatz angekommen, zog Cyprian selbst sein Oberkleid aus und kniete nieder zum Gebet; bald stand er auf, legte noch die Dalmatik ab, ließ dem Scharfrichter fünfundzwanzig Goldstücke ausbezahlen und verband sich selbst die Augen. Die Christen breiteten feine, weiße Tücher aus, um das kostbare Blut ihres teuren Hirten aufzufangen. Der Todesstreich fiel, das Haupt des ersten afrikanischen Bischofs, der als Märtyrer starb, lag auf der Erde, und er empfing die glorreiche Krone ewiger Herrlichkeit im Himmel, am 14. September 258. Seinen heiligen Leib haben die Christen feierlich beerdigt. Sein Fest wird schon seit dem fünften Jahrhundert am heutigen Tage gefeiert.

aus: Otto Bitschnau OSB, Das Leben der Heiligen Gottes, 1881, S. 686-687

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